Nissan 100 NX Targa

Erfahrungsbericht Nissan 100 NX Targa Einspritzer 90 PS, Bj. 1993

 

== Vorwort ==

Ich hatte ohne Übertreibung bislang weit über 100 Autos in meinem Besitz, da ich früher sehr häufig wechselte (und schon mal 6 Autos zur gleichen Zeit fuhr - mein Hobby eben). Aufgrund der guten Serien-Ausstattung, des relativ niedrigen Gebraucht-Preises und der sehr guten Qualität japanischer Autos fahre ich seit ca. 20 Jahren fast nur noch Japaner (mit wenigen Ausnahmen). Ja, das ist nicht patriotisch, für mich aber wohl die beste Lösung. Als Familienauto fahren wir momentan beispielsweise einen Toyota Picnic Minivan mit nun 270.000 km. Im Jahre 1998 kaufte ich meinen ersten gebrauchten Nissan 100 NX, den ich in den folgenden fünf Jahren ca. 250.000 km fuhr und bei Tachostand 400.000 in immer noch fast neuwertigem Zustand wieder abgab. Seitdem hatte ich noch fünf weitere 100 NX in allen Varianten. Über meinen derzeitig angemeldeten möchte ich hier berichten.

 

Ich will hier keine Werbung für das Auto machen und mein kleiner NX ist wohl in den nächsten Jahren auch nicht zu verkaufen. Ich bemühe mich um Objektivität. Falls ihr andere Erfahrungen gemacht habt, schreibet mir bitte einen Kommentar oder ins GB!

 

== Die Marke Nissan ==

Nissan produziert bereits seit 1933 Automobile, zunächst unter dem Namen Datsun, seit 1983 nur noch als Marke Nissan. Die Marken DAT (1911 - 1933) sowie Prince wurden von Nissan aufgekauft. Am Börsenwert gemessen ist Nissan der drittgrößte Autohersteller der Welt, nach Verkaufszahlen allerdings nicht. Das wohl revolutionärste Nissan-Auto war der Datsun 240 Z von 1969, ein echter Sportwagen-Klassiker. Populärste Modelle sind der Datsun Cherry, die Z-Serie, der Nissan Sunny, der Almera und der Primera. Leider hat Nissan in 2002 mit Renault fusioniert, was für die Qualität nicht förderlich war.

 

== Meine Nissans ==

Ich habe in den letzten 20 Jahren viele Nissans gefahren, z. B. mehrere Cherry-Coupés, Sunnys aller Sorten,  einen 300 ZX Twin-Turbo Targa, einen Prärie Pro und einen Serena. Alle waren wirklich gute Autos - bis auf den in Spanien gebauten und von meinem Vorgänger stark vernachlässigten Serena. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

== Beschreibung ==

Der Nissan 100 NX (Typ B13) ist ein kleines, in Japan gebautes Sportcoupé auf Basis der Sunny-Serie (Golf-Klasse). Es wurde als Nachfolger des Sunny Coupé bzw. des Pulsar Targa (offiziell nicht in Deutschland erhältlich) von Ende 1990 bis Ende 1995 gebaut und von Januar 1991 bis Mitte 1995 nach Deutschland importiert. Der NX ist ein 2 + 2-Sitzer mit 3 Türen. Laut AMS handelt es sich um einen kleinen, aber vollwertigen Sportwagen. Der 100 NX (teilweise in Übersee weiterhin unter dem Namen Pulsar angeboten) verkaufte sich in Japan und in ganz Mittel-Europa sehr gut. In den U.S.A. ist er allerdings ein Exote.

 

Zwischen 200.000 und 250.000 Exemplare wurden laut AMS jährlich produziert, insgesamt also etwa 1,5 Millionen weltweit. Das ist eine beachtliche Zahl für ein Nischen-Fahrzeug. Da die Autos recht langlebig sind, sind davon auch heute noch relativ viele auf unseren Straßen zu sehen. Wer sich nichts drunter vorstellen kann - ich habe ein paar Fotos von dem hier beschriebenen Exemplar (gelb) eingestellt.

 

== Mein NX ==

Bei dem von mir derzeit gefahrenen NX handelt es sich um die 90-PS-Version, Einspritzer, Erstzulassung Ende 1993, Farbe perlmuttgelb. Ich habe ihn Mitte 2007 aus erster Hand mit knapp 100.000 km von einem Rentner in Ostdeutschland erworben. Da ich kein Fan von Spoilern bin, befindet sich mein Auto noch fast in Originalzustand. Lediglich ein Holz-Lenkrad sowie einen Holz-Schaltknauf von Momo sowie Alufelgen habe ich nachträglich montiert. Demnächst werden vielleicht noch eine Frontscheibe mit blauer Tönungsstreifen sowie ein Satz Gasdruck-Stoßdämpfer hinten folgen.  

 

== Aussehen / Vergleichbarkeit ==

Beim Aussehen scheiden sich die Geister. Vor allem Frauen finden den Wagen niedlich, Männern gefallen oftmals die eigenwilligen, tiefliegenden Front-Scheinwerfer nicht. Ich denke auch, daß ein Satz runder Doppelscheinwerfer schöner wäre, doch die gibt leider nicht. Kinder sind durchweg begeistert von dem Wagen. Ein echter Kinderwagen also.

 

Ein vergleichbares Auto (kleines Sportcoupé mit Targadach) ist schwer zu benennen. Die Glasdach-Lösung gibt es nur bei Nissan (100 NX und ZX-Serie), Toyota (alte Supras und  MR2) sowie ein paar älteren amerikanischen Modellen (CanAm, TransAm etc.). Von der Bauform her ist auch der Chrysler Viper Targa ähnlich. Am ehesten ist vielleicht das vor kurzem eingestellte Smart-Roadster-Coupé vergleichbar, das allerdings viel kleiner war. Mit festem Dach könnte man den NX mit dem Opel Tigra oder dem Ford Puma vergleichen, die beide ein paar Jahre später mit 90-PS-Maschine erhältlich waren, evtl. auch mit dem etwas größeren Opel Calibra. An japanischen Modellen sind wohl am ehesten der wesentlich neuere Toyota Paseo (90 PS, auch als Cabrio erhältlich), das Mazda MX 3 Coupé und der Honda CRX bzw. delSol (Targa) vergleichbar.

 

== Besonderheit ==

Am besten gefällt mir an diesem Auto das Glasdach. Es ist wirklich etwas Besonderes, denn es gibt ja nur ganz wenige echte Targas auf dem Markt, wobei die meisten schon Oldtimer sind (z. B. Kadett Aero, Porsche 911 Targa, BMW 2002 Baur Targa, Toyota Celica Tropic Targa, Lancia Beta Spider - die hatte ich alle schon). Das Glasdach kann von innen mittels einer abnehmbaren Blende gegen Sonneneinstrahlung abgeschottet werden und ist ansonsten durchsichtig. Bei Sonnenschein nimmt man es einfach ab. Mit eingeschaltetem Heizgebläse kann man sogar unter Null ° Celsius offen fahren. Die beiden Dachhälften kann man einzeln herausnehmen und auf dem Rücksitz oder im Kofferraum verstauen. Das dauert weniger als eine Minute und ist beim Ampelstopp locker zu schaffen. Zum Schutz wurden noch zwei Taschen mitgeliefert (so verkratzt der Lack nicht). Das Dach ist übrigens ein T-Top, so wie es die Amerikaner wegen der Sicherheit lieben. Durch den Mittelsteg, der nach der Herausnahme der Glasdächer stehen bleibt, hat das Auto eine sehr hohe Verwindungs-Steifigkeit und ist auch im Falle eines Überschlages sehr stabil. Puristische Cabrio-Fans stört der Steg allerdings (ich würde ihn auch lieber raussägen, doch das geht ja leider nicht).

 

== Nützlichkeit ==

Für einen „Kleinwagen“ bietet der 100 NX erstaunlich viel Platz. Schon das Sunny Coupé war ja ein Platzwunder durch die umlegbare Rücksitzbank. Da man beim 100 NX zusätzlich noch das Dach rausnehmen kann, lassen sich selbst sperrigste Gegenstände meist problemlos transportieren. Die Kofferraum-Abdeckung lasse ich sowieso immer zu Hause. Ein ideales Auto also auch für den Urlaub. Durch die Herausnahme der dicken Dämmung über dem Reserverad und evtl. des Reserverades selbst kann man noch fast 100 Liter Raum-Volumen zusätzlich gewinnen. Vier Personen passen immer rein (oder sogar fünf, wenn man nur Kinder hinten reinsetzt). Die vorderen Sitze lassen sich mit einem Hebelzug umlegen (ja, praktisch für den kleinen Sex-Hunger - wer´s mag). Natürlich sind die Lehnen der Vordersitze mittels Drehknauf zusätzlich variierbar. Außerdem kann man das Lenkrad in der Höhe verstellen. Dennoch hat man eine sehr tiefe Sitzposition, ähnlich wie bei einem Go-Kart (oder einem Porsche 914, einem Honda CRX, einem Mini-Cooper etc.). Das ist gewöhnungsbedürftig und für ältere Menschen kaum zumutbar. Das Auto hat allerdings vorne eine große Kopffreiheit, ich habe mit meinen 188 cm Körpergröße noch viel Platz zum Dach. Hinten sollte man aber möglichst nicht über 180 cm groß sein, sonst wird es ungemütlich. Das Auto ist aber mit vier Sitzplätzen eingetragen und hat vier Gurte. Hintere Kopfstützen gibt es nicht.

 

== Zuverlässigkeit ==

Nach von mir nunmehr mindestens 400.000 gefahrenen Kilometern in diversen NXen kann ich nicht klagen. Bislang sind alle Autos immer sofort angesprungen und nie stehen geblieben. Auch ADAC und TÜV bescheinigen dem NX eine extrem geringe Fehlerquote. Außer dem Auspuff-Endtopf sowie Bremsbelägen und einer Frontscheibe (Steinschlag) habe ich noch keine Ersatzteile benötigt. Damit ist die NX-Reihe die bisher zuverlässigste, die ich je gefahren habe.

 

== Verbrauch / Unterhaltskosten ==

Gemessen an den Fahrleistungen ist der Wagen recht genügsam. Bei Vollgas bzw. im Stadtverkehr konsumiert er knapp 9 Liter, bei Sparfahrt geht es ab ca. 6 Litern los. An der Adria mit konstant 80 km/h lag der Verbrauch beim Minimum von 5,3 Litern (mit einem Vergaser-Modell übrigens). Das ist wohl nicht zu unterbieten. Die Regel sind aber zwischen 7 und 8 Litern - laut Hersteller sind 6,9 Liter angegeben. Da die Benzin-Reserve im Tank nur für ca. 50 bis 70 km reicht, sollte man bei Gelblicht umgehend tanken oder besser grundsätzlich einen vollen Reservekanister mit führen. Meiner Erfahrung nach passen ca. 45 Liter in den Tank, obgleich 50 Liter angegeben sind. Damit kommt man ca. 600 km weit. Es gibt aber auch Umbau-Sätze für Gas-Betrieb, die in die Reserverad-Mulde passen. Gasbetriebene NX sind aber extrem selten. Eine Diesel-Version gibt es natürlich nicht.

 

Anmerken sollte man noch, daß der NX bei der Teilkasko / Vollkasko vergleichsweise günstig eingestuft ist, da er wie ein Coupé behandelt wird, nicht aber wie ein Cabrio. Da die Prämien für die Versicherung je nach Anbieter, Region und SF-Klasse sehr unterschiedlich sind, will ich darauf hier nicht eingehen. Mich kostet der Wagen pro Jahr inkl. Teilkasko unter 300 Euro.

 

Die Einstufung „Schadstoffarm E2“ bedeutet allerdings normale KFZ-Steuer, d. h. ca. 15 Euro je 100 ccm und Jahr, also ca. 240 Euro. Man kann aber durch Einbau eines Zusatzteils eine Steuerklasse niedriger rutschen, dann zahlt man nur noch die halbe Steuer.

 

== Sportlichkeit ==

Obgleich der 100 NX ein „Sportwagen“ ist, fahre ich meist doch recht gemütlich damit. Es reicht mir, bei 120 bis 140 km/h auf der Autobahn mitzuschwimmen. Nichts desto trotz kann man mit dem NX auch sehr sportlich unterwegs sein. Die Gas-Annahme erfolgt sehr direkt beim Hochbeschleunigen. Die Elastizität im vierten und fünften Gang läßt aber stark zu wünschen übrig, also vor dem Überholen besser runterschalten. Bei leerem Auto ohne Rücksitzbank und Reservereifen beschleunigt auch die 90-PS-Version in 9,8 Sekunden auf (echte) 100 km/h (gemessen mit Lichtschranke). Mein fast nur leicht modifizierter 100 NX GTI schaffte es in 2007 sogar in 7,7 Sekunden (mit 200.000 km auf dem Tacho). Beim Spurt an der Ampel kann das recht nützlich sein. Da habe ich früher schon mal Mercedes- und BMW-Fahrer geärgert, wenn sie mit dem Gaspedal spielten. Aber ich bin ja jetzt Familienvater und aus dem Alter raus.

 

Dennoch ein kleiner Vergleich mit anderen, ähnlich stark motorisierten 1994er Coupé- bzw. Cabrio-Modellen in den Spurtwerten (laut Werk, siehe Auto-Katalog 1994):

Nissan 100 NX GTI / 143 PS:           8,2 Sekunden

Nissan 100 NX SR / 102 PS:             9,9 Sekunden

Opel Calibra 2,0i / 115 PS:                10,0 Sekunden

Mazda MX3 1,6 / 88 PS:                   10,5 Sekunden

VW Corrado 2.0 / 115 PS:                10,6 Sekunden

Nissan 100 NX 1.6 / 90 PS:               10,7 Sekunden

Ford Escort 1,8 Cabrio / 105 PS:       10,7 Sekunden

Audi Coupé 2.0 / 115 PS:                  10,9 Sekunden

Toyota Celica 1,6STi / 105 PS:          11,0 Sekunden

VW Golf GT Cabrio / 115 PS:          11,2 Sekunden

Hyundai S-Coupe / 88 PS:                11,4 Sekunden

Saab 900i Cabrio / 126 PS:                11,5 Sekunden

Renault 19 Cabrio / 88 PS:                11,9 Sekunden

Mercedes E220 Cabrio / 150 PS:       11,9 Sekunden

BMW 316i Coupé / 102 PS:              12,7 Sekunden

 

== Mängel ==

Größere Mängel gibt es beim 100 NX selten zu beanstanden. Fast immer sind die Heckklappen-Stoßdämpfer erledigt, so daß die Heckklappe von alleine zuschlägt - was für den Rücken sehr schmerzhaft sein kann. Das kann man nur durch den Einbau von neuen Dämpfern (möglichst stärkere, z. B. vom Escort) beheben. Oder man klemmt eben z. B. ein Kamera-Stativ oder einen Golfschläger dazwischen (ja, Not macht erfinderisch).

Sehr häufig ist auch die Fern-Entriegelung der Heckklappe defekt. Es gibt aber ein zusätzliches Schloß dafür, ist also nicht unbedingt nötig.

Bei einigen Fahrzeugen neigt das Dach an den Abschluß-Gummilippen zu den Fenstern zu Undichtigkeit. Da helfen nur neue Gummis. Wenn die Gummis noch dicht sind, öfters mal mit Silikon einreiben, damit sie nicht reißen. Es ist unangenehm, wenn es bei Regen ständig auf den Arm tropft.

Ältere, ungepflegte Modelle vor Baujahr 1993 neigen zur Rostbildung in den Stoßdämpfer-Domen, an den hinteren Radläufen sowie an den Seiten der Heckklappe. Durchgerostete Dome sind nur sehr aufwendig zu schweißen und daher meist unrentabel. Solche Fahrzeuge besser verschrotten. Sonst neigt der (gepflegte) 100 NX eher nicht zu übermäßigem Rostbefall. An den Abläufen des Daches (A- und B-Dom innen, bei geöffneten Türen sichtbar) sollte man beim Gebrauchtkauf ebenfalls auf Rostspuren achten. Mein Fahrzeug hat nach nun fast 15 Jahren noch keinerlei Rostspuren.

Vor kurzem hat sich mein hinterer Auspufftopf verabschiedet. Er war an der Aufhängung durchgerostet. Nach 15 Jahren (Erstteil) sicherlich nachvollziehbar. Schade, daß es keinen passenden Doppelauspuff bei Nissan im Regal gibt.

Der Motor ist im Allgemeinen sehr genügsam und langlebig. Exemplare mit mehr als 300.000 km sind keine Seltenheit. Die meisten derzeit laufenden NX (und das sind noch sehr viele) haben um die 200.000 km auf dem Tacho. Der Motor kann es auch ab, mit wenig Öl gefahren zu werden. Ein Bekannter hatte bei seinem NX fast 40.000 km weder Öl gewechselt noch nachgefüllt, der Motor war fast trocken, fuhr aber immer noch problemlos. Darauf würde ich es aber nicht anlegen. Der Ölverbrauch liegt bei meinem Auto bei weniger als 0,5 Litern je 5.000 km, also kaum meßbar. Ich mache alle 15.000 km Ölwechsel und verwende die Sorte 5W40. Motorschäden sind also extrem selten, falls doch, dann paßt jeder Motor auch aus dem Sunny-Regal (und davon wurden über 20 Millionen gebaut). Gleiches gilt für die übrige Technik, denn bis auf die Karosserie stammt fast alles vom Sunny (B12 / N13).

 

== Ersatzteil-Lage ==

Obgleich den Japanern gerne Probleme mit Ersatzteilen nachgesagt werden, habe ich diese Erfahrung bisher noch nie gemacht. Davon abgesehen, daß meine Japaner fast nie Ersatzteile benötigen (im Gegensatz zu meinen Erfahrungen mit französischen und italienischen Autos), sind diese bei Bestellung vor 12 Uhr eigentlich immer spätestens am nächsten Morgen da. Mein Auspuff mußte von Salzburg aus Belgien geordert werden und brauchte 32 Stunden. Ich denke, das ist akzeptabel. Ich hätte aber auch das Altteil noch schweißen lassen können.

Die Ersatzteil-Preise sind etwas höher als bei VW, halten sich aber im Rahmen. Die Ersatzteile für Alfa und Lancia Spider (das habe ich auch schon gefahren) waren zumeist schon nach fünf Jahren überhaupt nicht mehr verfügbar und zudem mindestens dreimal so teuer wie bei BMW (da hatte ich auch schon ein paar davon).

 

== Technische Daten ==

Aufbau: Twin-Top-Targa-Cabrio (2 herausnehmbare Glasdächer) mit Mittelsteg oder Coupé (nur SR 102 PS, EU-Version)

Türen: 2 vorne (ohne Fensterstege), eine große Heckklappe mit gewölbter, heizbarer Heckscheibe

Sitzplätze: 2 Sportsitze vorne, 2 Notsitze hinten (für Kinder okay, für Erwachsene nur bedingt nutzbar)

Maschine: 4-Zylinder Reihenmotor, Front-Einbau quer, Front-Antrieb, 5 Gänge manuell (beim 90- und 102-PS-Modell auch 4-Gang-Automatik möglich), 16 Ventile, zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC), Steuerkette (kein Zahnriemen), keine Turbo-Aufladung,

Fahrwerk: Vorderachse Querlenker mit Federbeinen und Quer-Stabilisator, Hinterachse Mehrlenkerachse mit Federbein und Quer-Stabilisator, Servolenkung (nicht beim 102-PS-Modell), Bremsen vorne Scheibe innenbelüftet, Bremsen hinten Trommel (90 PS) bzw. Scheibe (143 PS). ABS nur gegen Aufpreis (90 / 102 PS) bzw. Serienausstattung (143 PS)

Bereifung: Serienmäßig 175/65 R 14 T (90 PS) bzw. 195/55 R 14 V (143 PS). Grundsätzlich können jedoch alle Größen auch vom Nissan Sunny / Sunny GTI eingetragen werden, Bereifungen bis 225er sind problemlos möglich (ohne Verbreiterung). Serienmäßig gibt es Stahlfelgen mit Plastik-Radkappen, mit Alus sieht der Wagen aber viel besser aus. Passende Alufelgen gibt es von vielen Herstellern, z. B. Nissan, …

Radstand: 2430 mm

Außenmaße: 4135 x 1680 x 1315 mm (Länge x Breite x Höhe)

Leergewicht: 1.067 kg (90 / 102 PS) oder 1.146 km (143 PS)

Zuladung: 428 kg (90 / 102 PS) bzw. 389 kg (143 PS)

Kofferraum-Volumen: 330 Liter (bis Abdeckung, ohne umgeklappte Rücksitzlehne, sonst über 1.000 Liter)

Anhängelast gebremst: 1.200 kg (90 / 102 PS) bzw. 1.300 kg (143 PS)

Tankinhalt: 50 Liter (erfahrungsgemäß aber eher 45 Liter)

Beschleunigung 0 - 100 km/h: 10,7 Sekunden (90 PS), 9,5 Sekunden (102 PS) bzw. 8,2 Sekunden (143 PS)

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h (90 PS), 190 km/h (102 PS) bzw. 210 km/h (143 PS)

Norm-Verbrauch: 6,9 Liter (90 PS), 7,4 Liter (102 PS) bzw. 8,6 Liter (143 PS), jeweils Super bleifrei 95 Oktan

 

== Motorisierung / Varianten ==

Es gibt den 100 NX in vier Motor-Varianten:

- 1597 ccm Vergaser mit 66 KW / 90 PS bei 6.000 rpm / 185 km/h / 6,9 Liter Super bleifrei je 100 km (Werksangaben), Bohrung 76 x Hub 88 mm, Verdichtung 9,8, max. Drehmoment 133 Nm bei 4.000 U/min.

Der Vergasermotor wurde nur bis Anfang 1993 produziert. Er unterscheidet sich aber in Zuverlässigkeit, Verbrauch und Fahrleistungen kaum vom Nachfolgemodell ab Mitte 1993 mit Einspritz-Maschine. Lediglich das Drehmoment liegt minimal niedriger. Auch soll es bei den Vergaser-Modellen hin und wieder konstruktionsbedingt ein leichtes Ruckeln beim Beschleunigen gegeben haben - was mir aber nie aufgefallen ist.

 

- 1597 ccm Einspritzer mit 66 KW / 90 PS bei 6.000 rpm / 185 km/h / 6,9 Liter Super bleifrei je 100 km (Werksangaben), Bohrung 76 x Hub 88 mm, Verdichtung 9,8, max. Drehmoment 136 Nm bei 4.000 U/min.

Gebaut ab Mitte 1993 gibt es - außer der Einspritz-Anlage - nur geringe Unterschiede zum Vorgängermodell. Es wurden ganz leichte Karosserie-Retuschen vorgenommen (kaum sichtbar), der Drehzahlmesser tauschte seinen Platz mit dem Tacho. Sonst sind mir außer verschiedenen Farb- und Innenausstattungs-Varianten keine Unterschiede bekannt.

 

- 1597 ccm Einspritzer mit 75 KW / 102 PS bei 6.000 rpm / 195 km/h / 7,4 Liter Super bleifrei je 100 km (Werksangaben), Bohrung 76 x Hub 88 mm, Verdichtung 9,5, max. Drehmoment 147 Nm bei 4.000 U/min.

Dieses EU-Modell ist sozusagen die abgespeckte Version der Deutschland-Ausgabe und wurde in Deutschland erst ab Mitte 1994 verkauft. Es gibt ihn nur mit festem Dach und ohne Servolenkung.

 

- 1998 ccm Einspritzer mit 105 KW / 143 PS bei 6.400 rpm / 210 km/h / 8,6 Liter Super bleifrei je 100 km (Werksangaben), Bohrung 86 x Hub 86 mm, Verdichtung 10,0, max. Drehmoment 178 Nm bei 4.800 U/min.

Das Top-Modell gab es schon seit Mitte 1991 mit einem neu entwickelten Einspritz-Motor, der gegenüber dem alten 1800er GTI der Sunny-Serie (125 PS) deutlich mehr Schub entwickelte. Das Modell hatte immer ABS und Servolenkung, ein Tacho bis 240 km/h und auch sonst viel Schnickschnack (z. B. elektrische Fensterheber).

 

== Umwelt-Freundlichkeit ==

Zumindest alle deutschen NX sind (wie auch die Vorgängermodelle der Sunny-Reihe ab 1987 schon) serienmäßig mit einem geregelten Katalysator ausgestattet. Die Schadstoffklasse ist E2-Norm, was leider nur Euro 1 entspricht.

Die Umwelt-Plakette ist allerdings problemlos zu erhalten. Es gibt die höchste Klasse „Grün“, wie wohl für alle Benziner mit G-Kat.

 

== Preis ==

Im Jahre 1994 kostete der 100 NX (90 PS) in Serien-Ausstattung ohne Extras beim Händler ca. 31.000 DM. Der GTI wurde mit rund 39.000 DM berechnet. Der Neupreis meines Wagens lag wegen der Sonderfarbe sowie R/CD bei knapp 35.000 DM. Damit war das Fahrzeug ein echtes Schnäppchen, eines der preiswertesten Sport-Coupés überhaupt. Heute kostet ein vergleichbares, kleines Sport-Coupé ohne Targa-Dach neu mindestens 25.000 Euro (z. B. Opel Astra H GTC 1,7, 101 PS).

 

Gekauft habe ich den Wagen vor ca. 9 Monaten für etwa 1.250 Euro (bei ebay ersteigert). Ich denke, das war ein Schnäppchen-Preis für ein nahezu neuwertiges Fahrzeug mit knapp 100.000 km und neuem TÜV und Alus ohne Macken, Kratzer, Dellen oder Rost. Bislang habe ich mit dem Wagen rund 35.000 km zurückgelegt. Bis auf den Auspuff-Endtopf (250 Euro inkl. Einbau) mußte noch nichts erneuert werden.

 

== Serien-Ausstattung ==

Alle 100 NX sind serienmäßig ausgestattet mit 2 elektrischen Außenspiegeln, Nebelrückleuchte, Heckscheiben-Wischer mit Intervall, Leuchtweiten-Regulierung, höhenverstellbarem Lenkrad, abschließbarem Handschuhfach, leicht getönten Scheiben, umlegbarer (nicht geteilter) Rücksitzbank, Sportsitzen vorne, Drehzahlmesser, heizbarer Heckscheibe, von innen zu öffnender Tank- und Heckklappe, zwei Lautsprechern in den Vordertüren, 5-Gang-Getriebe, geregeltem Katalysator (evtl. nicht bei 102 PS), herausnehmbaren Glasdächern mit herausnehmbarem Innenhimmel (nicht bei 102 PS). Die serienmäßigen H4-Leuchten sind zwar leicht zugänglich (in zwei Minuten zu wechseln), aber recht schwach. Es empfiehlt sich, zumindest höherwertige Krypton-Leuchten zu verwenden oder Nebelleuchten vorne einzubauen.

 

Nicht serienmäßig sind ABS (nur bei GTI, sonst gegen Aufpreis), elektrische Fensterheber (Aufpreis), Radio (Aufpreis), Front-, Heck-, Seiten- und Dachspoiler (Zubehörhandel), Nebelscheinwerfer vorne (nur bei GTI), dritte Bremsleuchte (Aufpreis), Leder- und Holzlenkräder (z. B. Momo, Raid) sowie Alufelgen (evtl. bei GTI). Ganz selten findet man auch einen NX mit Klima-Anlage (Aufpreis), aber die ist bei einem Cabrio ja wohl auch kaum nötig.

 

Überhaupt nicht gab es ASR und es gab auch nie Airbags. Das erleichtert allerdings den Einbau von Sportlenkrädern (z. B. Momo Benetton).

 

== Farben ==

Den 100 NX gibt es am häufigsten in einem „Ferrari“-rot. Diese Farbe neigt aber nach ca. 10 Jahren zum Ausbleichen und wird von mir daher weniger empfohlen. Weitere Werks-Farben sind schwarz, weiß, alugrau, königsblau, dunkelblau-perlmutt, hellblau-metallic, lila-metallic und perlmutt-gelb. Metallic- und perlmutt-Farben waren natürlich Aufpreis-pflichtig. Die Farbe perlmutt-gelb (12-Schicht-Lackierung) kostete beispielsweise 3.500 DM Aufpreis und ist dem entsprechend selten. Mir persönlich gefällt die Farbe „cosmic-dandy-blue“ (stahlblau-metallic) eigentlich am besten.

 

== Eignung ==

Ich hatte meine NXe stets als Fun-Auto, also als Zweit- oder Drittfahrzeug für schönes Wetter. Das Auto ist aber absolut allwettertauglich und durch den Frontantrieb auch im Winter gut beherrschbar (sofern man gute Winterreifen hat). Zum Driften nimmt man die Handbremse hinzu. Negativ wirkt sich im Winter allerdings das Fehlen von ABS aus, sofern man keines hat.

 

Das Auto eignet sich sowohl für ambitionierte Sportfahrer  (vor allem die GTI-Version, die vielen anderen Autos die Zähne bzw. den Auspuff zeigt) als auch für den Alltagsbetrieb und Fahr-Anfänger. Obwohl Kinder den Wagen sehr mögen, ist er als Familienauto aber etwas überfordert. Gut geeignet auch für kleinere Männer und Frauen (das ist nicht abwertend gemeint), da der Wagen wirklich gut beherrschbar ist, vor allem durch die leichtgängige Servolenkung. Die Übersichtlichkeit bzw. der Blick nach hinten sind gut. Für Behinderte ist die Automatik-Version interessant.

 

== Clubs ==

Natürlich gibt es auch bei Nissan eine reichhaltige Club-Szene, schon aus der Z-Sportwagen-Zeit. Treffen finden eigentlich an jedem Sommer-Wochenende statt, doch dort bin ich nicht zu finden. Es gibt auch mehrere Internet-Foren, z. B. Nissanboard. Wer daran Interesse hat, sollte einfach mal unter den Begriffen „Nissan“ und „Club“ bzw. „Treffen“ googeln.

 

== Fazit ==

Für mich ist der 100 NX ein hübsches, praktisches, preiswertes und extrem zuverlässiges Auto, das ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis hat. Bisher bin ich extrem zufrieden damit. Gerade in Gelb ist der Wagen natürlich besonders auffällig, besonders bei Sonnenschein und offenem Dach. Dann macht auch in meinem Alter das Café-Cruising noch richtig Spaß. Mein Sohn will sowieso immer unbedingt mit diesem Auto in den Kindergarten fahren. Ich kann den Wagen aber auch als unproblematisches Einsteiger-Fahrzeug für Fahr-Anfänger wärmstens empfehlen. Ich denke, die Fotos sprechen schon für sich…

 

© by wellSPAss, im Juli 2008


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