familand-Visionen: Wasser-Rutschen - Gegenwart und Zukunft
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„Wasser-Rutschen in Erlebnisbädern“

== Guten Rutsch… ==
Eins vorweg: Dies ist KEIN Bericht über die Therme Erding, obgleich diese hier zwangsläufig öfters erwähnt wird. Es geht ums Rutschen, besser gesagt um Wasser-Rutschen.

== Intro ==
Was ist das meist weithin sichtbare Erkennungsmerkmal jedes Spaß- und Erlebnisbades? Natürlich die Riesenrutsche. Das Rutschvergnügen ist ein Garant für die Beliebtheit vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Immer höher, steiler, schneller und abenteuerlicher müssen die Rutschen sein, um bei den Rutschenfreaks noch richtig Interesse zu wecken.

== Die Jagd… ==
64 Stufen bis zum Himmel. Oder zur Hölle? Spannung. Das Licht zeigt rot. Noch einer vor mir. Gleich geht’s los. Offen wie der Schlund eines Drachen liegt der Einstieg vor mir - verlockend und bedrohlich zugleich. Bunter Kunststoff, mit blinkenden Lauflichtern erhellt. Dahinter - Dunkelheit. Eine Herausforderung. Die Spannung steigt. Auf dem Monitor sehe ich meinen Vordermann. Er hat gerade den Auslauf erreicht. Noch ein paar Sekunden, dann springt die Ampel auf Grün. Meine Hände sind um die Haltestange geklammert, der Körper hat Spannung. Gleich werde ich mit einem heftigen Schwung in die Röhre eintauchen. Und dann schnell und schneller um die Kurven flitzen, auf der Jagd nach der Tages-Bestzeit. Nur zwei Zehntel trennen mich davon. Das muß zu schaffen sein.

Dann: Grün! Nochmal tief Luft geholt, dann schwungvoll rein. Der Einschwung entscheidet über die Geschwindigkeit. Flach komme ich auf, rutsche auf die erste Kurve zu. Schnell den Hintern hoch. Wenig Auflagefläche bieten, ganz wichtig. Reibung verringert die Speed, also Bremsfläche vermeiden. Nur Ferse und die Schulterspitzen dürfen aufliegen, bilden ein magisches Dreieck. Ich flitze. Leichte Korrekturen nur vor den Kurven, um nicht zu hoch zu kommen. Immer im Wasser-Gleitfilm bleiben, bloß nicht überschlagen. Dann Dunkelheit. Die „Blackhole-Sektion“. Keine Orientierung möglich. Beim ersten Mal war das ganz schön haarig. Aber jetzt weiß ich, wie die Kurve läuft. Gleich danach eine „gläserne Röhre“. Fünf Meter durch das All schweben. Völlig schwerelos, mit Lichtgeschwindigkeit. Die Sterne werden gleich nachgeliefert.

Ein Monster! Nein, es ist nur eine Projektion. Ein Wasservorhang mit Laser-Bildern. Dann der Jump. Ich hebe ab, fliege ein paar Meter ganz frei. Explosion! Blitz, Donner, Nebel. Das volle Programm. Fehlt nur noch der Arm eines Zombies, der mich aufhalten will. Und dann: die letzte Kurve. Ich komme etwas hoch raus, drehe mich vor dem Aufprall noch halb. Aber das ist nach der Lichtschranke. Mit den Füßen pflüge ich durch die lange Auffangrinne. Dann stoße ich an. Puh, ich lebe noch. Keine nennenswerten Blessuren. Der Blick zur Leuchtanzeige über mir: GESCHAFFT! Den Tagesrekord um mehr als eine Zehntelsekunde unterboten - und sogar ganz knapp auch die Bestmarke dieser Woche. Glücksgefühl macht sich breit. Zufriedenheit. Und Hunger. Hunger nach dem nächsten Rekord. Nur etwas mehr als ein Zehntel bis zur Monats-Bestleistung! 64 Stufen…

== Geschichte ==
Rutschen gibt es natürlich schon sehr lange, wobei sie früher allerdings hauptsächlich der schnellen Beförderung von Gütern dienten. Auch im Bergbau fanden Rutschen schon früh Einsatz, um die Kumpels kräfteschonend in tiefer ge-legene Schächte zu befördern. Natürlich gibt es auch schon seit vielen Jahrzehnten quasi auf jedem Spielplatz Rut-schen. Und seit es öffentliche Schwimmbäder gibt, also seit rund 150 Jahren, wurden auch dort immer öfter Rutschen installiert. Der Vorteil ist klar, denn Wasser macht das Rutschen schneller und bremst im Auslauf auch sanft ab. Die Groß-Wasserrutsche ist untrennbar mit dem Aufkommen der Spaß- und Freizeitbäder verbunden. Heute mag kaum noch ein familienorientiertes Bad darauf verzichten.

== Rutschen-Parks ==
Je mehr und je längere Rutschen, umso besser - das war die Maxime der Spaßbäder in der ersten Generation. Schon bald konnte man mit nur einer einzigen Rutsche niemanden mehr vom Hocker reißen und die Bäder übertrumpften sich gegenseitig. Vorreiter waren hier die „Aquadrome“ mit ihren mächtigen Rutschentürmen und meist zwei oder drei Röhren. Zur Perfektion brachten es die Spaßbäder von „Alpamare“ in Bad Tölz und im schweizerischen Pfäffikon, wobei beide Bäder jeweils über sieben Rutschen mit mehr als 1.000 Metern Gesamtlänge verfügen. Höhepunkt dürfte dabei eine 330 Meter lange Reifenrutsche in Bad Tölz sein. Auch der „Aqua Parc“ in Le Bouveret am Genfer See bietet insgesamt mehr als 1.000 Meter Rutschvergnügen. Ähnlich spektakulär ist auch das „Tikibad“ im niederländischen Duinrell / Wassenaar mit zehn „Gleitbahnen“. Zwischenzeitlich wurde das alles jedoch noch vom neuen „Galaxy“-Bereich der „Therme Erding“ getoppt, wo es mehr als ein Dutzend Riesenrutschen mit zusammen weit über einem Kilometer Länge gibt.

Weitere Rutschen-Eldorados findet man beispielsweise in den vier „Wonnemar“-Bädern (Wismar, Ingolstadt, Bad Liebenwerda, Sonthofen), im „Maya Mare“ in Halle, im „Platsch“ in Oschatz, im „SaaleMaxx Rudolstadt“, im Karlsruher „Europabad“, im „Blue Fun“ der „Therme Wörishofen“, im „Calypso“ in Saarbrücken, im „Schwapp“ in Fürstenwalde, im „monte mare Obertshausen“, im „Titania“ bei Augsburg, in der „Ostsee-Therme“ in Scharbeutz, im „T.U.R.M.“ in Oranienburg, im „Hanse-Dom“ in Stralsund, im Osnabrücker „Nettebad“, im Kölner „Aqualand“ oder im Weinheimer „Miramar“. Dabei ist diese Aufzählung längst nicht vollständig, denn es gibt noch mindestens zwei Dutzend weitere Spaß- und Freizeitbäder alleine im deutschsprachigen Raum, die über zwei oder mehr Großrutschen verfügen. Richtige Riesen-Anlagen findet man allerdings vorwiegend in Outdoor-Wasserparks, wie sie beispielsweise in den U.S.A., im Mittelmeer-Raum, in den Arabischen Emiraten oder in Japan üblich sind. Dort gibt es teilweise sogar mehr als 20 Rutschen pro Park, wobei das eigentliche Schwimmen und Baden dabei natürlich weit in den Hintergrund getreten ist.

== Halbschalen-Rutschen ==
Die ersten Rutschen in den frühen Frei-, Natur- und Flußbädern waren überwiegend aus Holz gefertigt, später auch aus geraden Stahlblechen geformt oder aus Beton gegossen. In den Hallenbädern fanden ab etwa Mitte der 1970er Jahre größtenteils einfache, relativ kurze, kurvige Halbschalen-Rutschen aus Kunststoff Verwendung. Heute ist man davon allerdings weitgehend abgekommen und bietet die Halfpipes fast nur noch in Freibädern an. Dort findet man sie allerdings auch bei Neubauten standardmäßig und in Längen von bis zu 150 Metern. Wenn es die Topographie erlaubt, kann man dabei sogar auf den Aufstiegsturm verzichten und die Rutsche in die Erde gebettet am Hang verlegen. Das bietet sowohl optische als auch finanzielle Vorteile. Die längste „Body-Slide“-Rutsche Europas befindet sich übrigens in Italien. Der „Titano Roller“ im Wasserpark „Odissea 2000“ bei Rossano ist stolze 276 Meter lang. Auf Platz zwei kommt die „Balla Balla“ im „Alpamare Pfäffikon“, die nur unwesentlich kürzer ist.

== Breitrutschen ==
Sehr beliebt bei der ganzen Familie und häufig vor allem in Freibädern zu finden sind Breitrutschen, die oftmals aus Edelstahl in Wellenform gefertigt sind. Sie sind relativ problemlos zu betreiben, da sie übersichtlich sind und eine hohe Rutschfrequenz erlauben, auch von mehreren Nutzern gleichzeitig. Teilweise sind auch einzelne Bahnen abgetrennt, wie beispielsweise bei der „Triple-Slide“.

== Röhrenrutschen ==
Standard in Freizeit-Hallenbädern ist momentan die Röhrenrutsche mit 120 cm Durchmesser aus GFK, meist in einer Länge zwischen 50 und 100 Metern und mit etwa 10 % Gefälle. Sie wird gerne auch als „Familienrutsche“ bezeichnet, da sie in der Regel recht gefahrlos zu nutzen ist und damit meist für Kinder ab 6 Jahren zum Alleinrutschen freigegeben. Dabei erreicht man Durchschnitts-Geschwindigkeiten um die 30 km/h, wobei es am Auslauf auch über 40 km/h sein können. Die längste Röhrenrutsche Deutschlands ist übrigens die „Blue Slide“ in der „Ostsee-Therme Scharbeutz“ mit 158 Metern Länge.

Um den Adrenalinschub zu erhöhen, wurden teilweise gerne schnelle Richtungswechsel und Jumps eingebaut, was allerdings auch das Gefahren-Potential erhöht und daher kritisch zu sehen ist. Das größte Risiko droht jedoch am Rutschen-Auslauf. Frühere Rutschen mündeten meist in 30 bis 50 cm Höhe über einem Nichtschwimmer-Becken und es kam regelmäßig zu Zusammenstößen mit langsamen Vorausrutschern oder unvorsichtigen anderen Badegästen. Da-rum werden schon seit einigen Jahren fast ausschließlich Sicherheits- bzw. „Sofa“-Ausläufe eingebaut, wobei das lange, solitäre Auslaufbecken wohl die sicherste Alternative darstellt. Zusätzliche Sicherheit bieten Ampelanlagen am Zugang, die Zeit- oder lichtschrankengesteuert sein können. Noch sicherer sind allerdings Drehkreuze am Ein- und Ausstieg. Zusätzlich sollte auch im Interesse des Betreibers (Beweissicherung) eine permanente Kamera-Überwachung mit Aufzeichnung stattfinden.

Seit einigen Jahren ist auch die wartungsärmere und langlebigere Edelstahl-Röhre auf dem Vormarsch, die allerdings in der Herstellung auch teurer als eine Kunststoff-Rutsche ist. Trend ist es, die Röhren zumindest teilweise abzudunkeln („Black Hole“) und mit Licht- und Soundeffekten sowie Wasser-Vorhängen auszustatten. Und auch die „Crystal-Röhre“, also ein vollkommen transparenter Streckenabschnitt aus Plexiglas, ist immer öfter anzutreffen. Übrigens - wie ich mir mal anzumerken erlaube - eine Erfindung, die ich mir auf die Fahne schreiben darf, da ich die Idee dazu schon 1997 entwickelt und veröffentlicht habe. Damals wurde das von den Herstellern noch als „zu furchteinflößend“ und „nicht realisierbar“ bezeichnet…

== Speed-Rutschen ==
Als Ergänzung zur meist relativ „harmlosen“ Familien-Röhrenrutsche wird gerne die „Turbo-Rutsche“ mit 90 cm Durchmesser und starkem Gefälle angeboten. Teilweise werden diese Rutschen auch offen als Halbschale angeboten, wobei dann allerdings in der Regel nur gerade Strecken möglich sind. Auf solchen Rutschen kann man extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen, die schon mal über 60 km/h liegen können. Der Weltrekord beim Körperrutschen liegt übrigens bei über 91 km/h, aufgestellt auf der höchsten Speed-Rutsche der Welt, der Halfpipe „Kilimanjaro“ in Barra do Pirai bei Rio de Janeiro. Jene Rutsche ist sagenhafte 49,90 Meter hoch. Nichts für schwache Nerven und für Unge-übte extrem gefährlich. Die „Spacemaker“-Reifenrutsche im italienischen „Aqualandia“ bei Jesolo hat immerhin 42 Meter Höhe und ein Gefälle von 60 °. Hier sind ebenfalls Geschwindigkeiten von rund 80 km/h erreichbar.

Die höchste Rutsche in Deutschland findet man im „Tropical Islands“ in Krausnick, mit gleichwohl 25 Metern Start-höhe. Natürlich gibt es auch einige weitere Formen der Hochgeschwindigkeits-Rutschen, wobei die „Space-Bowl“ die vielleicht spektakulärste ist. Dabei geht es erst durch eine Turbo-Röhre einige Meter nach unten, um dann in einen riesigen Trichter zu münden. Dort dreht man in der Regel zwei oder drei Runden, um schließlich durch ein Loch in der Mitte vielleicht zwei Meter in die Tiefe ins Auffangbecken zu plumpsen. Beispiele dafür findet man in Deutschland beispielsweise im „Titania“ in Neusäß, im „monte mare Obertshausen“, oder in der „Therme Erding“. In Österreich gibt es Trichterrutschen im „AquaParc Le Bouveret“ sowie im „Alpamare Pfäffikon“. Zwischenzeitlich gibt es auch Ausführungen mit einer an den Trichter anschließenden, zweiten Turborutsche.

== Reifen-Rutschen ==
Das Rutschen mit Reifen ist wohl fast so alt wie der Gummischlauch für Autos und Nutzfahrzeuge, also mehr als 100 Jahre. Vor allem in ärmeren Ländern mit sauberen, wilden Flüssen ist es auch heute noch ein großer Spaß für die Kinder, sich in Gummischläuchen sitzend durch Stromschnellen treiben zu lassen. Dort ein nicht ganz ungefährliches Vergnügen, hat sich das „Reifenrutschen“ in offenen oder geschlossenen „Tubes“ bei uns längst als Volkssport etabliert.

Das reine Treibenlassen im „Lazy-River“ ist ebenso beliebt wie die Schußfahrt im „Crazy-River“, teilweise heute auch als „Magic-Eye“ oder „X-Tube“ mit Möglichkeiten zum Überholen oder Ausweichstrecke. Zwischenzeitlich gibt es natürlich speziell entwickelte Hochleistungs-Rutschreifen mit Griffen, auch Doppelbobs und sogar Dreierbobs. Re-kordhalter unter den Reifenrutschen ist die „Megatobogan“ im „Piscilago Park“ in Columbien - mit 504 Metern Länge. Die längsten Reifenrutschen in Deutschland sind übrigens die „Magic Eye“ in der „Therme Erding“ (356 Meter) sowie die „Alpa Bob“ im „Alpamare“ (330 Meter).

== Wildwasser-Rutschen ==
Ein heftiges Rutsch-Erlebnis bieten auch die Wildwasser-Bahnen. Bekannt wurden sie wohl durch die Anlagen des Ferienpark-Anbieters „CenterParcs“, wo sie als Haupt-Attraktion in mehreren „Aqua-Mundos“ dienten. Die Rafting-Bahnen sind in der Regel zwischen 80 und 150 Meter lang mit reißenden Strecken-Abschnitten und mehreren Zwi-schenstopps. Sie wurden zumeist in Beton-Bauweise errichtet, teilweise auch aus GFK-Elementen. In Deutschland findet man sie außer im „CenterParcs Bispinger Heide“ beispielsweise auch im „Aquatoll“ in Neckarsulm, im „Calypso“ in Saarbrücken, im „BadKap“ in Albstadt, im „HanseDom Stralsund“, im „Europabad Karlsruhe“, im „Maximare Hamm“, in der „Therme Wörishofen“ sowie in der „Therme Erding“.

== Sonderformen ==
Es gibt natürlich auch einige „Exoten“ unter den Wasser-Rutschen, die man nur in sehr wenigen Bädern findet. Dazu gehören beispielsweise die „Rocket-Plunge Waterjet“, die einen Nutzer mittels Wasserstrahl in den Strömungskanal schleudert. Installiert im „Ishara“ in Bielefeld. Frei durch die Luft fliegen kann man auch auf der „Schanzenrutsche“. Diese ermöglicht Sprünge aus acht Metern Höhe. Dabei erreicht durch die starke Neigung man eine Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h und fliegt bis zu acht Metern weit durch die Luft, bevor man auf dem Schanzentisch weich wieder aufkommt. Das ist fast so wie beim Skisprin¬gen, nur daß man garan¬tiert auf dem Hintern landet. Schanzen-Rutschen findet man bislang im „Elypso“ in Deggendorf, im „Fildorado“ in Filderstadt und in der „Therme Erding“.

In Mitteleuropa recht selten anzutreffen sind auch die „Master-Blaster“-Rutschen, die um die Jahrtausendwende auf den Markt kamen. Diese Reifenrutschen verzichten auf hohe Aufstiegstürme und schießen die Rutschenden mittels Wasserstrahl mehrmals auf eine höhere Ebene, von wo sie wieder nach unten rutschen. Dieses Rutschen-Auf-und-Ab findet man beispielsweise im „Schwapp“ in Fürstenwalde, im „Aquana“ in Würselen sowie in der „Therme Erding“ („Space-Glider“).

Nur in der Erdinger Therme findet man bislang die Wackelrutsche „Good Vibrations“. Im Sommer kann hier übrigens auch eine einfache Folienrutsche am Hang genutzt werden. Bei uns noch nicht zu finden sind „Pendelrutschen“, die als Körper- oder Reifenrutsche ausgeführt sein können. Bei diesen, vor allem in amerikanischen Waterparks sehr beliebten Anlagen rutscht man seitlich in eine große Halfpipe, mit immer kleiner werdenden Auf- und Ab-Linien bis hin zu einem Plumps-Auslauf, der auch in eine weitere, offene Rutsche münden kann.

Dort findet man auch öfters die „Tornado-Rutschen“. In 15 Metern Höhe werfen sich bis zu vier Gäste auf einem Gummireifen-Kleeblatt in einen 40 Meter langen Tunnel, der ähnlich wie bei der „Space-Bowl“ in einen Wasserwirbel mündet. Dieser schüttelt das kleine Boot kräftig durch, während es sich in einem Trichter nach unten schraubt.

== Neueste Entwicklungen ==
Wer dachte, die „Space-Bowl“ sei das Nonplusultra beim Nervenkitzel, der hat sich gewaltig geirrt. Seit Mitte 2008 wurde bereits in mehreren Bädern die „Looping-Rutsche“ installiert, die in einer schrägen Aufwärts-Helix-Bewegung dem Nutzer schon fast die Belastungskräfte eines Jet-Piloten abverlangt. Im September 2008 wurde im „AquaMagis Plettenberg“, die erste „Looping-Rutsche“ eröffnet, doch zwischenzeitlich gibt es bereits mindestens drei weitere („Aqualand Köln“, „Wave Wörgl“, „Terme 3000 Moravske Toplice“). Ganz neu sind dabei der „Rocket-Start“, der Si-cherheit und Innovation miteinander verbindet, sowie die „Doppel-Loop“, also zwei hintereinander folgende „Loo-pings“ („Wave Wörgl“).

In 2009 erstmals installiert wurde die Torpedo-Rutsche „Watersplash“. Nach dem Platznehmen im Katapultsitz in nur zwei Metern Höhe löst man per Knopfdruck einen Schwall von 1.500 Litern Wasser aus, die aus der Röhre hinter einem herab rauschen und mit 1,2 Bar auf den Sitz treffen. Der Delinquent wird nach vorne geschleudert, um dann nach kurzer Aufwärts-Kurve in hohem Bogen im Zielbecken zu landen. Dabei fliegt man bis zu drei Meter hoch und sieben bis zehn Meter weit. Ausprobieren kann man das bislang nur im „Freibad Flötenteich“ in Oldenburg, aber demnächst wohl auch in einigen anderen Bädern. Das verspricht noch mehr Aufregung als das bereits vor etwa zehn Jahren vorgestellte Wasser-Katapult „Frog“, das die Abenteuerlustigen von einem Sitz aus in hohem Bogen ins Zielbecken beförderte.

== Die Zukunft ==
Wer glaubt, es sei schon alles erfunden, der irrt gerade in der Rutschen-Branche. Hier ist man ständig am Weiterent-wickeln und auf der Suche nach dem „ultimativen Thrill“. Dabei bilden lediglich die Gesetzmäßigkeiten der Physik, die Belastbarkeit des menschlichen Körpers sowie das einsetzbare Kapital natürliche Grenzen. Denkbar wäre beispielsweise noch eine Verbindung aus Wasser-Achterbahn und Geisterbahn. Wer weiß, vielleicht wird man ja bald in Kapseln gesetzt und kilometerweit durch Vakuum-Rutschen geschossen? Am besten natürlich gleich durchs Meer, an Schiffswracks, Haifischen und Riesenkraken vorbei von einem Freizeitbad zum nächsten.

Viel wahrscheinlicher ist es allerdings, daß man sich aus Kostengründen auch in der Rutschenbranche wieder mehr auf die Basics konzentriert und die Perfektionierung im Detail vornimmt. Im Vordergrund wird auch hier die Wirt-schaftlichkeit stehen müssen. Das heißt, man muß versuchen, mit geringstem Aufwand möglichst viele sichere Rutschvorgänge zu ermöglichen, die zudem noch einen „Suchtfaktor“ beinhalten. Das kann eigentlich nicht noch län-gere und aufwändigere Rutschen bedeuten, sondern eher eine optische und technische Aufwertung der bereits entwi-ckelten Typen. Ich will nachfolgend mal einige Möglichkeiten aufzeigen (meine Ideen, aber wer will darauf ein Copy-right anmelden?)…

== Thematisierung ==
Warum eigentlich sollen Rutschen eigentlich immer gleich aussehen? In der Regel sind sie einfach durchgehend blau, grün, rot oder gelb, nur in wenigen Fällen mal mehrfarbig. Sicherlich am einfachsten läßt sich die Optik der Rutschen-Anlagen verändern. Dazu braucht es im günstigsten Falle einfach nur etwas Phantasie. Das geht beispielsweise schon bereits ab Werk, indem man die Rutschen-Elemente abwechselnd in verschiedenen Farben bestellt. Vielleicht geht das sogar mit Farbmustern oder ineinander laufenden Linien. So kann man sie lustiger machen oder auch die Musterung von tropischen Schlangen nachahmen. Natürlich funktioniert das auch nachträglich, indem man ältere, vielleicht schon unansehnliche Rutschen von außen bemalt.

Außer Farbmustern oder Sternen kann man dabei auch gleich eine Thematisierung mit einbauen. Warum nicht mal eine richtige Astronauten-Rutsche, eine Fantasy-Rutsche, Spongebob-Rutsche, Bergwerks-Rutsche, Reise-um-die-Welt-Rutsche, Formel-Eins-Rutsche, Südsee-Rutsche oder Piraten-Rutsche? Natürlich lassen manche Aufstiegstürme noch viel mehr zu, nicht nur die hin und wieder zu findende Gestaltung als Windmühle oder Leuchtturm. Der Aufstieg kann durch mystische Beleuchtung, Lichteffekte, Geräusche, Video-Monitore und interaktive Elemente zum richtigen Erlebnis werden. Dann wäre es vielleicht auch weniger langweilig, in der Schlange zu warten.

== Wettrutschen ==
Der Mensch ist tief im Innern immer noch ein Jäger und Sammler. Gesammelt werden nicht nur „materielle“ Dinge, sondern auch Erlebnisse und Rekorde. Schon kleine Kinder packt der Ehrgeiz, wenn es darum geht, das „Seepferd-chen“-Abzeichen zu bekommen, bei den Bundesjugendspielen Punkte zu ergattern oder das Sportabzeichen zu ma-chen. Bei den Rutschen bietet sich die Jagd nach Hundertstel-Sekunden an. Denn natürlich rutscht nicht jeder gleich schnell und viele möchten gerne den Titel des Tagesschnellsten erhalten oder einfach nur schneller sein als der beste Freund. Das haben einige Betreiber schon vor Jahren erkannt, so daß es zwischenzeitlich einige Anlagen mit Zeitmes-sung gibt. Schade nur, daß man das nicht perfektioniert hat.

Es gibt aufwändig organisierte Rutsch-Wettbewerbe in verschiedenen Bädern, sogar Ausscheidungskämpfe bis hin zur Deutschen Rutschen-Meisterschaft oder Marathon-Contests. Tolle Sache, aber nicht für die breite Masse, sondern nur für durchtrainierte Sportler und nur zu bestimmten Tagen an wenigen Orten. Damit kann man sicherlich mal in die Presse kommen und auch einige Zuschauer anziehen. Auf Dauer mehr Besucher oder höhere Umsätze lassen sich da-mit aber nicht generieren.

Um die Massen zu begeistern, braucht man permanente Zeitmeß-Anlagen, die mehr als nur die aktuelle Rutschzeit anzeigen. Und man muß die Möglichkeit bieten, die Zeiten zu speichern und zu personalisieren. Erst dann gibt es einen echten Anreiz, wirklich oft zu rutschen und seine Zeiten bzw. Durchschnitts-Geschwindigkeiten zu verbessern.

Wie geht es? Zunächst einmal benötigt man Rutschen mit wirklich unbestechlichen Zeitmeß-Anlagen, also solche die über mehrere Meßpunkte per Lichtschranke den Rutschvorgang kontinuierlich verfolgen können und den Rutschvor-gang nur dann werten, wenn alle Schranken nacheinander durchlaufen werden. Ein angeschlossener Computer muß die Plausibilität sicherstellen, indem er die Rutschgeschwindigkeit von Meßpunkt zu Meßpunkt laufend ermittelt. Nur so kann man sicher sein, daß die gemessenen Zeiten stimmen.

Zudem muß der Zutritt durch eine Schranke erfolgen. In fast allen modernen Erlebnisbädern wird man ja bereits am Eingang mit einem Chip oder Transponder-Armband ausgestattet. Damit ist es möglich, die Rutschzeit einem Chip zuzuordnen, sofern man diesen vor dem Rutschen an der Schranke einliest. Will man die gerutschte Zeit oder Ge-schwindigkeit nun einer Person zuordnen, dann muß man einfach irgendwo im Bad ein Computer-Terminal bereitstel-len, wo man den Chip erneut einlesen kann und einen Namen eingibt. Das muß nicht unbedingt der richtige Namen sein, es funktioniert auch mit einem Pseudonym. Wird außerdem noch eine gültige e-mail-Adresse oder echte Adresse hinzugefügt, kann man den Rutscher / die Rutscherin auch später noch kontaktieren und über einen eventuellen Ge-winn informieren.

Gewinner sollte man auf jeden Fall küren und sie mit einer Urkunde und vielleicht Freikarte belohnen. Das kann bei-spielsweise einmal monatlich passieren. Und natürlich müssen die Ergebnisse in einem Aushang im Bad sowie im In-ternet präsentiert werden - inklusive einer größeren Anzahl von Nächstplatzierten sowie einer „Hall of Fame“ und einem Archiv, wo jeder seine Best-Zeiten pro Besuch auch noch nach Monaten oder Jahren nachvollziehen kann.

So schürt man den Ehrgeiz und regt zu weiteren Besuchen an. Es ist also möglich, einen permanenten Wettbewerb durchzuführen, sogar auf mehreren verschiedenen Rutschen, die auch in mehreren Städten liegen können. Jeder kann sich aussuchen, wann er wo rutschen möchte und seine Punktzahlen verbessern. Vergleiche zwischen verschiedenen Rutschenanlagen und Konkurrenten werden möglich. Somit werden neue Besuchs-Anreize geschaffen.

== Kosten ==
Der Bau jeder neuen, größeren Rutschenanlage kostet mehrere Hunderttausend Euro, manchmal sogar über eine Mil-lion. Auch die Umrüstung bzw. Aufwertung einer Anlage ist nicht umsonst zu haben. Es gibt bereits heute verschiedene Erlebnisbäder, die sich die Nutzung der Rutschen zusätzlich bezahlen lassen. In der Regel werden dann zwei oder drei Euro für einen Tag Rutschvergnügen fällig. Siehe beispielsweise "Tropical Islands Krausnick" oder "Oktopus Siegburg".

Mittels Zutritts-Kontrolle könnte man allerdings auch genauer abrechnen und sich jeden Rutschvorgang einzeln ver-güten lassen. Das wäre auf jeden Fall gerechter. So könnte man beispielsweise pro Nutzung zwischen 10 und 50 Cent berechnen. Bei angenommenen 50 Rutschabläufen pro Stunde und zehn Stunden Betriebsdauer wären das bis zu 250 Euro pro Tag oder fast 100.000 Euro zusätzlich pro Jahr für den Betreiber. Damit kann man auf jeden Fall den Bau einer Rutsche finanzieren. So bekämen auch kleinere Kommunen die Möglichkeit, ihre Anlage sinnvoll aufzuwerten…

== Die Flecken der Giraffe… ==
Jemand versetzte mir einen verhängnisvollen Stoß. Ich glitt mit schwindelerregender Geschwindigkeit eine schwin-delerregende Rutschbahn hinab. Mathematisch beschleunigt. Interplanetarisch. In einem Neigungswinkel von 45 Grad mit dem Gefühl, mich in eine dieser Spindeln verwandelt zu haben, die, von den Sternen abgestoßen, eine Beschleu-nigung von einer Million Umdrehungen pro Sekunde erreichen. Alles war Strudel, Drehung, Gezisch, Schreie, Pfeil-schüsse, das Herz schlug mir bis zum Hals, eine Menschenmenge schrie Hurra, Ruhm, Ungewißheit, Furcht, Kälte. Ich zerschelle! Ich zerschelle! Aber nie gelangte ich ans Ende meines Falls. Immer mehr fühlte ich mich wie ein un-aufhaltsamer Schlitten innerhalb eines Schlittens. Kreiselumdrehungen n-ter Größenordnung. Ein Sturz in der Ther-mometersäule. Die Kälte von Millionen von Sternen durchbohrt meine Nasenspitze. Die Schwerkraft war so übertrie-ben, daß ich zu lachen anfing. Heda! Heda! Schrie mir die für Momente aufgebrachte Menge zu. Die Jahrhunderte waren Sekunden in diesem Schlitten, der die Gewalt eines Mausergewehrs hatte. Als ich schon verzweifelte, einen Halt finden zu können, ereignete sich eine schreckliche Explosion. Es war der Planet Saturn, der in einer Straßenbahn voller Kinder explodiert war. Mit einem Mal spürte ich eine äquatorialische Gelassenheit. Ein Hermelinmantel liebevoll über meine Schulter gelegt. Ein Sichberuhigen all meiner bis dahin haargesträubten Eingeweide. Eine Schläfrigkeit. Eine Hand oder ein Flügel, der sich auf meine Stirn legte. Und eine altehrwürdige Stimme, die sagte: „Jetzt kannst du sterben“. (Quelle: Luis Buñuel, frz. Filmregisseur, gest. 1983, aus dem Buch „Die Flecken der Giraffe“)

== Fazit ==
Wer glaubt, es sei schon alles erfunden, der irrt sich gewaltig. Die Rutschen-Branche ist immer noch in starker Bewe-gung. Vor allem die europäischen "Marktführer", nämlich „Hartwigsen / Aquarena“, „Wiegand.Maelzer“ und „Klarer“ bringen immer wieder neue, innovative Rutschenarten auf den Markt. Man darf gespannt sein auf die „Interbad 2010“ in Stuttgart, wo sicherlich wieder atemberaubende Projekte vorgestellt werden…
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Übrigens: obwohl wir bei familand Ideealisten sind, würden wir uns nicht darüber beschweren, auch einmal Geld mit unseren Ideen verdienen zu können...

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