… Wiener Café in Sarajevo …

„Das gönnt man sich gerne“

Von den schweren Wunden des unsäglichen Balkan-Krieges hat sich die bosnische Hauptstadt zwischenzeitlich weit-gehend erholt. Allenthalben schießen die Häuser aus dem Boden, Ruinen werden abgerissen und durch neue, teilweise wirklich sehenswerte Architektur ersetzt. Auch in der Altstadt von Sarajevo mit ihren engen Gassen, Bazaren und den Moscheen aus türkischer Zeit fühlt man sich wieder richtig wohl. Der Glanz der Vorkriegszeit ist zwar wohl für immer passé, doch man spürt wieder, dass die Menschen gerne hier leben. Wobei echte Touristen hier immer noch Mangelware sind. Das Kriegs-Trauma hat wohl viele für lange Zeit verschreckt.

Dabei ist Bosnien wirklich viel besser als sein Ruf. Man kann hier auch heute noch einen erlebnisreichen Urlaub ver-bringen, unberührte Natur erleben und freundliche Leute kennenlernen. Gastfreundschaft ist in Bosnien nämlich ein hohes Gut und man wird sogar als Fremder allenthalben zum Essen eingeladen. In den Dörfern zumindest, wo man gerade als Ausländer stets willkommen ist. Die bosnische Gastfreundschaft ist jedenfalls quasi sprichwörtlich.

Für mich ist aber auch Sarajevo auf jeden Fall auch heute noch eine wirkliche Empfehlung. Neben Mostar, Tesanj oder Maglaj gehört die Metropole für mich zu den schönsten Städten Bosniens. Und es gibt eines, worauf ich mich immer wieder freue: den Besuch des Wiener Kaffeehauses in der Altstadt. Man hat es dort geschafft, die Atmosphäre eines Cafés aus der Zeit der K&K-Monarchie (zu der Bosnien vor rund 100 Jahren ja noch gehörte) einzufangen. Wie alt das Haus wirklich ist, vermag ich nicht zu sagen, doch man fühlt sich hier in die gute alte Zeit des Art Deco versetzt.

Die Auswahl an Kuchen ist zwar leider nicht mehr so groß wie früher, doch immer noch gut. Und bei einem kann man sich sicher sein: es schmeckt. Ob Sachertorte nach Original-Rezept oder die absolute bosnische Spezialität Havana-Torte - ein echter Genuß. Ich probierte diesmal eine Feigen-Sahnecreme-Torte und kann nur sagen: einfach phantastisch. Da jubeln die Geschmacksknospen auf der Zunge. Auch die Melange oder die Eisbecher sind eine Emp-fehlung. Genießen kann man übrigens auf zwei Etagen - oben mit schönem Blick von der Galerie - oder auch an schönen Tischen direkt auf der Straße (natürlich Fußgängerzone, also ohne Belästigung durch Autos).

Die Preise sind in den letzten Jahren zwar deutlich angezogen, aber immer noch erschwinglich. Kostete früher ein Stück Havana-Torte zwischen 1 und 1,50 KM, so sind es heute im Wiener Café immerhin bereits 4 KM. Das entspricht etwa 2 Euro. Für bosnische Verhältnisse, wo man überall in der Bäckerei ein ganzes Brot für 1 KM erhält, ist das relativ viel. Für einen westlichen Touristen ist es aber immer noch ein Schnäppchenpreis. Die eisgekühlte Cola aus der Kronkorken-Flasche oder der Kaffee dazu kommen übrigens auf 2 KM. So kann man sich für umgerechnet 3 Euro ein wirkliches Vergnügen leisten, das es in dieser Form anderswo kaum noch gibt. Punktabzug gibt es lediglich für die etwas lahme Bedienung, die früher nicht nur schneller und aufmerksamer, sondern auch deutlich freundlicher war. Doch so etwas läßt sich ja über das Trinkgeld regeln. Von mir jedenfalls mindestens vier von fünf WellSternen und damit eine absolute Besuchs-Empfehlung.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 30. Juli 2011
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