familand-Visionen: Bäderbau - aber preisgünstig!
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== Wirtschaftlicher Schwimmbad-Bau ==
Hiermit möchte ich mich mal mit den finanziellen Rahmenbedingungen beim Neu- oder Umbau von öffentlichen Schwimmbädern auseinandersetzen. Ich hoffe, damit keinen zu überfordern und denke, daß es auch für Außenstehende mal ganz interessant sein könnte, die Zusammenhänge beim Bäderbau etwas besser kennenzulernen…

== Kommunale Finanzen ==
Der Finanzierungs-Rahmen eines Bades ist begrenzt durch Fördermittel und Kredite. Eigenmittel stehen oft nur in sehr geringem Umfang zur Verfügung.

Jede Kommune kalkuliert, wieviel Geld sie für den Um- oder Neubau ihres Bades ausgeben muß. Leider endet in vielen Fällen an dieser Stelle das Engagement des Bauherrn. Oftmals wird die Kontrolle der Baumaßnahme schon in der Planungsphase aus den Händen gegeben. Es fallen dann Worte wie: "Sie haben 10 Millionen Euro zur Verfügung. Bitte erstellen Sie dafür uns ein Hallenbad mit Sauna."

== Interessens-Konflikte ==
Darin kann jedoch der Keim zum Mißerfolg liegen. Architekten und Bau-Unternehmer müssen zu-nächst das Ziel ver-folgen, ihre eigenen Gewinne zu maximieren. Das Interesse des Bauherrn sollte jedoch vorrangig darin liegen, die Baukosten - und die späteren Betriebskosten - zu minimieren und gleichzeitig eine hohe Qualität sicherzustellen und zufriedene Gäste zu erzielen.

Dem Architekten wird - wenn er eine prozentuale Vergütung vereinbart hat - daran gelegen sein, daß die Baukosten möglichst hoch sind. Der Bau-Unternehmer möchte möglichst viel Erde bewegen und Beton verbauen. Eine lange Bauzeit sichert die Beschäftigung seiner Mitarbeiter und die Auslastung der Maschinen. Jeder Bautag länger kostet den Bauherrn aber Tausende von Euro.

So kommt es, daß etliche Bäder zwar üppig mit Betonpfeilern, weitläufigen Technik-Kellern und riesigen Becken ausgestattet sind, ansonsten aber eher trist und leer wirken. Der Löwenanteil der Bausumme wurde in den Rohbau in-vestiert. Für die "Dekoration" (also die Innenausstattung) - ein äußerst wichtiges Kriterium für den Erfolg - ist schon vor dem Ende der Rohbau-Arbeiten meist nicht mehr viel Geld übrig.

== Architektur ==
In vielen Bädern kann man dies auf den ersten Blick erkennen. Schon von außen wirkt das Bad wie eine Festung. Es gibt riesige, rechtwinklige Becken mit teuren Attraktionen wie Wasserfällen, Wellenbecken oder Strömungskanälen. Geldmangel gegen Ende des Bauvorhabens führt aber zu schwacher Licht- und Medientechnik, langweiligen weißen Fliesen-"Designs", einfarbig gestrichenem Beton und Plastik-Palmen. Das Saunaland besteht dann häufig nur aus Au-tomatik-Aufgußsauna, Sanarium und Plastik-Dampfbad. Bänke aus Abachi-Holz, Hemlock-Wände und Hinter-bank-Öfen sind Standard. Die Gastronomie besteht aus einer kleinen Getränkebar. Im Saunahof oder (Rasen-) Garten findet man - wenn überhaupt - meist nur eine kleine, quadratische Billig-Blockbohlensauna. Entspannungsbecken und At-traktionen fehlen.

== Kassensystem ==
Zuweilen erkennt man an der Kasse schon die Geldnöte des Betreibers. Dort bekommt man einen Kassenzettel (beim Austritt wieder vorzeigen) statt eines Chip-Armbandes und man muß einen Euro für das Abschließen des Spindes mitnehmen. Bekommt der Gast bald einen Pappkarton für die Kleidung und muß diesen gegen Entgelt bei einer Gar-derobenfrau abgeben? Ha, das war kein Witz, so was habe ich schon mal in einem neuen, deutschen Thermalbad er-lebt.

== Umkleidebereich ==
Es folgen vielleicht Serien-Umkleiden mit verbeulten Blech-Spinden wie beim Militär. In manchen Bädern verzichtet man auf Deckenpaneele und geflieste Wände (nur angestrichen) und bestreicht sogar die Fußböden mit gesandeter Be-tonfarbe. Das sieht aus wie im Baumarkt.

== Schluß-Abrechnung ==
Eine große Unsicherheit sind die Schlußrechnungen der Lieferanten. Oft wurden das Aufmaß oder der Grundriß wäh-rend des Bauens geändert - man braucht mehr Material. Und natürlich auch mehr Personalstunden. Es werden Wände versetzt, Leitungen neu gezogen oder Anstriche geändert. Vielleicht kommt noch ein strenger Winter mit viel Frost dazu, der die Betonarbeiten um Monate zurückwerfen kann. Alles Weitere verschiebt sich dadurch ebenfalls und jeder Monat Verzögerung bedeutet Mehrkosten im sechsstelligen Bereich.

== Altlasten ==
Vielleicht werden erst nach Baubeginn Mängel an der Dachkonstruktion festgestellt, gefährliche Materialien müssen entsorgt werden (Boden-Gutachten oder Asbest-Verseuchung bei der Dämmung), eine notwendig gewordene Pfahl-gründung für den Anbau verschlingt einige Hunderttausend Euro oder die Technik- und Beckensanierung werden teurer als geplant. So manche kalkulierten Baukosten sind durch ungeplante Zwischenfälle um Millionenbeträge angestiegen.

== An anderer Stelle sparen... ==
Was dann? Insolvenz anmelden bereits vor Fertigstellung? Das könnte den Bankrott für die Gemeinde und das Aus für die Führungsriege bedeuten. Darum wird - wenn keine Rücklagen mehr vorhanden sind keine weitere Kreditaufnahme möglich ist - zunächst an Wellness-Ausstattung, Möblierung, Parkplatz und Grünflächen gespart. Doch dieses Einspar-Potential ist gering, da die Beträge hierfür meist niedrig angesetzt werden. Als letzte Maßnahme streicht man dem Betreiber die Investitionsmittel für die nächsten Jahre und verbaut sie. Schließlich ist ja nicht der Bauherr für die Besucherzahlen verantwortlich, sondern der Betreiber.

== Notgroschen ==
Sinnvoll ist es daher, möglichst mindestens fünf Prozent der zur Verfügung stehenden Bausumme für späte Überra-schungen zurückzulegen - möglichst ohne daß Lieferanten und Architekten davon wissen. So wird die Schlußrechnung dem Bauherrn nicht das Genick brechen oder dem Betreiber den wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machen.

== Technik-Fallen ==
Kommen zu den Minder-Einnahmen durch unzufriedene Gäste auch noch erhöhte Betriebskosten durch technische Mängel, wird der Betreiber ganz arg in Bedrängnis kommen. Ein nicht funktionierendes Blockheiz-Kraftwerk könnte die Wärmekosten verdreifachen. Der Spitzenlast-Gaskessel verbraucht nämlich bedeutend mehr (geringerer Nut-zungsgrad) und erzeugt außerdem keinen Strom. So kann dann die Wärmerechnung für ein mittelgroßes Freizeitbad schon mal schnell auf mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr ansteigen - anstatt der vielleicht kalkulierten 150.000 Euro.

== Die Wärmekosten-Falle ==
Hohe Wärmekosten entstehen auch dann, wenn große, ganzjährig betriebene Außenwasserflächen geplant wurden, die mit den Innenbecken verbunden sind und im Winter nicht abgekoppelt werden können. Außerdem spart man gerne auch den Windschutz und die Abdeckplane für die Nacht ein. Vermeintlich eingesparte Investitionen können sich so schon nach wenigen Wochen als Kostenfalle für den Betreiber herausstellen. Im günstigsten Falle wird im zweiten Be-triebsjahr nachgerüstet, z. B. Ausschwimmschleusen und mobile Abdeckplanen. Oftmals ist das aber erst nach mehre-ren Jahren möglich. Eine Nachrüstung ist meist teurer, unattraktiver und manchmal auch technisch schlechter und verursacht zusätzlich verlorene Gäste während des Umbaus.

== Warum überhaupt ein Schwimmbad? ==
Ein Bad ist unbestreitbar eine wichtige Infrastruktur-Maßnahme für jeden Ort und der Nutzen berechnet sich nicht nur dem Zuschuß-Bedarf. Schwimmer sind Wähler und Kinder müssen schwimmen lernen. Ohne Bad ist eine Kommune unattraktiv, ein Kurort ohne Thermalbad ist keiner. Das ist genau wie im Luxus-Hotel. Pool und Sauna sind Pflicht, selbst wenn sie keiner nutzt. Sonst würde niemand kommen.

== Gewinne erwirtschaften? ==
Bauherren, die daran glauben, ihr neues Bad würde einen Gewinn abwerfen, irren sich zumeist gewaltig. Das ist wirklich bei weniger als einem Prozent der Bäder der Fall. Mir persönlich sind nicht einmal eine Handvoll profitabler Bäder in ganz Deutschland bekannt. Darum sollte man grundsätzlich davon ausgehen, daß die Baukosten verloren sind und das Bad so planen, daß wenigstens ein wirtschaftlicher Betrieb erwartet werden kann.

== Gute Planung... ==
Was kann der Bauherr aber tun, um die Pleite nicht schon am Reißbrett zu planen? Hier meine Appelle an die künftigen Bauherren:

== Experten-Rat ist billig ==
Lassen Sie auf jeden Fall Expertisen, Analysen und Konzepte erstellen, bevor mit dem Bau begonnen wird. Und zwar von mehreren, unabhängigen Gutachtern. Nur so können Sie relativ sicher sein, das richtige Bad in der richtigen Größe und Ausstattung für die richtige Zielgruppe am optimalen Standort zu errichten. Ein falsch geplantes Bad kommt immer um ein Vielfaches teurer als die Analyse eines Bäderfachmanns. Schlechte Planung kann sehr schnell zum Ruin des Bades führen, und das kostet viele Millionen...

== Wirtschaftlichkeits-Prognose ==
Verlassen Sie sich nie auf Prognosen. Vor allem dann nicht, wenn sie zum Zwecke der Baugenehmigung erstellt wurden. Sie sind bei den zu erwartenden Besucherzahlen oftmals viel zu hoch kalkuliert und bei den Kosten zu niedrig. Keine Spur vom kaufmännischen Grundprinzip der Vorsicht. Die äußerst wichtigen Konkurrenz-Analysen werden fast nie vorgenommen oder der Mitbewerb lapidar mit ein paar Zeilen abgehandelt. Eine zweckmäßige Spezialisierung (Nischenfindung) des Bades wird zugunsten "erprobter" Pläne fallen gelassen. Es erleichtert die Arbeit der Planer ungemein, wenn alles so wie immer ist, doch das Thema wird verfehlt.. So werden Bäder geplant, die eigentlich gar nicht überlebensfähig sind. Der Zweck heiligt hier oft die Mittel.

== Planungs-Analyse ==
Überprüfen Sie die Baupläne schon vor Baubeginn gründlich - und zwar nie alleine, sondern zusammen mit einem er-fahrenen Bäder-Spezialisten und dem späteren Betreiber. Gehen Sie alle Abläufe anhand der Pläne durch und verset-zen Sie sich in die Situation eines neuen Badegastes. Sie werden viele Optimierungs-Möglichkeiten finden. In der Vorbereitungs-Phase ist das kostengünstig zu ändern. Umplanungen während der Bauphase können aber richtig teuer werden oder sogar unmöglich sein.

== Mitwirkung des Betreibers ==
Holen Sie möglichst frühzeitig den Betreiber und den späteren Geschäftsführer mit ins Boot. Wer in einem Haus glücklich sein möchte, der muß es auch mitgestalten können. Deshalb sollte man nicht erst auf Betreibersuche gehen, wenn das Bad schon fast fertig ist. Dann ist das Kind schon längst in den Brunnen gefallen.

== Ausschreibung ==
Überlassen Sie die Ausschreibungen keinesfalls einem Dritten. Mit dem Ausschreibungstext wird festgeschrieben, welche Lieferanten mit welchen Angeboten zum Zuge kommen können. Der Text könnte so konkret gestaltet sein, daß nur von ihm bevorzugte Lieferanten zum Zuge kommen. Und das wird teuer. Lassen Sie sich den Text vielleicht vom Architekten vorschlagen - aber überarbeiten Sie ihn gründlich, bis er auf das Notwendige reduziert ist und Ihren Vor-stellungen voll entspricht. Mehr geht später immer noch, weniger nicht.

== Architekt ==
Wählen Sie den Architekten gewissenhaft aus - nicht nur nach dem Entwurfsmodell und den voraussichtlichen Bau-kosten. Das wird sich im Bauverlauf sowieso noch ändern. Nur in ganz wenigen Fällen wird der gesetzte Finanzrahmen nicht um mehrere Millionen Euro überschritten. Es gibt nicht nur fachlich gute und vieleicht bessere Architekten, sondern auch menschlich. Sie müssen mit ihm mindestens drei Jahre lang eng zusammenarbeiten. Er ist der wichtigste Mann bei Ihrem Projekt. In Deutschland gibt es mit Sicherheit die weltweit erfahrensten, innovativsten und besten Bäder-Architekten. Falls Ihre Wünsche nicht ernst genommen werden, haben Sie vielleicht den falschen Partner. Und wer von seinem Partner nicht überzeugt ist, sollte möglichst frühzeitig wechseln.

== Bau-Aufsicht ==
Beauftragen Sie für die Bau-Aufsicht einen erfahrenen Bäder-Baumeister. Überlassen Sie dies nicht dem Architekten oder dem General-Unternehmer, denn dann werden Sie bestimmt nicht Ihre Vorstellungen durchsetzen können. Au-ßerdem könnte die Qualität leiden, vor allem bei den Fliesen-Arbeiten. Es kommt Sie wesentlich billiger, wenn Sie sich einen erfahrenen Baumeister engagieren, der bereits ähnliche Projekte durchgeführt hat. Das spart Ihnen Magen-geschwüre und leidige Diskussionen im Gemeinderat. Auch ein Schwimm-Meister oder das Bauamt sind mit der Bau-Aufsicht in der Regel komplett überfordert.

== Topografie / Treppen ==
Passen Sie den Bau optimal an das Gelände an, ohne es dem Badegast durch viele Treppen schwer zu machen. Gleich schon mal eine Treppe hoch oder runter zur Umkleide empfindet der Badegast als Last. Teuer, aber oft sinnvoll sind geräumige Aufzüge, die für jeden nutzbar sein müssen (nicht nur für Behinderte). Denken Sie auch daran, daß jeder Quadratmeter Grundfläche viel Geld kostet. Eine mehrgeschossige Bauweise ist zur Kostensenkung eigentlich Pflicht und freie Volumina (Deckenhöhen) sollten auch im Interesse der Heizkosten möglichst gering gehalten werden.

== Alleinstellungs-Merkmale ==
Ganz wichtig ist die USP (= unique selling preposition oder Alleinstellungs-Merkmal). Vergessen Sie die einzigartigen Highlights nicht. Jedes wirklich gute Bad bietet Attraktionen, die man sonst im weiten Umkreis nicht findet. Das kann z. B. ein tolles Saunaland, ein Starksole-Becken, die Spitzen-Gastronomie, ein interessanter Kinderbereich, ein abwechslungsreiches Sommerbad oder eine ungewöhnliche Rutsche sein. Am besten eine gute Mischung von allem. Ansonsten wird das Angebot austauschbar und der Gast wandert zum billigeren oder näher gelegenen Konkurrenten ab.

== Einfallsreiche Architektur ==
Vermeiden Sie Fabrik-Architektur. Es ist zwar einfacher und billiger, eine rechteckige Halle aus Beton, Stahl und Glas zu bauen als beispielsweise ein tropfenförmiges Luftkissendach-Bad oder einen hölzernen Kuppeldachbau, doch der Badegast bemerkt den Unterschied. Auch die beliebten, leicht zu planenden Rastermuster bei der Verglasung und den Dachstützen (z. B. alle fünf Meter ein Pfeiler) sollten zugunsten einer optimalen Raumnutzung aufgegeben werden.

== Material ==
Verwenden Sie nur beste Materialien. So sind z. B. Edelstahlbecken vor allem im Außenbereich wesentlich haltbarer als Fliesen. Auch eine Edelstahl-Rutsche ist langlebiger als eine Plastik-Röhre. Orientalisch gekachelte Dampfbäder sind bei den Gästen viel beliebter als welche aus Kunststoff. Und (teurer) Sichtbeton an den Wänden entzückt allenfalls den Architekten, aber niemals den Badegast. Verwenden Sie möglichst natürliche Baustoffe (z. B. Holz und Quarzit-Bruchstein) und arbeiten Sie mit der Natur, nicht gegen sie. Wie wäre es z. B. mit begrünten, begehbaren Dächern?

== Beleuchtung ==
Lassen Sie viel Licht in Ihr Bad! Großzügige Verglasungen (vor allem nach Süden, Südwesten und Südosten hin) sind heute nicht mehr teuer und durch Wärmeschutz-Maßnahmen auch nicht mehr energiefressend. Sie bringen aber eine wesentlich freundlichere Atmosphäre und sparen Beleuchtungs-Kosten. Gleiches gilt für das Dach. Dieses hat heute keine Plexiglas-Lichtkuppeln mehr wie in den 1970er Jahren, sondern große, bei schönem Wetter zu öffnende Glas-flächen. Das erspart an heißen Sommertagen den Einsatz der Klimaanlage. Interessant sind auch UV-durchlässige Luftkissen-Einsätze. Diese erzeugen auch im Winter noch Wärme und senken durch ihre ständige, leichte Bewegung die Schneelast, so daß die Dachträger preiswerter werden. Bei der Innenbeleuchtung muß man darauf achten, daß nicht nur Bereiche ein- und ausgeschaltet werden können, evtl. auch mit Zeitschalter, sondern auch einzelne Lichtquellen. Zudem sollte man vorwiegend Uplights benutzen, also nicht von oben herab den Gast anstrahlen. Solche Leuchten benötigt man bestenfalls für die Reinigung außerhalb des Betriebes.

== Kunst im Bad ==
Setzen Sie Kunst ein! Riesige Flächen mit immer der gleichen Fliese oder der gleichen Wandfarbe sind langweilig und erzeugen schlechte Laune. Machen Sie es wie die Natur und streuen Sie verschiedene Farben, Formen und Strukturen ein. Denken Sie an die Erfolge von Künstlern wie Hundertwasser oder Gaudi, die mit dem Spiel von Farben und Formen bis heute alle Menschen begeistern.

== Kleine Sportbecken ==
Verzichten Sie nach Möglichkeit auf große Sportbecken. Nur Leistungssportler brauchen ein 50-m-Becken - und dafür gibt es reine (sehr hoch subventionierte) Sportbäder. 25-m-Becken für Schulen und Vereine brauchen keine 6 Bahnen. Drei oder vier tun es auch. So kommt man auf 200 oder 250 m² Wasserfläche anstatt auf 417 m² (25 m, 6 Bahnen) oder sogar bis zu 1.250 m² (= 50 m mit 10 Bahnen). Und wozu 380 cm Beckentiefe? Für Schwimmer reichen 135 bis 180 cm, bei den Startblöcken 200 cm. Nur beim Sprungbrett muß das Wasser tiefer sein.

== Becken-Inhalte ==
Planen Sie so wenig Wasservolumen wie möglich ein. Das Volumen verursacht die Kosten, nicht die Fläche. Tiefe Becken kosten viel und bringen wenig Nutzen. Jeder Kubikmeter Wasser muß gekauft, beheizt und mehrmals täglich umgewälzt werden. Und am teuersten ist naütlich die Entsorgung, sprich Abwasser- und Schlammwasser-Kosten. Nichtschwimmer unter 165 cm Größe (viele Frauen und ältere Menschen) können ein 135 cm tiefes "Nichtschwim-merbecken" gar nicht nutzen, da sie untergehen würden. Beckentiefen von 100 bis 120 cm tun es im Lehr- bzw. Ak-tivbecken doch auch. Tiefer muß es nur an den Stellen sein, wo man schwimmen soll (dort reichen 135 bis 180 cm aus) bzw. das Einspringen erlaubt ist (200 bis 400 cm). Die beliebtesten Becken sind übrigens in jedem Bad die warmen und flachen, wie z. B. Whirlpools, Babybecken und Suhlen. Je wärmer das Becken, desto voller. Zufriedene Gäste kommen wieder. Wer friert ist unzufrieden und bleibt weg.

== Sprungbecken ==
Verzichten Sie auf hohe Sprungtürme. Sportler haben ihre eigenen Leistungszentren. In der Regel reicht ein 1-m-Brett (das ist auch noch relativ gefahrlos). Durch sinnvolle Integration in das Schwimmerbecken (immer in Schwimm-Richtung springen lassen) kann man nochmals Geld sparen. Eigene Sprungbecken und Türme sind immer gefährlich und unrentabel.

== Höhenverstellbare Böden ==
Leisten Sie sich nur dann teure Hubböden, wenn sie wirklich unvermeidbar sind. Sie werden zwar gerne für die Schwimm-Ausbildung oder für die Wassergymnastik gefordert, aber selten wirklich benötigt. Weichen Sie lieber auf entsprechend geformte, flachere (und wärmere) Kleinbecken aus, die man stufenförmig oder leicht abfallend mit ver-schiedenen Wassertiefen planen kann.

== Wellenbecken ==
Vermeiden Sie - nach Möglichkeit - teure Wellenanlagen (außer Sie benötigen diese als USP). Wellenbecken werden meist nur bei Wellengang intensiv genutzt und stehen die übrige Zeit fast leer (außer sie sind über 30 ° warm). Kleine Wellenbuchten mit Bällen ermöglichen überhaupt kein Brandungsschwimmen und sind eigentlich nur als Blickfang gut. Falls Sie doch ein Wellenbecken bauen möchten, denken Sie bitte an eine universelle Nutzbarkeit (z. b. absenkbarer Wasserspiegel) und eine ansprechende Form mit flacher Auslaufzone. Und behalten Sie immer im Hinterkopf, daß eine Wellenmaschine viel Energie verbraucht, gut gedämmt werden muß (Lautstärke) und zusätzliches Aufsichtspersonal (in der Regel zwei Personen) erfordert.

== Wasser-Kreisläufe ==
Becken mit verbundenen Wasserkreisläufen sollten auch möglichst gleiche Temperaturen haben. Wenn Sie z. B. Whirlpools und Kinderbecken in der Wassertechnik miteinander verbinden, werden Sie in keinem der Becken die op-timale Temperatur fahren können. Es ist allerdings möglich und reizvoll, z. B. einen warmen Whirlpool in ein kühleres Badebecken zu setzen.

== Wasser-Temperaturen ==
Planen Sie bei den Becken nicht nur Form, Größe, Tiefe, Farbgebung und Attraktionen, sondern auch die Temperatu-ren. Ausschwimmen ist schön, aber sehr teuer. Wirtschaftlich betriebene, warme Innenbecken können nicht mit den Außenbecken verbunden sein, da ansonsten ständig Wärme abgezogen wird. Haben Sie ein großes Erlebnisbecken mit Ausschwimm-Schleuse, so können Sie im Sommer die Temperatur des Außenbeckens nicht beliebig absenken, das sonst das Innenbecken nicht mehr auf dort angenehmen 30 bis 34 ° gehalten werden könnte.

Darum ist es meist besser, getrennte Becken mit getrennten Wasserkreisläufen zu haben. Eine Ausnahme sind Ther-malbäder mit eigener, heißer Quelle, da dort die Energiekosten für die Wassererwärmung oftmals nicht anfallen. Auch bei Therapiebecken, die zumeist von älteren Menschen genutzt werden, ist ein Ausschwimmkanal sinnvoll. Und achten Sie darauf, daß Ihre Wassertechnik auch auf Temperaturen bis mindestens 38 ° ausgelegt ist. Ansonsten fliegen die Sicherungen raus, wenn Sie das Wasser mal wärmer brauchen.

== Wasser-Attraktionen ==
Vermeiden Sie im Innenbereich bewegte Attraktionen wie Wildwasser und Wasserfälle. Diese verursachen einen hohen Lärmpegel und zusätzlich noch Probleme mit der Entfeuchtung. Äußerst kritisch ist dies bei Sole-Innenbecken. Sie werden das Salz schon nach wenigen Wochen im ganzen Bad wiederfinden, denn es verteilt sich mit der Luftzir-kulation. Die Lüftungstechnik wird eine entsprechend kürzere Lebensdauer haben und alles aus Stahl rostet.

== Kinder-Bereiche ==
Denken Sie auf jeden Fall an genügend große, helle und warme Kinderbecken. Diese sollten von den tiefen Becken getrennt und möglichst weit entfernt sein und viele Spiel-Möglichkeiten bieten. Außerdem braucht man verschiedene Tiefen - von der Babysuhle bis zu max. 40 cm - eine ungefährliche Kurzrutsche, Wickelraum, Kinderklo, Trocken-spielzone und viele Rundungen. Am besten auch ein großes Spiel-Element, wie eine Ritterburg oder ein Piratenschiff.

Nicht zu vergessen die Möglichkeit zum schnellen Wasserwechsel (große Ein- und Auslaßöffnungen, Gefälle dorthin, starke Pumpen), denn hier gibt es oft Verunreinigungen durch Kleinkind-Fäkalien. Ein kompletter Wasseraustausch darf nur wenige Minuten dauern. Eckige Überlaufrinnen und Kanten sollten vermieden werden. Denken Sie daran, daß nur glückliche, unversehrte Kinder für zufriedene Eltern sorgen und diese die beste Mundpropaganda machen.

== Saunalandschaft ==
Machen Sie Ihre Sauna- und Wellnessabteilung richtig gemütlich. Hier wollen sich Leute entspannen, die zumeist besser verdienen und ein entsprechendes Ambiente erwarten. Der Gast muß sich wohler fühlen als zuhause. Dazu gehören z. B. eine Kaminecke, großzügige Ruhe-Angebote und eine große, gärtnerisch gestaltete Außenfläche. SB-Cafeteria oder Plastik-Dampfbad passen nicht in ein gemütliches Saunaland, ebenso wenig wie automatische Aufgüsse oder unbequeme Plastik-Liegen. Geben Sie hier ruhig etwas mehr für die Ausstattung aus, denn damit erzielen Sie Gewinne. Es darf auch mal eine teure Ledercouch oder ein Himmelbett im Ruhebereich sein.

== Sonnenbänke ==
Achten Sie auf moderne Solarien in verschiedenen Preis-Kategorien. Der Gast möchte hohe Qualität zum Auswählen. Kaufen Sie nicht fünf Mal die gleiche Billig-Sonnenbank, sondern eher zwei gute. Interessant ist es auch, bei einer So-larien-Betreibergesellschaft neue Geräte auf Provisionsbasis zu ordern. Dort erhalten Sie auch fachlichen Service.

== Winter-Vorsorge ==
Bedenken Sie, daß es im Winter frieren kann. Machen Sie also die Außenduschen im Saunaland frostsicher, so daß sie nicht abgeschaltet werden müssen. Eine Überdachung ist auf jeden Fall sinnvoll. Auch die angeblich teure Beheizung der Verbindungswege zu den Außensaunas sollte eingeplant werden. Das ist immer noch wesentlich billiger als eine ständige Enteisung (Verschmutzung durch Streumittel!) oder der Hüftgelenkbruch auch nur eines einzigen Saunagastes. Zur Beheizung der Wege kann z. B. kostenlos die Abwärme der Saunaöfen genutzt werden. Damit läßt sich auch eine unerwünschte Überhitzung der Steinböden in den Blocksaunas vermeiden (Fußbodenkühlung).

== Sommerbad ==
Gestalten Sie Ihre Sommerwiese interessant. Achten Sie auf große, schattenspendende Bäume und lauschige Ecken. Babybecken und Spielplätze sollten natürlich auch nicht fehlen. Vielleicht auch eine Sanddüne oder ein Grillplatz. Und wie wäre es mit einem abgetrennten FKK-Bereich?

== Finanzierung ==
Achten Sie bei der Finanzierung auf die richtige Laufzeit. Der Lebenszyklus eines Bades beträgt in der Regel höchstens 30 Jahre und die Finanzierung muß dann ebenfalls beendet sein. Sonst bezahlen Sie für ein Bad, das gar nicht mehr existiert. Interessant ist es, die Lebensdauer kürzer anzusetzen, beispielsweise auf zwanzig Jahre. Das kann vor allem dann nützlich sein, wenn ein städtisches Versorgungsunternehmen das Bad betreiben soll. Die höheren Abschreibungen schmälern den Gewinn des Betreibers in der Anfangsphase und sind damit steuerlich nützlich.

Dabei muß natürlich berücksichtigt werden, daß die Zinsen momentan auf recht niedrigem Niveau sind und wahr-scheinlich weiter ansteigen werden. Berücksichtigen Sie auch, daß Sie jährlich etwa 50.000 bis 100.000 Euro und mindestens alle fünf Jahre einen weiteren sechsstelligen Betrag für Investitionen mit einplanen müssen. Ansonsten ist Ihr Bad bald nicht mehr konkurrenzfähig. Auch diese Investitionen müssen finanziert werden können. Ein Kredit-Aufnahmeverbot ist in solchen Fällen sehr hinderlich.

== Resumée ==
Viele weitere Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit eines Bades, z. B. der Standort, die Erreichbarkeit und das Image. Zu nennen sind aber auch Gesichtspunkte der Betriebsführung wie die Sauberkeit (WCs, Duschen, Umkleiden, Beckenränder, Geländer, Außenbereiche etc.), die Verfügbarkeit, Fachkompetenz und Freundlichkeit (sehr wichtig) des Personals, das Marketing (wird immer unterschätzt) oder die Tarife und Öffnungszeiten. Darum sollte man sich schon vor jedem Neu- oder Umbauvorhaben die Unterstützung von unabhängigen Fachleuten sichern. Das kommt auf jeden Fall deutlich billiger als eine Fehlplanung. Schade, daß viele Verantwortliche sich darum offenbar nicht kümmern…

© by wellSPAss, 30. Oktober 2008 / 01. Oktober 2010
… 172kf … "Wirtschaftlicher Schwimmbad-Bau"

Muss ein gutes Schwimmbad teuer sein?

== Vorwort ==
Hiermit möchte ich mich mal mit den finanziellen Rahmenbedingungen beim Neu- oder Umbau von öffentlichen Schwimmbädern auseinandersetzen. Ich hoffe, damit keinen zu überfordern und denke, daß es auch für Außenstehen-de mal ganz interessant sein könnte, die Zusammenhänge beim Bäderbau etwas besser kennenzulernen…

== Kommunale Finanzen ==
Der Finanzierungs-Rahmen eines Bades ist begrenzt durch Fördermittel und Kredite. Eigenmittel stehen oft nur in sehr geringem Umfang zur Verfügung.

Jede Kommune kalkuliert, wieviel Geld sie für den Um- oder Neubau ihres Bades ausgeben muß. Leider endet in vielen Fällen an dieser Stelle das Engagement des Bauherrn. Oftmals wird die Kontrolle der Baumaßnahme schon in der Planungsphase aus den Händen gegeben. Es fallen dann Worte wie: "Sie haben 10 Millionen Euro zur Verfügung. Bitte erstellen Sie dafür uns ein Hallenbad mit Sauna."

== Interessens-Konflikte ==
Darin kann jedoch der Keim zum Mißerfolg liegen. Architekten und Bau-Unternehmer müssen zu-nächst das Ziel ver-folgen, ihre eigenen Gewinne zu maximieren. Das Interesse des Bauherrn sollte jedoch vorrangig darin liegen, die Baukosten - und die späteren Betriebskosten - zu minimieren und gleichzeitig eine hohe Qualität sicherzustellen und zufriedene Gäste zu erzielen.

Dem Architekten wird - wenn er eine prozentuale Vergütung vereinbart hat - daran gelegen sein, daß die Baukosten möglichst hoch sind. Der Bau-Unternehmer möchte möglichst viel Erde bewegen und Beton verbauen. Eine lange Bauzeit sichert die Beschäftigung seiner Mitarbeiter und die Auslastung der Maschinen. Jeder Bautag länger kostet den Bauherrn aber Tausende von Euro.

So kommt es, daß etliche Bäder zwar üppig mit Betonpfeilern, weitläufigen Technik-Kellern und riesigen Becken ausgestattet sind, ansonsten aber eher trist und leer wirken. Der Löwenanteil der Bausumme wurde in den Rohbau in-vestiert. Für die "Dekoration" (also die Innenausstattung) - ein äußerst wichtiges Kriterium für den Erfolg - ist schon vor dem Ende der Rohbau-Arbeiten meist nicht mehr viel Geld übrig.

== Architektur ==
In vielen Bädern kann man dies auf den ersten Blick erkennen. Schon von außen wirkt das Bad wie eine Festung. Es gibt riesige, rechtwinklige Becken mit teuren Attraktionen wie Wasserfällen, Wellenbecken oder Strömungskanälen. Geldmangel gegen Ende des Bauvorhabens führt aber zu schwacher Licht- und Medientechnik, langweiligen weißen Fliesen-"Designs", einfarbig gestrichenem Beton und Plastik-Palmen. Das Saunaland besteht dann häufig nur aus Au-tomatik-Aufgußsauna, Sanarium und Plastik-Dampfbad. Bänke aus Abachi-Holz, Hemlock-Wände und Hinter-bank-Öfen sind Standard. Die Gastronomie besteht aus einer kleinen Getränkebar. Im Saunahof oder (Rasen-) Garten findet man - wenn überhaupt - meist nur eine kleine, quadratische Billig-Blockbohlensauna. Entspannungsbecken und At-traktionen fehlen.

== Kassensystem ==
Zuweilen erkennt man an der Kasse schon die Geldnöte des Betreibers. Dort bekommt man einen Kassenzettel (beim Austritt wieder vorzeigen) statt eines Chip-Armbandes und man muß einen Euro für das Abschließen des Spindes mitnehmen. Bekommt der Gast bald einen Pappkarton für die Kleidung und muß diesen gegen Entgelt bei einer Gar-derobenfrau abgeben? Ha, das war kein Witz, so was habe ich schon mal in einem neuen, deutschen Thermalbad er-lebt.

== Umkleidebereich ==
Es folgen vielleicht Serien-Umkleiden mit verbeulten Blech-Spinden wie beim Militär. In manchen Bädern verzichtet man auf Deckenpaneele und geflieste Wände (nur angestrichen) und bestreicht sogar die Fußböden mit gesandeter Be-tonfarbe. Das sieht aus wie im Baumarkt.

== Schluß-Abrechnung ==
Eine große Unsicherheit sind die Schlußrechnungen der Lieferanten. Oft wurden das Aufmaß oder der Grundriß wäh-rend des Bauens geändert - man braucht mehr Material. Und natürlich auch mehr Personalstunden. Es werden Wände versetzt, Leitungen neu gezogen oder Anstriche geändert. Vielleicht kommt noch ein strenger Winter mit viel Frost dazu, der die Betonarbeiten um Monate zurückwerfen kann. Alles Weitere verschiebt sich dadurch ebenfalls und jeder Monat Verzögerung bedeutet Mehrkosten im sechsstelligen Bereich.

== Altlasten ==
Vielleicht werden erst nach Baubeginn Mängel an der Dachkonstruktion festgestellt, gefährliche Materialien müssen entsorgt werden (Boden-Gutachten oder Asbest-Verseuchung bei der Dämmung), eine notwendig gewordene Pfahl-gründung für den Anbau verschlingt einige Hunderttausend Euro oder die Technik- und Beckensanierung werden teurer als geplant. So manche kalkulierten Baukosten sind durch ungeplante Zwischenfälle um Millionenbeträge angestiegen.

== An anderer Stelle sparen... ==
Was dann? Insolvenz anmelden bereits vor Fertigstellung? Das könnte den Bankrott für die Gemeinde und das Aus für die Führungsriege bedeuten. Darum wird - wenn keine Rücklagen mehr vorhanden sind keine weitere Kreditaufnahme möglich ist - zunächst an Wellness-Ausstattung, Möblierung, Parkplatz und Grünflächen gespart. Doch dieses Einspar-Potential ist gering, da die Beträge hierfür meist niedrig angesetzt werden. Als letzte Maßnahme streicht man dem Betreiber die Investitionsmittel für die nächsten Jahre und verbaut sie. Schließlich ist ja nicht der Bauherr für die Besucherzahlen verantwortlich, sondern der Betreiber.

== Notgroschen ==
Sinnvoll ist es daher, möglichst mindestens fünf Prozent der zur Verfügung stehenden Bausumme für späte Überra-schungen zurückzulegen - möglichst ohne daß Lieferanten und Architekten davon wissen. So wird die Schlußrechnung dem Bauherrn nicht das Genick brechen oder dem Betreiber den wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machen.

== Technik-Fallen ==
Kommen zu den Minder-Einnahmen durch unzufriedene Gäste auch noch erhöhte Betriebskosten durch technische Mängel, wird der Betreiber ganz arg in Bedrängnis kommen. Ein nicht funktionierendes Blockheiz-Kraftwerk könnte die Wärmekosten verdreifachen. Der Spitzenlast-Gaskessel verbraucht nämlich bedeutend mehr (geringerer Nut-zungsgrad) und erzeugt außerdem keinen Strom. So kann dann die Wärmerechnung für ein mittelgroßes Freizeitbad schon mal schnell auf mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr ansteigen - anstatt der vielleicht kalkulierten 150.000 Euro.

== Die Wärmekosten-Falle ==
Hohe Wärmekosten entstehen auch dann, wenn große, ganzjährig betriebene Außenwasserflächen geplant wurden, die mit den Innenbecken verbunden sind und im Winter nicht abgekoppelt werden können. Außerdem spart man gerne auch den Windschutz und die Abdeckplane für die Nacht ein. Vermeintlich eingesparte Investitionen können sich so schon nach wenigen Wochen als Kostenfalle für den Betreiber herausstellen. Im günstigsten Falle wird im zweiten Be-triebsjahr nachgerüstet, z. B. Ausschwimmschleusen und mobile Abdeckplanen. Oftmals ist das aber erst nach mehre-ren Jahren möglich. Eine Nachrüstung ist meist teurer, unattraktiver und manchmal auch technisch schlechter und verursacht zusätzlich verlorene Gäste während des Umbaus.

== Warum überhaupt ein Schwimmbad? ==
Ein Bad ist unbestreitbar eine wichtige Infrastruktur-Maßnahme für jeden Ort und der Nutzen berechnet sich nicht nur dem Zuschuß-Bedarf. Schwimmer sind Wähler und Kinder müssen schwimmen lernen. Ohne Bad ist eine Kommune unattraktiv, ein Kurort ohne Thermalbad ist keiner. Das ist genau wie im Luxus-Hotel. Pool und Sauna sind Pflicht, selbst wenn sie keiner nutzt. Sonst würde niemand kommen.

== Gewinne erwirtschaften? ==
Bauherren, die daran glauben, ihr neues Bad würde einen Gewinn abwerfen, irren sich zumeist gewaltig. Das ist wirklich bei weniger als einem Prozent der Bäder der Fall. Mir persönlich sind nicht einmal eine Handvoll profitabler Bäder in ganz Deutschland bekannt. Darum sollte man grundsätzlich davon ausgehen, daß die Baukosten verloren sind und das Bad so planen, daß wenigstens ein wirtschaftlicher Betrieb erwartet werden kann.

== Gute Planung... ==
Was kann der Bauherr aber tun, um die Pleite nicht schon am Reißbrett zu planen? Hier meine Appelle an die künftigen Bauherren:

== Experten-Rat ist billig ==
Lassen Sie auf jeden Fall Expertisen, Analysen und Konzepte erstellen, bevor mit dem Bau begonnen wird. Und zwar von mehreren, unabhängigen Gutachtern. Nur so können Sie relativ sicher sein, das richtige Bad in der richtigen Größe und Ausstattung für die richtige Zielgruppe am optimalen Standort zu errichten. Ein falsch geplantes Bad kommt immer um ein Vielfaches teurer als die Analyse eines Bäderfachmanns. Schlechte Planung kann sehr schnell zum Ruin des Bades führen, und das kostet viele Millionen...

== Wirtschaftlichkeits-Prognose ==
Verlassen Sie sich nie auf Prognosen. Vor allem dann nicht, wenn sie zum Zwecke der Baugenehmigung erstellt wurden. Sie sind bei den zu erwartenden Besucherzahlen oftmals viel zu hoch kalkuliert und bei den Kosten zu niedrig. Keine Spur vom kaufmännischen Grundprinzip der Vorsicht. Die äußerst wichtigen Konkurrenz-Analysen werden fast nie vorgenommen oder der Mitbewerb lapidar mit ein paar Zeilen abgehandelt. Eine zweckmäßige Spezialisierung (Nischenfindung) des Bades wird zugunsten "erprobter" Pläne fallen gelassen. Es erleichtert die Arbeit der Planer ungemein, wenn alles so wie immer ist, doch das Thema wird verfehlt.. So werden Bäder geplant, die eigentlich gar nicht überlebensfähig sind. Der Zweck heiligt hier oft die Mittel.

== Planungs-Analyse ==
Überprüfen Sie die Baupläne schon vor Baubeginn gründlich - und zwar nie alleine, sondern zusammen mit einem er-fahrenen Bäder-Spezialisten und dem späteren Betreiber. Gehen Sie alle Abläufe anhand der Pläne durch und verset-zen Sie sich in die Situation eines neuen Badegastes. Sie werden viele Optimierungs-Möglichkeiten finden. In der Vorbereitungs-Phase ist das kostengünstig zu ändern. Umplanungen während der Bauphase können aber richtig teuer werden oder sogar unmöglich sein.

== Mitwirkung des Betreibers ==
Holen Sie möglichst frühzeitig den Betreiber und den späteren Geschäftsführer mit ins Boot. Wer in einem Haus glücklich sein möchte, der muß es auch mitgestalten können. Deshalb sollte man nicht erst auf Betreibersuche gehen, wenn das Bad schon fast fertig ist. Dann ist das Kind schon längst in den Brunnen gefallen.

== Ausschreibung ==
Überlassen Sie die Ausschreibungen keinesfalls einem Dritten. Mit dem Ausschreibungstext wird festgeschrieben, welche Lieferanten mit welchen Angeboten zum Zuge kommen können. Der Text könnte so konkret gestaltet sein, daß nur von ihm bevorzugte Lieferanten zum Zuge kommen. Und das wird teuer. Lassen Sie sich den Text vielleicht vom Architekten vorschlagen - aber überarbeiten Sie ihn gründlich, bis er auf das Notwendige reduziert ist und Ihren Vor-stellungen voll entspricht. Mehr geht später immer noch, weniger nicht.

== Architekt ==
Wählen Sie den Architekten gewissenhaft aus - nicht nur nach dem Entwurfsmodell und den voraussichtlichen Bau-kosten. Das wird sich im Bauverlauf sowieso noch ändern. Nur in ganz wenigen Fällen wird der gesetzte Finanzrahmen nicht um mehrere Millionen Euro überschritten. Es gibt nicht nur fachlich gute und vieleicht bessere Architekten, sondern auch menschlich. Sie müssen mit ihm mindestens drei Jahre lang eng zusammenarbeiten. Er ist der wichtigste Mann bei Ihrem Projekt. In Deutschland gibt es mit Sicherheit die weltweit erfahrensten, innovativsten und besten Bäder-Architekten. Falls Ihre Wünsche nicht ernst genommen werden, haben Sie vielleicht den falschen Partner. Und wer von seinem Partner nicht überzeugt ist, sollte möglichst frühzeitig wechseln.

== Bau-Aufsicht ==
Beauftragen Sie für die Bau-Aufsicht einen erfahrenen Bäder-Baumeister. Überlassen Sie dies nicht dem Architekten oder dem General-Unternehmer, denn dann werden Sie bestimmt nicht Ihre Vorstellungen durchsetzen können. Au-ßerdem könnte die Qualität leiden, vor allem bei den Fliesen-Arbeiten. Es kommt Sie wesentlich billiger, wenn Sie sich einen erfahrenen Baumeister engagieren, der bereits ähnliche Projekte durchgeführt hat. Das spart Ihnen Magen-geschwüre und leidige Diskussionen im Gemeinderat. Auch ein Schwimm-Meister oder das Bauamt sind mit der Bau-Aufsicht in der Regel komplett überfordert.

== Topografie / Treppen ==
Passen Sie den Bau optimal an das Gelände an, ohne es dem Badegast durch viele Treppen schwer zu machen. Gleich schon mal eine Treppe hoch oder runter zur Umkleide empfindet der Badegast als Last. Teuer, aber oft sinnvoll sind geräumige Aufzüge, die für jeden nutzbar sein müssen (nicht nur für Behinderte). Denken Sie auch daran, daß jeder Quadratmeter Grundfläche viel Geld kostet. Eine mehrgeschossige Bauweise ist zur Kostensenkung eigentlich Pflicht und freie Volumina (Deckenhöhen) sollten auch im Interesse der Heizkosten möglichst gering gehalten werden.

== Alleinstellungs-Merkmale ==
Ganz wichtig ist die USP (= unique selling preposition oder Alleinstellungs-Merkmal). Vergessen Sie die einzigartigen Highlights nicht. Jedes wirklich gute Bad bietet Attraktionen, die man sonst im weiten Umkreis nicht findet. Das kann z. B. ein tolles Saunaland, ein Starksole-Becken, die Spitzen-Gastronomie, ein interessanter Kinderbereich, ein abwechslungsreiches Sommerbad oder eine ungewöhnliche Rutsche sein. Am besten eine gute Mischung von allem. Ansonsten wird das Angebot austauschbar und der Gast wandert zum billigeren oder näher gelegenen Konkurrenten ab.

== Einfallsreiche Architektur ==
Vermeiden Sie Fabrik-Architektur. Es ist zwar einfacher und billiger, eine rechteckige Halle aus Beton, Stahl und Glas zu bauen als beispielsweise ein tropfenförmiges Luftkissendach-Bad oder einen hölzernen Kuppeldachbau, doch der Badegast bemerkt den Unterschied. Auch die beliebten, leicht zu planenden Rastermuster bei der Verglasung und den Dachstützen (z. B. alle fünf Meter ein Pfeiler) sollten zugunsten einer optimalen Raumnutzung aufgegeben werden.

== Material ==
Verwenden Sie nur beste Materialien. So sind z. B. Edelstahlbecken vor allem im Außenbereich wesentlich haltbarer als Fliesen. Auch eine Edelstahl-Rutsche ist langlebiger als eine Plastik-Röhre. Orientalisch gekachelte Dampfbäder sind bei den Gästen viel beliebter als welche aus Kunststoff. Und (teurer) Sichtbeton an den Wänden entzückt allenfalls den Architekten, aber niemals den Badegast. Verwenden Sie möglichst natürliche Baustoffe (z. B. Holz und Quarzit-Bruchstein) und arbeiten Sie mit der Natur, nicht gegen sie. Wie wäre es z. B. mit begrünten, begehbaren Dächern?

== Beleuchtung ==
Lassen Sie viel Licht in Ihr Bad! Großzügige Verglasungen (vor allem nach Süden, Südwesten und Südosten hin) sind heute nicht mehr teuer und durch Wärmeschutz-Maßnahmen auch nicht mehr energiefressend. Sie bringen aber eine wesentlich freundlichere Atmosphäre und sparen Beleuchtungs-Kosten. Gleiches gilt für das Dach. Dieses hat heute keine Plexiglas-Lichtkuppeln mehr wie in den 1970er Jahren, sondern große, bei schönem Wetter zu öffnende Glas-flächen. Das erspart an heißen Sommertagen den Einsatz der Klimaanlage. Interessant sind auch UV-durchlässige Luftkissen-Einsätze. Diese erzeugen auch im Winter noch Wärme und senken durch ihre ständige, leichte Bewegung die Schneelast, so daß die Dachträger preiswerter werden. Bei der Innenbeleuchtung muß man darauf achten, daß nicht nur Bereiche ein- und ausgeschaltet werden können, evtl. auch mit Zeitschalter, sondern auch einzelne Lichtquellen. Zudem sollte man vorwiegend Uplights benutzen, also nicht von oben herab den Gast anstrahlen. Solche Leuchten benötigt man bestenfalls für die Reinigung außerhalb des Betriebes.

== Kunst im Bad ==
Setzen Sie Kunst ein! Riesige Flächen mit immer der gleichen Fliese oder der gleichen Wandfarbe sind langweilig und erzeugen schlechte Laune. Machen Sie es wie die Natur und streuen Sie verschiedene Farben, Formen und Strukturen ein. Denken Sie an die Erfolge von Künstlern wie Hundertwasser oder Gaudi, die mit dem Spiel von Farben und Formen bis heute alle Menschen begeistern.

== Kleine Sportbecken ==
Verzichten Sie nach Möglichkeit auf große Sportbecken. Nur Leistungssportler brauchen ein 50-m-Becken - und dafür gibt es reine (sehr hoch subventionierte) Sportbäder. 25-m-Becken für Schulen und Vereine brauchen keine 6 Bahnen. Drei oder vier tun es auch. So kommt man auf 200 oder 250 m² Wasserfläche anstatt auf 417 m² (25 m, 6 Bahnen) oder sogar bis zu 1.250 m² (= 50 m mit 10 Bahnen). Und wozu 380 cm Beckentiefe? Für Schwimmer reichen 135 bis 180 cm, bei den Startblöcken 200 cm. Nur beim Sprungbrett muß das Wasser tiefer sein.

== Becken-Inhalte ==
Planen Sie so wenig Wasservolumen wie möglich ein. Das Volumen verursacht die Kosten, nicht die Fläche. Tiefe Becken kosten viel und bringen wenig Nutzen. Jeder Kubikmeter Wasser muß gekauft, beheizt und mehrmals täglich umgewälzt werden. Und am teuersten ist naütlich die Entsorgung, sprich Abwasser- und Schlammwasser-Kosten. Nichtschwimmer unter 165 cm Größe (viele Frauen und ältere Menschen) können ein 135 cm tiefes "Nichtschwim-merbecken" gar nicht nutzen, da sie untergehen würden. Beckentiefen von 100 bis 120 cm tun es im Lehr- bzw. Ak-tivbecken doch auch. Tiefer muß es nur an den Stellen sein, wo man schwimmen soll (dort reichen 135 bis 180 cm aus) bzw. das Einspringen erlaubt ist (200 bis 400 cm). Die beliebtesten Becken sind übrigens in jedem Bad die warmen und flachen, wie z. B. Whirlpools, Babybecken und Suhlen. Je wärmer das Becken, desto voller. Zufriedene Gäste kommen wieder. Wer friert ist unzufrieden und bleibt weg.

== Sprungbecken ==
Verzichten Sie auf hohe Sprungtürme. Sportler haben ihre eigenen Leistungszentren. In der Regel reicht ein 1-m-Brett (das ist auch noch relativ gefahrlos). Durch sinnvolle Integration in das Schwimmerbecken (immer in Schwimm-Richtung springen lassen) kann man nochmals Geld sparen. Eigene Sprungbecken und Türme sind immer gefährlich und unrentabel.

== Höhenverstellbare Böden ==
Leisten Sie sich nur dann teure Hubböden, wenn sie wirklich unvermeidbar sind. Sie werden zwar gerne für die Schwimm-Ausbildung oder für die Wassergymnastik gefordert, aber selten wirklich benötigt. Weichen Sie lieber auf entsprechend geformte, flachere (und wärmere) Kleinbecken aus, die man stufenförmig oder leicht abfallend mit ver-schiedenen Wassertiefen planen kann.

== Wellenbecken ==
Vermeiden Sie - nach Möglichkeit - teure Wellenanlagen (außer Sie benötigen diese als USP). Wellenbecken werden meist nur bei Wellengang intensiv genutzt und stehen die übrige Zeit fast leer (außer sie sind über 30 ° warm). Kleine Wellenbuchten mit Bällen ermöglichen überhaupt kein Brandungsschwimmen und sind eigentlich nur als Blickfang gut. Falls Sie doch ein Wellenbecken bauen möchten, denken Sie bitte an eine universelle Nutzbarkeit (z. b. absenkbarer Wasserspiegel) und eine ansprechende Form mit flacher Auslaufzone. Und behalten Sie immer im Hinterkopf, daß eine Wellenmaschine viel Energie verbraucht, gut gedämmt werden muß (Lautstärke) und zusätzliches Aufsichtspersonal (in der Regel zwei Personen) erfordert.

== Wasser-Kreisläufe ==
Becken mit verbundenen Wasserkreisläufen sollten auch möglichst gleiche Temperaturen haben. Wenn Sie z. B. Whirlpools und Kinderbecken in der Wassertechnik miteinander verbinden, werden Sie in keinem der Becken die op-timale Temperatur fahren können. Es ist allerdings möglich und reizvoll, z. B. einen warmen Whirlpool in ein kühleres Badebecken zu setzen.

== Wasser-Temperaturen ==
Planen Sie bei den Becken nicht nur Form, Größe, Tiefe, Farbgebung und Attraktionen, sondern auch die Temperatu-ren. Ausschwimmen ist schön, aber sehr teuer. Wirtschaftlich betriebene, warme Innenbecken können nicht mit den Außenbecken verbunden sein, da ansonsten ständig Wärme abgezogen wird. Haben Sie ein großes Erlebnisbecken mit Ausschwimm-Schleuse, so können Sie im Sommer die Temperatur des Außenbeckens nicht beliebig absenken, das sonst das Innenbecken nicht mehr auf dort angenehmen 30 bis 34 ° gehalten werden könnte.

Darum ist es meist besser, getrennte Becken mit getrennten Wasserkreisläufen zu haben. Eine Ausnahme sind Ther-malbäder mit eigener, heißer Quelle, da dort die Energiekosten für die Wassererwärmung oftmals nicht anfallen. Auch bei Therapiebecken, die zumeist von älteren Menschen genutzt werden, ist ein Ausschwimmkanal sinnvoll. Und achten Sie darauf, daß Ihre Wassertechnik auch auf Temperaturen bis mindestens 38 ° ausgelegt ist. Ansonsten fliegen die Sicherungen raus, wenn Sie das Wasser mal wärmer brauchen.

== Wasser-Attraktionen ==
Vermeiden Sie im Innenbereich bewegte Attraktionen wie Wildwasser und Wasserfälle. Diese verursachen einen hohen Lärmpegel und zusätzlich noch Probleme mit der Entfeuchtung. Äußerst kritisch ist dies bei Sole-Innenbecken. Sie werden das Salz schon nach wenigen Wochen im ganzen Bad wiederfinden, denn es verteilt sich mit der Luftzir-kulation. Die Lüftungstechnik wird eine entsprechend kürzere Lebensdauer haben und alles aus Stahl rostet.

== Kinder-Bereiche ==
Denken Sie auf jeden Fall an genügend große, helle und warme Kinderbecken. Diese sollten von den tiefen Becken getrennt und möglichst weit entfernt sein und viele Spiel-Möglichkeiten bieten. Außerdem braucht man verschiedene Tiefen - von der Babysuhle bis zu max. 40 cm - eine ungefährliche Kurzrutsche, Wickelraum, Kinderklo, Trocken-spielzone und viele Rundungen. Am besten auch ein großes Spiel-Element, wie eine Ritterburg oder ein Piratenschiff.

Nicht zu vergessen die Möglichkeit zum schnellen Wasserwechsel (große Ein- und Auslaßöffnungen, Gefälle dorthin, starke Pumpen), denn hier gibt es oft Verunreinigungen durch Kleinkind-Fäkalien. Ein kompletter Wasseraustausch darf nur wenige Minuten dauern. Eckige Überlaufrinnen und Kanten sollten vermieden werden. Denken Sie daran, daß nur glückliche, unversehrte Kinder für zufriedene Eltern sorgen und diese die beste Mundpropaganda machen.

== Saunalandschaft ==
Machen Sie Ihre Sauna- und Wellnessabteilung richtig gemütlich. Hier wollen sich Leute entspannen, die zumeist besser verdienen und ein entsprechendes Ambiente erwarten. Der Gast muß sich wohler fühlen als zuhause. Dazu gehören z. B. eine Kaminecke, großzügige Ruhe-Angebote und eine große, gärtnerisch gestaltete Außenfläche. SB-Cafeteria oder Plastik-Dampfbad passen nicht in ein gemütliches Saunaland, ebenso wenig wie automatische Aufgüsse oder unbequeme Plastik-Liegen. Geben Sie hier ruhig etwas mehr für die Ausstattung aus, denn damit erzielen Sie Gewinne. Es darf auch mal eine teure Ledercouch oder ein Himmelbett im Ruhebereich sein.

== Sonnenbänke ==
Achten Sie auf moderne Solarien in verschiedenen Preis-Kategorien. Der Gast möchte hohe Qualität zum Auswählen. Kaufen Sie nicht fünf Mal die gleiche Billig-Sonnenbank, sondern eher zwei gute. Interessant ist es auch, bei einer So-larien-Betreibergesellschaft neue Geräte auf Provisionsbasis zu ordern. Dort erhalten Sie auch fachlichen Service.

== Winter-Vorsorge ==
Bedenken Sie, daß es im Winter frieren kann. Machen Sie also die Außenduschen im Saunaland frostsicher, so daß sie nicht abgeschaltet werden müssen. Eine Überdachung ist auf jeden Fall sinnvoll. Auch die angeblich teure Beheizung der Verbindungswege zu den Außensaunas sollte eingeplant werden. Das ist immer noch wesentlich billiger als eine ständige Enteisung (Verschmutzung durch Streumittel!) oder der Hüftgelenkbruch auch nur eines einzigen Saunagastes. Zur Beheizung der Wege kann z. B. kostenlos die Abwärme der Saunaöfen genutzt werden. Damit läßt sich auch eine unerwünschte Überhitzung der Steinböden in den Blocksaunas vermeiden (Fußbodenkühlung).

== Sommerbad ==
Gestalten Sie Ihre Sommerwiese interessant. Achten Sie auf große, schattenspendende Bäume und lauschige Ecken. Babybecken und Spielplätze sollten natürlich auch nicht fehlen. Vielleicht auch eine Sanddüne oder ein Grillplatz. Und wie wäre es mit einem abgetrennten FKK-Bereich?

== Finanzierung ==
Achten Sie bei der Finanzierung auf die richtige Laufzeit. Der Lebenszyklus eines Bades beträgt in der Regel höchstens 30 Jahre und die Finanzierung muß dann ebenfalls beendet sein. Sonst bezahlen Sie für ein Bad, das gar nicht mehr existiert. Interessant ist es, die Lebensdauer kürzer anzusetzen, beispielsweise auf zwanzig Jahre. Das kann vor allem dann nützlich sein, wenn ein städtisches Versorgungsunternehmen das Bad betreiben soll. Die höheren Abschreibungen schmälern den Gewinn des Betreibers in der Anfangsphase und sind damit steuerlich nützlich.

Dabei muß natürlich berücksichtigt werden, daß die Zinsen momentan auf recht niedrigem Niveau sind und wahr-scheinlich weiter ansteigen werden. Berücksichtigen Sie auch, daß Sie jährlich etwa 50.000 bis 100.000 Euro und mindestens alle fünf Jahre einen weiteren sechsstelligen Betrag für Investitionen mit einplanen müssen. Ansonsten ist Ihr Bad bald nicht mehr konkurrenzfähig. Auch diese Investitionen müssen finanziert werden können. Ein Kredit-Aufnahmeverbot ist in solchen Fällen sehr hinderlich.

== Resumée ==
Viele weitere Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit eines Bades, z. B. der Standort, die Erreichbarkeit und das Image. Zu nennen sind aber auch Gesichtspunkte der Betriebsführung wie die Sauberkeit (WCs, Duschen, Umkleiden, Beckenränder, Geländer, Außenbereiche etc.), die Verfügbarkeit, Fachkompetenz und Freundlichkeit (sehr wichtig) des Personals, das Marketing (wird immer unterschätzt) oder die Tarife und Öffnungszeiten. Darum sollte man sich schon vor jedem Neu- oder Umbauvorhaben die Unterstützung von unabhängigen Fachleuten sichern. Das kommt auf jeden Fall deutlich billiger als eine Fehlplanung. Schade, daß viele Verantwortliche sich darum offenbar nicht kümmern…

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