DE-27578 Bremerhaven: Shopping-Mall Mediterraneo

Quo vadis, Mediterraneo ?
Wie ein Tag im Süden ?

== Vorwort ==
Es gibt eine Stadt in Norddeutschland, die von den Medien seit Jahren zerrissen wird, weil die Lebensqualität hier an-geblich schlechter sei als in den meisten anderen deutschen Städten. Rein statistisch gesehen mag das vielleicht stim-men, wenn man sich die Zahlen der Agentur für Arbeit anschaut. Ich sehe das jedoch völlig anders. Seit nunmehr fünf Jahren wohne ich mit meiner Familie in der Gegend, nicht mal eine halbe Autostunde von der Großstadt entfernt. Wir sind oft in Bremerhaven, mehrmals die Woche. Und ich muß wirklich mal einen Stab für Bremerhaven brechen, denn wir fühlen uns dort wohl und sicher. Viel wohler als in anderen großen Städten wie Kassel, Offenbach oder Duisburg beispielsweise - ohne jene Städte abwerten zu wollen.

== Die Stadt ==
Für die "kleine Großstadt" Bremerhaven (ca. 115.000 Einwohner) spricht aus meiner Sicht, daß die Stadt multikulturell und lebendig ist und man auch abends durch die Straßen gehen kann, ohne Angst haben zu müssen. Es mag hier weniger Reiche geben als anderswo und der Lebensstandard ist bestimmt niedriger als in den meisten westdeutschen Städten, doch die Menschen sind offen, vorurteilsfrei und meistens freundlich. Und obgleich die junge Stadt Bremer-haven schwer unter den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der einseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Hafenbetrieb zu leiden hatte, hat sie sich einen Optimismus bewahrt und strebt vorwärts.

Das merkt man deutlich beispielsweise bei den alljährlich stattfindenden Hafenfesten mit Großsegler-Treffen - wie z. B. bei der "Sail", die stets über eine Million begeisterter Besucher anzieht. Aber es wird auch viel in Bremerhaven investiert. So wurden beispielsweise die Bäder komplett saniert, eine neue Fußgängerzone geschaffen und eine Fachhochschule etabliert. Das größte Projekt sind allerdings die "Havenwelten", die momentan vervollständigt werden und in Deutschland beispiellos sind.

== Die Hafengegend ==
Die Hafengegend am Unterlauf der Weser, nur wenige Kilometer abseits der Nordsee gelegen, war wohl schon immer die interessanteste Gegend in Bremerhaven. Rund um die Häfen mit Werften, Auto- und Containerverladungen findet man seit Jahren tolle Sehenswürdigkeiten. Da gibt es beispielsweise das Deutsche Schifffahrts-Museum mit dem Dreimaster "Seute Deern", das Unterseeboot "Wilhelm Bauer", den Yachthafen und den Radarturm. Zum Ensemble gehören auch "Zoo am Meer", Historisches Museum und das Deutsche Auswandererhaus.

Erwähnen sollte man noch das historische Stadttheater und die "Schöne Kirche" sowie die hohen Wohntürme des "Columbus-Centers", einer Einkaufsmall direkt am Hafen, die seit Jahrzehnten das Bild der Stadt prägt. Neueste Er-rungenschaft der "Havenwelten" ist jedoch der riesige Neubau-Komplex mit dem Hotel "Atlantic Sail City", dem Kli-mahaus "8 ° Ost" und der Erlebnis-Einkaufswelt "Mediterraneo". Die Eröffnung des Mega-Erlebnismuseums "Klima-haus 8 ° Ost" soll voraussichtlich im Juni 2009 erfolgen, das 4-Sterne-Hotel eröffnete aber bereits am 01. März 2008. Seit nunmehr sechs Wochen, genauer gesagt seit dem 09. Oktober 2008, hat nun auch das "Mediterraneo" seine Pforten geöffnet. Und darüber möchte ich heute primär berichten…

== Erster Eindruck ==
Fast genau an der Wasserlinie der Unterweser entlang führt die Barkhausenstraße, quasi direkt hinterm Deich. Sie be-ginnt im Industriehafen, wo die großen Transportschiffe mit Autos aus Japan, Korea und Amerika entladen werden und führt an den Werften vorbei bis zum Alten Hafen, wo sie dann zur Columbusstraße wird. Dort tauchen linker Hand die Hochhaus-Komplexe des "Columbus-Centers" auf, rechts liegen meistens ein paar Yachten und auch mal große Segelschiffe im Hafenbecken.

Dann passiert man den Hafenturm, den "Zoo am Meer" und das Auswandererhaus. Und dann scheint ein riesiger, ge-strandeter Wal am Deich zu liegen. Das ist das "Klimahaus", das gerade fertiggestellt wird. Dahinter der hohe Turm des neuen Hotels "Atlantic Sail City" und dann, hinter der neuen gläsernen Brücke - das Mediterraneum. Eine schöne, blaue Glaskuppel reckt sich als Wahrzeichen der neuen Einkaufsmall in den Himmel. Ein schöner Anblick, wenngleich Puristen behaupten mögen, so etwas passe gar nicht zum Hafen-Charakter. Mir gefällt es jedoch und den meisten Touristen wohl auch.

== Parken ==
Die Parkplatz-Situation in Bremerhaven ist zwar nicht unbedingt angespannt zu nennen, jedoch gibt es rund um die Innenstadt kaum kostenlose Parkmöglichkeiten. Um gegen eventuelle Strafzettel wegen Parkzeit-Überschreitung ge-wappnet zu sein, sollte man am besten gleich in das Parkhaus unterm Columbus-Center einbiegen. Das kostet 80 Cent für die erste Stunde, 1,50 Euro für zwei Stunden. Mit dem Aufzug geht es eine Etage nach oben und schon ist man im Columbus-Center, das die wohl interessanteste Einkaufs-Mall des Elbe-Weser-Dreiecks (außerhalb von Bremen und Hamburg) beherbergt.

Bislang jedenfalls. Denn seit neuestem gibt es ja als Ergänzung dazu das Mediterraneo. Dorthin gelangt man über die gläserne Fußgängerbrücke, die sich direkt an das Columbus-Center anschließt und neben dem Burger-King-Imbiß in der Nähe des Karstadt-Kaufhauses über die Columbusstraße führt. Ein paar Schritte also, dann geht es eine Rolltreppe hinab - rechter Hand entsteht das Klimahaus-Museum - und nach links geht es ins "Mediterraneo". Die Passage bis zum "Mediterraneo" ist momentan übrigens noch recht kühl, denn es fehlen noch ein paar Fassaden-Glasplatten. Das wird sich in den nächsten Wochen aber wohl noch ändern.

== Italien an der Nordsee ? ==
Kaum ist man durch die Eintritts-Bögen getreten, die mittels Warmluftgebläse auch als Klimaschleuse dienen, fühlt man sich in eine neue Welt versetzt. Nicht kalte, breite Schaufensterflächen wie in den meisten Einkaufszentren er-warten den Besucher, sondern wirklich liebevoll gestaltete, abwechslungsreiche Häuserfronten wie in einer südländi-schen Kleinstadt, in mediterranen Farben gestrichen und mit kleinen, abwechslungsreichen Schaufenstern.

Keine schreiende Neon-Reklame, sondern Ladenschilder aus Schmiede-Eisen und alle paar Meter eine altertümlich wirkenden Straßenlampe. Im ersten Stockwerk Fenster-Imitate mit Holz-Klappläden und die "Dächer" mit Tonziegeln gedeckt. Und hin und wieder queren ein paar Bogengänge wie in Venedig die oval verlaufende "Hauptstraße" "La Strada". Schließlich, auf der Hälfte der Strecke, gelangt man zu "La Piazza". Man sitzt hier gemütlich an den Tischen auf einem runden Platz, ohne Straßenlärm und Abgase, über sich den blauen Himmel, der von einer riesigen Glaskuppel freigegeben wird. Und in der Mitte des Platzes ein vielleicht zehn Meter hoher (Weihnachts-) Baum. In der Kuppelspitze schwebt dann noch ein Rauschgold-Engel. Das hat zwar mit dem Mittelmeer wenig zu tun, ist aber einfach schön.

== Einkaufs- und Genußwelt ==
Momentan findet man im "Mediterraneo" insgesamt 38 Einkaufsläden und gastronomische Einrichtungen. Ich zählte achtzehn Bekleidungsgeschäfte, neun Shops für Luxusartikel, zwei Spielwarenläden sowie je drei Geschäfte für Kör-perpflege, Telekommunikation und Gastronomie. Dabei hatten zwei der Luxusläden auch zusätzlich gastronomische Angebote (Tabakwaren mit Grappa-Bistro und Kaffeeladen mit Café). Mindestens vier weitere Ladenflächen sind noch frei und sollen in den nächsten Wochen belegt werden. Das sind zwei Restaurants, eine Bäckerei und ein Fein-kostladen.

== Die Läden im Einzelnen ==
Ich habe mir mal einen Überblick verschafft und alle Läden aufgelistet:

== Körperpflege ==
- Die Brille (Optiker)
- Essanelle (Friseur)
- The Body Shop (Kosmetik)

== Bekleidung ==
- Absatz (Schuhe)
- Anna Maria Mode & Accessoires (Boutique)
- Bonita (Damenbekleidung)
- Carl Stiller Just good shoes (Schuhe)
- CBR Companies / Street One (Damen- und Herrenmode)
- Claudio (Schuhe)
- Esnap (Damen- und Herrenmode)
- eterna Excellent (Damen-Boutique)
- Ghandini Damen- und Herrenmode
- Jack Wolfskin Store (Sportbekleidung)
- Milani (Damenmode)
- O & H (Olymp & Hades)
- OXZY / Only (Damen- und Herrenmode)
- Petit carlin (Mode-Boutique)
- Runners Point (Sportschuhe)
- Tally Wejl (Damenmode)
- The Pashmina Shop (Damenmode)
- Wind Sportswear (Sportbekleidung)

== Spielwaren ==
- Balocco (Modellautos / Modelleisenbahn / Spielzeug)
- piccolino (Kleinkinder-Bedarf / Spielzeug)

== Telekommunikation ==
- Freenet
- O2
- vodafone

== Essen & Trinken ==
- Gelateria Cocciato (Eiscafé)
- Halikarnas Seafood & more (Fisch-Restaurant / Café)
- Merci (Baguetterie / Flammkuchen / Crépes / Aufläufe)

== Luxuswaren ==
- Akdeniz (Gold & mehr)
- arno Merano di caffé (Kaffee / Pralinen / Café)
- Casa Vivendi (Geschenkartikel / Accessoires)
- Il bagno (Geschenkartikel / Accessoires)
- Karsten Wilde (Parfümerie)
- M Niemeyer (Tabak / Lotto / Presse / Café Grappa)
- Thevs (Geschenkartikel / Accessoires)
- Villeroy & Boch (Porzellan / Geschirr / Bestecke)
- Visconti Classic Home (Geschenkartikel / Accessoires)

== In Vorbereitung (noch nicht eröffnet) ==
- Ihr Bäcker
- Ihre Gastronomie 1
- Ihre Gastronomie 2
- Mercato (Obst / Gemüse / Feinkost)

== Meine Lieblings-Geschäfte ==
Da ich Modellautos sammele, war für mich vor allem der "Balocco"-Laden interessant. Man findet dort aber nicht nur Hightech-Automodelle von Minichamps, AutoArt oder Schuco, sondern auch Blechspielzeug von Märklin, Modellei-senbahnen, Carrera-Rennbahnen und vieles mehr. Für Sammler so richtig zum Träumen. Auch der kleine Spielzeug-Laden "piccolino" hat sehr hübsche Sachen, aber eher Spielzeug für Kleinkinder.

Toll fand ich auch die Filiale von "Villeroy & Boch", wo man richtige Kunstwerke aus Porzellan erstehen kann. Genau das Richtige für den Weihnachts-Einkauf. Trendige T-Shirts und andere coole Klamotten fand ich bei "Olymp & Hades", tolle Freizeitbekleidung bei "Jack Wolfskin" und "Wind Sportswear". Bei "Runners Point" gab es wirklich schöne Sportschuhe. Die Boutiquen und anderen Bekleidungsläden hatten ebenfalls alle ansprechende Ware, ebenso die Luxus-Läden.

Die Telekom-Läden fand ich nicht so prickelnd, die gibt es ja wirklich überall zu Hauf. Etwas ausgefallener waren da schon der Optiker- und der Kosmetikladen. Wie gut der Friseur ist, mag ich nicht beurteilen. "Essenelle" ist jedenfalls eine Kette, die es quasi überall gibt.

== Gastronomisches Angebot ==
Wirklich überzeugend fand ich die Gastronomie. Das italienische Eiscafé "Gelateria Cocciato" hatte wirklich leckere Sorten, man kann auf der Plaza auch im Winter einen gepflegten Eisbecher essen. Direkt nebenan befindet sich das Fisch-Restaurant "Halikarnas" mit "Seafood and more". Paßt ja eigentlich nicht so sehr, ein Fischlokal neben einem Eiscafé zu positionieren, aber ich konnte keine Geruchsbelästigung feststellen. Die Speisen sahen allesamt sehr lecker aus und die Gäste schienen mir auch zufrieden zu sein. Übrigens kann man bei "Halikarnas" auch sehr schöne Torten-stücke bestellen, vielleicht zum Nachtisch.

Direkt gegenüber von "Halikarnas" befindet sich das winzige Restaurant "Baguetterie Merci". Dort kann man sowohl drinnen als auch im Straßenverkauf die Elsässer Küche austesten, sicherlich ein Novum im Elbe-Weser-Raum. Man kann dort beispielsweise alle möglichen Arten von Crepes und Flammkuchen kaufen, sogar Apfel-Flammkuchen mit Zucker und Zimt. Nicht ganz so überzeugt hat mich die Grappa-Bar beim Tabakwaren-Händler. Dafür fand ich aber die Café-Ecke bei "arno" sehr hübsch. Schade allerdings, daß sie dort keinen Kuchen hatten, sondern nur teure Pralinen.

== Preise ==
Sonderangebote sollte man im "Mediterraneo" nicht unbedingt erwarten. Jedenfalls jetzt nicht, in der Vorweihnachtszeit und kurz nach der Eröffnung. Ich fand die Preise aber in den meisten Läden angemessen, nicht überteuert. Und man findet hier eben auch Sachen, die es hier oben in anderen Läden nicht gibt.

== Aktionen ==
Um wirklich Leben in die Bude zu bringen, müssen Aktionen und Events her. Ohne diese wird es wohl auch kaum möglich sein, die Busunternehmen für "Kaffeefahrten" hierher zu begeistern. Ich denke dabei vor allem an verkaufsof-fene Sonntage, die in Bremerhaven bislang noch viel zu selten stattfinden dürfen. Dabei sind viele Geschäfte in der Touristen-Hochburg Cuxhaven, die ja nur eine halbe Autostunde entfernt liegt, jeden Sonn- und Feiertag geöffnet. Das ist eine Auslegungssache des Ladenschlußgesetzes, das im Übrigen endlich abgeschafft gehört. Meinetwegen soll man dann gerne auch mal einen Gottesdienst im Einkaufszentrum abhalten können. Der erste "verkaufsoffene Sonntag" wird übrigens gerade mit einem (!!!) Plakat im Eingangsbereich des "Mediterraneo" beworben, und zwar am 30. No-vember (1. Advent) von 13 bis 18 Uhr. Eine gute Gelegenheit für die ersten Weihnachts-Einkäufe also.

Eine sehr schöne Aktion wäre z. B. auch mal "Midnight-Shopping", z. B. freitagabends, ganz romantisch mit schummriger Beleuchtung und vielen Kerzen. Und warum nicht mal einen Familien-Flohmarkt am Sonntagmorgen, eine Schnäppchen-Schnitzeljagd durch die Geschäfte oder gar einen halben Marathon-Lauf rund um die Arkaden? Klar, daß man auch mal Straßenmusikanten oder auch Komödianten zur Belustigung einladen kann. Der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt. Aber ich bin ja nicht die Center-Managerin, soll die sich doch den Kopf zerbrechen…

== Defizite ==
Zu verbessern gibt es immer etwas, so auch beim "Mediterraneo". Da wäre zunächst die Aufgabe zu erfüllen, die noch bestehenden Lücken zu schließen. Sicherlich nicht leicht zu lösen, denn gerade in den letzten Wochen ist der Kredit-markt ja ziemlich zusammengebrochen. Aber wenn sich herausstellen sollte, daß die Geschäfte hier überlebensfähig sind, dann werden sich auch risikofreudige Gastwirte finden, die hier etwas auf die Beine stellen möchten. Toll wäre natürlich eine Erlebnis-Gastronomie, aber auch der geplante Bäcker-Imbiß wäre schon eine Bereicherung. Was mir persönlich fehlt sind Pflanzen, und zwar jede Menge davon und möglichst mediterrane natürlich. Ein paar schöne Palmen, Bananenstauden, Feigenbäume und kletternde Weinreben machen die Illusion des Mittelmeer-Urlaubs erst perfekt. Dann fehlen natürlich noch der schön gemauerte Wunschbrunnen und ein zünftiger Weinkeller.

Und ein paar Stände in der Mitte der breiten Gänge, z. B. mit Antiquitäten oder alten Büchern. Und warum nicht auch eine gemütliche Lounge mit Kuschelsofas, Brettspiel-Tischen und Internet-Spots in einer der noch leerstehenden Lo-kalitäten? Ganz toll hätte ich es gefunden, wenn man die oberen Stockwerke nicht nur als Fassade imitiert, sondern dort zusätzliche Räume geschaffen hätte. Das wären ein paar Tausend Quadratmeter zusätzlicher Premium-Wohnraum direkt am Meer geworden, wo ich beispielsweise liebend gerne mit meiner Familie eingezogen wäre. Natürlich wären auch Dutzende anderer Nutzungs-Möglichkeiten denkbar gewesen. Aber diese Chance wurde leider verpaßt. Vielleicht kann man wenigstens ein paar Farblicht-Strahler hinter den Mattglas-Fenstern installieren, um abends eine schönere Stimmung zu zaubern. Verpaßt hat man leider auch die Möglichkeit, zumindest ein Seitensträßchen einzubauen, wie eben in den kleinen Städtchen an Adria oder Cote d' Azur üblich.

== Die Zukunft ? ==
So gerne ich es anders sehen würde, aber ich glaube momentan nicht an eine große Zukunft für das "Mediterraneo". Auch wenn die Eröffnungstage von den Verantwortlichen und den Geldgebern bejubelt wurden, tut sich hier für mich zu wenig. An Wochentagen ist die Passage kaum besucht, die Verkäufer langweilen sich. Wie soll das erst nach Weihnachten aussehen? Die angeblich 100.000 Besucher der ersten drei Tage sind ein schöner Erfolg, aber wohl kaum wiederholbar.

Wenn sich hier nicht ganz bald ganz viel tut, dann bleiben die von Herrn Oberbürgermeister Jörg Schulz erhofften 1,8 Mio. Jahresbesucher wohl leider eine Traumzahl und weitab der Realität. Und Besucher alleine genügen ja beileibe nicht, sie müssen zu Käufern werden, zu treuen Stammkunden. Die Baukosten des "Mediterraneo" beliefen sich - laut Angaben des Investors "Albrecht-Vermögens-Verwaltung" (AVW) aus Rostock jedenfalls - auf insgesamt rund 45 Millionen Euro. Davon hat die Stadt Bremerhaven alleine 6,5 Mio. Euro an (nicht rückzahlbaren) Zuschüssen gegeben. Diese sind also auf jeden Fall verloren, selbst wenn die Gesellschaft Gewinne erwirtschaften sollte. Ich hoffe, daß nicht auch der Rest verloren geht, falls die AVW Verluste einfährt.

== Fazit ==
Für mich ist das "Mediterraneo" eine wirkliche Bereicherung der Geschäftswelt im Elbe-Weser-Dreieck. Natürlich kein Vergleich mit den riesigen Einkaufs-Malls, wie man sie z. B. in Amerika findet, aber ideal für das gemütliche und entspannte Shoppen zwischendurch. Hier findet man die schönen Kleinigkeiten, die man zum Geburtstag, zu Weihnachten oder auch mal sich selbst schenken möchte und kann unter der Kuppel gemütlich ein gutes Fischgericht verspeisen oder einen Latte Macchiato trinken oder auch mitten im Winter einen Eisbecher verspeisen. Der Besucher-Zuspruch dürfte etwas besser sein, doch dafür beschäftigt die Stadt Bremerhaven ja einige hochbezahlte Tourismus-Experten. Die können sich ja mal zur Abwechslung ein paar Gedanken machen, wie man mehr Leben in die Stadt be-kommt. Mein Beitrag: fünf wellSterne für das "Mediterraneo" und eine Besuchs-Empfehlung.

© by wellSPAss, im November 2008 / 01. Oktober 2010
… 190kf … "Einkaufszentrum Mediterraneo, Bremerhaven"

Quo vadis, Mediterraneo ?
Wie ein Tag im Süden ?

== Vorwort ==
Es gibt eine Stadt in Norddeutschland, die von den Medien seit Jahren zerrissen wird, weil die Lebensqualität hier an-geblich schlechter sei als in den meisten anderen deutschen Städten. Rein statistisch gesehen mag das vielleicht stim-men, wenn man sich die Zahlen der Agentur für Arbeit anschaut. Ich sehe das jedoch völlig anders. Seit nunmehr fünf Jahren wohne ich mit meiner Familie in der Gegend, nicht mal eine halbe Autostunde von der Großstadt entfernt. Wir sind oft in Bremerhaven, mehrmals die Woche. Und ich muß wirklich mal einen Stab für Bremerhaven brechen, denn wir fühlen uns dort wohl und sicher. Viel wohler als in anderen großen Städten wie Kassel, Offenbach oder Duisburg beispielsweise - ohne jene Städte abwerten zu wollen.

== Die Stadt ==
Für die "kleine Großstadt" Bremerhaven (ca. 115.000 Einwohner) spricht aus meiner Sicht, daß die Stadt multikulturell und lebendig ist und man auch abends durch die Straßen gehen kann, ohne Angst haben zu müssen. Es mag hier weniger Reiche geben als anderswo und der Lebensstandard ist bestimmt niedriger als in den meisten westdeutschen Städten, doch die Menschen sind offen, vorurteilsfrei und meistens freundlich. Und obgleich die junge Stadt Bremer-haven schwer unter den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der einseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Hafenbetrieb zu leiden hatte, hat sie sich einen Optimismus bewahrt und strebt vorwärts.

Das merkt man deutlich beispielsweise bei den alljährlich stattfindenden Hafenfesten mit Großsegler-Treffen - wie z. B. bei der "Sail", die stets über eine Million begeisterter Besucher anzieht. Aber es wird auch viel in Bremerhaven investiert. So wurden beispielsweise die Bäder komplett saniert, eine neue Fußgängerzone geschaffen und eine Fachhochschule etabliert. Das größte Projekt sind allerdings die "Havenwelten", die momentan vervollständigt werden und in Deutschland beispiellos sind.

== Die Hafengegend ==
Die Hafengegend am Unterlauf der Weser, nur wenige Kilometer abseits der Nordsee gelegen, war wohl schon immer die interessanteste Gegend in Bremerhaven. Rund um die Häfen mit Werften, Auto- und Containerverladungen findet man seit Jahren tolle Sehenswürdigkeiten. Da gibt es beispielsweise das Deutsche Schifffahrts-Museum mit dem Dreimaster "Seute Deern", das Unterseeboot "Wilhelm Bauer", den Yachthafen und den Radarturm. Zum Ensemble gehören auch "Zoo am Meer", Historisches Museum und das Deutsche Auswandererhaus.

Erwähnen sollte man noch das historische Stadttheater und die "Schöne Kirche" sowie die hohen Wohntürme des "Columbus-Centers", einer Einkaufsmall direkt am Hafen, die seit Jahrzehnten das Bild der Stadt prägt. Neueste Er-rungenschaft der "Havenwelten" ist jedoch der riesige Neubau-Komplex mit dem Hotel "Atlantic Sail City", dem Kli-mahaus "8 ° Ost" und der Erlebnis-Einkaufswelt "Mediterraneo". Die Eröffnung des Mega-Erlebnismuseums "Klima-haus 8 ° Ost" soll voraussichtlich im Juni 2009 erfolgen, das 4-Sterne-Hotel eröffnete aber bereits am 01. März 2008. Seit nunmehr sechs Wochen, genauer gesagt seit dem 09. Oktober 2008, hat nun auch das "Mediterraneo" seine Pforten geöffnet. Und darüber möchte ich heute primär berichten…

== Erster Eindruck ==
Fast genau an der Wasserlinie der Unterweser entlang führt die Barkhausenstraße, quasi direkt hinterm Deich. Sie be-ginnt im Industriehafen, wo die großen Transportschiffe mit Autos aus Japan, Korea und Amerika entladen werden und führt an den Werften vorbei bis zum Alten Hafen, wo sie dann zur Columbusstraße wird. Dort tauchen linker Hand die Hochhaus-Komplexe des "Columbus-Centers" auf, rechts liegen meistens ein paar Yachten und auch mal große Segelschiffe im Hafenbecken.

Dann passiert man den Hafenturm, den "Zoo am Meer" und das Auswandererhaus. Und dann scheint ein riesiger, ge-strandeter Wal am Deich zu liegen. Das ist das "Klimahaus", das gerade fertiggestellt wird. Dahinter der hohe Turm des neuen Hotels "Atlantic Sail City" und dann, hinter der neuen gläsernen Brücke - das Mediterraneum. Eine schöne, blaue Glaskuppel reckt sich als Wahrzeichen der neuen Einkaufsmall in den Himmel. Ein schöner Anblick, wenngleich Puristen behaupten mögen, so etwas passe gar nicht zum Hafen-Charakter. Mir gefällt es jedoch und den meisten Touristen wohl auch.

== Parken ==
Die Parkplatz-Situation in Bremerhaven ist zwar nicht unbedingt angespannt zu nennen, jedoch gibt es rund um die Innenstadt kaum kostenlose Parkmöglichkeiten. Um gegen eventuelle Strafzettel wegen Parkzeit-Überschreitung ge-wappnet zu sein, sollte man am besten gleich in das Parkhaus unterm Columbus-Center einbiegen. Das kostet 80 Cent für die erste Stunde, 1,50 Euro für zwei Stunden. Mit dem Aufzug geht es eine Etage nach oben und schon ist man im Columbus-Center, das die wohl interessanteste Einkaufs-Mall des Elbe-Weser-Dreiecks (außerhalb von Bremen und Hamburg) beherbergt.

Bislang jedenfalls. Denn seit neuestem gibt es ja als Ergänzung dazu das Mediterraneo. Dorthin gelangt man über die gläserne Fußgängerbrücke, die sich direkt an das Columbus-Center anschließt und neben dem Burger-King-Imbiß in der Nähe des Karstadt-Kaufhauses über die Columbusstraße führt. Ein paar Schritte also, dann geht es eine Rolltreppe hinab - rechter Hand entsteht das Klimahaus-Museum - und nach links geht es ins "Mediterraneo". Die Passage bis zum "Mediterraneo" ist momentan übrigens noch recht kühl, denn es fehlen noch ein paar Fassaden-Glasplatten. Das wird sich in den nächsten Wochen aber wohl noch ändern.

== Italien an der Nordsee ? ==
Kaum ist man durch die Eintritts-Bögen getreten, die mittels Warmluftgebläse auch als Klimaschleuse dienen, fühlt man sich in eine neue Welt versetzt. Nicht kalte, breite Schaufensterflächen wie in den meisten Einkaufszentren er-warten den Besucher, sondern wirklich liebevoll gestaltete, abwechslungsreiche Häuserfronten wie in einer südländi-schen Kleinstadt, in mediterranen Farben gestrichen und mit kleinen, abwechslungsreichen Schaufenstern.

Keine schreiende Neon-Reklame, sondern Ladenschilder aus Schmiede-Eisen und alle paar Meter eine altertümlich wirkenden Straßenlampe. Im ersten Stockwerk Fenster-Imitate mit Holz-Klappläden und die "Dächer" mit Tonziegeln gedeckt. Und hin und wieder queren ein paar Bogengänge wie in Venedig die oval verlaufende "Hauptstraße" "La Strada". Schließlich, auf der Hälfte der Strecke, gelangt man zu "La Piazza". Man sitzt hier gemütlich an den Tischen auf einem runden Platz, ohne Straßenlärm und Abgase, über sich den blauen Himmel, der von einer riesigen Glaskuppel freigegeben wird. Und in der Mitte des Platzes ein vielleicht zehn Meter hoher (Weihnachts-) Baum. In der Kuppelspitze schwebt dann noch ein Rauschgold-Engel. Das hat zwar mit dem Mittelmeer wenig zu tun, ist aber einfach schön.

== Einkaufs- und Genußwelt ==
Momentan findet man im "Mediterraneo" insgesamt 38 Einkaufsläden und gastronomische Einrichtungen. Ich zählte achtzehn Bekleidungsgeschäfte, neun Shops für Luxusartikel, zwei Spielwarenläden sowie je drei Geschäfte für Kör-perpflege, Telekommunikation und Gastronomie. Dabei hatten zwei der Luxusläden auch zusätzlich gastronomische Angebote (Tabakwaren mit Grappa-Bistro und Kaffeeladen mit Café). Mindestens vier weitere Ladenflächen sind noch frei und sollen in den nächsten Wochen belegt werden. Das sind zwei Restaurants, eine Bäckerei und ein Fein-kostladen.

== Die Läden im Einzelnen ==
Ich habe mir mal einen Überblick verschafft und alle Läden aufgelistet:

== Körperpflege ==
- Die Brille (Optiker)
- Essanelle (Friseur)
- The Body Shop (Kosmetik)

== Bekleidung ==
- Absatz (Schuhe)
- Anna Maria Mode & Accessoires (Boutique)
- Bonita (Damenbekleidung)
- Carl Stiller Just good shoes (Schuhe)
- CBR Companies / Street One (Damen- und Herrenmode)
- Claudio (Schuhe)
- Esnap (Damen- und Herrenmode)
- eterna Excellent (Damen-Boutique)
- Ghandini Damen- und Herrenmode
- Jack Wolfskin Store (Sportbekleidung)
- Milani (Damenmode)
- O & H (Olymp & Hades)
- OXZY / Only (Damen- und Herrenmode)
- Petit carlin (Mode-Boutique)
- Runners Point (Sportschuhe)
- Tally Wejl (Damenmode)
- The Pashmina Shop (Damenmode)
- Wind Sportswear (Sportbekleidung)

== Spielwaren ==
- Balocco (Modellautos / Modelleisenbahn / Spielzeug)
- piccolino (Kleinkinder-Bedarf / Spielzeug)

== Telekommunikation ==
- Freenet
- O2
- vodafone

== Essen & Trinken ==
- Gelateria Cocciato (Eiscafé)
- Halikarnas Seafood & more (Fisch-Restaurant / Café)
- Merci (Baguetterie / Flammkuchen / Crépes / Aufläufe)

== Luxuswaren ==
- Akdeniz (Gold & mehr)
- arno Merano di caffé (Kaffee / Pralinen / Café)
- Casa Vivendi (Geschenkartikel / Accessoires)
- Il bagno (Geschenkartikel / Accessoires)
- Karsten Wilde (Parfümerie)
- M Niemeyer (Tabak / Lotto / Presse / Café Grappa)
- Thevs (Geschenkartikel / Accessoires)
- Villeroy & Boch (Porzellan / Geschirr / Bestecke)
- Visconti Classic Home (Geschenkartikel / Accessoires)

== In Vorbereitung (noch nicht eröffnet) ==
- Ihr Bäcker
- Ihre Gastronomie 1
- Ihre Gastronomie 2
- Mercato (Obst / Gemüse / Feinkost)

== Meine Lieblings-Geschäfte ==
Da ich Modellautos sammele, war für mich vor allem der "Balocco"-Laden interessant. Man findet dort aber nicht nur Hightech-Automodelle von Minichamps, AutoArt oder Schuco, sondern auch Blechspielzeug von Märklin, Modellei-senbahnen, Carrera-Rennbahnen und vieles mehr. Für Sammler so richtig zum Träumen. Auch der kleine Spielzeug-Laden "piccolino" hat sehr hübsche Sachen, aber eher Spielzeug für Kleinkinder.

Toll fand ich auch die Filiale von "Villeroy & Boch", wo man richtige Kunstwerke aus Porzellan erstehen kann. Genau das Richtige für den Weihnachts-Einkauf. Trendige T-Shirts und andere coole Klamotten fand ich bei "Olymp & Hades", tolle Freizeitbekleidung bei "Jack Wolfskin" und "Wind Sportswear". Bei "Runners Point" gab es wirklich schöne Sportschuhe. Die Boutiquen und anderen Bekleidungsläden hatten ebenfalls alle ansprechende Ware, ebenso die Luxus-Läden.

Die Telekom-Läden fand ich nicht so prickelnd, die gibt es ja wirklich überall zu Hauf. Etwas ausgefallener waren da schon der Optiker- und der Kosmetikladen. Wie gut der Friseur ist, mag ich nicht beurteilen. "Essenelle" ist jedenfalls eine Kette, die es quasi überall gibt.

== Gastronomisches Angebot ==
Wirklich überzeugend fand ich die Gastronomie. Das italienische Eiscafé "Gelateria Cocciato" hatte wirklich leckere Sorten, man kann auf der Plaza auch im Winter einen gepflegten Eisbecher essen. Direkt nebenan befindet sich das Fisch-Restaurant "Halikarnas" mit "Seafood and more". Paßt ja eigentlich nicht so sehr, ein Fischlokal neben einem Eiscafé zu positionieren, aber ich konnte keine Geruchsbelästigung feststellen. Die Speisen sahen allesamt sehr lecker aus und die Gäste schienen mir auch zufrieden zu sein. Übrigens kann man bei "Halikarnas" auch sehr schöne Torten-stücke bestellen, vielleicht zum Nachtisch.

Direkt gegenüber von "Halikarnas" befindet sich das winzige Restaurant "Baguetterie Merci". Dort kann man sowohl drinnen als auch im Straßenverkauf die Elsässer Küche austesten, sicherlich ein Novum im Elbe-Weser-Raum. Man kann dort beispielsweise alle möglichen Arten von Crepes und Flammkuchen kaufen, sogar Apfel-Flammkuchen mit Zucker und Zimt. Nicht ganz so überzeugt hat mich die Grappa-Bar beim Tabakwaren-Händler. Dafür fand ich aber die Café-Ecke bei "arno" sehr hübsch. Schade allerdings, daß sie dort keinen Kuchen hatten, sondern nur teure Pralinen.

== Preise ==
Sonderangebote sollte man im "Mediterraneo" nicht unbedingt erwarten. Jedenfalls jetzt nicht, in der Vorweihnachtszeit und kurz nach der Eröffnung. Ich fand die Preise aber in den meisten Läden angemessen, nicht überteuert. Und man findet hier eben auch Sachen, die es hier oben in anderen Läden nicht gibt.

== Aktionen ==
Um wirklich Leben in die Bude zu bringen, müssen Aktionen und Events her. Ohne diese wird es wohl auch kaum möglich sein, die Busunternehmen für "Kaffeefahrten" hierher zu begeistern. Ich denke dabei vor allem an verkaufsof-fene Sonntage, die in Bremerhaven bislang noch viel zu selten stattfinden dürfen. Dabei sind viele Geschäfte in der Touristen-Hochburg Cuxhaven, die ja nur eine halbe Autostunde entfernt liegt, jeden Sonn- und Feiertag geöffnet. Das ist eine Auslegungssache des Ladenschlußgesetzes, das im Übrigen endlich abgeschafft gehört. Meinetwegen soll man dann gerne auch mal einen Gottesdienst im Einkaufszentrum abhalten können. Der erste "verkaufsoffene Sonntag" wird übrigens gerade mit einem (!!!) Plakat im Eingangsbereich des "Mediterraneo" beworben, und zwar am 30. No-vember (1. Advent) von 13 bis 18 Uhr. Eine gute Gelegenheit für die ersten Weihnachts-Einkäufe also.

Eine sehr schöne Aktion wäre z. B. auch mal "Midnight-Shopping", z. B. freitagabends, ganz romantisch mit schummriger Beleuchtung und vielen Kerzen. Und warum nicht mal einen Familien-Flohmarkt am Sonntagmorgen, eine Schnäppchen-Schnitzeljagd durch die Geschäfte oder gar einen halben Marathon-Lauf rund um die Arkaden? Klar, daß man auch mal Straßenmusikanten oder auch Komödianten zur Belustigung einladen kann. Der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt. Aber ich bin ja nicht die Center-Managerin, soll die sich doch den Kopf zerbrechen…

== Defizite ==
Zu verbessern gibt es immer etwas, so auch beim "Mediterraneo". Da wäre zunächst die Aufgabe zu erfüllen, die noch bestehenden Lücken zu schließen. Sicherlich nicht leicht zu lösen, denn gerade in den letzten Wochen ist der Kredit-markt ja ziemlich zusammengebrochen. Aber wenn sich herausstellen sollte, daß die Geschäfte hier überlebensfähig sind, dann werden sich auch risikofreudige Gastwirte finden, die hier etwas auf die Beine stellen möchten. Toll wäre natürlich eine Erlebnis-Gastronomie, aber auch der geplante Bäcker-Imbiß wäre schon eine Bereicherung. Was mir persönlich fehlt sind Pflanzen, und zwar jede Menge davon und möglichst mediterrane natürlich. Ein paar schöne Palmen, Bananenstauden, Feigenbäume und kletternde Weinreben machen die Illusion des Mittelmeer-Urlaubs erst perfekt. Dann fehlen natürlich noch der schön gemauerte Wunschbrunnen und ein zünftiger Weinkeller.

Und ein paar Stände in der Mitte der breiten Gänge, z. B. mit Antiquitäten oder alten Büchern. Und warum nicht auch eine gemütliche Lounge mit Kuschelsofas, Brettspiel-Tischen und Internet-Spots in einer der noch leerstehenden Lo-kalitäten? Ganz toll hätte ich es gefunden, wenn man die oberen Stockwerke nicht nur als Fassade imitiert, sondern dort zusätzliche Räume geschaffen hätte. Das wären ein paar Tausend Quadratmeter zusätzlicher Premium-Wohnraum direkt am Meer geworden, wo ich beispielsweise liebend gerne mit meiner Familie eingezogen wäre. Natürlich wären auch Dutzende anderer Nutzungs-Möglichkeiten denkbar gewesen. Aber diese Chance wurde leider verpaßt. Vielleicht kann man wenigstens ein paar Farblicht-Strahler hinter den Mattglas-Fenstern installieren, um abends eine schönere Stimmung zu zaubern. Verpaßt hat man leider auch die Möglichkeit, zumindest ein Seitensträßchen einzubauen, wie eben in den kleinen Städtchen an Adria oder Cote d' Azur üblich.

== Die Zukunft ? ==
So gerne ich es anders sehen würde, aber ich glaube momentan nicht an eine große Zukunft für das "Mediterraneo". Auch wenn die Eröffnungstage von den Verantwortlichen und den Geldgebern bejubelt wurden, tut sich hier für mich zu wenig. An Wochentagen ist die Passage kaum besucht, die Verkäufer langweilen sich. Wie soll das erst nach Weihnachten aussehen? Die angeblich 100.000 Besucher der ersten drei Tage sind ein schöner Erfolg, aber wohl kaum wiederholbar.

Wenn sich hier nicht ganz bald ganz viel tut, dann bleiben die von Herrn Oberbürgermeister Jörg Schulz erhofften 1,8 Mio. Jahresbesucher wohl leider eine Traumzahl und weitab der Realität. Und Besucher alleine genügen ja beileibe nicht, sie müssen zu Käufern werden, zu treuen Stammkunden. Die Baukosten des "Mediterraneo" beliefen sich - laut Angaben des Investors "Albrecht-Vermögens-Verwaltung" (AVW) aus Rostock jedenfalls - auf insgesamt rund 45 Millionen Euro. Davon hat die Stadt Bremerhaven alleine 6,5 Mio. Euro an (nicht rückzahlbaren) Zuschüssen gegeben. Diese sind also auf jeden Fall verloren, selbst wenn die Gesellschaft Gewinne erwirtschaften sollte. Ich hoffe, daß nicht auch der Rest verloren geht, falls die AVW Verluste einfährt.

== Fazit ==
Für mich ist das "Mediterraneo" eine wirkliche Bereicherung der Geschäftswelt im Elbe-Weser-Dreieck. Natürlich kein Vergleich mit den riesigen Einkaufs-Malls, wie man sie z. B. in Amerika findet, aber ideal für das gemütliche und entspannte Shoppen zwischendurch. Hier findet man die schönen Kleinigkeiten, die man zum Geburtstag, zu Weihnachten oder auch mal sich selbst schenken möchte und kann unter der Kuppel gemütlich ein gutes Fischgericht verspeisen oder einen Latte Macchiato trinken oder auch mitten im Winter einen Eisbecher verspeisen. Der Besucher-Zuspruch dürfte etwas besser sein, doch dafür beschäftigt die Stadt Bremerhaven ja einige hochbezahlte Tourismus-Experten. Die können sich ja mal zur Abwechslung ein paar Gedanken machen, wie man mehr Leben in die Stadt be-kommt. Mein Beitrag: fünf wellSterne für das "Mediterraneo" und eine Besuchs-Empfehlung.

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