DE-24558 Henstedt-Ulzburg: Fun-Arena
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Nachdem ich das „Sauna-Paradies“ im ehemaligen Bauern- und jetzigen Industriedorf Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg besucht hatte, beschloß ich kurzfristig, bei dieser Gelegenheit auch noch bei der „Fun Arena“ vorbeizuschauen. Bei diesem erst im März 2011 neu eröffneten Family-Entertainment-Center handelt es sich um einen nach eigenen Angaben europaweit einzigartigen Freizeittreff mit Hotel. Das stimmt natürlich nicht. Immerhin handelt sich um eines der flächenmäßig größten FECs in Europa. Das angeschlossene Hotel befindet sich noch im Rohbau.


Dank Navi konnte ich die nicht ausgeschilderte Anlage über schmale Sträßchen erreichen. Ohne Adresse ist sie aber de-finitiv nicht auszumachen. Immerhin standen kurz vor 21 Uhr noch fünf Autos auf dem riesigen Parkplatz, es war also noch geöffnet. Ein Blick durch die Fenster bei meiner Runde um die riesige Halle, die sehr an eine Fabrikhalle erinnert, zeigte mir, dass es drinnen auch ziemlich leer war, doch nicht gänzlich leer. Immerhin ein Eishockey-Spieler auf der Plastik-Eisbahn, zwei Kartfahrer und auch etwa fünf Leute im Fitness-Center waren zu entdecken. Für einen Freitag-Abend, also einen normalerweise sehr belebten Tag, doch schon ziemlich wenig. Zudem das Ganze nur wenige Wochen nach der Eröffnung. Das läßt nicht gerade auf einen rentablen Betrieb schließen, der „täglich mehrere Tausend Besucher aus halb Deutschland“ anlocken soll. Ähnlich übertriebene Erwartungen hatte man auch beim Space-Center in Bremen, bei Tropical Islands in Krausnick oder bei der Indoor-Skihalle in Wittenburg…

Die Eingangshalle ist großzügig und der Farbwechsler hinter der Theke ist ebenfalls schön anzuschauen. Ich nahm mir einen Prospekt und fragte nach der Preisliste zum Mitnehmen. „Gibt es nicht“ war die Antwort der Kassendame. Immerhin lag eine Liste am Tresen aus. Ich sagte zu der Dame, dass ich dann halt die Preisliste fotografieren könnte und sie machte keine Einwände. Daraufhin fotografierte ich die Liste, die ja wohl kaum geheim sein kann. Ich ging daraufhin wieder und machte noch ein Foto von draußen ohne Personen (das darf JEDER - siehe „Panorama-Freiheit“ oder auch „Straßenbild-Freiheit“ - ohne irgendjemanden dazu fragen zu müssen).

Dann kam mir der Gedanke, dass der Bauherr und Betreiber, ein gewisser Herr Thomas Hildebrandt, vielleicht Interesse an guter Werbung haben könnte, da die Anlage schließlich über 10 Mio. Euro gekostet haben soll und ein paar Gäste mehr sicherlich nicht schaden könnten. So packte ich also zwei Probe-Zeitschriften des Bäder-Fachmagazins „Schwimmbad & Therme“ sowie eines vom Saunaführer-Buch zusammen und brachte beides zur Kasse, um es zur Ansicht dazulassen.

Die Kassendame machte einen ziemlich hilflosen Eindruck, sie ist offensichtlich nicht gut eingearbeitet. Jedenfalls hat sie keine Ahnung, wie man mit der Presse umgeht. Sie versprach mir aber immerhin, die Probe-Exemplare an den Geschäftsführer weiterzugeben. So weit, so gut, damit war die Sache für mich erst mal erledigt und ich wollte auf Nachricht von der Betriebsleitung warten, falls Interesse an einer Verbesserung der Umsätze bestehen sollte - wovon man eigentlich ausgehen sollte.

Doch da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ein Grünschnabel von Mitarbeiter, der sich offensichtlich für den Chef vom Dienst hielt, quatschte mich sogleich dumm von der Seite an. Er meinte, ich hätte unerlaubterweise Fotos von der Anlage gemacht und solle mich dafür verantworten. Damit war es vorbei mit meiner guten Laune. Schließlich hatte ich mich zuvor mit meinem Presse-Ausweis und mit Visitenkarte ausgewiesen. Es ist eine absolute Frechheit, einen Journalisten und Fotografen darüber belehren zu wollen, was ihm laut Presserecht erlaubt ist und was nicht. Schließlich hatte ich nur zwei Fotos gemacht - eines davon mit Erlaubnis und eines von außen - und es ist auch keine einzige Person auf meinen Fotos zu sehen.

Es ging dann aber noch weiter. Der übereifrige Mitarbeiter meinte nämlich, den Chef persönlich über den „Vorfall“ aufklären zu müssen, um mich ganz offiziell rügen zu können. Er rief sofort bei Herrn Hildebrandt an und informierte ihn, dass hier jemand von der Presse ohne Erlaubnis Fotos gemacht habe. Ich versuchte also dem Geschäftsführer am Telefon zu erklären, wer ich bin und was ich hier tue. Dieser meinte aber sogleich, es wäre unhöflich, vor den Fotos bei der Geschäftsführung nicht um Erlaubnis zu fragen und stellte mich damit in die gleiche Ecke wie sein überaus unfreundli-cher Mitarbeiter. Daraufhin erklärte ich Herrn Hildebrandt, dass ich hier keinesfalls als Bittsteller gekommen sei und dass ich normalerweise mit Geschäftsführern auf Augenhöhe rede. Dann beendete ich das Gespräch, denn auf diesem Niveau unterhalte ich mich nicht. Bestimmt kennt sich Herr Hildebrandt sehr gut mit Fitness-Centern aus (er betrieb ja immerhin 19 Jahre lang eine andere Anlage und betreibt noch eine weitere in Norderstedt), doch wie man mit der Presse umgeht, das muss er ganz offensichtlich noch lernen. Jedenfalls, wenn er ökonomisch überleben möchte.

Um es noch mal ganz klar zu sagen: die richtige Reaktion des Mitarbeiters wäre eine Ansprache wie die folgende gewesen: „Entschuldigung, ich habe gesehen, dass Sie Fotos von der Anlage gemacht haben. Wenn Sie Bilder und Fakten für eine Veröffentlichung benötigen, können Sie gerne welche von uns erhalten. Wir haben eine große Auswahl an professionellen Fotos, die Sie frei verwenden können. Lassen Sie uns einfach Ihre Visitenkarte da, dann schicken wir Ihnen welche zu. Und wenn Sie sich ein persönliches Bild von uns machen möchten, können Sie gerne eine Führung erhalten. Sie sind natürlich auch herzlich eingeladen, unsere Angebote mal kostenlos auszuprobieren.“ In gut geführten Freizeit-Anlagen mit ausgebildeten Mitarbeitern ist so etwas selbstverständlich. Hier allerdings nicht.

Fakt ist, dass das Henstedter Spielhaus abseits der Hauptstraßen in einem wenig einladenden Industriegebiet liegt und damit kaum von zufälligen Gästen gefunden wird. Ein Top-Anziehungspunkt für Familien ist die Anlage bislang wohl kaum, auch wenn sie als „weltweit einzigartig“ beworben wird. Die Angebote für kleinere Kinder unterscheiden sich nur unwesentlich von denen tausender anderer Indoor-Spielhallen auch. Die Größe eines Klettergerüstes (5.000 laufende Meter Stahlrohre) ist für mich keine wirkliche Innovation. Fitness-Center, Karting, Eislaufen oder Minigolf sind eben-falls keine neuen Erfindungen.

Was also hier greifbar einzigartig sein soll, lassen mir mal dahingestellt. Mir will es sich jedenfalls nicht erschließen. 17,90 Euro pro erwachsener Person Eintritt (am Wochenende) für ein Spielhaus markiert zudem noch die Höchstmarke für Europa (hinzu kommen noch Kosten für die Zusatz-Angebote sowie die Gastronomie). Andernorts zahlen Erwachsene in der Regel höchstens fünf Euro für den Tages-Eintritt. Wenn eine vierköpfige Familie schnell mal 50 Euro alleine für den Eintritt loswird und dafür noch nicht mal was konsumieren konnte, dann bleibt das sicherlich ein einmaliges Vergnügen, das man wohl kaum regelmäßig wiederholen wird.

Zudem ist das sogenannte Wellness-Angebot („Fit & Spa World“) nicht so professionell aufgemacht, wie man es von einem Freizeit-Experten als Planer und Betreiber erwarten würde. Sicherlich gibt es die modernsten Trainings-Geräte und gut ausgebildete Instruktoren - wie heutzutage in fast allen Fitness-Anlagen. Das Sauna- und Wellness-Angebot ist jedoch nicht mal „untere Mittelklasse“ zu nennen. Die beiden Blockbohlen-Schwitzräume befinden sich im Innenbereich auf der ersten Etage und ein Saunagarten fehlt völlig. Es ist also kaum zu erwarten, dass sich Saunagäste von auswärts - und diese bräuchte die Anlage ganz dringend - auf einen längeren Weg machen werden, um hier Stammgast zu werden. Immerhin kostet die Eintrittskarte schlappe 19,95 Euro - Ermäßigungen gibt es hier überhaupt keine. Dafür kann man dann in Fabrik-Atmosphäre eine „Saunawelt“ mit zwei billigen Blockhütten nutzen. Die Nutzung des Fitness-Centers wird mit weiteren zehn Euro Aufschlag berechnet (also 29,95 Euro). Auch Fitness alleine ist mit 19,95 Euro für eine Tagesnutzung bestimmt kein Sonderangebot. Dafür bekommt man in einigen Großstädten eine MONATS-Karte für ein 24/7-Fitneßcenter.

Auf die Geldbörse einer normalen Familie ist die „Fun Arena“ jedenfalls nicht ausgerichtet. Wellness-Gäste finden zu-dem schon zu einem günstigeren Preis ein erheblich besseres Angebot ganz in der Nähe, z. B. in der Holsten-Therme in Kaltenkirchen oder im Arriba in Norderstedt. Sogar das zwischenzeitlich rund 40 Jahre alte Sauna-Paradies in Henstedt-Ulzburg, nur fünf Minuten entfernt, hat für mich noch mehr Charme als diese neue Anlage hier - zu einem dort zwar ebenfalls überteuerten, aber immer noch wesentlich günstigeren Preis als hier. Wer also von der Fun-Arena in Henstedt-Ulzburg als Zielpublikum angesprochen werden soll, kann sich mir nicht erschließen.

Sicherlich wird man ein paar Club-Mitglieder des Fitness-Centers (größtenteils übernommen aus dem früheren Fitneß-Club des Betreibers) auch im Saunabereich antreffen, doch mehr wird sich hier kaum tun. Nach meiner Einschätzung wird die gesamte „Fun-World“ niemals schwarze Zahlen schreiben können und in wenigen Jahren von der Bildfläche wieder verschwunden sein. Rechnen kann sich das eigentlich nie und nimmer, jedenfalls nicht bei einem solch schwa-chen Angebot zu einem hohen Preis. Von mir jedenfalls derzeit keine Besuchs-Empfehlung wegen Unfreundlichkeit, Inkompetenz und Überheblichkeit des Personals sowie schwachem Angebot bei hohem Preis.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 01. Juli 2011
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