DE-06502 Thale: Bodetal-Therme


Thale ist bekannt als sagenhafte Hauptstadt der Hexen. Vor allem in der Walpurgisnacht ist hier sozusagen die Hölle los. Dann ist das ansonsten eher ruhige Städtchen von mehr als 100.000 grässlich maskierten Gestalten bevölkert, die alle Richtung Hexentanzplatz pilgern und bis in den Morgen hinein feiern. An weiteren Sehenswürdigkeiten sind das romantische Flusstal der Bode, eine steile Gondelbahn, der Sessellift zur Roßtrappe und das Hüttenmuseum zu nennen. Und es gab hier einmal das größte Sommerfrische-Hotel Deutschlands.


Die alte Sommerfrische-Tradition ist zwar jetzt Geschichte, doch seit März 2011 ist Thale auch für Wellness-Fans zu einer der ersten Adressen geworden. Die neue „Bodetal Therme Thale“ eröffnete an einer der schönsten Stellen im Harz, nämlich mit Blick auf das Tal des Flusses Bode und der umgebenden Bergkulisse inklusive der Bergbahnen.

Die Anfahrt ist ohne Navi etwas kompliziert, doch wer den Hinweisen Richtung „Bergbahnen“ folgt, findet die „Bodetal Therme Thale“ recht schnell. Am Wochenende kann es aber etwas dauern, in der Nähe einen freien Parkplatz zu finden. Allerdings findet man direkt neben dem Bad ein mehrstöckiges Parkhaus, das momentan sogar noch kostenlos zu nutzen ist. Vor allem in den unteren Etagen war zum Zeitpunkt unseres Besuchs jede Menge Platz und es lässt sich hier auch vergleichsweise leicht rangieren.

Das Foyer ist nicht riesig, aber hell und offen. Ich erhalte an einer der beiden personenbesetzten Kassen mein Transpon-der-Armband und stürze mich wohlgemut ins Vergnügen. Die Umkleiden für Thermen- und Saunagäste befinden sich direkt hinter dem Empfang, also eine Etage über der Bade-Ebene. Es sind über 500 große Schränke vorhanden, wobei die Schrankwahl frei ist und das Verschließen bargeldlos mittels Chip geschieht. Auch Einzel-Umkleiden sind in großer Zahl verfügbar, wobei vor allem die Familien-Kabinen mit eigenen Schränken und Wickeltisch zu loben sind. Wer bei der Rückkehr seine Schrank-Nummer vergessen haben sollte, kann ein Info-Terminal bemühen.

Die Vorreinigungs-Duschen und Toiletten sind natürlich nach Geschlechtern getrennt, wobei man auf die Farbgebung (rot für Damen, blau für Herren) achten sollte. Ein separater Sanitär-Bereich für Behinderte ist ebenfalls vorhanden. Pro Geschlecht gibt es jeweils ein Dutzend regelbare Brausen in durch Glas getrennten Kabinen und auch jeweils mehrere Toiletten. Die Sauberkeit ist gut und es funktioniert auch alles.

Von der Vorreinigung aus gelangt man auf eine schmale Galerie, die schon einen schönen Überblick auf die Bade-Ebene ermöglicht. Neue Gäste stehen hier erst mal und staunen über die elegante, großzügige Architektur. Ein sehr guter Einblick ist übrigens auch von außen möglich, da sich ein Fußgänger-Weg mit Panorama-Scheiben dort vorbeizieht. So findet man dort die Seh-Leute, also die Spaziergänger, in großer Zahl neugierige Blicke in die Badehalle werfend. Die Badegäste scheint das aber nicht zu stören, sie planschen im warmen Nass und sehen eher selten nach oben.

Eine in vornehmem Rot gestrichene Treppe führt nach unten. Hier hat man den Gehbehinderten Tribut gezollt und auch gleich noch einen Aufzug installiert. Der Ausgang befindet sich für Treppe und Aufzug direkt neben der Aufsichts-Kabine der Schwimm-Meister. Deren Glaseinhausung ist nach oben offen. Es sind stets mindestens zwei Fachange-stellte im Einsatz, so dass eine regelmäßige Kontrolle der Becken sichergestellt ist.

Die hohe Badehalle erhält viel natürliches Licht durch eine große, schräggestellte Glasfront zum Bodetal hin. Der Raum wird von einem freigeformten Süßwasser-Becken dominiert. Sprudelliegen, Massagedüsen und Nackenduschen sorgen in dem angenehm temperierten Bassin für Abwechslung. Highlight ist jedoch die Pool-Bar. Hier kann man bequem im warmen Wasser sitzend seinen Cocktail schlürfen oder ein Bierchen trinken. Da geht natürlich auch an normalen Ti-schen, denn das Bistro befindet sich gleich nebenan. Dort sind auch Snacks und Kuchen im Angebot.

Eine Schleuse erlaubt das Ausschwimmen ins „Roßtrappen-Becken“. Das ganzjährig nutzbare Außenbecken erhielt sei-nen Namen vom sagenumwobenen Berg gleich gegenüber. Hier soll einst der Riese Bodo die schöne Königstochter Brunhilde verfolgt haben, die er gegen ihren Willen ehelichen wollte. Brunhilde entfloh auf einem weißen Ross, bis sich ein tiefer Abgrund vor ihr auftat. Mit einem kühnen Sprung entkam sie, ihr Verfolger stürzte jedoch in die Schlucht. Beim Absprung hinterließ Brunhildes Pferd einen tiefen Abdruck im Fels, der noch heute zu sehen ist. Zweifel an der Sprungsage sind erlaubt - unbestreitbar hingegen ist der Zauber der wildromantischen Landschaft. Die imposante Natur-Kulisse genießt man am besten, wenn man sich von einer Unterwasser-Liege besprudeln lässt oder eine sanfte Wasserstrahl-Massage nimmt. Der Thermengarten mit Liegewiese und Steinpark wird bis zur Sommersaison fertig sein.

Ein weiterer Höhepunkt des Bade-Besuchs ist das Licht-Klang-Becken. Dieses ist in einem eigenen Badebereich unter-gebracht. Für die Beleuchtung sorgen vertikal an den Wänden angebrachte LED-Stäbe, die ständig ihre Farbe wechseln. Auch das Becken selbst wird durch Unterwasser-Leuchten in stets neue Stimmungen versetzt. Dazu erklingt leise Ent-spannungs-Musik. Der Aufenthalt in dem 34° C warmen Bassin ist aber nicht nur erholsam, sondern auch sehr gesund. Befüllt ist der Pool nämlich mit natürlichem, dreiprozentigem Salzwasser. Dieses stammt von einer Quelle, die auf der Hubertus-Insel in der Bode entspringt.
Mit einem Spaßbad ist die Therme nicht vergleichbar, doch sind auch hier Kinder und Familien durchaus willkommen. Für Familien mit zwei oder mehr Kindern gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis und ein Animationsprogramm an Wo-chenenden sowie während der Ferienzeiten. Sehr schön angelegt ist das Planschbecken auf zwei Ebenen. Regenbogen-Minirutsche, Spritzschlange und verschiedene weitere Spritztiere sorgen bei den Kleinsten für Abwechslung, während es sich die Eltern auf Liegen am Beckenrand bequem machen können. Ein schönes Wand-Mosaik mit einer Hexe, die auf ihrem Besen an einem Regenbogen entlang fliegt, beflügelt dabei die Phantasie der Kinder.

Erwachsene sollten sich den Besuch der Saunalandschaft nicht entgehen lassen. Mit insgesamt neun Schwitzräumen zählt sie zu den abwechslungsreichsten in Deutschland. Durch ein Drehkreuz gelangt man an weiteren Umkleideräumen und Duschen mit Sanitäranlagen vorbei in die Sauna-Lounge. Am Kaminfeuer kann man sich in bequeme Sessel lüm-meln oder es sich auf Wasserbetten bequem machen. Durch Pflanzenkübel abgetrennt nimmt die Sauna-Gastronomie die andere Hälfte des großen Raumes ein.

Weiter geht es zu den Schwitzräumen im Innenbereich. Hier hat man sich an die traditionell römische Badekultur ange-lehnt. Tepidarium, Laconium, Caldarium und Sudatorium bieten die Möglichkeit, sich dem Schwitzvergnügen in geka-chelten Warmräumen wie im alten Rom hinzugeben. Das kalte Tauchbecken Frigidarium und ein Ruhe-Gemach bilden den Abschluss des Rituals - oder den Beginn einer neuen Schwitzrunde. Nicht vergessen sollte man allerdings den Auf-enthalt in einem der beiden warmen Sole-Becken, die mit Sitzsprudlern und Wasserfall zum dekadenten Nichtstun ein-laden. Als Blickfang im Raum-Mittelpunkt dienen zwei Entspannungs-Liegen des Künstlers Sha, die von innen heraus in einem mystischen Blau erstrahlen.

Für die Anhänger der finnischen Schwitz-Kultur stehen im Außenbereich noch fünf weitere Saunaräume in verschiede-nen Temperaturstufen bereit. Am besten gefallen hat mir die „Köhler-Sauna“, die ein angenehmes Raumklima und ab-wechslungsreich gestaltete Wände bietet. Der große Ofen ist wunderschön ummauert und erinnert in der Formgebung tatsächlich an einen Köhler-Hügel. Ein interessantes, indirektes Beleuchtungs-Konzept sowie eine Verdampfer-Schale tragen zum Wohlbefinden bei.

Noch etwas milder ist die „Blocksberg-Sauna“, ein geräumiges Sanarium mit breiten Sitzstufen und einem Fensterband über der höchsten der drei Bänke. Diese Sauna ist für Anfänger oder empfindliche Menschen besonders geeignet, da sie den Kreislauf kaum belastet. Die „Hubertus-Sauna“ nebenan ist aber eher etwas für ausgesprochene Saunaprofis. Der erste Blick in den Schwitzraum fällt auf einen interessanten, riesigen Zentral-Ofen, der von zwei hohen Fenstern flan-kiert wird. Doch Vorsicht beim Betreten des Raumes, denn dabei wird man von einem Hitzeschwall erfasst. Nicht nur 100 °C Raumtemperatur erwarten den Schwitzfreund, sondern auch eine hohe Luftfeuchte. Diese wird durch regelmäßige Wasser-Ergüsse aus dem Kaskadenbrunnen auf den heißen Ofen hervorgerufen. Ideal, um sich schnell aufzuwärmen, denn hier werden selbst Eisberge binnen Minuten zu warmen Pfützen.

Vergleichsweise gemütlich geht es hingegen in der „Kaminsauna“ zu. Man blickt hier beim Schwitzen auf einen gasbe-feuerten Kaminofen und kann sich an den lodernden Flammen ergötzen. Bei 80 °C Wärme und geringer Luftfeuchte hält man es hier lange aus. Schließlich wäre da noch die „Hexenblick-Sauna“. Worauf sich der Name bezieht, erschließt sich mit Blick durch die Glasfassade in das Bodetal und hinauf zum Hexentanzplatz. Einen Besen samt Reiterin habe ich zwar nicht entdecken können, aber es war ja auch noch lange hin bis Mitternacht. Jeweils zur vollen Stunde wird es in der mit edlem Kelo-Holz ausgeschlagenen Außensauna immer ziemlich voll. Dann finden nämlich die beliebten Aufgüsse auf dem zentral positionierten Doppel-Ofen statt. Ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Nach dem Aufguss kann man beim leisen Gurgeln der Bode langsam abkühlen oder sich gleich unter die Außenduschen stürzen. Sehr schön ist auch der Storchengang durch das Kneipp-Tretbecken, das hier seinen Namen wirklich verdient. Obgleich es allerdings anders heißt, nämlich „Schurre-Fließ“. „Schurre“ ist übrigens der Name eines Wanderwegs zum gegenüberliegenden Berg „Roßtrappe“. Weiterhin laden drei Kübel im Innenbereich zu wechselwarmen Fußbädern ein und die ganz Abgehärteten stürzen sich anschließend auch noch ins Tauchbecken „Frigidarium“.

Wichtige Bestandteile des Saunabesuchs sind natürlich die Ruhe-Phasen. Nach dem Abdampfen tun sich vielfältige Möglichkeiten dazu auf. So kann man beispielsweise die Sha-Liegen oder die Wasserbetten ausprobieren oder vielleicht auch ein wechselwarmes Fußbad nehmen. Sehr schön ist auch der Schlafraum gegenüber des Tepidariums, wo man sehr leicht ins Reich der Träume hinüberwechselt. Das gilt aber auch für die beheizten Wärmeliegen im Tepidarium selbst. Die schönste Aussicht aller Ruheräume bietet allerdings der Panorama-Ruhebereich neben der „Hexenblick-Sauna“. Und im Sommer empfiehlt sich der Saunagarten, der mit rund 120 Sonnenliegen die besten Voraussetzungen für das nahtlose Bräunen bietet.

Wenn der kleine Hunger kommt, kann auch diesem abgeholfen werden. Die Sauna-Gastronomie verwöhnt mit einer guten Auswahl an schmackhaften und gesunden Speisen, wie z. B. Ofenkartoffeln oder Fitness-Salat. Und es gibt natürlich auch die passenden Getränke dazu.

Schließlich ist noch die Wellness-Abteilung zu erwähnen. Sie bietet ein breites Angebot an Massagen, Peelings, Pa-ckungen, Wannenbädern und Kneipp-Behandlungen. Eine Besonderheit ist dabei die „Walpurgis-Wellness“, die derma-tologische Anwendungen der traditionellen Naturheilkunde mit natürlichen Heilmitteln aus dem Harz wie Kräutern, Na-tursole, Heu, Heilerden und Honig offeriert.

Nach sechs erholsamen Stunden verließ ich die „Bodetal Therme Thale“, wobei ich gerne auch noch etwas länger ge-blieben wäre. Man kann wohl ohne Übertreibung behaupten, dass hier nicht nur eine neue Touristen-Attraktion für die Sagen-Stadt Thale, sondern das schönste Thermalbad im Harz und einem weiten Umkreis entstanden ist. Von mir auf jeden Fall eine Besuchs-Empfehlung für jeden Harz-Urlauber. Sogar ein weiterer Umweg hierhin lohnt sich vor allem für Saunafans durchaus.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 25. April 2011
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