Aktion Tempo 100
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Ich muss zugeben, dass ich gerne mal schnell fahre. Nein, keine Rennen auf der Autobahn und auch keine quietschenden Reifen beim Anfahren an der Ampel, sondern eher Kurvenräubern auf geschlängelten Landstraßen und Bergpassagen. Das ist ganz unabhängig vom Auto oder Motorrad, das ich gerade fahre, sondern eine Frage der Lebensfreude. Mit einem 50-PS-Polo kann man genauso viel Spaß haben wie mit einem Ferrari.


Es ist allerdings so, dass einem die Freude am Fahren heutzutage schnell vergeht, wenn man zur Tankstelle fährt. Als ich vor rund 30 Jahren meine ersten Autos fuhr, konnte man für fünf Mark noch mindestens zehn Liter tanken. Somit kostete eine Tankfüllung von 40 Litern Superbenzin gerade mal 20 Mark oder umgerechnet 10 €. Wenn ich heute volltanke, bezahle ich aber um die 70 € (aktueller Spritpreis 1,75 € pro Liter). Es ist aber keineswegs so, dass ich heute auch siebenmal so viel verdienen würde wie damals.


Man könnte meinen, die Autos wären heute sparsamer als früher. Schließlich gibt es ja nun computergesteuerte Einspritzung, Magermix, Start-/Stopp-Automatik, Schubabschaltung und vieles mehr, was den Verbrauch senkt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Sicher, es gibt kaum noch Autos, die 30 Liter oder mehr pro 100 km verbrauchen, wie damals bei großen Limousinen und Sportwagen üblich. Auch ein Porsche kommt heute in der Regel mit 10 bis 15 Litern aus. Doch in der Basis hat sich nicht viel bewegt. Wie schon vor 50 Jahren schluckt ein normaler Kleinwagen zwischen 5 und 8 Liter und die untere Mittelklasse bis zu 10 Liter.


Sorry, aber bereits mein erstes Auto, ein Renault 6 mit 1.200 ccm und 48 PS, verbrauchte mit Baujahr 1972 maximal 6 Liter Normalbenzin und war in Sparfahrt sogar mit rund vier Litern zu bewegen. Weniger verbrauchen auch heutige Serien-Kleinwagen nicht, 40 Jahre später. Wo ist also der Fortschritt? Nicht, dass die Autobauer es nicht besser könnten - doch es kommen einfach keine sparsamen Autos auf den Markt. Vielleicht liegt es ja daran, dass die großen Auto-Konzerne auch riesige Aktienpakete der Mineralölfirmen halten oder diese sogar ganz besitzen. Da ist es ja praktisch, wenn die Autos etwas mehr verbrauchen...


Ich jedenfalls bekomme langsam Probleme, die ständig steigenden Benzinkosten zu finanzieren. Bei meiner jährlichen Fahrleistung von bis zu 100.000 km fallen für meine beiden Autos zwischenzeitlich gut 20.000 € an Betriebskosten an (Anschaffung und Reparaturen noch gar nicht gerechnet) - davon der allergrößte Teil Benzinkosten. Die Umrüstung auf Gasbetrieb ist bei älteren Autos immer ein Risiko, denn man weiß ja nicht, wie lange man das Auto überhaupt noch fahren kann. Hätte man gleich bei der Anschaffung umgerüstet, wäre sicherlich eine ordentliche Einsparung möglich gewesen - doch dazu wären auch gut 3.000 € pro Auto notwendig gewesen, was ich nicht finanzieren konnte und heute noch weniger kann.


Einzige Alternative ist also Benzinsparen. Das funktioniert, wenngleich es nicht immer einfach ist. Mein kleines Coupé mit 90 PS schluckt bei schon recht sanfter Fahrweise in der Regel um die 7,5 Liter im Mix, im Winter oder bei Stadtverkehr können es auch mal 10 Liter werden. Gerade in der Stadt ist es aber auch mit größter Anstrengung kaum möglich, viel einzusparen. Klar, man fährt defensiv und nimmt rechtzeitig das Gas weg, wenn die Ampel gelb wird. doch schon das Abschalten des Motors beim Ampelstopp ist eigentlich Schwachsinn. Beim Neustart werden Anlasser, Batterie und Motor viel stärker verschlissen als normal und das Anfahren dauert länger. Als Folge kann einem vielleicht der ungeduldige Hintermann auffahren. Auch das normale Fahren mit weniger als 50 km/h auf den Hauptstraßen geht kaum, da man sonst ständig Rotphasen an der Ampel erwischt und einem die meist eiligen, genervten Mitfahrer am liebsten umbringen würden. Sparen im Stadtverkehr ist also nur sehr begrenzt möglich.


Sparen kann man aber vor allem auf der Autobahn. Es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob man das Auto mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 180, 140 oder nur 100 km/h bewegt. Mein Minivan (13 Jahre alt, 129 PS) beispielsweise verbraucht bei eiliger Fahrweise (Spitze 180 km/h, Durchschnitt vielleicht 160 km/h wenn möglich) bis zu 25 Liter auf 100 km, bei „normaler“ Fahrt (Spitze 130 km/h, Durchschnitt um die 110 km/h) aber nur rund 8,5 Liter. Mein kleines Coupé (20 Jahre alt, 90 PS) verlangt auf der Autobahn bei rasanter Fahrt (Spitze 190 km/h, Durchschnitt um die 160 km/h) immerhin noch um die 15 Liter, bei normaler Fahrt etwa 7,5 bis 8 Liter. Bei moderneren Autos und Turbodieseln mag der Unterschied geringer ausfallen, aber er ist definitiv immer noch groß.


Bei meiner diesjährigen Urlaubsreise hatte ich keinen Termindruck. Da ich aber nicht viel Geld ausgeben konnte, habe ich mal die defensivste Fahrweise ausprobiert und bin wirklich gemütlich gefahren. Das heißt, auf der Autobahn im fünften Gang bei LKW-Geschwindigkeit, also zwischen 80 und 100 km/h und nur bei nötigen Überholvorgängen mal maximal 120 km/h. Und siehe da, es geht doch günstiger. Bei dieser Fahrweise verbraucht die Maschine nämlich nur noch rund 6 Liter. Das ist ein gutes Viertel weniger. So komme ich mit einer Tankfüllung von 40 Litern nicht mehr die üblichen maximal 500 km weit, sondern etwa 630. Das hört sich jetzt nicht so riesig an, doch es addiert sich bei längeren Strecken. Bei derzeitigen Spritpreisen macht das bei 100.000 km Fahrleistung nämlich eine Einsparung von bis zu 3.500 € (10.500 € statt 14.000 €). Das ist für mich viel Geld. Bei meiner diesjährigen Urlaubsreise von über 5.000 km betrug die Einsparung mit der Sparfahrt gegenüber normalem Fahren immerhin etwa 175 €. Damit kann man dreimal im Mittelklasse-Hotel übernachten oder ein paarmal gut essen oder jeden Tag einen opulenten Eisbecher verspeisen.


Das Langsamfahren hat aber nicht nur direkte Auswirkungen auf den Benzinverbrauch. So werden auch die allgemeinen Betriebskosten des Autos gesenkt. Der Verschleiß von Motor, Getriebe, Kupplung und Reifen wird spürbar geringer, die Werkstattkosten sinken. Auch sollte man das Ganze nicht nur monetär sehen. Man fährt nämlich wesentlich entspannter und streßfreier, das Unfallrisiko sinkt beträchtlich und die Umweltbelastung (Schadstoff-Ausstoß) verringert sich beträchtlich. Schließlich werden auch die Ressourcen geschont, den die wertvollen Erdöl-Vorkommen sind ja auch nicht unerschöpflich. So zeigt sich das Benzinsparen als gute Alternative zur Gas-Umrüstung oder zur Anschaffung eines neuen Elektro- oder Hybrid-Autos. Zudem muss man ja berücksichtigen, dass die Umweltbelastung für den Bau und die Verschrottung eines Autos immer wesentlich höher ist als die durch den Betrieb und man daher schon aus Umweltschutzgründen sein Auto möglichst lange erhalten sollte.


Natürlich bringt das langsamere Fahren auch Nachteile mit sich. So verlängert sich vor allem die Reisezeit. Mit flotter Fahrweise ist tagsüber auf den Autobahnen ein Schnitt von vielleicht 140 bis 160 km/h möglich, wenn man wirklich aufs Gas tritt. Viel mehr geht nicht, denn es gibt ja Baustellen, Vorausfahrer und Tempolimits. Da hilft es auch nichts, wenn man ein Auto mit 400 km/h Spitzengeschwindigkeit fährt. Die Bummelfahrt bringt hingegen nur einen Schnitt von 90 bis 100 km/h pro Stunde. Außerdem sehen einen die Raser gerne als Verkehrs-Hindernis an und man muss damit leben, auch von Kleinwagen ständig überholt zu werden. Das erfordert schon eine gewisse mentale Reife und Gelassenheit.


Zeitlich gesehen bedeutet die Sparfahrt eine Fahrzeit-Verlängerung von gut einem Drittel. Bei 1.000 km Urlaubsstrecke brauche ich also etwa zehn bis elf Stunden gegenüber von mindestens sieben Stunden bei Vollgasfahrt. Die Ersparnis an Benzinkosten beträgt für diese drei Stunden längere Fahrt jedoch mindestens die Hälfte. Bei meinem kleinen Coupé stehen also 6 Liter Sparverbrauch den mindestens 12 Litern Spurtverbrauch pro 100 km gegenüber. Dafür bringen mir aber die drei Stunden Zeitverlust eine geringere Benzinpreis-Belastung von über 100 €. Ein guter Stundenlohn, wie ich meine. Natürlich ist das nur machbar, wenn man ausreichend Zeit hat. Man kann aber andererseits auch ziemlich sicher sein, keine Strafzettel mehr wegen Geschwindigkeits-Übertretungen zu erhalten, was ja vor allem im Ausland schnell auch ein paar Hundert € sein können.


Von daher starte ich nun meine persönliche „Initiative Tempo 100“. Ich gelobe freiwillig, künftig wenn immer es möglich ist nicht schneller als 100 km/h zu fahren um damit Geldbeutel und Umwelt zu schonen. Es wäre toll, wenn sich dieser Initiative noch viele andere Autofahrer anschließen würden.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 18. August 2012

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Trotzdem weiterhin viel Spaß beim Autofahren! Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<

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