familand-Visionen: Die Magie des guten Managements
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== Die Magie des guten Managements ==
Dies ist ein Fach-Bericht über das Badewesen, der aber auch auf andere Bereiche übertragbar ist. Vielleicht kann ja der eine oder andere von Ihnen etwas damit anfangen...

Haben Sie sich nicht schon mal gefragt, warum manche Bäder erfolgreich sind, andere mit objektiv besseren Voraus-setzungen jedoch scheitern? Wieso gibt es Bäder in abgelegenen Regionen - ohne großes Einzugsgebiet - die schwarze Zahlen schreiben, aber auch solche in Ballungszentren, deren jährliche Defizite in die Millionen gehen? Mir als Bä-derberater stellen sich solche Fragen immer wieder. Und obgleich die äußerlichen Umstände oftmals sehr verschieden sind, trifft immer die gleiche Antwort zu: Es ist die "Magie des Managements", die über Erfolg oder Mißerfolg ent-scheidet.

== Magie des Managements? ==
Ich verstehe darunter die Kunst, ein Bad (Freizeitbad, Sauna, Spa, Therme etc.) so zu gestalten und so zu führen, daß viele Gäste bereit sind, für das Vergnügen eines Besuches immer wieder mit Freude einen hohen Geldbetrag auszuge-ben. Eine hervorragende Man-Power (Geschäftsführer, Aufsichtsrat, Badleiter und motivierte Mitarbeiter) ist stets die Grund-Voraussetzung für den Erfolg. Und um diesem Erfolg zur Dauerhaftigkeit zu verhelfen, bedarf es der Quali-tätssicherung in allen Bereichen.

== Der kommunale Regiebetrieb ==
In den meisten Kommunen werden die Bäder immer noch durch die Kommune selbst betrieben. Das bedeutet, daß die Bäder unter der direkten Regie der Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung stehen. Als Geschäftsführer ist zumeist der Bür-germeister eingetragen, die Bäderleitung wird in der Regel von einem Leitenden Schwimm-Meister übernommen, der keine weitergehende Ausbildung in den Bereichen Betriebswirtschaft, Bäder-Management oder Marketing hat. Die Beschlüsse über die Entwicklung und Positionierung des Bades werden im Gemeinderat getroffen, der aus etwa 50 Bürger-Vertretern der unterschiedlichsten Berufsgruppen und Parteien besteht.

Beschlüsse, die sich auf die Wirtschaftlichkeit des Bades auswirken, werden zumeist von der Kämmerei vorbereitet, wobei der Gemeinderat dann in der Regel für möglichst umfangreiche Öffnungszeiten sowie "sozialverträgliche" (ver-lustbringende) Tarife sorgt. Für die Außenwerbung und die sonstigen Marketing-Aufgaben bemüht man vorwiegend das Fremdenverkehrsamt. Ausgewiesene Bäder-Experten gibt es in den meisten Kommunen nicht. Die Strukturen sind starr, die Entscheidungswege sehr lang. Quasi jeder kann mitbestimmen, auch Laien. Von daher ist es auch nicht ver-wunderlich, daß ALLE Bäder, die als kommunaler Regiebetrieb geführt werden, hohe jährliche Verluste verursachen, teilweise in Millionenhöhe.

== Die (kommunale) Bädergesellschaft ==
Oberstes Organ der kommunalen Bädergesellschaft ist normalerweise der Aufsichtsrat. Dieser setzt sich in der Regel aus fünf bis zehn Personen zusammen. Diese wiederum werden von der Gesellschafterversammlung bzw. einem Rats-gremium der jeweiligen Kommune bestimmt, wobei die Parteizugehörigkeit oftmals eine wesentliche Rolle spielt. In einer guten Bädergesellschaft müssen die Aufsichtsrats-Mitglieder nicht nur eine große Portion gesunden Menschen-verstand, sondern auch ein großes Interesse am Bad und Verständnis für das operative Geschäft mitbringen.

Zusätzliches Fachwissen kann ebenfalls nicht schaden. Dieses läßt sich aber auch nachträglich erwerben. Leider sind auch die allermeisten Bäderbetriebe unter der Trägerschaft der kommunalen Bäder-GmbH Zuschußbetriebe. Das hängt aber zumeist nicht mit der Konstruktion der Gesellschaft an sich zusammen, sondern an der falschen Besetzung des Geschäftsführer-Postens oder den arg beschnittenen Kompetenzen des Geschäftsführers.

== Der Geschäftsführer ==
Zunächst aber sollte - möglichst schon vor Baubeginn eines neuen Bades - ein engagierter Bäder-Profi als Geschäfts-führer eingesetzt werden - und das ist wirklich das Allerwichtigste. Diesem sollte eine weitest gehende Handlungsfreiheit eingeräumt werden. Dafür ist ein großer Vertrauensvor-schuß nötig. Der Geschäftsführer - oftmals in Personalunion auch Badleiter - ist das wichtigste Organ in einer funktionierenden Bädergesellschaft. Er ist im günstigsten Falle maßgeblich am Bau beteiligt, auf jeden Fall aber verantwortlich für den funktionierenden, laufenden Betrieb. Das hat mit Zauberei zu tun, denn vom GF werden schier übermenschliche Fähigkeiten erwartet. Er/Sie muß ein Multi-Talent sein und mehr als nur die Grundbegriffe einiger sehr unterschiedlicher Berufe beherrschen. Von diesen Professionen möchte ich einige kurz anreißen:

== Architekt / Projektmanager ==
Ein gutes Bad verfügt über eine einzigartige Architektur. Für diese ist der Architekt verantwortlich, der in der Regel von einem Gremium der Kommune ausgewählt wird. Es ist aber nun einmal nicht bei jedem die Gabe vorhanden, gute von schlechter Architektur zu unterscheiden - vor allem nicht bei den Bauamts-Mitarbeitern. Darum gibt es so viele "Bausünden", vor allem im Sportstättenbau. Ein erfahrener Bäderleiter (der schon viele andere Bäder kennt und beur-teilen kann) sollte diesem Gremium stets beratend zu Seite stehen.

Sehr wichtig ist es, frühzeitig mit dem Architekten zu kommunizieren und die Notwendigkeiten eines gut funktionie-renden Bäderbetriebes mit in die Pläne einzubringen. Denn es ist nicht jeder Architekt auch Fachmann für den Betrieb eines Bades. So muß der Badleiter / GF die Ausführungsplanung laufend auf Zweckmäßigkeit hin prüfen und ggf. korrigieren. Dazu sind architektonische Grund-Kenntnisse erforderlich. Zumindest sollte man Baupläne lesen und richtig interpretieren können.

== Bauleiter ==
Es kommt leider auch heute immer noch vor, daß ein schön geplantes Projekt nach Beendigung der Baumaßnahmen mit so vielen Mängeln behaftet ist, daß man es nach kurzer Zeit wieder schließen und sanieren muß. Denn leider werden auch die schönsten Pläne nicht immer adäquat umgesetzt. Durch die EU-Vergabebestimmungen kommen meist die billigsten Baufirmen zum Zuge, die aber nicht unbedingt auch die besten sind. Angeheuerte Subunternehmer liefern gerne "Pfusch am Bau" ab und sind später kaum noch haftbar zu machen. Oftmals treten die Mängel erst nach Jahren zu Tage, wenn die Gewährleistung nach VOB (zumeist fünf Jahre) schon abgelaufen ist.

Damit ist es eine substantielle Aufgabe des GF / Badleiters, täglich die Baustelle zu besuchen und das Werk der Bau-arbeiter genau zu begutachten. Auch die Auswahl, Quantität und Qualität der Bau-Materialien sollte regelmäßig geprüft werden. Dafür gibt es natürlich auch immer einen für das Projekt zuständigen Bauleiter - meist vom Architekten vermittelt. Aber auch dieser sieht bestimmt nicht alles und weiß nicht zwangsläufig um die Betriebsabläufe in einem fertigen Bad. Der Betriebsleiter muß aber später damit klarkommen, wo z. B. die Anschlüsse für Wasser, Strom, Des-infektion etc. oder die Wasserabläufe liegen, wie diese dimensioniert sind und wie Attraktionen und Beleuchtung ge-schaltet werden.

== Techniker ==
Wehe dem Betriebsleiter, der nicht über seine Technik Bescheid weiß. Neben dem Personal entstehen hier nämlich die höchsten Kosten. So muß man wissen, welche Komponenten die Was-sertechnik umfaßt und wie sie funktionieren. Welche innovativen und kostensparenden Geräte kann man einbauen? Was hat welche Anschaffungs- und Folgekos-ten? Welche Arten von Desinfektion und Wärmeerzeugung sind am zweckmäßigsten? Natürlich hat jedes Bad min-destens einen Techniker - doch der kümmert sich vorwiegend darum, daß die vorhandene Technik funktioniert, nicht aber um die daraus entstehenden Kosten und mögliche Einspar-Potentiale.

== Designer ==
Noch viel wichtiger als die äußere Hülle des Gebäudes, die der Architekt entworfen hat, ist die Innenausstattung. Für den Gast zählen nicht die etlichen Millionen, die im Rohbau und in der Technik stecken, sondern der wesentlich kleinere Betrag, der für die Innenarchitektur und Ausgestaltung des Bades ausgegeben wird. Fühlt sich der Gast nicht wohl, dann beschwert er sich in der Regel nicht bei der Badleitung, sondern kommt einfach nicht wieder und erzählt munter allen möglichen Bekannten, wie schlecht es ihm gefallen hat. Damit ist dann das Schicksal des Bades besiegelt.

Darum ist es sehr wichtig, ein großes Augenmerk auf die Ausstattung und das Zubehör gerade in Saunaland und Wellness-Abteilung zu legen. Dabei spielen auch die Farbgebung, die Gestaltung der Beleuchtung und die Tontechnik eine große Rolle. Ein gutes Gespür und Geschmack sind vor allem vom GF gefragt, denn niemand kann so wie er die Wünsche der Gäste einschätzen.

== Personalfachkraft ==
Das Personal ist das wichtigste Kapital jedes Betriebes. Bäder machen da keine Ausnahme. Es ist heutzutage unbe-stritten keine Kunst, Arbeitskräfte zu besorgen. Die Kunst besteht darin, das richtige (hochqualifizierte und motivierbare) Personal einzustellen. Und es ist wirklich schon fast Zauberei, z. B. unter 200 oder mehr Bewerbungen für eine Stelle als Sekretärin genau die Richtige auszu-suchen. Oder unter vielleicht 500 Bewerbungen für die Kassenstellen eine Handvoll sympathischer und kompetenter Kassiererinnen.

Obwohl man als Arbeitgeber in der Regel alle Möglichkeit einer Probezeit mit diversen Verlängerungsmöglichkeiten nutzt, trägt der Betreiber spätestens nach zwei Jahren das volle Risiko für den neuen Arbeitnehmer. Eine Entlassung wegen "Unfähigkeit" wird ab diesem Zeitpunkt auch künftig kaum möglich sein. Eine falsch ausgewählte Servicekraft kostet das Bad viele Stammgäste, falsche Führungskräfte können zur schnellen Schließung des Bades führen.

Für das Personal muß immer der Chef gerade stehen und so muß er auch eine große soziale Kompetenz zeigen. Darüber hinaus müssen ihm die Personalgesetze vertraut sein, er muß regelmäßig die Personal-Versammlungen leiten, sich um die Schlichtung von Streitigkeiten kümmern, Verbesserungsvorschläge bewerten und Zeugnisse ausstellen.

== Werbe-Fachmann ==
Die beste Freizeit-Einrichtung ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht genügend Gäste generieren kann. Das ist Aufgabe der Werbe-Fachkraft, oftmals in Personal-Union mit dem GF. Was wären Spitzen-Marken wie Marlboro, Coca Cola, Warsteiner oder McDonalds ohne ihre genialen Werbe-Kampagnen? Wahrscheinlich wären sie längst vom Markt verschwunden.

Hier ist der GF gefordert, effektive und finanzierbare Werbung rechtzeitig und umfassend auf den Weg zu bringen. Das beginnt bei den Pre-Opening-Maßnahmen, geht weiter über die Beschilderung und endet bei der Gestaltung der Prospekte noch lange nicht. Viele Gespräche mit anderen Verantwortlichen, Agenturen und der Presse wollen geführt werden. Hier ist manchmal wahre Magie gefordert, um sich in die Köpfe der Zielgruppe hineinzudenken. Und da die Mittel stets und überall knapp sind, sollte man sich auch mit "Guerilla-Marketing" auskennen.

== Marketing-Experte ==
Womit wir generell beim Thema Marketing wären. Das umfasst nämlich viel mehr als nur die Werbung, sondern das ganzheitliche Auftreten eines Unternehmens. Der treffende, vielversprechende Name will ausgesucht werden (nicht etwa Freizeitbad xy), ein Logo ist zu entwerfen. Dann folgt das Corporate Design für alle Plakate, Schriftstücke, Visi-tenkarten, Flyer, Prospekte, Anzeigen, Bekleidung, Badetücher, Bademäntel etc. Nur ein einheitlicher Auftritt sichert den Wiedererkennungswert. Das ist enorm wichtig.

Schon lange zuvor ist eine Corporate Identity zu entwickeln, die sich auch in Architektur, Thematisierung und Innen-ausstattung widerspiegelt. Eine Aufgabe, die viele Gespräche mit Architekten, Fachfirmen, Gremien und der Öffent-lichkeit erfordert und die schon in der Planungsphase angegangen werden muß. Eine frühzeitige Einbeziehung der einheimischen Bevölkerung (z. B. über Schulen, Kindergärten, Wettbewerbe etc.) ist wünschenswert, denn damit schafft man gleich eine positive Einstellung zum neuen Bad. Bäder, die von der eigenen Bevölkerung abgelehnt werden, können wirtschaftlich nicht überleben.

Für den laufenden Betrieb bedarf es einer ständigen Überwachung der Einnahmeströme und Gästezahlen. Nach diesen werden beispielsweise die Öffnungszeiten und Eintrittspreise berechnet und ggf. angeglichen. Die Planung dafür obliegt dem GF. Er muß auch die Erstellung der Preislisten und Prospekte (z. B. auch Gastgeber-Verzeichnis) initiieren, mitgestalten und beauftragen.

Zum Marketing gehören aber auch z. B. das Beschwerde-Management und die Mitarbeiter-Motivation. Schön, wenn man einen echten Marketing-Experten zur Hand hat, doch leider bleibt auch dies alles meist alleinige Aufgabe des GF, der davon natürlich sehr viel verstehen sollte.

== Journalist ==
Nicht zu vergessen beim Geschäft ist natürlich die regelmäßige Information der potentiellen Gäste über Veränderungen, Stimmung und Veranstaltungen des Bades. Wie heißt es so schön? Klappern gehört zum Handwerk. Wer nicht ständig auf sich aufmerksam macht, wird schnell vergessen. Der Wettbewerb ist hart und die Konkurrenz ist wach. Eine eigene Presse-Abteilung ist natürlich ein Luxus, den sich kaum ein Betreiber erlauben kann. Somit müssen der GF oder die Sekretärin die Pressemitteilungen erstellen. Um eine Chance zur Veröffentlichung zu haben, müssen sie professionell und nach journalistischen Grundsätzen verfaßt werden. Eine Pressemitteilung pro Woche ist Pflicht. Eine Aufgabe, die der GF so nebenbei erledigt.

Ein Spitzen-Bad sollte natürlich auch in allen Bäder-Führern und breit gefächert im Internet vertreten sein, und zwar nicht nur in der eigenen (gut gestalteten, übersichtlichen) Internet-Präsenz. Eine Eintragung in die gängigen Suchma-schinen und ein vorderer Platz bei den ermittelten Treffern ist immer günstig für die Gästezahlen. Toll ist es auch, wenn man in den Telefon- und Tourismus-Verzeichnissen sowie den Karten der Atlanten-Hersteller (Falk, Shell, Aral, ADAC) als Attraktion eingetragen ist sowie über die Navigationssysteme (GPS) gefunden wird. Das bedarf einiger An-strengungen / Talente.

== Buchhalter ==
Ganz wichtig für das Überleben jedes Unternehmens ist natürlich eine perfekte Buchführung. Es müssen nicht nur alle Einnahmen und Ausgaben akribisch verbucht und ausgewertet werden, sondern auch viele Listen müssen kontinuier-lich geführt werden. Am beliebtesten sind dabei die Gästezahlen, die Erlöse und die "Rennerlisten" des Verkaufs. Bei größeren Bädern ist dafür zumindest halbtags eine Buchhaltungs-Fachkraft erforderlich, wobei die Kassen-Abrechnungen von den Kassenkräften selbst durchzuführen sind.

Die Verantwortung und damit Kontrolle obliegt natürlich dem GF. Dieser muß sich also mit Buchungssätzen und Ab-rechnungs-Modalitäten auskennen. Schließlich haftet er auch für die rechtzeitige Abführung der Steuern und Beiträge (z. B. Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft etc.).

Weiterhin müssen Wirtschaftspläne, Investitionspläne, Liquiditätspläne, Jahresberichte, Bilanzen etc. verfaßt werden. Den Überblick über die geplanten Veränderungen der nächsten Jahre muß man dabei stets behalten. Natürlich gibt es auch dafür Experten, die einbezogen werden müssen, wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Diese wollen aber um-fassende und genaue Grundlagen für ihre Arbeit bekommen - die Vorbereitung obliegt dem GF.

== Informatiker ==
Jedes Bad hat ein Kassensystem, das mehr oder weniger gut funktioniert. Das hat etwas mit dem logischen Denken und der Fachkenntnis derjenigen zu tun, von denen die speziell zugeschnittenen Programme stammen. Leider ist nicht jeder Programmierer ein wirklicher Fachmann und so sind die Programme auch relativ selten fehlerlos.

Der früher oft gebrauchte Spruch "Computer machen keine Fehler" stimmt zwar im Prinzip, doch es sind Menschen, die den Computer programmiert haben. Und deshalb machen Computer eben doch Fehler. Das wirkt sich manchmal fatal im laufenden Betrieb aus, wenn die Schlange vorm Tresen immer länger und die Kassiererin immer genervter wird.

Darum muß der Leiter des Bades auch relativ umfangreiche Kenntnisse in der Funktionsweise von Computern haben, um in schwierigen Situationen das Richtige tun zu können. Dazu gehört beispielsweise die Dokumentation, wie es zu dem aufgetretenen Fehler kam, damit der Programmierer die Ursache nach dem Fehlerprotokoll bzw. seinem Pflich-tenheft möglichst schnell eliminieren kann.

Von Vorteil ist es auch, wenn man an der Weiterentwicklung der Kassen-Software mitarbeiten kann. Es ist nämlich leider gängige Praxis, daß einige Software-Unternehmen dem Austesten ihrer Programme nicht viel Zeit widmen und der Kunde (= Bad-Betreiber) als Testobjekt dient. So liegt es im Interesse des Betreibers, möglichst viele Verbesserungen möglichst früh zu erreichen, um effektiver arbeiten zu können. Das Austesten aller möglichen Eingabe-Variationen sowie die Erstellung aller denkbaren Listen und Auswertungstabellen sollte deswegen durch den - in Informatik vorgebildeten - Betriebsleiter möglichst früh und ausgiebig erfolgen.

Zu den "Fehlern" in Programmen gehört auch der mangelhafte Bedienungs-Komfort. Das beinhaltet beispielsweise eine schwierige Navigation in den Menüs, eventuelle Sackgassen und fehlende Vorbesetzungen von Feldern (z. B. Datum). Damit wird wertvolle Zeit verschwendet, die gerade an der Kasse und in der Verwaltung sehr teuer ist. Noch teurer ist es, wenn man dadurch Gäste verliert, die durch lange Kassenzeiten schnell genervt sind und dann auch am Baden keine Freude mehr haben.

== Gastronom ==
Was wäre ein Freizeitbetrieb ohne eine funktionierende Gastronomie? Die allermeisten Gäste legen darauf größten Wert. Eine Pommesbude in einer Therme - das geht nicht. Genauso wenig ein Sterne-Lokal in einem kleinen Freizeitbad. Es obliegt dem GF zu entscheiden, welche Gastronomie an welcher Stelle in welchem Umfang benötigt wird. Er sollte sich mit der Gestaltung der Lokalitäten beschäftigen und die Abläufe sowie die gesetzlichen Vorschriften kennen.

Es wird natürlich nicht vom GF verlangt, daß er sich an die Friteuse stellt oder Bier zapft, doch er muß die Wünsche der Gastronomie-Gäste kennen. Die Mitgestaltung von Speiseplänen und Getränkekarten, die Planung von Aktionen zusammen mit dem Gastronom sollten für den GF selbstverständlich sein. Und natürlich muß zunächst einmal der passende Restaurant-Betreiber ausgewählt werden. Ansonsten bleibt auch die Leitung der Gastronomie Aufgabe des GF.

== Veranstalter ==
Eine Freizeit-Einrichtung ohne Aktionen verliert schnell an Reiz. Regelmäßige, abwechslungsreiche Events gehören für jedes erfolgreiche Bad zum Grundprogramm. Faschingsparty, Ostereiersuchen, Sommerfest, Halloween-Party, Weihnachtsfeier, Silvesterparty, Gesundheitstage sind nur einige der "Pflicht"-Veranstaltungen.

Daneben gibt es noch die Kür. Senioren-Kaffee, Spielnachmittage, Damensauna, lange Saunanächte, Themenabende etc. sind zu organisieren. Es müssen Verhandlungen mit Event-Agenturen geführt werden, Hüpfburg und aufblasbare Rutsche sind zu organisieren, die Kuchentafel muß bereitstehen, Büffet und Dekoration müssen stimmen. Jede Menge Arbeit bei zuvor nicht absehbarem Erfolg. Auch diese Arbeit erledigt der GF selbstverständlich nebenher. Der Auftritt des Zauberers beim Kindertag ist dagegen quasi ein Kinderspiel.

== Team-Arbeiter ==
Für die Erledigung aller Aufgaben steht dem GF ein Team zur Seite. Dieses besteht (hoffentlich) aus fähigen und en-gagierten Fachkräften in den Bereichen Aufsicht, Saunabetrieb, Wellness, Gastronomie, Kasse, Verwaltung, Service etc. Mit all diesen Kräften müssen regelmäßig Abstimmungsgespräche laufen, teilweise mehrmals täglich. So verwendet der erfolgreiche GF mehrere Stunden des Tages mit dem Informationsaustausch. Regelmäßige Mitarbeiter-Versammlungen und das Weihnachtsessen dürfen nicht vergessen werden.

Dabei ist natürlich der Kontakt zu den Gremien zu halten. Der Aufsichtsrat will regelmäßig und umfassend informiert werden. Das kann im Extremfall zu wöchentlichen Sitzungen führen. Kämmerer, Bauamt und Bürgermeister fordern ebenfalls ihren Tribut - oftmals mehr, als geleistet werden kann. Politiker möchten gerne bei den Erfolgen des Bades als Verantwortliche glänzen - schließlich haben Sie auch ihren Teil dazu beigetragen.

== "Vereinsmeier" ==
Und nicht zuletzt muß auch der Kontakt zu den vielen Vereinen (DLRG, Sport-, Schützenvereine etc.), den Schulen und den "einfachen" Bürgern gehalten werden. Es vergeht kein Spaziergang, kein Einkauf ohne Gespräche. Das Team besteht nämlich nicht nur aus den eigenen Mitarbeitern und den kommunalen Bediensteten, sondern aus allen Men-schen, die sich irgendwie mit dem Bad beschäftigen bzw. es als "ihr" Bad ansehen.

Nicht zu vergessen die mindestens einmal jährlich stattfindenden Hauptversammlungen der örtlichen Vereine. Wer als Badleiter versäumt, die DLRG-Hauptversammlung zu besuchen oder an den Treffen des Gewerbevereins teilzu-nehmen, kann schnell ein ernstzunehmendes Problem bekommen. Die Presse stürzt sich mit Vergnügen auf solch "un-interessierte" Zeitgenossen.

== Arbeits-Einsatz ==
Leider steht dem Betriebsleiter in der Regel nicht so viel Geld zur Verfügung, daß er jeden Fachbereich, den er zu führen hat, auch mit einem geeigneten Fachmann oder überhaupt mit Personal besetzen kann. So ist er oftmals gezwungen, mehrere Jobs auf einmal selbst zu erledigen. Somit kann man als GF von einer 38,5-Stunden-Woche in der Regel nur träumen. Normal sind eher 60, 70 oder noch mehr Stunden. Glücklich kann sich der GF einer Bädergesellschaft schätzen, wenn er außer einer Sekretärin auch noch Personal für Marketing und operative Badleitung einstellen darf. Dann schafft er seine Arbeit vielleicht auch ohne Zauberstab.

== Fazit ==
Wie man sieht, ist für den Job eines erfolgreichen Bäderleiters ein Multi-Talent gefordert, das sich in vielen Bereichen auskennt, einen guten Markt-Überblick besitzt und dabei auch noch Geschmack und Verhandlungsgeschick beweist. Keine leichte Aufgabe. Vielleicht ein Dutzend Berufe sollte die gute Führungskraft im Freizeitgewerbe beherrschen. Die oftmals von Kommunen geforderte Ausbildung zum "Schwimmmeister" kann man getrost vergessen - zur Bade-Aufsicht bleibt sowieso keine Zeit, ebenso wenig wie zum Herumschrauben an Pumpen oder Gebläsen.

Aus all diesen Gründen werden die meisten kommunalen Bäder nicht gemanagt, sondern nur verwaltet - und haben somit keinen Erfolg. Ein Umstand, der immer öfter den verantwortlichen Spitzenbeamten bei den Wahlen Probleme macht.

Die "Magier" unter den Bäder-Betreibern sind fast so selten zu finden wie fünf Perlen in einer Muschel. Und somit gibt es in Deutschland vielleicht nur eine Handvoll Bäder, die wirklich Gewinne erwirtschaften (z. B. "Claudius-Therme", "Mediterana", "Therme Erding"). Diese sollten als Vorbild dienen. Denn dort arbeiten die wahren Magier...

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Und nun viel Spaß beim Nachdenken! Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<


Übrigens: obwohl wir bei familand Ideealisten sind, würden wir uns nicht darüber beschweren, auch einmal Geld mit unseren Ideen verdienen zu können...

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P.S.: Mit der Erst-Veröffentlichung von Ideen erwirbt man automatisch das Autoren-Copyright und damit einen Geschmacksmuster-Schutz, der gerichtlich anerkannt wird! Denken Sie daran!

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