Besuchsbericht: Mittelalter-Markt Rastede 2011

… DE-26180 Rastede: Mittelalterliches Phantasie Spectaculum …

Bericht wellSPAss vom 02. Juni 2011: Der Ausflugsort Rastede liegt im Ammerland, jeweils etwa eine Viertelstunde Fahrt von Oldenburg und Bad Zwischenahn entfernt. Auch zur ostfriesischen Nordseeküste und zur Wesermarsch ist es nur ein Katzensprung. Schon bald 1.000 Jahre ist es her, dass Graf Huno von Rüstringen in dieser idyllischen Gegend die romanische St.-Ulrichs-Kirche errichten ließ, die man auch heute noch bewundern kann. Ein paar Jahre später wurde gleich nebenan ein bedeutendes Benediktiner-Kloster gestiftet. Im 16. Jahrhundert bauten die Oldenburger Grafen das zwischenzeitlich säkularisierte Kloster zum Residenz-Schloß aus. Das Schloß hat alle Kriege gut überstanden und die weitläufigen Park-Anlagen ringsum sind ein beliebtes Ausflugsziel.

Seit ein paar Jahren zieht auch der Troß des „Mittelalterlichen Phantasie Spectaculums“ (kurz: MPS) jedes Jahr im Frühling nach Rastede und sorgt für jede Menge fröhlichen Trubel. Meist liegt der Termin im Mai. Dieses Jahr bot sich jedoch der Vatertag als Brückentag an und so konnte man heuer zum Beginn des Junis vier Tage MPS in Rastede erleben. Wir besuchten das muntere Treiben gleich am ersten Tage.

Das MPS war zwar spärlich ausgeschildert und wurde kaum beworben, doch es ist wirklich leicht zu finden. Man muss nur den Hunderten von phantasievoll mittelalterlich gewandeten Gestalten folgen, die wie die Ameisen zur Gartenanlage des Schlosses strömen. Man sollte nicht zu spät erscheinen, denn obwohl Hunderte von Parkplätzen rund um das Gelände vorhanden sind, füllen sich diese in Windeseile. Das Parken ist übrigens kostenfrei. Dann geht es zu den Kassen, die an drei Zugängen rund um das Gelände verteilt sind.

Die Eintrittspreise für das MPS sind je nach Tag und Ort unterschiedlich. In Rastede bewegten sie sich zwischen 12 und 18 Euro für Erwachsene für den Tag, der bis tief in die Nacht dauern kann. Kinder bis 15 Jahre zahlen rund die Hälfte, für die ganz kleinen Recken unter 6 Jahren ist der Eintritt frei. An der Kasse kann man seine Euros in MPS-Taler umtauschen. Die großen, goldfarbenen Münzen machen das Bezahlen auf dem Gelände authentischer und weil für verschiedene Märkte stets neue Ausgaben geprägt werden, sind zwischenzeitlich Dutzende verschiedener Münzen im Umlauf. Natürlich gibt es auch dafür längst Sammler.

Das Gelände in Rastede ist sehr weitläufig. Zunächst fällt die Vielzahl an großen Baumwoll-Zelten auf, was sich als mittelalterliches Heerlager entpuppt. Allenthalben waren Waffenstände, bestickte Fahnen und Wappen zu erblicken, die den jeweiligen Clan anzeigten. Darunter waren Namen wie „die Moor-Raben“, „Corvus Liben“, „die Bogenschützen von Avalon“, „das Heer der Ratten“ oder „die Söldner der Waldschänke“ zu lesen. Rund einhundert verschiedene Sippschaften aus aller Herren Länder hatten in Rastede Rast eingelegt. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, doch es herrschte wirklich ein sehr buntes Treiben.

Vor den Zelten standen jeweils Bänke und Stühle aus massivem Holz, wo die Clans tafelten. Über den Feuerstellen schmorte das Fleisch oder köchelte die Suppe. Überall duftete es verführerisch und die Stimmung unter den Kriegern, Künstlern, Sklaven und Mägden war ansteckend fröhlich. Da die Zelte meist offen stehen, konnte man auch Einblick nehmen, wie man vor Jahrhunderten auf Reisen nächtigte.

Auf dem kurz geschnittenen Rasen fand man allerlei Buden, die kunstvolle, mittelalterliche Gegenstände feilboten. Die meist handgearbeiteten Schmuckstücke, Tonkrüge, Waffen, Gewandungen oder Spiele sind oftmals Unikate, die von Handwerksmeistern teilweise sogar vor den Augen der Besucher hergestellt werden. So konnte man hier wahre Schnäppchen machen und sich mit Pretiosen eindecken, die man sonst kaum irgendwo entdecken mag. Ganz toll fand ich beispielsweise silberne Amulette mit Schmucksteinen und dekorativen Beschriftungen, Nachbildungen antiker Navigationsgeräte oder prachtvolle Gewänder in bunten Farben. Für´s Auge wird hier wirklich allerlei geboten.

Doch auch der Gaumen kann sich auf dem MPS erfreuen. Kulinarische Köstlichkeiten aus aller Herren Länder werden feilgeboten. So kann man beispielsweise Mandel-Spezialitäten, Kuchen oder Minztees wie im Maghreb genießen, einen knusprigen Flammkuchen verzehren, backfrisches Holzofen-Brot knabbern oder auch ein saftiges Steak vom Schwenk-Grill verspeisen. Gleich Dutzende von Ständen sorgen dafür, dass jegliches Hungergefühl sofort befriedigt wird, selbst wenn es noch gar nicht vorhanden war. Selbstverständlich sind auch passende Gaumenkitzler in reicher Auswahl zu erhalten. Edle Biersorten, Weine, Obstbrände oder Honig-Met kann man gleich die Kehle runterspülen oder auch als originelles Mitbringsel erwerben. Ebenso groß ist die Auswahl an alkoholfreien Durstlöschern.

Anders als bei den üblichen Dorf-Festen wird hier aber auch wirklich viel Spektakel geboten. Hunderte von perfekt gewandeten Gauklern, Narren, Bettlern, Kriegern, Marketenderinnen oder Handwerkern wuseln allenthalben über den Markt und sorgen für Kurzweil. So wird hier eine Magd im Schuldkäfig dargeboten, dort zieht eine Feuerspucker-Truppe durch die Lande oder man ringt um die Meisterschaft beim Kissenbalgen. Vor allem für die kleineren Gäste ist es auch ein tolles Erlebnis, selbst mit dem Bogen zu schießen, eine richtige Kanone zu bedienen oder die Axt zu schleudern. In einer Original-Jurte aus der Mongolei erwarben wir beispielsweise noch ein hübsches Schachspiel für die Reise und an der Mineralien-Bude ein hübsches Tigerauge.

Ganz lustig ist auch das mittelalterliche Badehaus. Bekanntlich badete man zu jener Zeit nicht nur der Reinigung wegen, sondern auch aus Gründen der Sinnlichkeit. Männlein wie Weiblein versammelten sich splitternackt in einem großen, hölzernen Zuber, der mit angenehm warmem Wasser befüllt war, um sich dort zu erquicken und evtl. auch einen Happen zu essen. So ist es auch auf dem MPS. Jedermann kann sich hier flugs der Kleidung entledigen und gegen einen kleinen Obulus nackend ins Wasser steigen. Viel mehr als sich selbst braucht man also eigentlich nicht mitzubringen. Dabei geht es immer sehr lustig zu. Vorbeikommende Beobachter, die gerne mal ein magisches Gemälde von vielleicht aus dem Wasser blitzenden Möpsen oder einem nackten Po machen möchten, sollten einen „Spanner-Taler“ springen lassen. Das verbessert die Stimmung sogleich phänomenal und die Anwesenden werden teilweise zu Höchstleistungen animiert. Auch eine entspannende Massage kann man sich hier übrigens gönnen. Auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Zwischendurch finden immer wieder Wettkämpfe oder sogar richtige Ritterturniere in den Arenen statt, denen man nach Lust und Laune beiwohnen kann. Toll sind auch die Live-Aufführungen auf der Bühne. Hier haben sich schon so berühmte Gruppen wie „Subway to Sally“, „Faun“, „In Extremo“, „Corvus Corax“, „Schandmaul“ oder „Saltatio Mortis“ dargeboten. Auf dem diesjährigen Fest in Rastede konnte man „Rapalje“, „Feuerschwanz“, „Metusa“ und „Das Niveau“ erleben. An anderen Plätzen waren das Ritter-Turnier von „Ars Equitandi“, das Stelzentheater „Die Waldwesen“ und das Feuertheater „Spiral Fire“ zu bewundern. An Gauklergruppen marodierten „Opus Furore“, „Forzarello“, „Alf“ und „Bagatelli“ über das Gelände.

Die Fakir-Weltmeister „Duo Rafftan“ zeigten ihre Sensations-Show, das Kindertheater führte ein eigenes Ritterturnier durch. In Aktion zu bewundern waren auch der Mönch „Bruder Rectus“, der Marktvogt „Eduard von Sonnenberg“, der häßliche Bettler „Hans“ und der Saga-Mann „Liam Bo Skol“. Für atemberaubende Artistik sorgte „Danza Furiosa“. Mehr als erwähnenswert waren auch die Fechtkampf-Gruppe „Fictum“, die Kleinkünstler „Schergenlager“, die Hexe „Roxana“ oder der Zauberer „Orlando von Godenhaven“.

Bestimmt habe ich noch nicht alle Künstler aufgezählt - wobei das anwesende Publikum sicherlich nicht minder interessant war als die eigentlichen Darsteller. Die Gewandungen der Besucher waren oftmals sehr bunt und einfallsreich gestaltet, wobei gerade die Weibsleut meist nicht mit ihren üppigen Reizen geizten. Unterwäsche oder Büstenhalter waren ja im Mittelalter bekanntlich noch unbekannt und der Stoff war teuer. So kamen dann oft sehr kurze Kleidchen und tiefe Einsichten zustande, was die Herren der Schöpfung sicherlich nicht störte. Ein ordentlicher Schuß Sinnenfreude gehört auch heutzutage zu den MPS-Veranstaltungen immer dazu. Übrigens war der Wettergott auch diesmal hocherfreut und schickte schönstes Frühlingswetter mit Sonnenschein und lauem Lüftchen vorbei, der mit so manchem Röckchen spielte. Wir jedenfalls waren - wie bislang stets - von dem Markt-Treiben in Rastede begeistert und können es auch und vor allem den „normalen“ Besuchern nur wärmstens empfehlen. Die Termine der nächsten Mittelalter-Märkte sind übrigens unter http://www.familand.de/termine.html nachzulesen.

(c) Logo by MPS

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 02. Juni 2011
...
Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<


© 1994 - 2012 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics