Wettkampf-Hallenbäder in Deutschland
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== Intro ==
In Deutschland existieren zum Jahresbeginn 2012 rund öffentliche 2.300 Hallenbäder. Darunter befinden sich über 120 Kombibäder, rund 470 Spaß- und Freizeitbäder und 290 Warm- und Thermalbäder. Genau 91 deutsche Hallenbäder verfügen über mindestens ein 50-m-Sportbecken, das auch im Winter betrieben wird. familand hat alle diese Bäder untersucht und statistisch erfasst.

== Eröffnung ==
Nur fünf der Wettkampfbäder stammen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, wobei alle diese Bäder erst kürzlich komplett saniert wurden. Die Blütezeit der Wettkampfbäder fiel in die Zeit des „Goldenen Plans“. Die meisten dieser Schwimmtempel wurden zwischen 1969 und 1977 eröffnet. Nachdem in den 1990er Jahren nur noch drei 50-m-Hallenbäder entstanden, ist in den letzten Jahren wieder ein Aufschwung zu verzeichnen. So wurden seit der Jahrtausendwende wieder mehr als ein Dutzend neue Olympia-Bäder eröffnet. Zudem wurden rund 30 Wettkampfbäder in dieser Zeit generalsaniert. Etwa die gleiche Anzahl an Bädern mit Eröffnungsjahr vor 1992 steht aber noch zur Renovierung an. Drei Wettkampfbäder werden derzeit neu gebaut (je eines in Hessen, Sachsen und Baden-Württemberg). Weitere vier Wettkampfbäder (zwei in Niedersachsen, eines in Hessen und eines in Berlin) befinden sich momentan in Sanierung. Diese sieben Bäder wurden in unserer Auswertung nicht berücksichtigt, da sie derzeit nicht in Betrieb sind.

== Verteilung Regionen ==
Mit fast 700 Indoor-Bahnen je 50 m Länge ist Deutschland sehr gut versorgt. Damit stehen im Schnitt 8,5 Bahnen pro Million Einwohner zur Verfügung. Die Verteilung ist jedoch höchst unterschiedlich. Wie bei der Arbeitslosigkeit und dem Wohlstand, so gibt es auch bei den Bädern mit olympischen Dimensionen ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle - allerdings diesmal umgekehrt. Die reicheren Bundesländer im Süden und Westen gewährleisten eine schlechtere Versorgung als die ärmeren Länder im Norden und Osten. Im norddeutschen Raum (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen) gibt es insgesamt 17 Wettkampfbäder. Hier kommen 131 Bahnen auf 13,2 Mio. Einwohner oder 9,9 Bahnen pro Bevölkerungs-Million. In Ostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Berlin) existieren 28 Wettkampf-Hallenbäder. Dabei verteilen sich 217 Bahnen je 50 m auf 16,3 Mio. Einwohner. Das sind 13,3 Bahnen je Million Einwohner. In Westdeutschland (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland) sind es 33 Bäder mit 253 Bahnen bei 28,9 Mio. Bewohnern. Das macht 8,7 Bahnen je Million Einwohner. Nur ein Dutzend Wettkampf-Hallenbäder befinden sich in Süddeutschland, also in Bayern und Baden-Württemberg. Das sind lediglich 94 Bahnen für 23,4 Mio. Einwohner oder durchschnittlich vier Bahnen je Million Einwohner.

== Verteilung Bundesländer ==
Die meisten 50-m-Hallenbahnen je Einwohner stellt das kleinste und finanziell schwächste Bundesland Bremen bereit, näm-lich achtzehn Bahnen in zwei Bädern oder 27,3 Bahnen je Einwohner-Million. Auch die notorisch klamme Bundeshauptstadt Berlin ist mit 82 Bahnen in zehn 50-m-Hallenbädern sehr gut versorgt - hier sind es derzeit 23,6 Bahnen je Million Einwohner. Der dritte Platz geht an Brandenburg mit immerhin noch 38 Bahnen, verteilt auf fünf Bäder. Am unteren Ende der Statistik liegt Baden-Württemberg mit nur fünf Bädern für fast elf Millionen Einwohner und einem Index von 3,4 Bahnen je Million Einwohner. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es etwa ebenso schlecht aus. Dort gibt es nur ein einziges, fast 60 Jahre altes Wettkampfbad mit sechs Bahnen für 1,6 Mio. Menschen oder 3,7 Bahnen für eine Bevölkerungs-Million. Auf dem drittletzten Platz landet das reichste Bundesland Bayern. Hier kommen nur 4,5 Bahnen auf eine Mio. Einwohner.

== Verteilung Städte ==
Da Bau und Betrieb eines Sport-Hallenbades mit großer Wasserfläche für kleine Kommunen in der Regel kaum finanzierbar ist, sind fast 70 % dieser Bäder in Großstädten (über 100.000 Einwohner) zu finden. Etwa ein Zehntel der Wettkampfstätten findet man in Mittelzentren zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. Der Anteil von Kleinstädten (bis 50.000 Einwohner) bei den Wettkampfbädern liegt bei rund 20 %. Die Bäder in den kleineren Kommunen sind jedoch meist in Sportschulen in-tegriert oder sie liegen im näheren Einzugsgebiet von Großstädten. Die Durchschnittsgröße von Städten mit Wettkampfbädern liegt bei 267.000 Einwohnern, wobei diese Zahl schon von Mehrfachnennungen der Metropolen bereinigt ist.

== Anzahl Bahnen ==
Laut FINA-Reglement (FR3, Kategorie A) muss ein Sportbad über mindestens acht Bahnen je 50 m Länge verfügen, um für internationale Wettkämpfe zugelassen zu werden. Diese Voraussetzung erfüllen in Deutschland theoretisch 63 Hallenbäder. Davon erreichen aber nur ein rundes Dutzend Bäder wirklich die Olympia-Norm (Beckenbreite 25 m, durchgehende Tiefe mindestens 180 cm). Berücksichtigt man auch noch die FINA-Forderung nach mindestens 700 Zuschauerplätzen, so reduziert sich die Anzahl der echten Olympia-Bäder in Deutschland auf höchstens eine Handvoll. Außerdem zählen sieben der ermittelten Wettkampfbäder im eigentlichen Sinne nicht zu den Hallenbädern, da sie im Sommer als Freibad betrieben werden und nur im Winter von einer Traglufthalle überdacht sind. Das bedeutendste Wettkampf-Hallenbad Deutschlands ist das SSE im Europa-Sportpark in Berlin, das über insgesamt 20 Bahnen je 50 m Länge verfügt, außerdem noch über acht weitere Bahnen je 25 m Länge. Die meisten der Sportbäder verfügen über acht 50-m-Bahnen, der Durchschnitt liegt bei 7,6 Bahnen. Zusätzliche 25-m-Becken mit vier bis acht Bahnen sind in einem Dutzend der Wettkampfbäder vorhanden. Diese dienen in der Regel zum Einschwimmen. Gemäß FINA-Reglement können aber ausnahmsweise auch 25-m-Hallenbäder für Kurzbahn-Meisterschaften zugelassen werden.

== Becken-Anzahl ==
In der Regel verfügen Sport-Hallenbäder zumindest über zwei Becken, also neben dem Sportbecken noch über ein Lehr- oder Einschwimmbecken oder ein Sprungbecken. In Deutschland sind jedoch ein gutes Viertel der 50-m-Hallenbecken an Frei-zeitbäder angeschlossen, die über bis zu zehn Becken verfügen. Weitere Bäder sind als Familienbad mit Kinderbecken, Au-ßenbecken und Whirlpools ausgeführt. So liegt der Durchschnitt bei 3,5 Becken je Bad.

== Sprungtürme ==
Mehr als die Hälfte der Wettkampfbäder ist auch mit Sprungtürmen ausgestattet. In vierzehn Hallenbädern ist sogar ein 10-m-Sprungturm vorhanden. Mehr als ein Drittel der Bäder haben zumindest einen 5-m-Turm.

== Wasserfläche ==
Die kleinsten der Sportbäder mit 50-m-Hallenbecken haben eine Gesamt-Wasserfläche von 500 m², also nur ein Becken mit vier Bahnen. Als größtes Wettkampfbad kann das SSE in Berlin weit über 3.000 m² Indoor-Wasserfläche vorweisen. Der Durchschnitt liegt bei mehr als 1.300 m². Darin enthalten sind allerdings auch die Becken der evtl. zugehörigen Spaßbäder.

== Rutschen ==
Mittels einer interessanten Großrutsche, am besten mit Lichteffekten und Zeitmessung, kann man die Besucherzahl jedes Schwimmbades signifikant steigern. Auch für Wettkampfbäder ist daher eine zusätzliche Rutschenanlage empfehlenswert. Rund zwei Dutzend der Wettkampfbäder sind Teil eines Freizeitbades und verfügen damit über mindestens eine Großrutsche. Bei der Rutschen-Gesamtlänge ist dabei das Nettebad in Osnabrück mit vier Rutschen und insgesamt fast 300 m Rutschenlänge der Spitzenreiter. Die längste Einzelrutsche unter den Wettkampfbädern weist der Badepark Wolfsburg auf. Zusammen mit einer weiteren Rutsche kommt man hier auf rund 250 m Gesamt-Rutschenlänge.

== Whirlpools ==
Auch Schwimmer möchten sich gerne zwischendurch mal aufwärmen. Nichts eignet sich dafür besser als ein Hot-Whirlpool mit etwa 36 °C Wassertemperatur. Insgesamt 15 der Sport-Hallenbäder verfügen über mindestens einen Whirlpool, wobei im Freiburger Westbad sogar vier Sprudelbecken vorhanden sind. Durchschnittlich bietet aber nur jedes dritte Wettkampfbad ei-nen Jacuzzi.

== Warmräume ==
Dem Wohlbefinden der Sportler wird außerhalb der Schwimmbecken bislang wenig Beachtung geschenkt. So bieten nur vier der untersuchten Bäder einen textil zu nutzenden Warmraum (Dampfbad / Sanarium) im Hallenbad-Bereich an. Besser sieht es mit dem textilfreien Bereich aus. Fast 60 % der Wettkampfbäder haben eine FKK-Saunalandschaft angegliedert. Im Durchschnitt kann jedes dieser Bäder 2,4 textilfreie Schwitzräume vorweisen. Allerdings sind nur bei rund einem Drittel der Schwimmhallen die Saunalandschaften auch wirklich der Erwähnung wert. Bei den anderen wird jeweils nur eine veraltete Finnsauna oder eine Finnsauna plus Plastik-Dampfkabine vorgehalten. Das entspricht nicht den Anforderungen an eine at-traktive Saunalandschaft. Auch eine Lounge oder zumindest einen gemütlichen Raum mit bequemen Sitzgelegenheiten sucht man in den Sportbädern meist vergebens. Für Sportler ist das Schwimmbad also auch weiterhin nur als „Arbeitsstätte“ zu se-hen. „Wohlfühlen“ steht nicht auf dem Trainings-Programm.

== Architektur ==
„Form follows function“ - nach diesem Grundsatz wurden bislang fast alle Sport-Schwimmhallen erbaut. Für´s Auge oder gar für die Seele bieten sie wenig. Es sind einfach nur Körperertüchtigungs-Anstalten ohne Wohlfühl-Elemente. Die Jugend und die jungen Erwachsenen sollen hier einfach nur ihre Bahnen schwimmen und dabei die Muskeln stählen. Bestenfalls gibt es noch den Kick eines Sprungturms als Zugabe, um auch Mutproben abfragen zu können. Kinder, Familien, Senioren oder Behinderte wurden und werden auch weiterhin bei der Planung von Wettkampfstätten in der Regel außen vor gelassen. Schließlich kostet alleine schon die 50-m-Schwimmhalle weit über zehn Millionen €. Eine Mehr-Ausgabe von zehn oder zwanzig Prozent, um der Wettkampfstätte auch eine eigenständige Architektur oder zusätzliche Wohlfühl-Elemente zu genehmigen, ist dann in der Regel nicht mehr drin. So sind wirklich interessante Sportbäder weltweit Mangelware. Schade, denn mit einem besucherfreundlichen Konzept könnte man die Auslastung und damit die Rentabilität der Bäder wesentlich verbessern. Dass jedoch Mehr-Ausgaben für eine außergewöhnliche Architektur, Gastronomie, Saunalandschaften, Whirlpools, Wasser-attraktionen und ein Farb-, Musik-, Geruchs- und Beleuchtungskonzept in den meisten Fällen sinnvoll sind, haben nahezu alle Entscheider leider noch nicht realisiert.

== Besucherzahlen ==
Da die Gästezahlen von Sport-Hallenbädern und Sport-Leistungszentren so gut wie nie veröffentlicht werden, konnten wir diese leider nur bei rund der Hälfte der Bäder ermitteln. Unter den zehn bestbesuchten Wettkampfbädern befinden sich acht Freizeitbäder. Die beiden anderen Top-Bäder nach Besuchen sind die Olympia-Bäder in Berlin und München. Der Besucher-Schnitt bei den erfassten Bädern liegt bei 329.200 Jahresgästen. Bei rund der Hälfte dieser Bäder ist jedoch der Anteil der reinen Sportbad-Besucher nicht genau zu bestimmen, da sie zur Kategorie Freizeitbäder gehören und damit auch Spaß-Angebote bereithalten. Spitzenreiter ist auch hier das Badeland in Wolfsburg, das seine jährlich weit über 700.000 Badegäste allerdings vorwiegend aus den Bereichen Spaßbad, Fitneß und Saunalandschaft generiert. Die Wettkampf-Schwimmer spielen hier - wie in fast allen Freizeitbädern - eher eine untergeordnete Rolle.

== Fazit ==
Schwimmhallen in olympischen Dimensionen sollte man auch weiterhin vorhalten, wenn man sich als „Sportnation“ darstel-len möchte. Dass gute Trainings-Möglichkeiten Grund-Voraussetzung für sportliche Erfolge sind, zeigt sich am Beispiel der U.S.A., aber auch in Rußland und China. Will man in Mitteleuropa nicht den Anschluß verlieren, dann dürfen die Sport-Hallenbäder nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. Zudem gibt es immer noch einige weiße Flecken auf der Bäder-Landkarte, speziell was Sportbäder anbetrifft. So verfügen beispielsweise die Landeshauptstädte Kiel, Schwerin, Düsseldorf und Stuttgart allesamt nicht über Wettkampfbäder mit 50-m-Hallenbecken. Gefordert sind aber nicht nur die Stadtverwaltungen, sondern auch Architekten, die über eine kluge Aufteilung der Becken und des Raumes nicht nur die Kosten minimieren, sondern auch für eine gesunde Mischung aus Funktionalität und Wohlfühl-Faktoren sorgen können. Die komplette Daten-Liste dieser Erhebung kann bei familand angefordert werden.
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