familand-Visionen: Das Naturrecht beim Bäder-Bau
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Eine etwas unorthodoxe Betrachtung über Moderne Architektur im Allgemeinen und Bäder im Speziellen.

== Vorwort ==
Heute will ich mich mal ein wenig über meine Ansichten zur modernen Architektur auslassen. Klar, ich bin kein Architekt, aber man muß ja auch kein Autokonstrukteur sein, um seine Meinung zu Autos kundzutun. Darum hier ein Bericht von einem Architektur-User, der sich vor allem über die moderne Bäder-Architektur mal auslassen möchte. Man verzeihe mir gnädigst, daß ich dabei des Öfteren auf die Werke eines gewissen Friedrich Stowasser eingehe, denn ich bin bekennender Hundertwasser-Fan (zumindest architektonisch betrachtet).

== Einleitung ==
Spätestens seit Beginn der Neuzeit versuchte der Mensch, die Natur aus seinem Lebensraum zu verban-nen. Alles sollte möglichst gerade und ohne Schnörkel sein, leicht zu überblicken und möglichst steril. Beste Beispiele dafür sind die Bauhaus-Architektur der 1930er Jahre, die Plattenbau-Siedlungen der Nachkriegszeit oder die Betonwüsten eines Le Corbusier.

Die Folge sind öde Innenstädte, begradigt und zubetoniert. Aus einst stolzen Flüssen wurden stinkende Kanäle und Röhren zum Transport von Abfällen. Selbst in Stadtparks gibt es nur selten Nischen, wo sich die Natur ungehindert entfalten kann. Zweiwöchentliches Mähen aller Wiesen und regelmäßiges Beschneiden der Büsche läßt für Vögel, Insekten und Kleintiere keinen Platz mehr.

Die Folge davon ist, daß unser Leben immer eintöniger und ärmer wird und wir uns nach dem Ursprüngli-chen zurücksehnen, das in unserer Umgebung nicht mehr zu finden ist. Die Flucht in die Naherholungsge-biete am Wochenende ist für uns alltäglich geworden - selbst wenn man dafür stundenlang im Stau stehen muß.

Was können wir tun, um wieder mehr Freude und Abwechslung in unser Dasein zu bringen. Wie können wir unseren Kindern den natürlichen Kontakt mit Schmetterlingen, Käfern, Eichhörnchen und Igeln für die Zukunft sichern?

Wir können im Kleinen anfangen. Wer das Glück hat, einen Garten zu besitzen, kann zumindest eine kleine Ecke davon sich selbst überlassen. Abwarten, was dort wächst, was sich dort ansiedelt. Unkraut gibt es nicht, alles hat seinen Sinn. Wo man gezielt pflanzt, sollte man auf einheimische Pflanzen und auf Abwechslung achten. Eine Auswahl an Obstbäumen vielleicht. Oder Schmetterlingsbusch, Sonnenblume, Himbeere, Klatschmohn. Viele bunte Blumen blühen den ganzen Sommer lang, Sträucher bieten durch ih-re Beeren Nahrung für die Vögel.

== Die „moderne“ Bäder-Architektur ==
Aber kommen wir zur Bäder-Architektur. Wir schimpfen heute über die öden Beton-Schwimmhallen des „Goldenen Plans“ der 1960er bis 1980er Jahre, als man ohne Rücksicht auf Ästhetik einfach das Soll erfüllte, jedem Bürger ein paar Quadratzentimeter Wasserfläche zur Verfügung zu stellen. Heute baut man schöner. Denkt man. „Es irrt der Mensch, so lang er strebt“, sagte schon Goethe.

Betrachtet man die teuren, blitzenden Bauwerke näher, findet man im Wesentlichen die gleichen Struk-turen wie vor 50 Jahren. Jede Menge Beton (früher eher Waschbeton, heute Sichtbeton), überall wimmelt es von geraden Linien (früher rechter Winkel, heute oftmals unglaublich verwinkelt), Uniformität, Mas-senware, Einfallslosigkeit. Nichts Individuelles, unpersönlich. „Moderne Architektur“ eben - wer wollte das denn „häßlich“ nennen?

Aber wird man später diese Bauwerke so wohlwollend betrachten wie heute ein Fachwerkhaus aus dem Mittelalter, ein römisches Landgut oder einen barocken Schloßgarten? Vielleicht werden wir in 20 Jahren zurückblicken und sagen: wie kalt, langweilig und unnatürlich wurde Anfang des 21. Jahrhunderts doch noch gebaut, trotz modernster technischer Hilfsmittel.

Aber das läßt sich verhindern, indem man umdenkt. Querdenkende Vorreiter gab es in Kunst und Architektur immer - zu ihrer Zeit meist wenig beachtet, vielleicht sogar verspottet, posthum aber als Genies verehrt. Man denke nur an Vincent van Gogh, Antoni Gaudi, Niki de Saint Phalle oder Friedensreich Hundertwasser.

Die Liste der zeitgenössischen, wirklich ästhetisch bauenden, in der Kunst verwurzelten Architekten ist leider nicht sehr lang. Man könnte da beispielsweise noch Christian Hunziker („Le Schtroumpf“ in Genf), Simon Rodia („The Tower of Watts“ in Los Angeles) oder Lucien Kroll nennen. In der Bäder-Architektur ist die Liste leider ebenso kurz. Ich möchte hier jedoch auf eine Aufzählung verzichten. Mag jeder Archi-tekt für sich selbst beurteilen, wie naturnah und dadurch auch schön seine Bauwerke wirklich sind.

Hin und wieder entdeckt man aber überraschend auch eher unbekannten Orten künstlerisch gestaltete Ar-chitektur-Objekte, die Erstaunen auslösen. So z. B. der Autobahn-Rasthof „Illertal-Ost“, der als Ge-samtkunstwerk ausgeführt wurde. Oder eine Gärtnerei im Hundertwasser-Stil in Limburg an der Lahn. Oder ein Kunsthaus im saarländischen Weiskirchen. Natürlich auch das Ernst-Fuchs-Hotel in St. Pölten, die Ausstellungshalle in Graz oder die ehemalige Kumpf-Therme in Stegersbach.

Gerade bei den geistreichen Entwicklern neuer Ideen lohnt es, näher hinzuschauen, sich deren Gedanken-gänge zu verinnerlichen. Man kann viel daraus lernen, alte Fehler vermeiden und überraschend Neues ent-wickeln.

== Architektur und Kunst ==
Wirklich gute Architektur erfordert einen Architekten, der sich nicht nur als Handwerker, sondern auch als Künstler versteht. Allen großen Künstlern gemeinsam ist die Liebe zur Natur, zur Vielfalt der Farben und Formen. Etwas, was heute in der Architektur weitgehend verloren gegangen ist. Zuletzt um das Jahr 1900 herum hat man es mit der Art Deco (Jugendstil) kurzzeitig wieder aufleben lassen. Der vielleicht größte Künstler-Architekt dieser Zeit war Antoni Gaudi, der die Stadt Barcelona zum Gesamtkunstwerk machen wollte. Viele interessante Gebäude und Parks stammen aus seiner Hand.

Doch spätestens seit der Bauhaus-Zeit scheint die Liebe zum Detail, zu Vielfalt, Farbe und Natur verges-sen zu sein - wären da nicht seit den 1980er Jahren die „Hundertwasser-Häuser“, die scharenweise, ja zwi-schenzeitlich schon von Millionen Menschen umringt und andächtig bewundert wurden. Das kleine „Hun-dertwasser-Kunsthaus“ in Wien hat z. B. jährlich mehr Besucher als alle sonstigen zeitgenössischen Kunst-ausstellungen der Stadt zusammen.

== Hundertwasser-Projekte ==
Weitere Beispiele für tolle Hundertwasser-Architektur sind z. B. das Fernwärme-Werk Spittelau, die „Waldspirale“ in Darmstadt, die „Markthalle Altenrhein“ am Bodensee und natürlich das „Thermen-Dorf“ in Blumau. Sehr sehenswert sind aber auch das Wohn- und Geschäftsviertel „Grüne Zitadelle“ in Magde-burg, die Kindertagesstätte in Heddernheim, die Kirche in Bärnbach, das Gymnasium in Wittenberg, die Wohnanlage „In den Wiesen“ in Bad Soden, das „Wohnen unterm Regenturm“ in Plochingen, die Raststätte in Bad Fischau und der Bahnhof Uelzen. Es gibt noch viele weitere Hundertwasser-Projekte, die alle zwei Gemeinsamkeiten haben: sie leben von und mit der Natur und sie sind einfach schön.

Um das zu verstehen, muß man auf die Grundsätze eingehen, die Hundertwasser schon in seinen frühen Manifesten artikuliert hat. Hundertwasser ging neue Wege, hatte teilweise sehr radikale Ansichten. „Die Kunst für die Kunst ist ein Irrweg. Die Architektur für die Architektur ist ein Verbrechen“ predigte er bei-spielsweise. Wäre es nach ihm gegangen, könnte man heute vielleicht wegen „unnatürlicher Architektur als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ strafrechtlich belangt werden. Nachfolgend ein paar Zitate und Auszüge aus seinen umfangreichen, sehr interessanten Schriften (wörtlich entnommen aus Hundertwasser-Veröffentlichungen):

Die Gerade Linie (1953 / 1958 / 1959). „Hütet euch vor der geraden und vor der betrunkenen Linie. Aber besonders vor der geraden Linie. Die gerade Linie führt zum Untergang der Menschheit.“ „Jede moderne Architektur, bei der das Lineal oder ein Zirkel auch nur eine Sekunde lang - und wenn auch nur in Gedan-ken - eine Rolle gespielt hat, ist zu verwerfen. Gar nicht zu reden von der Entwurfs-, Reißbrett- und Mo-dellarbeit, die nicht nur krankhaft steril, sondern widersinnig geworden ist. Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch. Die gerade Linie ist keine schöpferische, sondern eine reproduktive Linie. In ihr wohnt weniger Gott und menschlicher Geist als vielmehr die bequemheitslüsterne, gehirnlose Massenameise.“

„Die heutige Architektur ist kriminell steril. Denn fatalerweise hört jegliche Bautätigkeit in dem Augen-blick auf, in dem die Menschen ihr Quartier beziehen, wo doch normalerweise die Bautätigkeit nach Ein-zug des Menschen überhaupt erst beginnen sollte.“

== Das Fensterrecht (Hundertwasser 1958) ==
„Ein Bewohner muß das Recht haben, sich aus seinem Fenster zu lehnen und außen an der Außenwand alles umzugestalten, wie es ihm entspricht, so weit sein Arm reicht, damit man von weitem, von der Straße sehen kann: dort wohnt ein Mensch.“

== Farbe in der Architektur (Hundertwasser 1958 / 1981) ==
„Wenn in einer Mauerecke das Moos wächst und die geometrischen Winkel abrundet, so soll man sich doch freuen, daß mit dem Schmutz und der Erosion und der Verwitterung das Leben in das Haus einzieht und wir so Zeugen von architektonischen Veränderungen werden, von denen wir viel zu lernen haben.“

„Wenn wir die Natur die Wände bemalen lassen, dann werden die Wände natürlich und menschlich.“

== Baummieter (Hundertwasser 1973) ==
„Warum soll nicht ein Baum anstatt eines Menschen in einer Wohnung wohnen, wenn der Sauerstoff rar wird? Man braucht nur ein Fenster einer Wohnung und etwas Raum dahinter.“

„Der Baummieter zahlt seine Miete mit Sauerstoff, durch seine Staubschluckkapazität, als Anti-Lärmmaschine durch Erzeugung von Ruhe, durch Giftvertilgung, durch Reinigung des verseuchten Re-genwassers, als Produzent des Glücks und der Gesundheit, als Schmetterlingsbringer und durch Schönheit und mit vielen anderen Valuten. Dies läßt sich alles in Geld umwechseln und ist mehr, als ein Mensch-Mieter mit einem Scheck bezahlen kann.“

== Die Baumpflicht (Hundertwasser 1980, Auszüge) ==
„Baumpflicht bedeutet die Wiederherstellung des Dialoges mit der Natur. Ein tägliches Leben ohne inti-men Kontakt mit Bäumen, Pflanzen, Erde und Humus ist menschunwürdig. Wilder Wein, Efeu, Veitschi und Bäume müssen von Anbeginn an im Bauplan verankert sein. Von der Vogelperspektive ist das Haus unsichtbar, da alles Grün ist.“

== Individualität ist Trumpf ==
All diese Thesen und Ideen und noch viele mehr hat der Maler Hundertwasser in seine Architektur-Projekte mit eingebracht. Das macht die Bauten so einzigartig, so bemerkenswert, so schön. Von oben ist ein Hunderwasser-Haus fast nicht zu erkennen, man kann auf den Dächern spazieren gehen wie auf einer Sommerwiese. Alles paßt sich in die Natur ein, will sie nicht beherrschen, ihr keinen Raum wegnehmen.

Das heißt aber nicht, daß man unbedingt genau so wie Hundertwasser bauen muß, um ein schönes Haus bzw. ein schönes Bad zu schaffen. Genau so wie jeder Mensch einen anderen Geschmack hat, sollte auch jeder Architekt einen eigenen Stil haben. Wichtig ist jedoch, daß man sich von der Uniformität der heuti-gen Architektur, die damit auch nicht viel besser ist als die der letzten 50 oder sogar fast 100 Jahre, wis-sentlich entfernt und kraftvolles Neues erschafft, im Einklang mit sich selbst und mit der Natur. Nur so kann man die Seele anrühren, dem künftigen Besucher und Gast eine Wohlfühl-Atmosphäre vermitteln.

== Persönliche Bewertung ==
Nicht alle Thesen Hundertwassers würde ich aus heutiger Sicht ungeprüft und unverändert übernehmen wollen. So verstehe ich unter dem „Fensterrecht“ eigentlich eher das Recht eines jeden Fensters, einzigar-tig und anders zu sein als alle Fenster in der Umgebung. Größen, Formen, Farben, Materialien geben dazu genügend Gelegenheiten. Nicht jeder Bewohner soll die Fassade beliebig umgestalten dürfen, doch der Architekt sollte die Pflicht haben, einen eigenständigen, außergewöhnlichen, annehmbaren, mit den zu-künftigen Nutzern abgestimmten Entwurf abzuliefern.

Auch die gerade Linie verdamme ich nicht in jedem Falle. Dort, wo sie sich jedoch ohne großen Aufwand und ohne Nachteile vermeiden läßt, hat sie auch bei mir keine Existenzberechtigung. Rechteckige Bassins sollte es wirklich nur für Sportschwimmer geben, nur ausnahmsweise jedoch in Gesundheits-, Therapie, Thermal- oder Spaßbädern. Dort stören diese Viereck-Becken einfach den Gesamteindruck, verhindern die Erholung und den Spaß.

== Natürlich preiswert und schön bauen ==
Am einfachsten ist es, etwas komplett Neues zu bauen. Man hat dann keine Einschränkungen und kann aus dem Vollen schöpfen. So entstehen außergewöhnliche Bauwerke wie das „Hundertwasser-Dorf“ in der Steiermark, die „Grüne Zitadelle“ oder der Rasthof Illertal Ost. Doch leider ist das auch sehr teuer, für die meisten Kommunen kaum realisierbar.

Die Realität sieht so aus, daß sehr viele Städte und Gemeinden über häßliche Sport-Hallenbäder verfügen, die 30 oder mehr Jahre alt und substantiell verbraucht sind. Diese „erwirtschaften“ in der Regel Jahr für Jahr Verluste in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro pro Bad. Ein Abbruch und Neubau wäre jedoch sehr teuer und politisch kaum machbar. Da bleibt der Umbau / Modernisierung (nennen wir es „Sanierung“) als einzige machbare Lösung. Aber gerade an dem Punkt, wo die Sanierung beschlossen wurde, aber noch keine konkrete Planung besteht, werden die meisten Fehler gemacht.

Die meisten Kommunen bauen in der Regel nur alle 40 Jahre ein Bad und haben deswegen keine Fachleu-te. Die eingeschalteten Beratungsfirmen machen sich aber in der Regel nicht die Mühe - vielleicht sind sie dazu auch nicht in der Lage - ein wirklich neues Konzept zu erarbeiten. So wird dann nur verschlimmbes-sert. Man bekommt eine neue Technik und neue Fliesen, aber das Bad ist immer noch langweilig, mißges-taltet, häßlich - widernatürlich, unmenschlich.

Man hat vielleicht „nur“ 8 Millionen Euro in die Sanierung anstatt 15 Millionen für einen modernen Neu-bau investiert, aber die Anerkennung der Gäste und der wirtschaftliche Erfolg werden auch weiterhin aus-bleiben. Dabei könnte man genau dies auch mit einem wirklich guten Umbau-Konzept erreichen, das nicht viel teurer als die reine Sanierung sein muß, auf jeden Fall aber preiswerter als ein Neubau ist. Beispielwei-se, wenn man der Natur mehr Rechte einräumt...

== Die Fassade ==
Wichtig ist natürlich zu aller erst die Fassade eines Bauwerks, seine Visitenkarte sozusagen. Schon von außen muß es anziehend erscheinen, menschlich und natürlich. Das erreicht man nicht mit großen Sichtbe-ton-Flächen oder Verglasungen. Wie in der Natur sollte die Umkleidung des Hauses ungleichmäßig, un-aufdringlich farbig, lebendig gestaltet sein. Unregelmäßige, kleinere Farbflächen auf unebenem Unterg-rund, die bei jedem Lichteinfall anders erscheinen, wirken interessant.

Auflockern kann man große Flächen durch Pflanzschalen und durch Nistkästen, die an die Wand ange-hängt werden. Füllt man die Pflanzschalen mit guter Blumenerde vermischt mit Blumensaat und sorgt für eine Möglichkeit zur Bewässerung für trockene Monate, so kann man sie fortan sich selbst überlassen. Auch die Nistkästen werden bald wie von Zauberhand bevölkert sein. Noch besser wird es, wenn man in einige der Blumenkübel Kletterpflanzen einsetzt, wie z. B. wilden Wein oder Efeu. Nützliche Insekten finden hier einen neuen Lebensraum. Das Gebäude wird alsbald zum Blickfang werden - und das für we-nig Geld.

Riesige Marienkäfer, Libellen und Schmetterlinge aus Keramik, Glas, Stuck, Messing und Edelstahl könn-ten die Fassade erklimmen, sich auf ihr zur Ruhe niederlassen. Neonfarbige Lichtpunkte wie Glühwürm-chen und hell strahlende Sterne und Glasblubber machen das Bauwerk auch bei Nacht zum Blickfang.

== Die Öffnung des Gebäudes ==
Ganz wichtig ist es, daß die Fassade an allen Seiten nach außen hin geöffnet wird. Das Bad braucht Fens-ter, die eine Kommunikation von innen nach außen und umgekehrt ermöglichen. Möglichst raumhoch, kei-ne kleinen Löcher. Wie es beim Kopf Öffnungen für Augen, Nase, Ohren, Mund gibt, so müssen diese auch beim Gebäude vorhanden sein. Dadurch tritt das Haus erst mit der Umwelt, der Natur in Kontakt.

Das ist für die Benutzer ebenso substantiell wie für die neugierigen Spaziergänger, die mal eben vorbei-kommen. Und die werden nach den Erfahrungen mit den Hundertwasser-Projekten in Scharen kommen, um einen neuen Stil, die neue Qualität in der Bäder-Architektur einzuatmen. Viele von ihnen werden als-bald wiederkommen, um sich das Projekt auch als regelmäßig genießender Badegast zu verinnerlichen.

Groß müssen die Öffnungen sein und eine unregelmäßige Form besitzen. Nicht am Reißbrett entworfen, sondern frei Hand eingepaßt. Dabei darf und soll die Fassade auch dreidimensional werden, mit Ausbuchtungen und Vorsprüngen und Balkonen und Terrassen. So wie aus dem Gesicht auch die Nase, die Ohren oder die Augenbrauen hervorragen. Die rechtwinkligen Gebäude-Ecken sind abzurunden. Alles ist zu tun, um den häßlichen Betonquader, den die Schwimmfabriken des späten 20. Jahrhunderts zumeist darstellen, aufzulockern und unkenntlich zu machen, um die Umwelt ins Gebäude zu lassen und den Menschen drinnen das Gefühl zu geben, mit der Natur draußen verbunden zu sein.

== Das Entrée ==
Der Eingangsbereich muß eine magische Anziehungskraft ausüben. Der vorbeikommende Mensch muß quasi wie von einem Staubsauger ins Gebäude hineingesogen werden. Drinnen herrscht eine magische At-mosphäre, wie eine Mischung aus Disneyland, Stonehenge, Tropfsteinhöhle und orientalischem Märchen, farbenfroh und mystisch zugleich, mit versteckten Lichtquellen, hinterleuchteten Kristallen, beruhigenden Klängen (z. B. von Windspielen), echten Kerzen, Blumen, Helligkeit und Schatten. Der Eingangsbereich wird nicht von Automaten dominiert, sondern von der Schönheit. Die Kassendame sitzt nicht in einem Käfig, sie kann frei mit den Gästen kommunizieren.

== Der Innenraum ==
Noch wichtiger als die äußere Beschaffenheit ist die Gestaltung des Innenraums des Bades. Hier muß be-sonderes Augenmerk auf Individualität und Naturfreundlichkeit gelegt werden. So sollte jegliche Art von Kunststoffen nach Möglichkeit vermieden werden. Echtes (Voll-) Holz soll der hauptsächlich verwendete Werkstoff sein, sofern dies bauphysikalisch möglich ist. Und selbstverständlich braucht man viel natürli-ches Licht, um echte Pflanzen gedeihen zu lassen. Gewächse aus Plastik sollen so weit wie möglich ver-mieden werden. Sie darf man nur dort einsetzen, wo echte Pflanzen nicht gedeihen könnten und wo man sie mit dem bloßen Auge nicht unterscheiden kann.

Auch im Innenraum sollten natürliche Farben dominieren. Dies sind helle Gelb- und Braun-Töne für die Böden und Schattierungen von Grün für die vertikalen Flächen. Ungekünstelt durch kleine Farbtupfer aufgelockert, so wie es die Blumen auf einer Wiese tun. Zur Decke hin kommen blaue und weißliche Farben hinzu, die den Himmel simulieren. Helle Deckenfarben haben außer der optischen Vergrößerung auch den Vorteil, daß man sie in den Abendstunden mit Beamern und Farblicht-Strahlern individuell verändern und so unterschiedliche Stimmungen erzeugen kann.

Wichtig ist es, nicht nur einen Zugang zur Natur zu schaffen, was durch das (ganzjährige !!!) Angebot ei-nes Gartenspazierganges oder die Sommer-Liegewiese mit Naturteich und Bachlauf geschehen kann, son-dern die Natur ins Bad zu holen. Die Glaskuben mit einzelnen Bäumen in manchen Bädern sind ein An-fang, doch man kann noch viel konsequenter sein. Hier sind die Phantasie und das Naturverständnis der Planer gefragt. Zu Risiken und Wirkungen fragen Sie Ihren Architekten...

== Die Riesenrutsche ==
Immer wieder scheiden sich die Geister an der Notwendigkeit einer großen Rutsche. Muß eine Therme darauf verzichten? Darf ein Sportbad sie besitzen? Ist sie in einem Spaßbad ein Muß? Ich sage: eine Riesenrutsche gehört einfach in jedes Sport- und Freizeitbad, wenngleich nicht unbedingt in jedes Thermal- und Erholungsbad. Gerade für Kinder, und diese sollten zum Haupt-Zielpublikum eines jeden Bades zählen, ist eine große, abenteuerliche Rutsche unverzichtbar. Jedoch sollte man die Rutsche nicht als Selbstdarsteller häßlich in die Landschaft stellen, sondern geschickt darin integrieren. Sich rund um den Aufstiegsturm (gekrönt von einer begrünten Kuppel) schlängeln lassen, durch die Fassade brechen, auch mal unterirdisch in Schlangenlinien ums Gebäude hüpfen lassen, vielleicht auch sich durch einen kleinen Bambus-Hain windend oder im Buschwerk versteckt.

So viele Ideen sind auf diesem Gebiet noch nicht verwirklicht, wenn auch meine angeblich „unmöglich zu realisierende“ Vorstellung der vollkommen transparenten Rutsche kürzlich von einem Hersteller aufgegrif-fen und zwischenzeitlich mehrfach erfolgreich gebaut wurde. Abwechslung und Abenteuer sind Trumpf. Und warum sollte eine gläserne Rutsche nicht auch mal quer durch einen mit großen Fischen besetzten Teich führen oder daran entlang?

== Die Gastronomie ==
Ein Bad ist nicht nur eine Anstalt, wo man sich erfrischt, reinigt und körperlich ertüchtigt, sondern immer auch ein Ort zwischenmenschlicher Begegnungen, der Kommunikation. Ganz genau so, wie ein Straßencafé, das ja nicht nur köstliches Gebäck, Kuchen und Latte Macchiato verkauft, sondern eine halbe Stunde Glücksgefühl, Besinnung, Unterhaltung. Und darum muß jedes natürlich gestaltete Badeland auch über eine einladende Gastronomie verfügen. Hell, freundlich und abwechslungsreich.

Alle Stühle und Tische aus Vollholz, aber vielleicht jeder Stuhl und jeder Tisch verschieden. Keine Einzel-anfertigungen, sondern hochwertige Möbelstücke aus der aktuellen Produktion. Ungekünstelt geschmückt mit Tischtüchern aus Leinen sowie Blumengestecken. Passend dazu eine Speise- und Getränkekarte mit gesunden, unverfälschten Angeboten. Letztens entdeckte ich auf einer Getränkekarte den Spruch „Wir konnten in Cola & Co. leider keine natürlichen Bestandteile finden und führen diese Getränke deshalb nicht“. Naja, so weit muß man dann auch wieder nicht gehen.

== Die Dachfläche =
Weiterhin ist dem Dach erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Sofern es ein Flachdach gibt (wie bei 95 % aller modernen öffentlichen Gebäude üblich) und die Statik dies zuläßt, muß eine Begrünung stattfinden. Besonders einfach ist dies bei Flachdächern. Nach der wurzelfesten und wasserdichten Abdeckung (mit Entwässerungssystem) braucht man eigentlich nur noch Humusboden aufzubringen. Den Rest besorgt die Natur. Das Einpflanzen von Büschen an exponierten Stellen erhöht die Attraktivität. Bäume dürfen freilich nur in sehr begrenztem Umfang wachsen, da ihr Gewicht zur Gefahr werden könnte. Daher müssen diese auch regelmäßig beschnitten werden.

Auf großen Dachflächen kann man vielleicht sogar hin und wieder Schafe weiden lassen, die für eine niedrige Vegetation sorgen. Der Einsatz von Rasenmähern ist aber zu vermeiden. Toll ist es, wenn man zusätzlich noch einen Wanderpfad, eine Aussichtsplattform, ein Café oder eine kleine Liegewiese auf dem Dach des Bades unterbringen kann. Das erhöht die Attraktivität und damit den Nutzwert ungemein.

Natürlich muß das Dach, wenn man es „bewohnbar“ macht, also für den Menschen zugänglich, auch eine Absturz-Sicherung erhalten. Diese sollte jedoch nicht als rundum verlaufendes Gitter oder als einheitliche Glasbarriere gestaltet sein. Auch hier gilt es, die Vielfalt und Unregelmäßigkeit der Natur nachzuempfin-den. Ohne die baurechtlich vorgeschriebene Mindesthöhe (ca. 120 cm) zu unterschreiten, gibt es rundum eine Abgrenzung durch eine mehr oder minder hohe, massive Mauer aus Bruchsteinen mit Guck-löchern, Glas-Einsätzen, verschnörkelten Balkon-Gittern und dickem Tauwerk als Unterbrechung. Nicht zu verges-sen sind Vorsprünge mit Türmchen wie bei einer Burg, die einen 270 Grad-Rundblick ermögli-chen. Und auch ein Aussichtsdeck, vom Dach kühn hervorspringend, sollte nicht fehlen.

== Die Außenanlage ==
Wo immer es sich einrichten läßt, sollte das naturnahe Bauwerk von Grün umgeben sein. Nicht von einer Parkanlage mit „englischem Rasen“, sondern von einem lebendigen, vielfältigen, teilweise naturbelassenen Garten mit heimischen Blumen, Büschen und Bäumen. Die Autos können notfalls eine Etage tiefer parken. Bestandteil der Gartenanlage sollte immer ein kleiner Bachlauf sein, notfalls auch durch eine Pumpe künstlich in Gang gehalten. Und selbstverständlich auch ein Naturteich, in dem sich allerlei heimisches Getier tümmeln kann, beispielsweise Frösche, Lurche, Libellen, Wasserläufer, Stichlinge, Flußkrebse, Muscheln sowie natürlich auch Haie, Krokodile und Piranhas.

Das überschüssige Regenwasser, das von der großen Dachfläche eines Bades anfällt, sollte möglichst zur Gänze in diesen Teich eingeleitet werden, der einen Überlauf in einen echten Bach haben sollte (nur not-falls ins Kanalnetz). Auch das „Schlammwasser“, das im Bad täglich anfällt, kann - sofern es nicht recyc-led wird - in offenen, vielleicht sogar bepflanzten Natur-Becken anstatt in geschlossenen Bassins zwischengelagert werden. Dort kann das Chlor ungehindert ausgasen und im Sommer sorgt die Verdampfung für eine angenehme Kühlung der Umgebung.

== Das Naturrecht der Gebäude ==
Ich wage es, mit meinen Forderungen noch weiter zu gehen als Hundertwasser. Ich sage: jedes Gebäude hat ein Recht darauf, schön, individuell und natürlich zu sein. Und jedes öffentliche Bauwerk - sei es nun Museum, Rathaus, Arbeitsamt, Kirche, Bibliothek, Bahnhof, Finanzamt oder Schwimmbad etc. - ist zu Schönheit, Individualität und Naturverbundenheit sogar verpflichtet. Und mit ihm die Planer, Architekten, Bauamts-Mitarbeiter, Handwerker und Bauherren, kurzum alle, die mit dem Bau zu tun hatten. Das ist das Naturrecht jedes Gebäudes.

== Bilanz ==
Ich will mit diesem Artikel, diesem „Manifest für die Natur“, eine Lanze brechen für mehr Natürlichkeit, Kreativität, mehr Individualität und Phantasie beim Bau öffentlicher Gebäude im Allgemeinen und beim Bäderbau im Speziellen. Weg von den eingefahrenen Wegen, die ja offensichtlich eine Sackgasse darstel-len. Hin zur freieren Gestaltung, zur Einbeziehung der Natur in die Architektur, zum „Naturrecht“ der Bauwerke, zur „Archinatur®“ (Namensrecht: wellSPAss).

Ich bin zwar kein Architekt, sondern Unternehmensberater - aber auch ein mündiger Bürger dieser Welt, ein Vor-, Zurück- und Querdenker, der sich durchaus in der Tradition seiner berühmten Wegbereiter und in einer Verpflichtung der Schöpfung gegenüber sieht. Vielleicht läßt sich aber das eine oder andere Bau-projekt durch meine (Hand-) Schrift beeinflussen oder ein Planer zu einem naturnäheren und damit menschlicheren Baustil hin bewegen. Laßt eure Gedanken, eure Träume frei! Sie sollen fliegen wie ein Zit-ronenfalter im ersten Sonnenlicht des Frühlings.

Falls gewünscht, würde ich gerne dabei Hilfestellung zu leisten. Einige meiner Ideen wurden schon in öf-fentlichen Bädern verwirklicht, doch so manche andere wartet geduldig auf ihre Chance. So liegen bei-spielsweise Konzepte für die „Residenz-Therme“, das „Regenwald-Bad“, die „Zaubertherme“, das „Yellowstone-Bad“, die „Spieldüne“, den „Familien-Erlebnispark“ oder das „Märchenbad“ in meiner Schublade und warten nur auf das passende Objekt, einen couragierten Architekten oder eine Kommune, die den Mut zur wirklichen Veränderung hat. Aber gibt es die?

== Fachliteratur ==
Jedem Liebhaber der Philosophie und der Architektur von Hundertwasser und seinen Seelenverwandten seien hiermit noch ein paar Bücher ans Herz gelegt, die zu lesen, genießen und verinnerlichen es sich mei-nes Erachtens wirklich lohnt:

1) „Hundertwasser Architektur - Für ein natur- und menschengerechtes Bauen“, Benedikt Taschen Verlag 1997, ISBN 3-8228-8594-0
2) „Hundertwasser - KunstHausWien“ , Benedikt Taschen Verlag 1999, ISBN 3-8228-6613-x
3) „Hundertwasser - Der Maler-König mit den fünf Häuten. Die Macht der Kunst“ von Pierre Restany, Benedikt Taschen Verlag 2003, ISBN 3-8228-6598-2
4) „Antoni Gaudi - sämtliche Werke“ von Rainer Zerbst, Benedikt Taschen Verlag 1985 (mehrere Neuauflagen), ISBN 3-8228-7077-3
5) „Der Tarot-Garten“ von Niki de Saint Phalle, Benteli Verlag 2000, ISBN 3-7165-1087-4
6) „Le Schtroumpf - Architektur, die sich fühlt“ von Christian Hunziker, Edition Fricke im Rudolf Müller Verlag Köln, 1986, ISBN 3-481-50511-6
7) „Balnea - Architekturgeschichte des Bades“, Susanne Grötz und Ursula Quecke, Jonas Verlag Marburg 2006, ISBN 3-89445-363-x
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Und nun viel Spaß beim Nachdenken! Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<


Übrigens: obwohl wir bei familand Ideealisten sind, würden wir uns nicht darüber beschweren, auch einmal Geld mit unseren Ideen verdienen zu können...

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P.S.: Mit der Erst-Veröffentlichung von Ideen erwirbt man automatisch das Autoren-Copyright und damit einen Geschmacksmuster-Schutz, der gerichtlich anerkannt wird! Denken Sie daran!

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