familand-Visionen: Hygiene in Bädern
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== Wo die schönsten Pilze wachsen ==
Die Hygiene war schon immer ein großes Thema in allen Bäderbetrieben. Ständig hört und liest man alles Mögliche über Gefahren durch Legionellen, die THM-Problematik und die Wirksamkeit verschiedenster Verfahren zur Filtration und Entkeimung des Beckenwassers. Es gibt wohl nirgendwo so reines Beckenwasser wie gerade in Deutschland und die Grenzwerte werden immer strenger. Vielleicht wird es bald gesünder sein, das Abwasser eines Schwimmbades zu trinken als das normale Leitungswasser.

== Meine Erkenntnisse dazu... ==
Leider ist das aber nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, daß man sich die meisten Infektionen nicht in den Becken zuzieht, sondern außerhalb. Beispielsweise in den Duschen, auf Beckenumgängen, Dampfbad-Sitzflächen, Treppen oder Toiletten. So ist die Bakterien-Belastung auf den Türgriffen der WCs etwa 100 Mal höher als auf der Klobrille selbst. Und den allseits gefürchteten Fußpilz holt man sich meistens, wenn man barfuß die Duschen benutzt und die Füße an-schließend nicht richtig abtrocknet. Da hilft nur putzen, putzen und nochmals putzen. Genau damit nehmen es aber viele Bäder nicht so genau, denn Reinigungskräfte werden gerne eingespart und falls Hygienepläne vorhanden sind, wird deren Anwendung von den Behörden äußerst selten überprüft.

Bei meinen häufigen Besuchen in Bädern fallen mir immer wieder die gleichen Probleme auf. Schon die Umkleideka-binen sind oft total verdreckt, weil sie von neuen Gästen in Straßenschuhen betreten werden, nachdem weggehende Besucher sie naß benutzt haben. Kaum ein Bad verlangt, vor dem Betreten der Umkleiden die Schuhe auszuziehen. Eine Praxis, die in anderen Ländern ganz normal ist.

Dann kommen Umkleideschränke, die meist stark vernachlässigt werden. Dort werden die schmutzigen Schuhe depo-niert, zusammen mit stinkenden Socken und der Unterwäsche. In den wenigsten Bädern werden aber die Schränke täglich gesäubert und am besten schaut man auch nicht oben drauf. Wer mal mit der Hand drüberfährt, wird sie nach-her waschen müssen.

Als nächstes geht man als normaler Badegast auf die Toilette. Leider halten sich die Gäste aber meist nicht daran, diese mindestens so sauber zu hinterlassen, wie sie betreten wurden. So gibt es häufig nicht abgespülte oder verstopfte WCs zu bewundern, teilweise sogar versch..... bis zur Decke. Wie die Gäste das schaffen, ist selbst mir ein Rätsel, aber ganz offensichtlich wird gerade auf den WCs fast immer zu selten gereinigt. Hinzu kommt das meist billigste, einlagige Recycling-Papier, das zum Abwischen kaum taugt. Bakterien durchdringen nachweislich bis zu 12 Lagen. So oft wird man das Papier aber wohl kaum falten wollen. Davon abgesehen wecken viele Klobrillen nicht unbedingt das Bedürfnis, sich darauf niederzulassen - falls sie überhaupt vorhanden sind.

Weiter geht es in die Duschen. Dort findet man oftmals nicht nur den Plastik-Müll der leeren Schampoos, sondern auch jede Menge Haare, Schuppen und teilweise sogar abgeschnittene Fußnägel auf dem Boden. Schlimm sehen oftmals die Armaturen aus und sehr häufig findet man auch Schwarzschimmel auf den Fliesenfugen. Ganz offensichtlich werden die Duschen in vielen Bädern nur einmal täglich vor bzw. nach dem Betrieb gereinigt - wenn überhaupt -, nicht aber zwischendurch.

Wenn ich ein Speiselokal betrete, gehe ich dort erst einmal auf die Toilette. Ist diese schmutzig, so verlasse ich das Restaurant möglichst sofort wieder, denn in der Küche wird es nicht viel anders aussehen. So manche Gastronomie ist eine Zuchtstätte für Fliegen, Maden und Kakerlaken. Aber auch die Betreiber von Bädern sollten daran denken, daß die Qualität ihrer Einrichtung zu aller erst an der Sauberkeit gemessen wird. Ist diese ganz offensichtlich nicht in Ordnung, wird der Gast nicht gerne wieder kommen und das Bad bestimmt auch nicht weiter empfehlen. Und negative Eindrücke werden (laut einschlägiger Erhebungen von Meinungsforschungsinstituten) etwa sechsmal öfter kundgetan als positive. So kann ein Bad ganz schnell vom Markt verschwinden - wie dies ja auch schon des Öfteren passiert ist. Es wird dabei aber stets nur darauf hingewiesen, daß die Besucherzahlen zu niedrig waren - nicht jedoch, warum das so war.

Wer sich im Badebereich aufmerksam umsieht, wird in vielen Bädern weitere Schmutzstellen entdecken. Sei es in den Ecken der Beckenumgänge, an den Ansaugöffnungen der Abluftrohre, an Treppenabsätzen oder in den Heizungs-schächten. Häufig sieht man auch grünen Schimmel oder Algen an den Abdeckrosten der Überläufe, Speckränder an den Fliesen und Rost an den Edelstahl-Handläufen. Alles Zeichen für ungenügende Reinigung. Von den schmutzigen Fenstern (werden in manchen Bädern nur einmal im Jahr gereinigt) und den Grünflächen rund um das Bad (werden die überhaupt gereinigt?) einmal ganz abgesehen.

Übel sieht es oftmals auch in den Sauna-Bereichen aus, wo sich der Badegast oftmals total ungeschützt, also nackt bewegt. Glücklicherweise benutzen die meisten Gäste ja größere Handtücher zur Unterlage beim Schwitzen, doch auch diese sind irgendwann durchgeschwitzt und verschmutzen die Sitzflächen. Auch das Holz muß also regelmäßig gereinigt und evtl. sogar abgeschliffen werden. Sehr schmutzig sind aber oftmals auch die Bodenflächen unter der Sitzbank. Unverständlich, daß in manchen Saunas die Bänke gar nicht verschoben werden können, weil sie festgeschraubt sind. Wie bitte wird denn dann dort gereinigt? In einer Sauna fiel meiner Frau einmal eine Halskette auf den Boden. Auch hier waren die Bänke aber festgeschraubt. Wir bekamen die Kette auch wieder - etwa zwei Monate später, wohl nach der nächsten Reinigung…

Bakteriologisch sehr bedenklich sind Dampfbäder, in denen keine frisch desinfizierten Sitz-Unterlagen benutzt werden. Gerade Frauen sind dort sehr gefährdet, denn die ungeschützte Vagina nimmt sehr gerne Bakterien von der Sitzfläche auf. Es könnte zuvor jemand an gleicher Stelle gesessen haben, der gerade von der Toilette kam und sich danach nicht gewaschen hat. Ein ekelhafter Gedanke, zumal sich Bakterien und Pilzsporen gerade bei Dampfbad-Temperatur rasend schnell vermehren. Die Damen sollten sich in Dampfbädern also am besten generell auf ein mitgebrachtes, eige-nes Handtuch setzen.

Wirklich gute Bäder haben Sicherheits-Mechanismen, um eine übermäßige Verschmutzung zu verhindern. Sie kenn-zeichnen die Barfuß-Bereiche farblich und überwachen die Einhaltung, es gibt (freundliche) Service-Kräfte, die ständig nicht nur die Umkleiden und Naßbereiche, sondern auch die Beckenumgänge säubern. Es wird zum Tragen von Badeschuhen aufgefordert und die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften und Reinigungspläne wird regelmäßig und stichprobenartig überprüft.

Zur Sauberkeit in Bädern gab es vor ein paar Jahren auch einen sehr kritischen Fernseh-Beitrag in der ARD. Für das Magazin "plusminus" wurden exemplarisch mehrere große deutsche Bäder getestet, wobei erschreckende Ergebnisse zustande kamen. Dazu möchte ich auszugsweise den Fernseh-Beitrag von "plusminus" vom 06. Januar 2004 zitieren, der im Internet nachzulesen ist unter www.swr.de/plusminus. Dabei habe ich die Namen der Bäder bewußt weggelassen, um deren Ruf nicht zu schaden. Schließlich kann sich ja dort zwischenzeitlich vieles gebessert haben. Nachfolgend ein Auszug aus dem damaligen Presse-Text:

Ungetrübter Badespaß, das wünscht man sich beim Besuch im Freizeitbad. Doch oft trügt der schöne Schein: Schimmel, Pilze, Keime - sind unsere Schwimmbäder ein Dorado für Krankheitserreger? Ausgestattet mit einer Minikamera, Probenschälchen und Kühltasche machte sich das plusminus-Team auf die Reise, getarnt als ganz normale Badegäste.

Schon auf den ersten Eindruck wirkten drei der fünf Bäder schmuddelig: Haare, Schlieren und verschmutzte Stühle. In der Sauna, den Umkleidekabinen und den Sanitäranlagen wurden Proben entnommen. Im Schwimmbad selbst waren Barfuß-Zonen, Sitzmöbel und die Wasserqualität auf dem Prüfstand. Die Proben wurden im Labor untersucht, mit erschreckendem Ergebnis: In fast allen Bädern finden sich teilweise extrem hohe Bakterienzahlen, ein klares Zeichen für schlechte Hygiene. In drei Bädern waren alle getesteten Fußbodenbereiche stark verschmutzt. Nicht nur der WC-Bereich, sondern auch die Umkleidekabinen und Fußzonen in Sauna und Bad strotzen nur so vor Keimen.

In einem Bad bestätigte die massive Bakterienbelastung den Eindruck, dass man es dort mit dem Putzen nicht so genau nimmt. Doch nicht immer sind die Verschmutzungen mit bloßem Auge erkennbar. In einem recht sauber wirken-den Spaßbad fanden sich trotz regelmäßiger Putzaktivitäten ebenso hohe Keimzahlen. Es gab einen Putzplan, den die Reinigungskräfte bereits mittags bis abends abgezeichnet hatten.

In einem anderen Spaßbad gab es Ekel erregende Zustände auf der Toilette, in der Sauna und den Umkleidekabinen. Hier wimmelte es nur so von Hefe- und Schimmelpilzen - Hautpilzgefahr. Hohe Konzentrationen krankheitserregender Pilze fanden sich auch in den Proben aus zwei anderen Spaßbädern. Dass es auch anders geht, zeigte ein Erlebnisbad in Süddeutschland. Stündlich werden spezielle Profiputzgeräte im gesamten Bad eingesetzt. So unterwirft man sich freiwillig einer besonders strengen Hygienenorm. Die anderen Bäder dagegen scherten sich um so etwas offenbar nicht. Es gibt keine gesetzlichen Hygienevorschriften für den Barfußbereich. Und gerade der war schon immer das Problem in den Bädern. Bei den Wasserproben dagegen gab es keine Beanstandungen. Für das Wasser gelten nämlich strenge rechtliche Hygienevorschriften. Ohne Zwang ist dem Schlendrian jedoch Tür und Tor geöffnet, wie das erschreckende Ergebnis der Stichprobe zeigte.

So weit der Fernsehbericht. Ich habe erst vor kurzem übrigens zwei der in diesem Bericht beanstandeten Bäder erneut besucht und leider genau die gleichen Erfahrungen wie oben beschrieben gemacht. Offenbar hat man dort aus den Fehlern nicht gelernt oder man braucht den Mitbewerb nicht zu fürchten. Mein sechsjähriger Sohn sagte beim Anblick des Kinderbeckens in einem Bad im Rheinland: "Papa, warum ist das Wasser denn so dreckig?" Und tatsächlich: es schwammen jede Menge Schmutzpartikel darin, der Beckenboden war schlierig, ein altes Pflaster schwamm herum und jede Menge Haare gab es gratis dazu. Da ist meine Badewanne nach dem Baden sicherlich sauberer. Ich erinnere mich an ähnliche Erfahrungen in einem Sportbad in Berlin und in einem Spaßbad im Allgäu, wo mir im Außenbecken schon mal eine offensichtlich benutzte Babywindel vor die Nase schwamm. Wäre ich ein "normaler" Badegast, würde ich heute vielleicht nie wieder in ein Freizeitbad gehen.

Natürlich sind die für den Badegast offensichtlichen Hygienestandards auch von Land zu Land verschieden. Dabei ge-hören die deutschsprachigen Länder sicherlich nicht nur in Sachen Wasserhygiene zur Weltspitze, sondern auch bei der Sauberkeit des Umfeldes. Das fällt auf, wenn man z. B. Bäder in den U.S.A., in Südeuropa oder auch in Großbritannien besucht. Daß es aber noch sauberer geht als bei uns, zeigt sich z. B. in Japan oder auch in den skandinavischen Ländern. Dort achten die Aufsichtskräfte sogar sehr streng darauf, daß jeder Badegast komplett geduscht im Bad erscheint, da er sonst nicht ins Becken darf. Eine Praxis, die uns vielleicht übertrieben vorkommen mag, die aber durchaus berechtigt ist.

In diesem Sinne sollten die Bad-Betreiber vielleicht öfter mal in ihre Hygiene-Pläne schauen und die Ergebnisse des nächtlichen Hausputzes - auch und vor allem bei Fremdfirmen - genauer unter die Lupe nehmen. Die Gäste tun das nämlich auch - aber meistens erfährt der Chef davon nichts. Wenn man sparen will, dann möglichst nicht an der Sau-berkeit, denn damit gefährdet man nicht nur die Gesundheit der Gäste, sondern auch das eigene Betriebsergebnis. Denn unzufriedene Gäste kommen nicht wieder - und sie reden darüber.

== Fazit ==
Auch wenn es schwarze Schafe gibt, ist die Gefahr, sich beim Schwimmen oder Saunieren eine Krankheit zu holen, doch äußerst gering. Dennoch kann es nichts schaden, immer mal etwas genauer hinzuschauen und die Badleitung auch auf Mißstände hinzuweisen. So wird der Schwimmbad-Besuch für alle besser und schöner.

== Nachwort ==
Ich möchte mit diesem Bericht wirklich niemanden davon abschrecken, ins öffentliche Schwimmbad zu gehen. Ein paar Keime schaden niemandem und das Immunsystem braucht die auch. Es ging mir vielmehr darum, die Bäder-Betreiber an ihre Pflichten zu erinnern und die Besucher zu ermuntern, die Betreiber auch mal auf Schmutz aufmerk-sam zu machen. Übrigens ist der Aufenthalt in Krankenhäusern, wo wahrscheinlich am meisten auf Sauberkeit geach-tet wird, wesentlich gefährlicher als in Schwimmbädern. Die meisten wirklich gefährlichen Viren und Bakterien holt man sich nämlich im Krankenhaus. Schätzungsweise die Hälfte aller tödlich verlaufenden Infektionen ziehen sich die Pati-enten nämlich erst im Krankenbett zu. Darüber redet aber auch keiner gerne...

Fußpilz-Infektionen, die man sich ja gerne in öffentlichen Duschen holt (nicht nur im Schwimmbad, ich habe mich mal bei der Bundeswehr angesteckt), vermeidet man durch das Tragen von Badeschuhen und das ganz sorgfältige Ab-trocknen der Füße, vor allem zwischen den Zehen. Dieses Virus kann nämlich nur in feuchtwarmem Klima überleben. Gegen bakterielle und virologische Angriffe auf die untere Intimzone (vor allem bei Frauen) schützt man sich durch Unterlegen von trockenen Tüchern, wenn man nackt ist. Außerdem natürlich immer gründlich mit Seife waschen. Wenn es auch nach dem Waschen noch streng riecht, hat man sich in der Regel Bakterien einfangen, gegen die man mit Medikamenten vorgehen muß. Virus-Erkrankungen erkennt man meistens an unkontrolliertem Ausfluß. Aber ich bin kein Arzt, also im Zweifelsfall dorthin gehen.
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