Toyota Verso Mini-Van

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Wir fuhren den Verso 1,8 mit 108 kw im Mai 2011 eine Woche lang leihweise, ca. 3.000 km weit. Der Wagen war neu, als wir ihn übernommen haben, gerade mal 500 km auf dem Tacho. Ansonsten fahren wir einen Toyota Picnic 2.0 mit 90 kw.

Optisch ist der neue Verso gelungen, wenngleich nicht unbedingt schön zu nennen. Unser Modell ist Bj. 2011, hat aber weder Einparkhilfe (wäre sehr empfehlenswert, da die Sicht nach hinten bescheiden ist) noch Rückfahr-Kamera, Schiebedach, Alufelgen oder Sitzheizung, ist also wohl das Basis-Modell.

Das Platz-Angebot ist für einen Mini-Minivan ausreichend, wobei der Fußraum vor allem für den Beifahrer größer sein dürfte. Der Kofferraum ist wesentlich kleiner als beim Picnic, ansonsten ist er in etwa vergleichbar.

Die Ausstattung ist für uns eigentlich okay, wobei einige Spielereien wie USB-Anschluß oder 97 Airbags für uns überflüssig sind, ein eingebautes Navi aber nicht vorhanden ist. Naja. Außerdem finde ich die Farbe Silber, in der er meistens geliefert wird, total langweilig.

Schlecht ist die Plastik-Innenausstattung, die total billig und schwabbelig daherkommt, wie eine Wegwerf-Verpackung. Zudem waren schon bei Übernahme mit 500 km deutliche Kratzer am Handschuhfach zu sehen. Für Familien mit Kleinkindern ein Albtraum.

Bei der Beurteilung des Motors kann man wirklich zweigeteilter Meinung sein. Zum einen läuft die Maschine sehr ruhig und fährt sich butterweich, zum anderen fehlt der Biss. Kein Vergleich mit meinem - 19 PS schwächeren - Picnic. Unser 13 Jahre alter Picnic fährt dem neuen Verso locker davon, trotz seiner zwischenzeitlich 350.000 km auf dem Tacho. Das 6-Gang-Getriebe des Verso ist gewöhnungsbedürftig, der 6. Gang ist etwas hakelig und das Einlegen des Rückwärtsgangs Geschmackssache. Mir persönlich liegt das alte 5-Gang-Getriebe eher.

Total enttäuschend sind Beschleunigung und Endgeschwindigkeit. Da ist der alte Picnic wesentlich besser, trotz nominell schwächerer Leistung und höherem Gewicht. Die 150 PS des Verso spürt man überhaupt nicht. Die Nennleistung wird auch erst bei 6.400 Umdrehungen erreicht, das Drehmoment ist also ein Witz. Zudem ist er nicht mal sparsamer als die alten Carina-Motoren, die es ja schon seit 1995 gibt. Der Minimal-Verbrauch liegt - bei 90 km/h im 6. Gang auf ebener Autobahn - bei rund 6 Litern. Bei 120 km/h laufen bereits 7,5 Liter durch die Leitung und im Stadtverkehr liegen mehr als 10 Liter an. Als besonders sparsam kann man das nicht bezeichnen. Unser Mix-Verbrauch lag bei 8,7 Litern.

Sehr ärgerlich ist der schwache Durchzug. Da macht Überholen auf der Autobahn keinen Spaß und auf der Landstraße wird es schnell gefährlich. Gerade in den unteren Drehzahlen tut sich fast nichts. Dreht man höher, also über 4.000 Touren, jault die Maschine gequält auf und der Verbrauch geht bis zur 30-Liter-Marke hoch. Es ist also schonendes Dahingleiten mit maximal 3.000 Touren auf der Autobahn angesagt, für die Landstraße und die Innenstadt ist der Wagen eher ungeeignet. Übrigens liegen die vorgegebenen Schaltpunkte schon bei 2.000 rpm, also weit weg von sportlichem Fahren.

Nervig finde ich das ständige Piepsen, z. B. wenn man noch nicht angeschnallt ist (auf allen belegten Plätzen übrigens, das findet der Wagen von alleine raus) und das automatische Verriegeln der Türen (immer wenn man aussteigt, muß man alle Türen außer der Fahrertür manuell wieder entriegeln). Das eingebaute Radio hat zwar einen guten Empfang, ist aber optisch eine Katastrophe. Da hätte man mal bei Pioneer, Panasonic oder Kenwood ein wenig abkupfern sollen, dort sind schon die 50-Euro-Radios optisch ansprechender.

Insgesamt betrachtet ist der Wagen bestimmt qualitativ nicht schlecht, kommt aber an den Picnic oder den Avensis-Verso längst nicht ran. Vor allem die Motorisierung ist einfach die falsche Wahl.


© by familand.de / wellSPAss, Mai 2011


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