Das Fürthermare in Fürth
...
== Intro ==
Nur wenige Familienbäder können ihre Betriebskosten erwirtschaften. Beim Fürthermare in Fürth bei Nürnberg gelingt dies allerdings. Grund dafür ist u. a. die Einbindung einer großzügigen Thermalbade- und Saunalandschaft ins Gesamtkonzept, verbunden mit einer schlüssigen Marketing-Strategie. Grund genug, sich das Bad vier Jahre nach der Eröffnung noch einmal genauer anzuschauen.

== Standort ==
Die mittelfränkische Großstadt Fürth (110.000 Einwohner) liegt an Pegnitz, Rednitz und Main-Donau-Kanal. Mit der Residenzstadt Nürnberg ist Fürth seit 1835 durch die älteste Eisenbahnstrecke Deutschlands verbunden. Fürth selbst bietet eine historische Altstadt mit Barockbauten und der gotischen Michaeliskirche. Zum 1.000-jährigen Stadtjubiläum machten die Stadtväter ihren Bürgern ein besonderes Geschenk: das „fürthermare“. Das Thermal- und Familienbad liegt unweit des Stadtkerns sehr idyllisch am Ufer der Rednitz.

== Geschichte ==
Am Standort „Scherbsgraben“ existiert seit über 50 Jahren ein beliebtes Freibad. Angrenzend wurde Ende der 1960er Jahre ein Sport-Hallenbad errichtet, das 1990 um ein Saunaland erweitert wurde. Vor allem das Saunaland wurde schnell zur gut besuchten Institution. Da die gesamte Anlage zur Jahrtausendwende aber nicht mehr den Bedürfnissen der Gäste entsprach, übernahm die „Infra Fürth Energie Holding GmbH & Co. KG“ in 1999 die Fürther Bäder von den Stadtwerken. Zunächst wurde das Sport-Hallenbad am Scherbsgraben im Jahr 2002 mit einem Aufwand von 10 Mio. DM saniert. Die „Infra“ initiierte aber auch die Neuplanung eines großen Freizeitbades. Mit der neuen Therme sollte eine Führungsposition in der fränkischen Bäderlandschaft übernommen werden.

== Thermalbohrung ==
Schon seit über 100 Jahren ist bekannt, daß sich unter der Stadt ein Urmeer mit Thermalwasser befindet. Um das Jahr 1900 wurde die König-Ludwig-Quelle erschlossen, die aber seit dem 1. Weltkrieg nicht mehr genutzt wurde. Man brachte daher eine neue Tiefbohrung nieder. Nach der Analyse der „Kleeblattquelle“ handelt es sich um ein „natürliches Heilwasser“ mit der Charakteristik „fluoridhaltiges Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Thermalwasser“ und einer Gesamtmineralisation von 8,97 g/l.

== Vorbereitung ==
Das bestehende Sport-Hallenbad wurde nach einem Brandschaden im Jahre 2005 weitgehend saniert. Da-raufhin beschloss man, dieses als Sport-Komponente in einen angrenzenden Thermen-Neubau zu integrie-ren. Ausserdem wurde das ebenfalls bereits vorhandene, angrenzende Freibad für rund fünf Mio. Euro renoviert. Nach der Eröffnung der Therme wurde die alte Saunalandschaft geschlossen. Außerdem konnten im alten Gebäude Personal- und Büroräume untergebracht werden. Der Betriebskosten-Zuschuß für die Fürther Bäder sollte zukünftig einer PPP-Betreibergesellschaft gewährt werden. 2006 wurden alle Bäder auf die „TFB Fürth Objektgesellschaft mbH & Co. KG“ übertragen.

== Betreiber ==
Das bisherige jährliche Defizit in Höhe von 1,8 Mio. Euro wird nun der Objektgesellschaft TFB zuge-führt, welche mit diesen Mitteln den Bau finanziert hat. Die „TFB“ verpachtete die Bäder gleichzeitig an die „Vitaplan GmbH & Co. KG“ weiter. Die Vitaplan als Pächterin und Betreiberin des „Fürthermare“ mußte bis 2009 auch die Defizite der Bestandsbäder erwirtschaften. In 2010 wurden allerdings alle Bäder außer dem Flaggschiff „fürthermare“ wieder an die „infra“ zurückgegliedert.

Geschäftsführer der „Vitaplan“ sind Horst Kiesel, der zuvor lange Jahre das Fürther Saunaland leitete, so-wie Bäder-Profi Rainer Grasberger, der bereits verschiedene andere große Bäder erfolgreich geführt hat. Das professionelle Management zeigt sich unter anderem im Namen „Fürthermare“, der die Verbundenheit zur Stadt ausdrückt sowie Assoziationen zu Meer und Urlaub erweckt. Außerdem wurde das Kleeblatt aus dem Fürther Wappen übernommen. Gleichzeitig wurde die Kampagne „Fürth am Meer“ ge-startet.

== Freibad ==
Zunächst ging man an die Sanierung des Freibades. Das 50 x 20 m große Sportbecken mit acht Bahnen wurde erhalten, das große Sprungbecken mit 10-m-Turm aufgegeben. Von den dort ehemals über 500 m² Wasserfläche mit einer Tiefe von bis zu 4 Metern werden nun 308 m² als Bewegungsbecken mit 135 cm Tiefe genutzt. Das übrige Beckenvolumen wird als Technikkeller verwendet. Das große Nichtschwimmer-becken wurde ebenfalls komplett umgebaut und durch Wasserattraktionen wie Strömungskreisel, Nacken-duschen und Bodensprudlern zum Erlebnisbereich aufgewertet. Komplett neu sind das Planschbecken, die Gastronomie und der Naturteich. Auch die Umkleiden und das Technikgebäude wurden generalsaniert. Alle Becken wurden mit Edelstahl ausgekleidet. Bereits zur Sommersaison konnte das neue Freibad im Juni 2006 wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Im Sommer kann das Freibad von den Thermen- und Spaßbad-Besuchern kostenlos mitgenutzt werden.

== Thermalbad ==
Kurz vor der Wiedereröffnung des Freibades im Mai 2006 erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau des „Fürthermare“. Nach nur 18 Monaten Bauzeit fand im Oktober 2007 die Eröffnung statt. Das Gebäude macht schon von außen einen imposanten Eindruck. Der kubische Baukörper des Neubaus paßt gut zur Formensprache des Sport-Hallenbades, das seinerzeit nach dem „Goldenen Plan“ errichtet worden war. Dabei wirkt das Bauwerk keineswegs plump, da Windfang und Eingangshalle wie Treppenstufen vor den wuchtigen Hauptbau geschoben wurden. Sportbad und Freibad verfügen auch weiterhin über eigene Eingänge und können vom „Fürthermare“ unabhängig betrieben werden. Das Foyer des Neubaus wirkt mit seinen großformatigen, schwarzen Fliesen und den im Kontrast dazu weißen Decken sehr modern. Als Blickfang wurde eine Ecke bei der externen Gastronomie mit buntem Kleinmosaik wie eine mediterrane Urlaubslandschaft gestaltet.

Im ersten Obergeschoß des Neubaus ist die eigentliche Therme angesiedelt. Der langgestreckte, rechtecki-ge Raum in weichen Orange- und Ockertönen öffnet sich dem Badegast zunächst mit Blick auf das Kaskadenbecken. Dieses besteht aus zwei jeweils 48 m² großen, rechteckigen und ineinander verwinkelten Becken, die mit dem Heilwasser der Kleeblattquelle befüllt sind. Dabei erfolgt der Überlauf vom oberen Becken als Wasserwand in das untere Bassin, das mit Sprudelliegen, Nackenduschen und Wasserpilz ausgestattet ist. Vor und hinter dem Kaskadenbecken befinden sich Ruhebereiche auf drei Ebenen.

Unterhalb des Doppelbeckens sind in einer Linie drei weitere Innenbecken angeordnet. Es handelt sich dabei um einen Hot-Whirlpool, ein Abkühlbecken sowie ein langgezogenes Thermal-Bewegungsbecken, das u. a. von fünf Schwallduschen aus der Wand gespeist wird. Über eine kleine Treppe geht es in die Ausschwimmschleuse, die zum ebenerdig angelegten Thermal-Außenbecken führt. Dieses ist mit Sitzsprudlern, Nackenduschen und einem Wasserfall ausgestattet.

Im Untergeschoß des Thermalbades, über eine Treppe zwischen Kaskadenbecken und Whirlpool zu errei-chen, findet man eine Besonderheit. Dort ist nämlich, von Tageslicht und Außengeräuschen abgeschirmt, das Starksolebecken zu finden. Bei angenehmen 35 °C Wassertemperatur kann man hier durch die Auftriebskraft der sechsprozentigen Sole auf dem Wasser schweben. Dabei lauscht man der Unterwasser-Musik und kann auf die bogenförmig gekrümmte Wand projizierte Farbverläufe beobachten. Im Vorraum befindet sich noch ein Sole-Dampfbad. Für die Nutzung des Solebades ist ein kleiner Aufpreis zu entrich-ten, der von den meisten Gästen allerdings bereitwillig aufgebucht wird.

== Spaßbad ==
Über eine Galerie mit Duschen und Toiletten gelangt man über eine Treppe zum Spaßbad, das im Erdge-schoß platziert ist. Es herrscht hier eine mediterrane Atmosphäre, die von den warmen Bruchstein-Bodenplatten aus Quarzit unterstrichen wird. Dominiert wird die Badehalle von einem frei geformten Erlebnisbecken. Mitten im Becken erhebt sich eine Wassergrotte. Außerdem kann man sich durch den langgezogenen, wellenförmigen Strömungskanal treiben lassen. In dessen Mittelpunkt befindet sich eine große Insel, die durch zwei Brücken mit dem „Festland“ verbunden ist.

Die zweite Hallenhälfte ist den Kindern gewidmet. Ein Spielschiff in Form einer Piratenkogge liegt inmit-ten des Spielbeckens. Vom Deck führt eine Kurzrutsche führt Bassin. Für die kleineren Kinder gibt es ein separates Planschbecken mit Wasserspritzern. Das warme Außenbecken des Spaßbades ist durch eine Ein-stiegschleuse von innen zu betreten. Es hat zwei Buchten mit Sprudelliegen und Sitzsprudlern. Außerdem gibt es hier sechs Nackenduschen. Zum Aufwärmen zwischendurch empfiehlt sich auch das textil zu nut-zende Dampfbad.

== Rutschen ==
Zu einem richtigen Spaßbad gehört natürlich eine Großrutschen-Anlage. Diese besteht im „Fürthermare“ aus drei Röhren, die eine Gesamtlänge von über 200 Metern aufweisen. Für Familien eignet sich am besten die 100 Meter lange Reifenrutsche. Abenteuerlustige entscheiden sich eher für die Blackhole-Version mit Lichteffekten. Und wer es ganz rasant haben möchte, der stürzt sich in die halbkreisförmig verlaufende, steile Turborutsche. Alle Rutschen starten vom gleichen Turm aus in verschiedenen Höhen und enden im gemeinsamen Rutschen-Landehaus.

== Saunaland ==
Über zwei Geschosse ist die Saunalandschaft verteilt. Insgesamt zwölf Schwitzräume stehen für die Gäste bereit. Die Saunas sind im Stil der Baleareninsel Mallorca gestaltet und mit spanischen Namen versehen. Im Erdgeschoß warten vier Innensaunas mit Temperaturen von 65 °C bis 90 °C und zwei Dampfbäder auf die Schwitzfreunde. Die mit Naturstein verkleideten Saunas tragen die Bezeichnungen „casa del aroma“, „casa del caliente“, „casa del lemon“ und „casa del mar“. Außerdem gibt es hier ein großes Thermalbecken, ein Tauchbecken und Erlebnisduschen. Auf verschiedenen Niveaus wurde die Sauna-Gastronomie untergebracht, die bis zu 150 Gästen gleichzeitig Platz bietet. Panorama-Ruheräume, Massageräume und Fußwechselbecken ergänzen das Angebot.

Im Obergeschoß befindet sich eine weitere, separate Saunalandschaft, die sowohl als Damensauna als auch für geschlossene Gesellschaften genutzt werden kann. Dort findet man zwei Saunas („casa del firmamento“ und „casa del natural“) sowie einen Dampfraum, Massageräume und Ruhegelegenheiten.

Natürlich gibt es auch einen schönen Saunagarten. Wie kleine, mallorquinische Bauernhäuser fügen sich hier die Kaminsauna „casa del fuego“, die Aufgußsauna „casa del sol“ sowie die etwas mildere „la finca“ in die mediterran wirkenden Landschaft mit Bachlauf, Brücken und Naturteich ein. Abgerundet wird das Angebot durch Liegewiesen, ein Tauchbecken und eine Sommerbar.

== Sportbad ==
Das separate Sport-Hallen¬bad bietet ein 25-m-Sportbecken mit Sprungmöglich¬keit (1-m-Brett, 3-m-Plattform) und ein Lehrbecken. Dieses wird teilweise eigenständig betrieben und teilweise für das Schul-schwimmen und von Vereinen genutzt. Es gibt öffentliche Badezeiten, wobei eine gemeinsame Nutzung mit der Therme möglich ist.

== Wellness ==
Im 2. Obergeschoß kann man auf 650 m² Fläche die Wellness- und Massage-Abteilung „Nadine´s Ruhe-punkt“ besuchen. Das Angebot umfasst nicht nur verschiedene Gesundheits-Massagen, sondern auch Ayurveda, Hot-Stone, Lomi-Lomi-Nui, Hot-Chocolade-Massage sowie kosmetische Behandlungen und Fußpflege.

== Nebeneinrichtungen ==
Im 3. Obergeschoß des Neubaus befinden sich die Verwaltung sowie Betriebswohnungen. Da die vorhandenen Parkplätze vorm Sportbad für den zu erwartenden Andrang des Thermenbetriebes zu klein dimensioniert waren, wurde außerdem auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Parkhaus errichtet.

== Architekten ==
Der ursprüngliche Entwurf für das „Fürthermare“ stammt vom Büro Rainer Eckert aus Langenzenn bei Nürnberg. An der weiteren Planung wirkte auch das Büro Engelhardt Architekten aus Schwabach mit (Architekten Gerd Ehemann und Christopher Rebl). Die Generalplanung wurde schließlich von der Architektengemeinschaft Eckert - Engelhardt - Kannewischer durchgeführt.

== Tarifsystem ==
Anders als in den meisten anderen Bädern wird im „Fürthermare“ nicht auf eine soziale Differenzierung gesetzt, sondern auf eine zeitliche. Ermäßigte Tarife gibt es lediglich für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre. Die typischen Ermäßigtengruppen wie Schüler, Studenten, Einheimische, Kurgäste, Senioren oder Behinderte zahlen den vollen Tarif. Dafür gibt es jedoch vergünstigte Tarife für Schwachlastzeiten. Damit werden eine gleichmäßigere Auslastung des Bades sowie eine Erhöhung der Durchschnitts-Umsätze erreicht. Gäste mit geringerem Einkommen, aber relativ frei verfügbarer Zeit - wie z. B. Rentner oder Arbeitslose - werden dazu animiert, das Bad möglichst vormittags und außerhalb der Wochenenden, Feiertage und Ferienzeiten zu nutzen.

== Rentabilität ==
Das Investitionsvolumen betrug ca. 33 Mio. Euro netto, wobei die Sanierung des Freibades eingerechnet ist. Damit gehört das „Fürthermare“ zwar zu den teuersten Bädern in Deutschland, es zählt jedoch auch von der Ausstattung und vom Leistungsumfang her zu den ersten Adressen. Die ersten Betriebsjahre zeigten eine sehr gute Akzeptanz des Fürthermare, wobei der Anteil der Saunagäste mit fast einem Drittel der Besucherzahl erfreulich hoch ist. Durchschnittlich besuchen über 1.000 Gäste täglich das „Fürthermare“. Darunter befindet sich ein wesentlich höherer Stammgäste-Anteil, als ursprünglich erwartet wurde.
...
© 1994 - 2014 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics