familand-Visionen: Allheilmittel Public-Private-Partnership?
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„Privatisierung - der Ausweg aus der Krise ?“

== Vorwort ==
Angesichts leerer Kassen bei den Kommunen und immer höherer Betriebskosten-Defizite in den „Schwimmfabriken des Goldenen Plans“ stellt sich die brennende Frage, wie das Finanzierungsproblem am besten zu lösen ist. Nicht nur Kämmerer und Bürgermeister stöhnen unter dem Schuldenberg, der einem Karzinom ähnlich wächst. Klar ist, daß sich viele Betreiber ihre kränkelnden Bäder bald nicht mehr leisten können und wollen. Etliche Schließungen hat es in den letzten Jahren schon gegeben, doch die große Lawine steht uns noch bevor. Davon werden vor allem kleine Freibäder betroffen sein, doch auch viele Lehrschwimmhallen, Stadtbäder und sogar Spaßbäder und Thermen. Was kann getan werden, damit aus der angeblichen „Servicewüste Deutschland“ nicht auch noch eine „Bäderwüste“ wird?

== Die Markt-Situation ==
In letzter Zeit ist es in aller Munde: die ca. 8.000 kommunalen Bäder in Deutschland verursachen jährlich angeblich über fünf Milliarden Euro an Betriebsverlusten, also ca. 630.000 Euro pro Bad im Schnitt (Quelle: ein Unternehmensberater aus dem fränkischen Raum). Noch bedrohlicher wird dieser Durchschnittswert, wenn man mit einbezieht, daß mehr als ein Drittel der deutschen Bäder Frei- und Sommerbäder sind. Saisonbäder öffnen meist weniger als 100 Tage im Jahr und ihre Betriebskosten liegen mit Sicherheit auch weitaus niedriger. Somit erhöht sich das durchschnittliche Defizit der kommunalen Hallenbäder noch beträchtlich. Mir sind „erfolgreiche“ Freizeitbäder bekannt, die über zwei Mio. Euro pro Jahr alleine an Betriebsverlust einfahren! Nicht in die Berechnung einbezogen sind übrigens die Kosten für fällige Instandsetzungsarbeiten, die in fast allen älteren Bädern jahrelang vor sich hergeschoben werden und die eigentlich immer mehrere Millionen Euro betragen („Sanierungsstau“).

== Ein Lösungs-Ansatz… ==
Dies scheint zu bedeuten, daß die meisten Kommunen offensichtlich nicht in der Lage sind, ein Bad wirtschaftlich zu betreiben. Der oben bereits erwähnte Unternehmensberater (der übrigens schon einmal wegen Betruges mehrere Jahre in staatlicher Obhut verbringen durfte) vertritt in einem im Jahre 2001 in einem deutschen Bäder-Fachmagazin er-schienenen Artikel über den „Bäder(un)sinn“ gar die These, kein einziges kommunales Bad arbeitete wirtschaftlich und alle von den Kommunen geübten Kostensenkungsversuche führten zu einer Verschlechterung des Angebotes und zu sinkenden Besucherzahlen. Demnach gäbe es seiner Meinung nach nur drei Möglichkeiten, aus der „kommunalen Kostenfalle“ wieder zu entkommen:

- private Geschäftsbesorgung auf Erfolgs- / Honorarbasis
- Verpachtung der Bäder durch die Eigentümerkommune
- Verkauf der Bäder an private Betreiber

Dabei wird den Kommunen zumeist vorgeschlagen, die Bäder zu verkaufen und die Neubaumaßnahmen gemeinsam mit dem Betreiber zu finanzieren. Das funktioniert folgendermaßen: Die Kommunen finanzieren ihren Anteil durch die Kapitalisierung ihrer weiter zu erwartenden Verluste für eine gewisse Zeit. Der Kämmerer erkennt sofort den Vorteil. Auf diesem Weg entsteht für ihn ein jährlich fester, bekannter Zahlungsbetrag. Keine Überraschungen, keine Investitionen, keine Reparaturkosten.

Im Klartext heißt dies: die Kommune renoviert und modernisiert das Bad, um es dann an einen Privatmann zu über-geben, der für die Zukunft dann einen gewinnorientierten Betrieb verspricht. Es wird also ein auf dem neuesten Stand befindliches Bad, das mit Steuergeldern bezahlt wurde, an einen privaten Betreiber verschenkt, damit dieser Gewinne erwirtschaften kann. Im Wettbewerb mit anderen kommunalen Bädern übrigens, die daraufhin vielleicht noch höhere Verluste einfahren. Kann dies wirklich die Patentlösung sein, die den Kommunen aus dem Dilemma hilft? Urteilen Sie selbst darüber.

== Beispiel einer „gelungenen“ (?) Bäder-Privatisierung ==
Als Beispiel für eine gelungene Privatisierung führt besagter Unternehmensberater ein Freizeitbad in der Nähe von Nürnberg an. Diese Anlage gehört zu einer Bäder-Gruppe, deren Eigentümer ein in der Branche sehr wohlbekannter Herr ist, über den die Meinungen weit auseinandergehen. Dessen Gesundheitsbad-Imperium umfasst derzeit etwa ein Dutzend Bäder und jährlich kommen - trotz etlicher Absagen - immer noch weitere hinzu. Das ehemalige Spaßbad-Imperium dieses Unternehmers (bitte nicht mit „Investor“ verwechseln) löste sich übrigens auf, nachdem er sich - wie sein bereits erwähnter Berater - zwangsweise für ein paar Jahre vom öffentlichen Leben zurückziehen musste…

Das besagte Freizeitbad in einer fränkische Metropole stand jedenfalls Anfang der 1990er Jahre kurz vor der Pleite. 150.000 Jahresbesucher brachten dem relativ modernen Sport- und Wellenhallenbad ein jährliches Defizit von 1,5 Millionen DM ein. Somit beschloss der Stadtrat den Verkauf des Bades nach dem Ertragswert-Prinzip für eine symbolische Mark an den Unternehmer. Der Ertragswert ist übrigens der abgezinste Barwert der geschätzten künftigen Erfolge bzw. Gewinne eines Unternehmens. Dieser wird bei der Veräußerung von Gegenständen ohne Marktpreis zugrunde gelegt. Im Falle eines stark defizitären Bades (das zukünftig voraussichtlich keine Gewinne einfahren wird) ist der Ertragswert also NULL.

Vor der Übereignung wurde das Bad noch für fast sechs Millionen DM auf den neuesten Stand gebracht, d. h. um eine Großrutschenanlage und eine Saunalandschaft erweitert. Danach war der Kämmerer - angeblich - alle Sorgen los. Ob dafür neue hinzugekommen sind, fragt man ihn am besten selbst. Die Last, Gewinne erwirtschaften zu dürfen, war jedenfalls auf den neuen Eigentümer übergegangen. Der konnte mit dieser Bürde jedoch wohl gut umgehen und steigerte die Gästezahlen binnen acht Jahren um fast 400 Prozent - bei gleichzeitiger (mehr als) Verdopplung der Tarife. Der Umsatz dürfte sich also seit der Übergabe des Bades in etwa verzehnfacht haben. Eine enorme Leistung, wie man neidlos anerkennen muß. Als Nebeneffekt wurden auch ungefähr 50 (nicht unbedingt überbezahlte) Arbeitsplätze ge-sichert, der Freizeitwert der Stadt gesteigert und es fließen seit ein paar Jahren angeblich auch Gewerbesteuern aus den Gewinnen in den Stadtsäckel (was allerdings von Insidern stark angezweifelt wird).

== Die Bäder-Frage ==
Mit Sicherheit haben sich die meisten Kommunen schon an die jährlichen Millionen-Defizite ihrer Bäder gewöhnt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die totale Privatisierung oder die in letzter Zeit so viel diskutierte „Public-Private-Partnership“ (öffentlich-private-Partnerschaft) wirklich die Patentlösungen für die Zukunft darstellen. Und wieso kann ein Privatmann ein Bad mit großem Erfolg betreiben, wo die Kommune beim gleichen Objekt offenbar kläglich versagt?

== Die Bäder-Antwort? ==
Die Antwort ist meiner Meinung nach ebenso einfach wie naheliegend: es fehlt den Kommunen an Fachleuten, die sich in der Bäderbranche auskennen und engagieren. An innovativen Menschen, die ein Gespür für die (vielleicht zu-künftigen) Bedürfnisse der Gäste haben und sich nicht scheuen, auch neue, unkonventionelle Lösungen zu bedenken. Gefragt sind Manager, die sich mit Gästebetreuung, Personalführung und Marketing gleichermaßen auskennen und die nicht streng nach Stundenplan arbeiten. Der Titel „Diplom-Betriebswirt“ macht noch lange keinen guten Bad-Leiter. Und im Management kennt man keine 37,5-Stunden-Woche.

== Bedarf an Führungskräften ==
Der Markt benötigt also fähige Bäder-Führungskräfte. Aus der ohnehin schon zu kleinen Riege der Schwimm-Meister ist aber nicht viel Nachwuchs zu erwarten. Denn diese werden in ihrer Ausbildung zwar mit der Technik eines Bades vertraut gemacht, sind aber mit Management-Aufgaben meist total überfordert. Außerdem sind sie oftmals nach Jahren des Stillstands schon recht abgestumpft, unflexibel und betriebsblind geworden. Erfolgreiche Bäder-Leiter / GFs sind fast immer Quereinsteiger aus anderen Branchen, idealistisch, energisch und mit Visionen versehen. Zwar gibt es sie nicht im Überfluss, doch man kann sie finden. Es ist aber wohl kaum zu erwarten, daß beim Bürgermeister jemand an die Tür klopft und sagt: „Guten Tag, ich möchte gerne Ihr Schwimmbad umgestalten und erfolgreich leiten“. Oder hat es vielleicht doch schon mal jemand versucht und Sie haben ihn nicht ernst genommen? Das könnte ein Fehler gewesen sein.

== Entlohnung der Führungskräfte ==
Dafür werden aber im Gegenzug - in der Regel - auch recht gute Gehälter bezahlt. Naja, das mit den guten Gehältern relativiert sich wieder, wenn man sich die Stellen-Angebote der letzten Jahre genauer anschaut. Viele Kommunen meinen nämlich heutzutage, einen guten Bäderleiter nach niedrigem TVÖD-Tarif einstufen zu können. Damit verdient er vielleicht weniger als einige seiner Angestellten, für die er ja die Verantwortung trägt. Das funktioniert so nicht, hier spart man an der falschen Stelle. Sicherlich findet man auch im Niedriglohnbereich einige Bewerber, doch leider keine guten. Jene sind nämlich in der Regel „Workoholics“ und werden nicht für einen Hungerlohn bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten wollen. Unklar wird aber wohl bleiben, warum man in vielen Kommunen offenen Auges riesige finanzielle Verluste aus schlechter Betriebsführung in Kauf nimmt, teilweise sogar die Insolvenz und damit verbunden Dutzende von Arbeitslosen - nur weil man ein paar Tausend Euro Mehrausgaben für einen wirklich fähigen Betriebsleiter einsparen wollte.

== Risiko einer Privatisierung ==
Obgleich es sicherlich einige positive Beispiele von Privatisierungen gibt, sollte das Risiko einer PPP-Transaktion nicht unterschätzt werden. Den erfolgreichen Privatisierungen im Bäderbereich steht auch schon eine stattliche Anzahl von mißlungenen Projekten gegenüber. Und wenn der private Betreiber versagt, steht die Kommune doppelt dumm da. Die Betreibergesellschaft (fast immer eine GmbH) haftet höchstens mit 25.000.- Euro Einlage und verabschiedet sich im Problemfall ganz schnell wieder. Das Geld ist weg und man hat wieder kein funktionsfähiges Bad. Im Normalfall muß das Bad zurückgenommen werden, inklusive aller Fehler und des wahrscheinlich wieder entstandenen Renovierungsstaus. Wobei man jedoch nicht generell sagen kann, dieses System funktioniere nicht. Wie überall kommt es eben auf die speziellen Umstände an, wie beispielsweise und vor allem auf den (seriösen) Geschäftspartner.

== Alternativen zur Privatisierung ==
Bevor der Stadtrat das kommunale Bad mit ungewissem Ausgang komplett aus der Hand gibt, sollte er zunächst ein-mal über sinnvolle Alternativen nachdenken. Über Möglichkeiten, das Angebot zu verbessern, vielleicht das Bad zu thematisieren und neu zu positionieren. Die Neugier und die Nachfrage der Bevölkerung müssen geweckt werden, möglichst überregional. Nicht der Schwimmer im Sportbad der Nachbargemeinde ist der zu gewinnende Neukunde, sondern der unentschlossene, faul im Fernsehsessel sitzende Normalbürger. Sozusagen der „Nichtwähler“, der mobilisiert werden will. Zur Vorbereitung weitreichender Entscheidungen über die Bäder-Zukunft sollte man sich so umfassend wie möglich informieren, sprich Expertenrat einholen. Dafür gibt es Freizeit-Unternehmensberatungen. Die Schritte zu einer erfolgreichen kommunalen Bäderführung (für ein bereits bestehendes Bad) könnten wie folgt aussehen:

- Schwachstellen- und Betriebs-Analyse
- Konkurrenz-Analyse (direkter Wettbewerb)
- Information und Befragung der Bevölkerung
- Einstellung eines engagierten Bad-Managers / GFs
- Neudefinition und Zielgruppenbestimmung
- ergänzende Konzeption für andere kommunale Bäder
- Marktanalyse bezogen auf die zukünftige Zielgruppe
- Überarbeitung von Corporate Design und C. Identity
- Erstellung eines Marketing- und Event-Konzeptes
- Planung von Um- und Neubaumaßnahmen
- sinnvoller Umbau mit vertretbaren Mitteln
- erfolgreicher, kontrollierter Eigenbetrieb

== Die Lösung? ==
Hat man als Betreiber bzw. Eigentümer eines Bades seine Schulaufgaben erledigt, sprich sorgfältige Analysen durch-führen lassen, schlüssige Konzepte verabschiedet und einen geeigneten Manager eingestellt, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Denn es gibt keinen Grund dafür, warum ein privater Betreiber erfolgreicher sein sollte als ein kommunaler. Der Badegast fragt nicht danach, WER das Bad betreibt, sondern nur WIE es betrieben wird.

Schließlich geht es ja in beiden Fällen um das gleiche Bad am gleichen Standort mit den gleichen potentiellen Gästen. Wichtig ist eben, das Bad professionell auszustatten und zu betreiben, inklusive eines funktionierenden Marketing-Apparates und vor allem gut ausgebildetem, motiviertem und freundlichem Personal. Kein Grund also, mit einer Schnellschuß-Entscheidung das Bad für immer aus der Hand zu geben, wenn man die möglichen Gewinne doch selbst einstecken kann. Oder ist eine Kommune vielleicht gesetzlich dazu verpflichtet, Verluste zu machen?

== Fazit ==
In einigen Fällen wird es im Endeffekt sicherlich doch darauf hinauslaufen, daß die Privatisierung oder der Betrieb gemeinsam mit einer privaten Gesellschaft vielversprechender erscheint als der mühsame Eigenbetrieb. Oftmals scheitert es ja einfach daran, daß man keinen geeigneten Bad-Leiter / Geschäftsführer / Manager findet. Aber auch für einen solchen Fall sollte man sich zuerst eine echte Entscheidungs-Sicherheit verschaffen, indem man die oben angeführten Maßnahmen durchführt.

© by wellSPAss, im November 2008 / 01. Oktober 2010
… 187k … „Privatisierung - der Ausweg aus der Krise ?“

== Vorwort ==
Angesichts leerer Kassen bei den Kommunen und immer höherer Betriebskosten-Defizite in den „Schwimmfabriken des Goldenen Plans“ stellt sich die brennende Frage, wie das Finanzierungsproblem am besten zu lösen ist. Nicht nur Kämmerer und Bürgermeister stöhnen unter dem Schuldenberg, der einem Karzinom ähnlich wächst. Klar ist, daß sich viele Betreiber ihre kränkelnden Bäder bald nicht mehr leisten können und wollen. Etliche Schließungen hat es in den letzten Jahren schon gegeben, doch die große Lawine steht uns noch bevor. Davon werden vor allem kleine Freibäder betroffen sein, doch auch viele Lehrschwimmhallen, Stadtbäder und sogar Spaßbäder und Thermen. Was kann getan werden, damit aus der angeblichen „Servicewüste Deutschland“ nicht auch noch eine „Bäderwüste“ wird?

== Die Markt-Situation ==
In letzter Zeit ist es in aller Munde: die ca. 8.000 kommunalen Bäder in Deutschland verursachen jährlich angeblich über fünf Milliarden Euro an Betriebsverlusten, also ca. 630.000 Euro pro Bad im Schnitt (Quelle: ein Unternehmens-berater aus dem fränkischen Raum). Noch bedrohlicher wird dieser Durchschnittswert, wenn man mit einbezieht, daß mehr als ein Drittel der deutschen Bäder Frei- und Sommerbäder sind. Saisonbäder öffnen meist weniger als 100 Tage im Jahr und ihre Betriebskosten liegen mit Sicherheit auch weitaus niedriger. Somit erhöht sich das durchschnittliche Defizit der kommunalen Hallenbäder noch beträchtlich. Mir sind „erfolgreiche“ Freizeitbäder bekannt, die über zwei Mio. Euro pro Jahr alleine an Betriebsverlust einfahren! Nicht in die Berechnung einbezogen sind übrigens die Kosten für fällige Instandsetzungsarbeiten, die in fast allen älteren Bädern jahrelang vor sich hergeschoben werden und die eigentlich immer mehrere Millionen Euro betragen („Sanierungsstau“).

== Ein Lösungs-Ansatz… ==
Dies scheint zu bedeuten, daß die meisten Kommunen offensichtlich nicht in der Lage sind, ein Bad wirtschaftlich zu betreiben. Der oben bereits erwähnte Unternehmensberater (der übrigens schon einmal wegen Betruges mehrere Jahre in staatlicher Obhut verbringen durfte) vertritt in einem im Jahre 2001 in einem deutschen Bäder-Fachmagazin erschienenen Artikel über den „Bäder(un)sinn“ gar die These, kein einziges kommunales Bad arbeitete wirtschaftlich und alle von den Kommunen geübten Kostensenkungsversuche führten zu einer Verschlechterung des Angebotes und zu sinkenden Besucherzahlen. Demnach gäbe es seiner Meinung nach nur drei Möglichkeiten, aus der „kommunalen Kostenfalle“ wieder zu entkommen:

- private Geschäftsbesorgung auf Erfolgs- / Honorarbasis
- Verpachtung der Bäder durch die Eigentümerkommune
- Verkauf der Bäder an private Betreiber

Dabei wird den Kommunen zumeist vorgeschlagen, die Bäder zu verkaufen und die Neubaumaßnahmen gemeinsam mit dem Betreiber zu finanzieren. Das funktioniert folgendermaßen: Die Kommunen finanzieren ihren Anteil durch die Kapitalisierung ihrer weiter zu erwartenden Verluste für eine gewisse Zeit. Der Kämmerer erkennt sofort den Vorteil. Auf diesem Weg entsteht für ihn ein jährlich fester, bekannter Zahlungsbetrag. Keine Überraschungen, keine Investitionen, keine Reparaturkosten.

Im Klartext heißt dies: die Kommune renoviert und modernisiert das Bad, um es dann an einen Privatmann zu über-geben, der für die Zukunft dann einen gewinnorientierten Betrieb verspricht. Es wird also ein auf dem neuesten Stand befindliches Bad, das mit Steuergeldern bezahlt wurde, an einen privaten Betreiber verschenkt, damit dieser Gewinne erwirtschaften kann. Im Wettbewerb mit anderen kommunalen Bädern übrigens, die daraufhin vielleicht noch höhere Verluste einfahren. Kann dies wirklich die Patentlösung sein, die den Kommunen aus dem Dilemma hilft? Urteilen Sie selbst darüber.

== Beispiel einer „gelungenen“ (?) Bäder-Privatisierung ==
Als Beispiel für eine gelungene Privatisierung führt besagter Unternehmensberater ein Freizeitbad in der Nähe von Nürnberg an. Diese Anlage gehört zu einer Bäder-Gruppe, deren Eigentümer ein in der Branche sehr wohlbekannter Herr ist, über den die Meinungen weit auseinandergehen. Dessen Gesundheitsbad-Imperium umfasst derzeit etwa ein Dutzend Bäder und jährlich kommen - trotz etlicher Absagen - immer noch weitere hinzu. Das ehemalige Spaßbad-Imperium dieses Unternehmers (bitte nicht mit „Investor“ verwechseln) löste sich übrigens auf, nachdem er sich - wie sein bereits erwähnter Berater - zwangsweise für ein paar Jahre vom öffentlichen Leben zurückziehen mußte…

Das besagte Freizeitbad in einer fränkische Metropole stand jedenfalls Anfang der 1990er Jahre kurz vor der Pleite. 150.000 Jahresbesucher brachten dem relativ modernen Sport- und Wellenhallenbad ein jährliches Defizit von 1,5 Millionen DM ein. Somit beschloss der Stadtrat den Verkauf des Bades nach dem Ertragswert-Prinzip für eine symbolische Mark an den Unternehmer. Der Ertragswert ist übrigens der abgezinste Barwert der geschätzten künftigen Erfolge bzw. Gewinne eines Unternehmens. Dieser wird bei der Veräußerung von Gegenständen ohne Marktpreis zugrunde gelegt. Im Falle eines stark defizitären Bades (das zukünftig voraussichtlich keine Gewinne einfahren wird) ist der Ertragswert also NULL.

Vor der Übereignung wurde das Bad noch für fast sechs Millionen DM auf den neuesten Stand gebracht, d. h. um eine Großrutschenanlage und eine Saunalandschaft erweitert. Danach war der Kämmerer - angeblich - alle Sorgen los. Ob dafür neue hinzugekommen sind, fragt man ihn am besten selbst. Die Last, Gewinne erwirtschaften zu dürfen, war jedenfalls auf den neuen Eigentümer übergegangen. Der konnte mit dieser Bürde jedoch wohl gut umgehen und steigerte die Gästezahlen binnen acht Jahren um fast 400 Prozent - bei gleichzeitiger (mehr als) Verdopplung der Tarife. Der Umsatz dürfte sich also seit der Übergabe des Bades in etwa verzehnfacht haben. Eine enorme Leistung, wie man neidlos anerkennen muß. Als Nebeneffekt wurden auch ungefähr 50 (nicht unbedingt überbezahlte) Arbeitsplätze gesichert, der Freizeitwert der Stadt gesteigert und es fließen seit ein paar Jahren angeblich auch Gewerbesteuern aus den Gewinnen in den Stadtsäckel (was allerdings von Insidern stark angezweifelt wird).

== Die Bäder-Frage ==
Mit Sicherheit haben sich die meisten Kommunen schon an die jährlichen Millionen-Defizite ihrer Bäder gewöhnt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die totale Privatisierung oder die in letzter Zeit so viel diskutierte „Public-Private-Partnership“ (öffentlich-private-Partnerschaft) wirklich die Patentlösungen für die Zukunft darstellen. Und wieso kann ein Privatmann ein Bad mit großem Erfolg betreiben, wo die Kommune beim gleichen Objekt offenbar kläglich ver-sagt?

== Die Bäder-Antwort? ==
Die Antwort ist meiner Meinung nach ebenso einfach wie naheliegend: es fehlt den Kommunen an Fachleuten, die sich in der Bäderbranche auskennen und engagieren. An innovativen Menschen, die ein Gespür für die (vielleicht zu-künftigen) Bedürfnisse der Gäste haben und sich nicht scheuen, auch neue, unkonventionelle Lösungen zu bedenken. Gefragt sind Manager, die sich mit Gästebetreuung, Personalführung und Marketing gleichermaßen auskennen und die nicht streng nach Stundenplan arbeiten. Der Titel „Diplom-Betriebswirt“ macht noch lange keinen guten Bad-Leiter. Und im Management kennt man keine 37,5-Stunden-Woche.

== Bedarf an Führungskräften ==
Der Markt benötigt also fähige Bäder-Führungskräfte. Aus der ohnehin schon zu kleinen Riege der Schwimm-Meister ist aber nicht viel Nachwuchs zu erwarten. Denn diese werden in ihrer Ausbildung zwar mit der Technik eines Bades vertraut gemacht, sind aber mit Management-Aufgaben meist total überfordert. Außerdem sind sie oftmals nach Jahren des Stillstands schon recht abgestumpft, unflexibel und betriebsblind geworden. Erfolgreiche Bäder-Leiter / GFs sind fast immer Quereinsteiger aus anderen Branchen, idealistisch, energisch und mit Visionen versehen. Zwar gibt es sie nicht im Überfluss, doch man kann sie finden. Es ist aber wohl kaum zu erwarten, daß beim Bürgermeister jemand an die Tür klopft und sagt: „Guten Tag, ich möchte gerne Ihr Schwimmbad umgestalten und erfolgreich leiten“. Oder hat es vielleicht doch schon mal jemand versucht und Sie haben ihn nicht ernst genommen? Das könnte ein Fehler gewesen sein.

== Entlohnung der Führungskräfte ==
Dafür werden aber im Gegenzug - in der Regel - auch recht gute Gehälter bezahlt. Naja, das mit den guten Gehältern relativiert sich wieder, wenn man sich die Stellen-Angebote der letzten Jahre genauer anschaut. Viele Kommunen meinen nämlich heutzutage, einen guten Bäderleiter nach niedrigem TVÖD-Tarif einstufen zu können. Damit verdient er vielleicht weniger als einige seiner Angestellten, für die er ja die Verantwortung trägt. Das funktioniert so nicht, hier spart man an der falschen Stelle. Sicherlich findet man auch im Niedriglohnbereich einige Bewerber, doch leider keine guten. Jene sind nämlich in der Regel „Workoholics“ und werden nicht für einen Hungerlohn bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten wollen. Unklar wird aber wohl bleiben, warum man in vielen Kommunen offenen Auges riesige finanzielle Verluste aus schlechter Betriebsführung in Kauf nimmt, teilweise sogar die Insolvenz und damit verbunden Dutzende von Arbeitslosen - nur weil man ein paar Tausend Euro Mehrausgaben für einen wirklich fähigen Betriebsleiter einsparen wollte.

== Risiko einer Privatisierung ==
Obgleich es sicherlich einige positive Beispiele von Privatisierungen gibt, sollte das Risiko einer PPP-Transaktion nicht unterschätzt werden. Den erfolgreichen Privatisierungen im Bäderbereich steht auch schon eine stattliche Anzahl von misslungenen Projekten gegenüber. Und wenn der private Betreiber versagt, steht die Kommune doppelt dumm da. Die Betreibergesellschaft (fast immer eine GmbH) haftet höchstens mit 25.000.- Euro Einlage und verabschiedet sich im Problemfall ganz schnell wieder. Das Geld ist weg und man hat wieder kein funktionsfähiges Bad. Im Normalfall muß das Bad zurückgenommen werden, inklusive aller Fehler und des wahrscheinlich wieder entstandenen Renovierungsstaus. Wobei man jedoch nicht generell sagen kann, dieses System funktioniere nicht. Wie überall kommt es eben auf die speziellen Umstände an, wie beispielsweise und vor allem auf den (seriösen) Geschäftspartner.

== Alternativen zur Privatisierung ==
Bevor der Stadtrat das kommunale Bad mit ungewissem Ausgang komplett aus der Hand gibt, sollte er zunächst ein-mal über sinnvolle Alternativen nachdenken. Über Möglichkeiten, das Angebot zu verbessern, vielleicht das Bad zu thematisieren und neu zu positionieren. Die Neugier und die Nachfrage der Bevölkerung müssen geweckt werden, möglichst überregional. Nicht der Schwimmer im Sportbad der Nachbargemeinde ist der zu gewinnende Neukunde, sondern der unentschlossene, faul im Fernsehsessel sitzende Normalbürger. Sozusagen der „Nichtwähler“, der mobilisiert werden will. Zur Vorbereitung weitreichender Entscheidungen über die Bäder-Zukunft sollte man sich so umfassend wie möglich informieren, sprich Expertenrat einholen. Dafür gibt es Freizeit-Unternehmensberatungen. Die Schritte zu einer erfolgreichen kommunalen Bäderführung (für ein bereits bestehendes Bad) könnten wie folgt aussehen:

- Schwachstellen- und Betriebs-Analyse
- Konkurrenz-Analyse (direkter Wettbewerb)
- Information und Befragung der Bevölkerung
- Einstellung eines engagierten Bad-Managers / GFs
- Neudefinition und Zielgruppenbestimmung
- ergänzende Konzeption für andere kommunale Bäder
- Marktanalyse bezogen auf die zukünftige Zielgruppe
- Überarbeitung von Corporate Design und C. Identity
- Erstellung eines Marketing- und Event-Konzeptes
- Planung von Um- und Neubaumaßnahmen
- sinnvoller Umbau mit vertretbaren Mitteln
- erfolgreicher, kontrollierter Eigenbetrieb

== Die Lösung? ==
Hat man als Betreiber bzw. Eigentümer eines Bades seine Schulaufgaben erledigt, sprich sorgfältige Analysen durch-führen lassen, schlüssige Konzepte verabschiedet und einen geeigneten Manager eingestellt, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Denn es gibt keinen Grund dafür, warum ein privater Betreiber erfolgreicher sein sollte als ein kommunaler. Der Badegast fragt nicht danach, WER das Bad betreibt, sondern nur WIE es betrieben wird.

Schließlich geht es ja in beiden Fällen um das gleiche Bad am gleichen Standort mit den gleichen potentiellen Gästen. Wichtig ist eben, das Bad professionell auszustatten und zu betreiben, inklusive eines funktionierenden Marketing-Apparates und vor allem gut ausgebildetem, motiviertem und freundlichem Personal. Kein Grund also, mit einer Schnellschuß-Entscheidung das Bad für immer aus der Hand zu geben, wenn man die möglichen Gewinne doch selbst einstecken kann. Oder ist eine Kommune vielleicht gesetzlich dazu verpflichtet, Verluste zu machen?

== Fazit ==
In einigen Fällen wird es im Endeffekt sicherlich doch darauf hinauslaufen, daß die Privatisierung oder der Betrieb gemeinsam mit einer privaten Gesellschaft vielversprechender erscheint als der mühsame Eigenbetrieb. Oftmals scheitert es ja einfach daran, daß man keinen geeigneten Bad-Leiter / Geschäftsführer / Manager findet. Aber auch für einen solchen Fall sollte man sich zuerst eine echte Entscheidungs-Sicherheit verschaffen, indem man die oben angeführten Maßnahmen durchführt.
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