Neulich beim Bäcker...
...
Bad Bederkesa ist ein kleiner Luftkurort und Moorheilbad im Elbe-Weser-Dreieck. Die Gemeinde ist bei den Nordsee-Urlaubern beliebt, vor allem wegen der schönen Lage am See, der neuen Moor-Therme, der 120 Jahre älteren Wind-mühle, dem Romantik-Hotel und der uralten Wasserburg. Es gibt hier auch umfangreiche Einkaufs-Möglichkeiten, eine gute Eisdiele und ein paar ganz nette Restaurants, wodurch der Ort vor allem im Sommer sehr belebt ist. So verwundert es auch nicht, dass der 5.600-Seelen-Ort über sechs Bäckereien verfügt (plus einen Tankstellen-Backshop und drei Backshops bei diversen Discountern), davon vier recht nah beieinander in der Ortsmitte.
Dadurch ergibt sich eine ziemlich heftige Konkurrenz-Situation. Es gibt ja recht unterschiedliche Strategien, wie man dem Mitbewerb eine Nasenlänge voraus sein kann und sich damit die überlebenswichtige Stammkundschaft bei der Stange hält. Dazu gehören beispielsweise eine gute Lage mit Parkplätzen vorm Haus, eine gemütliche Atmosphäre mit Sitzmöglichkeiten, besondere Spezialitäten mit Alleinstellungs-Merkmal, längere Öffnungszeiten, blitzblanke Verkaufsräume, eine herausragende Qualität der Waren und adrettes, freundliches und kompetentes Personal.
Letzteres ist für den Erfolg besonders wichtig, denn das Personal wird nicht umsonst als das eigentliche Kapital jedes Betriebes betrachtet. Die beste Firma kann mit schlecht ausgebildetem oder - noch schlimmer - unmotiviertem und mißmutigem Personal auf Dauer nicht überleben. Und nun komme ich zur Kernfrage dieses kleinen Artikels: „Ist der Kunde wirklich noch König?“
Wenn man irgendwo zuzieht, probiert man erst einmal alles aus, genauso wie ein Urlauber. Man geht in alle möglichen Geschäfte, kauft meist zumindest eine Kleinigkeit und macht sich sein Bild davon, wo man gerne wiederkommen würde und wo eher nicht. Meine Familie und ich wohnen seit nunmehr rund zehn Jahren in Bad Bederkesa und so hatten wir auch unsere Lieblings-Bäckerei, wo wir freundlich bedient wurden und die Qualität stimmte. Die Brötchen waren lecker und zwei der Brotsorten schmeckten uns besonders gut. So kauften wir fast jeden Morgen drei bis fünf Brötchen und etwa 300 bis 500 Gramm Brot ein, was in der Regel immer so zwischen drei und fünf € kostete. Aufs Jahr gerechnet sind das sicherlich über 1.000 €, die wir beim Bäcker lassen.
Leider kam es in den letzten Jahren immer mal wieder vor, dass wir mit der Frische nicht zufrieden waren. Das Brot war einfach nicht so locker, wie man es von frischer Ware gewohnt ist, sondern eher so, als ob es zwei oder gar drei Tage alte wäre. Wir lieben aber frisches Brot, am liebsten wenn es noch warm ist und duftet. Darum fragte ich nach und erfuhr, dass dunkles Körner-Brot sich ja mehrere Tage hielte und man es darum auch zwei Tage lang als frisch verkaufen kön-ne. Schließlich würde es ja frisch aufgeschnitten werden. Das wollte ich so aber nicht akzeptieren. Backware vom Vor-tag wird in den meisten Bäckereien oder auch im Supermarkt als solche ausgewiesen und zum halben Preis verkauft. Wer sparen möchte, nimmt die offensichtlich schlechtere Qualität in Kauf, doch wir möchten eben dabei keine Abstriche machen.
Nachdem es sich im letzten Jahr gehäuft hatte, dass das angeblich frische Brot innen ganz kalt war (was nur nach dem Einfrieren möglich ist, da Brot immer von außen nach innen erkaltet) oder eben einfach vom Vortag, fragte ich nun bei bestimmten Verkäuferinnen immer nach, ob das Brot wirklich von heute sei. Damit ging ich mir ja schon selbst auf die Nerven, doch wenn man für ein kleines Brot 3,70 € ausgibt, dann möchte man auch sicher sein, dass es schmeckt. Heutzutage kann man manche Brotsorten ja fast mit Gold aufwiegen.
Vor ein paar Wochen kam es dennoch mal wieder vor, dass wir aufgetautes Brot als „frisch gebacken“ erhielten. Als Verkäuferin, die jeden Tag immer mit der Ware zu tun hat, muss ich aber eigentlich schon fühlen können, was frisch ist und was nicht. Jedenfalls hatte ich das „frische“ Brot gegen 17 Uhr gekauft und wir wollten es gegen 18 Uhr zum Abendbrot verspeisen.
Nachdem meine Frau die erste Scheibe aus der Packung nahm, war die vorher gute Stimmung kaputt. Das Brot war alt, mindestens zwei Tage. Es schmeckte genauso wie das Vergleichsbrot, das wir drei Tage zuvor beim gleichen Bäcker gekauft hatten, absolut kein Unterschied. Also alles andere als frisch. Wir werfen drei Tage alte Brotreste immer weg. Ja, das ist wohl eine Sünde, doch wir möchte einfach nichts essen, was uns nicht schmeckt.
Natürlich war die Bäckerei um diese Uhrzeit bereits geschlossen, eine Reklamation am gleichen Tag also ausgeschlossen. So brachte ich die Packung, aus der ja nur eine Scheibe fehlte, am nächsten Morgen zur Bäckerei zurück und erklärte der Verkäuferin in ruhigem und freundlichem Ton, dass dieses gestern Abend gekaufte Brot nicht frisch gewe-sen sein. Die Dame (eine schlanke Verkäuferin mittleren Alters mit dunklen Haaren und Brille, den Namen möchte ich hier nicht erwähnen) war dafür aber überhaupt nicht zugänglich. Sie nahm das Brot, behauptete lautstark und schnippisch, es sei mit Sicherheit frisch gewesen und sie würden immer nur ganz frisches Brot verkaufen. Damit stellte sie mich vor den anderen Kunden als Idioten hin. Einen Ersatz in Form frischer Ware oder gar „Geld zurück“ bot mir die Verkäuferin nicht an und natürlich gab es auch keine Entschuldigung in irgendeiner Form. Mein in der Verärgerung ausgesprochener Hinweis, dass ich Journalist bin und auch darüber mal berichten könnte, beeindruckte sie überhaupt nicht. Ebenso wenig interessierte es sie, dass ich gerne eine Stellungnahme ihres Chefs hätte. Ich kaufte an diesem Tag also bei einem anderen Bäcker und auch die Wochen darauf.
Schließlich dachte ich eines Morgens gegen 08.30 Uhr, ich könnte der Bäckerei ja wieder eine Chance geben und betrat den Laden nochmals. Ich war gut gelaunt und das Brot war gerade frisch geliefert worden. Ich begrüßte also die Verkäuferin, eine etwas ältere und füllige Dame mit blondem Haar und Brille (Namensschilder sind ja aus der Mode gekommen) und bestellte ein frisches Steakbrot geschnitten, drei Weltmeister-Brötchen und ein Käsebrötchen.
Doch dann geschah etwas, was mir den Mund offenstehen ließ.
Die Dame sagte zu mir: „Ich glaube nicht, dass Sie das wollen“.
Verblüfft fragte ich: „Wieso denn?“.
Sie antwortete: „Unser Brot ist Ihnen ja nicht frisch genug“.
Uups, meine gute Laune war auf einen Schlag dahin. „Sie meinen das Brot, das ich vor ein paar Tagen zurückgegeben habe? Das war alles andere als frisch“.
„Doch, das war frisch. Wir verkaufen nur frisches Brot. Ich habe es selbst probiert, es war einwandfrei“.
Das war natürliche eine glatte Lüge. Diese Dame war weder im Laden, als ich das Brot gekauft hatte, noch als ich es zu-rückbrachte. Sie konnte die beanstandete Ware also gar nicht probiert haben.
„Das Brot war nicht frisch, sonst hätte ich es ja wohl nicht zurückgebracht“ entgegnete ich.
„Unsere Ware ist Ihnen ja nie gut genug. Am besten kaufen Sie woanders“ lautete die Antwort.
„Das werde ich dann auch. Sie sehen mich hier nie wieder“ war meine verständlicherweise verärgerte Reaktion.
Und da ich zu meinem Wort stehe, habe ich seither den Laden auch nicht mehr betreten. Wenn in der heutigen Zeit ein Kunde derart behandelt wird und man offensichtlich keinerlei Wert darauf legt, Stammkunden zufrieden zu stellen, dann wird sich das in der Kasse bemerkbar machen. Um Verwechslungen auszuschließen: es handelt sich bei besagter Bäckerei um diejenige beim Rathaus-Kreisel, direkt gegenüber der evangelischen Kirche und neben dem netten Schuhladen und dem Edeka-Supermarkt. Bei allen anderen Bäckereien in Bad Bederkesa hatte wurde ich niemals dermaßen unfreundlich behandelt und die Ware war andernorts bislang auch stets frisch.
Um die eingangs gestellte Frage nach „König Kunde“ zu beantworten: „Leider nicht mehr überall“. Aus Erfahrung weiß ich allerdings, dass Firmen, die sich einen solchen Umgang mit Kunden erlauben und ihn zum Deppen abstempeln, meist schnell den Bach hinab gehen. Und offensichtlich bin ich auch nicht der einzige, dem die Mißstände in der Bäcke-rei am Fuße des Berges aufgefallen sind. So etwas spricht sich ganz schnell herum. Es geht wesentlich schneller, Kunden zu verlieren, als Stammkunden zu gewinnen. In letzter Zeit sehe ich dort immer weniger Kunden, wohingegen ich in meiner jetzigen Lieblings-Bäckerei (den Namen will ich mal nennen: Engelbrecht in der Mattenburger Straße) öfters mal in der Schlange anstehen muss, obgleich dort meist sogar drei oder gar vier Verkäuferinnen arbeiten. Dort ist allerdings die Ware IMMER frisch und die Verkäuferinnen sind IMMER sehr freundlich. Darum nehme ich das gerne in Kauf.
Ich will mit diesem Artikel bestimmt keine Front machen gegen die mir unangenehm aufgefallene Bäckerei und auch keine Werbung für die anderen Läden im Ort. Allerdings meine ich, es muss sich dort schnellstens einiges ändern und man sollte als mündiger Bürger Mißstände anprangern, um andere zu warnen. So warte ich also weiterhin auf die längst fällige Entschuldigung (mein Name ist den Verkäuferinnen ja bestens bekannt) und hoffe auf´s Beste...
...
Und nun viel Spaß beim Besuch bzw. Ausflug! Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<

© 1994 - 2012 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics