DE-27578 Bremerhaven: Klimahaus 8 Grad Ost


Quo vadis, Erde?
Prima Klima?
In 80 Minuten um die Welt?

== Vorwort ==
Schon seit es vor ein paar Jahren bekannt wurde, daß das Klimahaus 8 ° Ost zusammen mit den weiteren Bausteinen der Havenwelten entstehen sollte, habe ich mich darauf gefreut. Eine wirkliche Bereicherung für die so stark gebeutelte Industriestadt Bremerhaven, die Betonung des Tourismus als neue Zielgruppe, die Umgestaltung einer öden Fläche zu einem wirklich interessanten Erlebnisbereich. Das Klimahaus sollte ein Wissenschafts-Museum zum Anfassen werden, so wie das erfolgreiche Universum in Bremen, nur noch größer und schöner. Ich war wirklich gespannt, ob das Riesen-Projekt die sehr hoch gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Ich wollte einer der ersten sein, der das Klimahaus besucht und es war mir klar, daß ich einen Bericht darüber schreiben würde. Mein erster Rundgang durch das Haus fand bereits einige Tage vor der offiziellen Eröffnung statt, als alles noch Baustelle war. Zwischenzeitlich kenne ich das Klimahaus sehr gut. Nun, sechs Wochen nach der Eröffnung, habe ich mir auch endlich mal Zeit genommen, über meine Eindrücke zu berichten…

== Fakten ==
Adresse: Klimahaus 8 ° Ost, Am Längengrad 8 (Alter Hafen), 27568 Bremerhaven
Telefon: 0471 - 90 20 300
Fax: 0471 - 90 20 3099
Internet: www.klimahaus-bremerhaven.de
e-mail: info-at-klimahaus-bremerhaven.de
GF: Arne Dunker
Betriebsleiter: Björn Eichner
Eröffnung: 29. Juni 2009
Besucher-Prognose: ca. 600.000 Gäste / Jahr
Bauzeit: ca. 2 ½ Jahre
Baukosten: rund 100 Millionen Euro

== Öffnungszeiten ==
In der Wintersaison (01. April bis 31. Oktober) ist montags bis freitags von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, am Wo-chenende und feiertags von 10:00 bis 19:00 Uhr. Von November bis März ist täglich in der Zeit von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Geschlossen ist an Heiligabend, am 1. Weihnachtstag, an Silvester und Neujahr, sonst täglich geöffnet. Letzter Einlaß ist 90 Minuten vor Schließung.

== Tarife ==
Der reguläre Eintrittspreis beträgt 12,50 Euro für Erwachsene bzw. 8,50 Euro für Ermäßigte. Ermäßigt sind Kinder von 5 bis 17 Jahren, Schüler, Studenten, Azubis, Wehr- und Zivildienstleistende und Behinderte (ab 70 % GdB). Sonderpreise gelten auch für Familien (z. B. Eltern plus alle eigenen Kinder unter 18 Jahren zu 36 Euro), Gruppen (ab 15 Personen und nur auf Voranmeldung, dann Erwachsene = 10 Euro bzw. Kinder = 8 Euro) sowie Jahreskarten (Erwachsene = 45 Euro, Ermäßigte = 30 Euro, Familien = 95 Euro). Die Preise gelten jeweils für den Tages-Aufenthalt, Kurzzeit-Tarife sind derzeit nicht im Programm. Es lohnt sich also, etwas früher zu kommen.

== Jahreskarte… ==
Wozu soll ich mir denn eine Jahreskarte kaufen? - wird sich der geneigte Leser fragen. Ich habe mich das auch gefragt. Natürlich - wer weit entfernt wohnt und nicht öfters an die Nordseeküste kommt, für den lohnt sich das kaum. Und in ein Museum geht man ja schließlich nur alle paar Jahre mal rein. Doch hier ist das anders. Das Thema rüttelt auf, ist interessant und es gibt immer Neues zu entdecken. Dieses Erlebnis-Museum kann man nicht in einem Tag einfach abhaken. Es ist groß, es bietet jede Menge Möglichkeiten und es entwickelt sich ständig weiter. Ich selbst war zwischenzeitlich mit meiner Familie schon drei Mal dort, womit sich die Familienkarte schon gerechnet hätte - wenn ich sie gleich gekauft hätte. Doch wer kauft schon die Katze im Sack. Ich kann jedenfalls jedem, der offenen Auges durch die Welt geht und der die Möglichkeit zum häufigeren Besuch in Bremerhaven hat, nur den Kauf der Jahreskarte empfehlen. Wir kaufen uns nun doch noch eine…

== Die Stadt ==
Die größte deutsche Nordseestadt Bremerhaven (115.000 Einwohner) ist multikulturell und lebendig. Zumindest in der Stadtmitte kann man auch abends durch die Straßen gehen, ohne Angst haben zu müssen. Es mag hier weniger Reiche geben als anderswo im Westen der Republik, doch die Menschen sind offen, vorurteilsfrei und freundlich. Und obgleich die junge Stadt Bremerhaven schwer unter den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der einseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Hafenbetrieb leiden mußte, hat sie sich einen Optimismus bewahrt und strebt stetig und mit Vollgas vorwärts.

Das merkt man deutlich beispielsweise bei den alljährlich stattfindenden Hafenfesten mit Großsegler-Treffen - wie z. B. bei der Sail, die stets über eine Million begeisterter Besucher anzieht und alle fünf Jahre (nächster Termin: Juli 2010) stattfindet. Aber es wird auch viel in Bremerhaven investiert. So wurden beispielsweise alle Hallen-Bäder komplett saniert, eine neue Fußgängerzone geschaffen und eine Fachhochschule etabliert. Das größte Projekt sind allerdings die Havenwelten, die mit der Eröffnung des Klimahauses nun vollständig und in Deutschland beispiellos sind. Vergleichbar finde ich da nur noch die neuen Docklands in Liverpool.

== Die Havenwelten ==
Die Hafengegend am Unterlauf der Weser, nur wenige Kilometer abseits der Nordsee gelegen, war wohl schon immer die interessanteste Gegend in Bremerhaven. Rund um die Häfen mit Werften, Auto- und Containerverladungen findet man seit Jahren tolle Sehenswürdigkeiten. Da gibt es beispielsweise das Deutsche Schifffahrts-Museum mit dem Dreimaster Seute Deern, das Unterseeboot Wilhelm Bauer, den Yachthafen und den Radarturm. Zum Ensemble gehören auch der neue Zoo am Meer, das Morgenstern-Museum, der Radar-Turm und das Deutsche Auswandererhaus.

Erwähnen sollte man noch das historische Stadttheater und die Schöne Kirche in der Oberen Bürger sowie die hohen Wohntürme des Columbus-Centers, einer Einkaufsmall direkt am Hafen, die seit Jahrzehnten das Bild der Stadt prägt. Neueste Errungenschaft der Havenwelten ist jedoch der riesige Neubau-Komplex mit dem Hotel Atlantic Sail City, dem Klimahaus 8 ° Ost und der Erlebnis-Einkaufswelt Mediterraneo. Das tolle 4-Sterne-Hotel (ähnelt dem weltbekannten 7-Sterne-Hotel Burj al Arab in Dubai) eröffnete bereits am 01. März 2008. Seit dem 09. Oktober 2008 hat auch das Mediterraneo seine Pforten geöffnet (hier kann man nun jeden Sonntag seinen Einkaufsbummel machen). Die Eröffnung des Mega-Erlebnismuseums Klimahaus 8 ° Ost erfolgte zum 29. Juni 2009. Und darüber möchte ich heute primär berichten…

== Anfahrt ==
Bremerhaven liegt an der A27 Cuxhaven - Bremen, man nimmt am besten die Abfahrt BHV-Mitte (beim Kraftwerk) in Richtung Stadtmitte. Dann immer geradeaus bis zum Hafen, links abbiegen und man sieht das Klimahaus schon auf der rechten Seite, direkt hinter dem Deutschen Auswandererhaus und gegenüber des Columbus-Centers. Da das Parken in fast der kompletten Innenstadt gebührenpflichtig ist, stellt man das Auto am besten in der Tiefgarage direkt unter dem Klimahaus / Mediterraneum / Atlantic-Hotel ab. Die Parkgebühr beträgt - wie fast überall in der City - 1,00 Euro pro angefangene Stunde.

== Entrée ==
Schon von außen macht das Klimahaus einen sehr imposanten Eindruck. Gleich neben dem hohen Turm des Atlantic Sail City Hotels gelegen, ähnelt es mit seiner silbrig schimmernden, runden Glasfassade einem gestrandeten Walfisch. Die Berliner würden zu dem Ensemble wahrscheinlich Hamburger mit Pommes sagen. Mit dem Aufzug oder über eine breite Treppe geht es ins großzügige Foyer, wo auch eine Tourist-Info untergebracht ist und sich ein Eingang zum Erlebnis-Einkaufszentrum Mediterraneo befindet. Man kann auch direkt von der Einkaufs-Mall Columbus-Center aus über die neue, gläserne Brücke zum Klimahaus gelangen. Nachdem man an der personenbesetzten Kasse ein Ticket gekauft hat, gelangt man durch die Eintritts-Schranken mit Barcode-Lesern in das imposante Innen-Foyer.

== Das Klima an sich… ==
Seit Jahrzehnten ist die Klima-Erwärmung der Wissenschaft bekannt und auch schon einige Jahre lang eines der zent-ralen Themen der Politik. Jeder spricht darüber, doch kaum jemand tut wirklich etwas dagegen. Ja, es ist den meisten Menschen überhaupt nicht bewußt, was es bedeutet, wenn sich das Klima ändert. Zwei Grad Celsius wärmer im Jah-resdurchschnitt in den nächsten 50 Jahren - das hört sich doch wirklich harmlos an. Wir haben uns doch schon daran gewöhnt, daß es keine weiße Weihnachten mehr gibt. Dann fahren wir eben in die Alpen.

Die Polkappen schmelzen ab, der Meeresspiegel steigt pro Jahr um ein paar Zentimeter - na und? Man kann ja die Deiche um einen Meter erhöhen. Die Wüsten wachsen weltweit, die Brunnen trocknen aus, in Afrika verhungern die Menschen - pah, das ist weit weg. Bei uns gibt es keine Wüste, die Sommer sind verregnet, man kommt mit dem Ra-senmähen kaum nach. Und nach Afrika können wir doch unsere überschüssigen Lebensmittel schicken, die sich hier nicht verkaufen lassen!

Geht uns doch alles nichts an! So denken die meisten Menschen in unseren Breitengraden - dem (noch) fruchtbaren Norden. Immer getreu dem Motto: was kaputt ist, wird durch was Neues, Besseres ersetzt. Wenn man in Kenia keine Großwild-Safari mehr buchen kann, weil die Steppe zu Wüste geworden und die Tiere ausgestorben sind, dann fahren wir eben zum Tauchen auf die Malediven. Und wenn die Malediven im Meer versunken und die Korallenbänke abge-storben sind, dann machen wir halt Ski-Urlaub in den Alpen. Und wenn in den Alpen die Gletscher abgeschmolzen sind und die Berge abrutschen, dann fliegen wir in den Himalaya zum Skifahren. Und wenn der Himalaya… Ach, das passiert schon nicht.

Doch, das passiert schon. Wir denken, das erleben wir nicht mehr. Aber wir erleben es - und unsere Kinder werden es schon gar nicht mehr anders kennen. Das Klima auf der Erde ändert sich schon immer, es ist ein ständiger Prozess, an den sich Pflanzen und Tiere in der Evolution stets angepaßt haben. Es gab tropische Phasen, wo fast alles auf der Erde grün war, z. B. zur Zeit der Dinosaurier. Und es gab mehrere Eiszeiten, die einen Großteil der Landmassen gefrieren ließen. Doch alle diese Prozesse - sofern sie nicht auf Meteoriten-Einschläge und Vulkan-Ausbrüche zurückzuführen waren - dauerten in der Regel viele Jahrtausende, teilweise sogar Millionen von Jahren.

Heute leben wir immer noch in einer Eiszeit, und zwar deutlich in der Ausgangsphase. Es ist natürlich, daß die Gletscher zurückgehen, daß es wärmer wird. Aber jetzt erleben wir einen Klimawandel im Zeitraffer, an den sich weder Tiere noch Pflanzen anpassen können. Sie sterben einfach aus, sind von heute auf morgen verschwunden, kommen nie wieder. Täglich werden Dutzende, vielleicht Hunderte von Arten ausgelöscht, die wir zum größten Teil noch gar nicht mal kennen, geschweige denn erforscht haben.

Ein Beispiel dafür ist die Abholzung der Regenwälder im Fabrik-Stil, wobei für die Gewinnung von ein paar Kubik-metern Edelhölzern oder für die Urbarmachung von Feldern täglich Tausende von Quadratkilometern unersetzlicher Urwald vernichtet werden. Und das nicht nur im uns riesig erscheinenden Amazonas-Gebiet, wo derzeit von den Bäumen noch über 20 % des weltweiten Sauerstoffs produziert werden. Nein, es passiert überall, auch bei uns. Anstatt Baulücken zu nutzen und Industriebrachen wieder herzurichten, werden überall neue Gewerbegebiete ausgewiesen und die Wälder vernichtet. Damit vernichten wir uns selbst, unsere eigenen Lebensgrundlagen. Und jeder denkt: Ach, daran kann ich sowieso nichts ändern. Da sind die Politiker zuständig.

Falsch, falsch, falsch! Wir können etwas tun, wir müssen etwas tun, jeder einzelne von uns. Denn wenn wir das alles weiterhin einfach nicht zur Kenntnis nehmen, wenn wir nicht den Willen und die Kraft haben, von uns aus etwas zu ändern, wird die ganze Menschheit zu Grunde gehen - in absehbarer Zeit, während unsere Kinder noch leben.

Noch ergötzen wir uns an Katastrophenfilmen wie the day after tomorrow oder 2012 im Kino, doch morgen schon kann die Katastrophe Realität sein - und höchstwahrscheinlich wird sie es. Um uns diese Problematik vor Augen zu führen, uns aufzurütteln, wachzurütteln, dafür wurde das Klimahaus 8 ° Ost gebaut. Nicht vorrangig unterhalten und erlebt sollen wir dort werden, sondern grundlegend informiert und desillusioniert.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. In diesem Falle die Hoffnung, daß auch unsere Kinder und Enkel noch ein lebenswertes und lebenswürdiges Leben und Überleben haben werden. Ich hoffe, das Klimahaus kann dazu einen gu-ten Beitrag leisten. Und ich hoffe, daß in allen Wohlstandsländern der Welt bald weitere Klimahäuser entstehen werden. Vielleicht nützt es ja etwas. Falls die ökologischen Folgen für die Menschheit die Politiker kalt lassen - die öko-nomischen Folgen werden es ganz bestimmt nicht.

== Land unter. ==
Denn die jetzige Finanzkrise ist wirklich nur ein Klacks gegen die Kosten, die der weltweite Anstieg des Meeresspiegels um vielleicht zehn Meter nach sich ziehen würde. Daß dies in absehbarer Zeit passieren kann, ist unbestreitbar. Alleine das Abschmelzen des Westantarktischen Eisschildes, der nicht mal ein Drittel der Antarktis ausmacht und extrem gefährdet ist, bedeutet einen weltweiten Wasser-Anstieg um 6 Meter. Gleiches gilt für den Eisschild auf Grönland, der etwa die gleiche Dimension besitzt. Das macht zusammen schon 12 Meter. Und das hieße Land unter für die meisten Großstädte auf der Erde, die ja größtenteils direkt am Meer liegen. Ein interessanter Link zum Thema Eisschmelze ist beispielsweise: === www.funnypage.ch/umwelt/pages/page08.htm. ===
Das sollte man unbedingt lesen.

== Die Reise ==
Über eine riesige, asymmetrische Freitreppe geht es zunächst in ein kleines 180-Grad-Kino, wo man einen kurzen Einführungsfilm über den Klimawandel anschauen kann. Das geht auch zwei oder drei Etagen höher. Anschließend geht es zum Hauptbahnhof. Natürlich nur einem virtuellen, dem Bremerhavener nachgestellt. Bei Wartezeiten wird man von einem originellen Fernsehspot unterhalten, wobei unterschiedlichste Leute (die am Klimahaus mitgewirkt haben) unablässig die Zeit bis zum nächsten Einlaß an eine Schultafel schreiben.

Dann gelangt man in die Bahnhofshalle, wo ein weiterer Einführungsfilm gezeigt wird. Dieser dauert fünf Minuten und zeigt, wie ein Protagonist seinen Alu-Koffer packt und sich auf den Weg macht - entlang des achten Längengrades rund um den Globus. Ich bin dann mal für ein Jahr weg spricht er auf den Anrufbeantworter und macht sich auf den Weg zum Bremerhavener Bahnhof. Der Mann lernt auf seiner Reise entlang des 8. Längengrades Ost viele Kulturen kennen, fremd und geheimnisvoll. Seine Stationen - insgesamt acht - werden nachfolgend auf dem Weg durch das Klimahaus und dabei virtuell auf 38.000 Kilometern um die ganze Welt akribisch genau nachgestellt und in allen Aspekten beschrieben.

== Isenthal, Schweiz (08° 33´ Ost, 46° 55´ Nord) ==
Die Leinwand fährt nach oben und gibt den Ausgang frei. Kommen Sie mit auf die Reise! Man geht über Bahngleise in die Schweiz, begleitet von einer kleinen Modelleisenbahn an der Wand und mit Video-Blicken auf die vorbeigleitende Landschaft. Dann kommt man auf einer nachgebildeten Bergalm an, mit Plastik-Kühen zum Melken. Das kann man hier wirklich, inklusive Original-Stallduft.

Nach oben geht es auf den Gletscher, der nicht mehr strahlend weiß ist, sondern in Folge der Umwelteinflüsse schon eher grau. Dort liegt beispielsweise eine Flasche Küstennebel-Schnaps im Eis oder ein rotes Halstuch hängt an einer Wand. Zielt man mit speziellen Ferngläsern auf den jeweiligen Punkt, so läuft ein Video ab, das jeweils eine Geschichte zum anvisierten Gegenstand erzählt. Sehr interessant. Man kann auch zum Gipfelkreuz hochsteigen oder Videobuchten besuchen. Dia-Folgen können stets per Knopfdruck abgerufen werden. In einem Raum kann man seine Lautstärke beim Jodeln messen, in einem anderen wird die Geschichte der Alpengletscher erzählt, bis überraschend eine simulierte Felslawine aus 10.000 kleinen Bällen an den Zuschauern vorbei abgeht. Ein Riesen-Spektakel. Am eindrucksvollsten - zumindest für die Kids - war jedoch der Weg durch einen Eistunnel zur nächsten Station. Man kann ruhig an die Wand fassen - das Eis ist wirklich echt.

== Seneghe, Sardinien / Italien (08° 35´ Ost, 40° 08´ Nord) ==
Die größte Mittelmeer-Insel ist das folgende Ziel. Hier legt sich der Wissenschaftler im Film auf eine Wiese und zeichnet einen Hirschkäfer. So gelangt man ins Reich der Insekten, wird durch die Vergrößerung der Umwelt auf die Maße eines Käfers geschrumpft. Die Grashalme sind plötzlich vier Meter hoch, eine zerdellte Getränkedose wird zum Haus. Durch die riesigen Gräser kann man in Terrarien mit echten Tieren blicken, für Kinder besonders interessant der kleine Tunnel zum Hineinkriechen, wie eine Ameise.

Vom Leitstand in der Dose aus kann man das Wetter in den Nebenräumen steuern. Damit sollen die Auswirkungen von selbst kleinen Ereignissen auf das Klima simuliert werden. Kann das Schlagen eines Schmetterlings-Flügels einen Orkan auslösen? Wer weiß das schon? Sicher ist aber, daß schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder das Brennglas einer zerbrochenen Flasche einen riesigen Waldbrand auslösen können. Hier probiert man das Klima-Machen einfach aus, darf einmal Wettergott spielen. So läßt man auf Knopfdruck beispielsweise die aufgehängte Un-terwäsche der italienischen XXL-Mamma im Wind wehen oder Regen auf einen alten Fiat 500 prasseln. Pech, wenn man sich gerade dann als Besucher dort aufhält. Doch das macht ja eben das Erlebnis aus…

== Kanak, Niger (09° 02´ Ost, 15° 31´ Nord) ==
Nächster Aufenthalt, nur wenige Meter entfernt, ist Niger. Der afrikanische Staat hatte noch vor zwei Generationen blühende Landschaften aufzuweisen. Das hat sich nun grundlegend geändert. Das Grasland verschwindet immer schneller - und mit ihm das Leben. Hier hält die unerbittliche Wüste Einzug. Heute sind schon mehr als zwei Drittel des Staatsgebietes von Wüsten bedeckt. Antilopen, Gnus und Löwen sind verschwunden, selbst die Schildkröten aus-gestorben.

Das Nomadenvolk der Tuareg ist in seiner Existenz bedroht, da fast nur noch in den wenigen Oasen ein Überleben möglich ist. In einem weiteren Raum wurde ein Wadi nachgebaut, heute 30 cm hoch mit Sand bedeckt, einst von Grün überzogen. Dann der Hauptraum mit einer Stein-Wüste - mitten drin ein paar Knochen und ein austrocknender Baum. Hin und wieder fällt ein Regentropfen darauf - viel zu wenig zum Existieren…

== Ikenge, Kamerun (09° 06´ Ost / 05° 16´ Nord) ==
In zentralafrikanischen Kamerun gibt es ganz unterschiedliche Klimaverhältnisse - von trocken-heiß bis tropisch-feucht. Dunkel ist es im nächtlichen Regenwald von Ikenge, durch ein simuliertes Gewitter gelangt man ins Dorf mit den nach Männern und Frauen getrennten Lehmhütten. Da die Jagd durch die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes kaum noch lohnt, wird über die Einführung eines Öko-Tourismus debattiert. Von einer Hängebrücke aus kann man fremdartige Fische beobachten. Aber wie lange noch? Die wackelnde Brücke zu queren und dann über ein paar Steine im Flachwasser wieder zurückzukehren, ist ein weiteres Erlebnis.

Sehr interessant fand ich einen kleinen Raum, wo der Baumstumpf eines abgeholzten Tropenriesen den Raubbau an der Natur erlebbar macht. Ich weiß nicht mehr genau, wieviele Fußballfelder in jeder Minute in den Regenwäldern abgeholzt werden, unwiederbringbar. Oder wieviele Tausend Quadratkilometer verlorener Urwald es in jedem Jahr sind, nicht nur in den tropischen Gebieten, auch bei uns. Wohl niemand weiß auch, wie viele Arten an Pflanzen und Tieren - teilweise noch gar nicht entdeckt - in jedem Jahr ausgerottet werden, einfach verschwinden. Man mag gar nicht daran denken, so traurig ist es.

Aber wir können etwas tun, indem wir beispielsweise keine Möbel oder Paneele aus Tropenhölzern mehr kaufen und indem wir auf unsere Politiker einwirken. Die Entwicklungshilfe-Politik muß sich ändern. Keine Millionen mehr für den Prunk der Herrscher und neue Panzer! Vor allem in den Wüstengebieten Afrikas müssen Solar- und Windtechnologie, Meerwasser-Entsalzung, Bewässerungs-Anlagen und Schulen, Krankenhäuser und intelligenter Tourismus gefördert werden. Hoffentlich.

== Königin-Maud-Land, Antarktis (08° 34´ Ost, 73° 30´ Süd) ==
Kalt, kalt, kalt! Aber seeeehr erfrischend! Vom heißen Kamerun geht es quasi nahtlos ins eiskalte Gebiet der Antarktis, also des Südpols. Ein Temperatur-Unterschied von bestimmt 40 ° Celsius. Das kalte Frischluft-Gebläse trocknet den Schweiß auf der Stirn, dann geht es ins ewige Eis. Naja, nichts ist ewig, auch dieses Eis geht stark zurück. Man bewegt sich durch einen Raum mit etwa 6 °C Minus, der Atem fällt als kristalliner Nebel aus. Der vielleicht größte Gefrierschrank in Europa, wenn nicht sogar in ganz Bremerhaven. Auf jeden Fall ein Erlebnis - und nach der Hitze tut die Abkühlung richtig gut. Sogar die Mädels in Minirock und Hot-Pants genießen hier die erquickende Kälte.

Doch das ist nur eine leichte Annäherung an die Wirklichkeit. Auf fast 90 °C Minus kann die Temperatur in der Ant-arktis sinken. Die Jahres-Durchschnittstemperatur liegt bei immerhin Minus 55 °C. Unvorstellbare klimatische Be-dingungen. Dabei gibt es hier kaum Niederschläge und trotz des vielen Eises ist die Antarktis die trockenste Wüste der Welt - noch. Übrigens enthält die bis zu 4.500 Meter dicke Eisdecke der Südpolar-Region ganze 90 % des kompletten irdischen Eises und damit 75 % aller Süßwasser-Vorkommen. Noch - denn auch hier ist das Eis rasend schnell auf dem Rückzug. Der Rest der Süßwasser-Vorräte der Welt findet sich vorwiegend auf dem ebenfalls bedrohten Grönland - die Binnenseen und das Hochgebirgs-Eis (Alpen, Himalaya, Rockies, Anden etc.) machen nur einen sehr kleinen Prozentsatz aus. Noch ein Vergleich: das auf dem Meer schwimmende Eis der Nordpolar-Gegend ist im Schnitt nur rund drei Meter dick. Dessen Verschwinden werden wir auf jeden Fall noch erleben.

Wir möchten es uns noch nicht ausmalen, wie die Welt aussehen wird, wenn das Eis in großem Umfang geschmolzen ist. Dann werden Dutzende von Millionenstädten durch den Anstieg des Meeresspiegels in den Fluten versinken. Städte wie New York, San Franzisco, Bombay, Kalkutta, Sidney, Hongkong oder auch Bremerhaven wird es nicht mehr geben. Ein Szenario, das es abzuwenden gilt, denn es könnte schon unsere Kinder treffen.

Wer nicht durch die Kältekammer möchte - aber das sind die wenigsten - kann als Alternative auch den wärmeren Expeditionsweg nehmen. Man trifft sich dann in der Polarstation wieder.

== Ausflug in die Stratosphäre ==
Es geht nach oben, dem Himmel entgegen. Eine Wendeltreppe über zwei Etagen führt den Gast in andere Sphären. Zunächst geht es durch einen kleinen Tunnel, den Leonardo Da Vinci gestaltet haben könnte, dann tut sich der bogen-förmige Weg mitten ins All auf. Tausende von glitzernden LED-Lämpchen bringen den schwarzen Himmel zum Strahlen, blaues Licht kommt von unten. Ein Foto-Motiv par excellence - hätte man doch nur ein Stativ! Mit Blitz wird das Foto nämlich zum Nichts, ohne Blitz benötigt man aber mehrere Sekunden Belichtungszeit. Da helfen nur Improvisationskunst oder ein Bild-Stabilisator…

== Satitoa, Samoa (171° 22´ West, 13° 59´ Süd) ==
Wir sind nun auf der anderen Seite der Erdkugel gelandet, aber immer noch rund 8° vom Null-Meridian entfernt (also auf ca. 172° West). Nach der Kühltruhe ein kleines Dampfbad gefällig? Dafür eignet sich der Urwald der Tropeninsel Samoa hervorragend. Hier herrschen gefühlte 40 ° Celsius, verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit. Einheimische haben landestypische Holzhütten errichtet, sogar eine alte Missionskirche ist entstanden - inklusive Gebetbuch in Lan-dessprache.

Am Strand liegt ein Einbaum, der Sand ist heiß und feinkörnig wie Sternenstaub. In einem großen, zweigeteilten Wel-lenbecken schwimmen elektrische Welse, dazwischen der gläserne Abgang für die Touristen. Daß die Welse Strom-schläge verteilen können, hält die Besucher trotz Warnschildern aber nicht davon ab, ins Wasser zu greifen. Der Kitzel des Unerlaubten?

An die Insel-Idylle schließt sich der Aquarien-Bereich auf zwei Ebenen an. Hier kann man in riesigen Aquarien (Be-cken-Inhalte zusammen ca. 1.000.000 Liter) typische Meeresbewohner der Südsee beobachten. Das geht von bunten Korallenfischen bis hin zu leuchtenden Quallen. Zebra-Muränen, Kofferfische und Kugelfische können entdeckt wer-den Allerdings könnten die Aquarien noch ein wenig mehr Leben gebrauchen, beispielsweise See-Anemonen oder üp-piger Pflanzen-Besatz. Doch das kommt sicherlich noch, wie auch ein Großteil der Fische, die noch eingewöhnt werden müssen. Vielleicht aber auch nicht, denn auch im tropischen Paradies sind die bunten Meerestiere auf dem Rückzug, da die Korallenbänke dort durch die Wasser-Erwärmung absterben. Möglicherweise gibt es die Korallenriffe bald nur noch im Aquarium zu bewundern.

== Gambell, Alaska / USA (171° 44´ West, 63° 46´ Nord) ==
Die riesige Schwanzflosse eines Wals begrüßt den Gast in Alaska, genauer gesagt auf der Insel St. Lawrence Island. Weiter geht es zu den typischen Wohnverhältnissen der Eskimo-Ureinwohner, wobei auch getrockneter Stockfisch zu bewundern ist. Landwirtschaft ist in diesem unwirtlichen Klima, wo es im Sommer gerade mal um den Gefrierpunkt warm ist, absolut unmöglich.

Die Klima-Erwärmung ist hier heute schon lebensbedrohlich. Um die fürs Überleben notwendigen Wildtiere zu finden, müssen die Yupik, die Ureinwohner, wegen des Rückgangs der Eisdecke immer weiter aufs Meer hinauspaddeln. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist hier in den letzten 50 Jahren um rund 6 °C angestiegen. Und man erfährt, daß hier das Trampolin erfunden wurde - um über weitere Entfernungen Beutetiere ausmachen zu können. Natürlich darf man auch selbst auf einem Trampolin hüpfen.

== Hallig Langeneß, Deutschland (08° 36´ Ost, 54° 38´ Nord) ==
Halligen sind eine Besonderheit des Wattenmeeres, die man in der Nordsee vorwiegend rund um die Insel Pellworm in Schleswig-Holstein findet. Hier werden die salzigen Wiesen regelmäßig von Sturmfluten überschwemmt, so daß nur noch die Warften, von den Einwohnern künstlich geschaffene Hügel mit Wohnhäusern, aus dem Wasser schauen. Ein extremes, vom Wetter bestimmtes Leben. Hier wurde eine kleine Warft - ohne Haus, nur Wiese - nachgebaut, die über eine Brücke zu erreichen ist und alle paar Minuten geflutet wird. Wer sich auf der Insel befindet, muß dann schon enger zusammenrücken…

== Bremerhaven (08° Ost, 53° 32´ Nord) ==
Das Ende der Reise ist gekommen. Durch den Schlick des Wattenmeers und über die Gleise einer nur bei Niedrigwasser nutzbaren Lorenbahn geht es schließlich wieder nach draußen. Bremerhaven hat uns wieder, das natürliche Sonnenlicht kann wie eine Offenbarung sein. Ist hier noch alles so wie zu Beginn unserer Reise? Wir wollen es hoffen…

== Aussichts-Plattform ==
Wer den Aufzug benutzt und in die 6. Etage fährt, gelangt zur Aussichts-Plattform. Diese ist recht geräumig und be-findet sich in 29 Metern Höhe. Man kann - nach Einwurf von 50 Cent oder einem Euro - durch starke Ferngläser auf den Hafen, über die Weser oder sonstwo hin schauen oder einfach nur frische Luft schnappen. Wenn man länger durch die unterirdischen Landschaften getigert ist, macht das richtig Laune und gibt Kraft für neue Taten. Die salzhaltige Meeres-Luft gibt es gratis dazu. Schade allerdings, daß man hier nur am Geländer stehen oder auf einer Holzbank sitzen kann, denn der Ort bietet sich eigentlich für mehr an. Vielleicht eine Saft- und Sandwichbar? Oder Grillabende mit Cocktails und Blick auf den Hafen? Vielleicht lassen die Betreiber sich ja noch was einfallen…

== Die Perspektiven ==
Richtig Sinn macht der Besuch des Museumsteils Perspektiven nach dem Rundgang durch die Welt. Hier stehen die aktuellen Klima-Entwicklungen, die Klima-Forschung und die Zukunft des Wetters im Fokus. Es wird anhand realis-tischer Hochrechnungen gezeigt, wie sich das Klima entwickeln könnte und welche Auswirkungen das auf unser aller Leben haben wird. Schon jetzt sind Millionen von Menschen jeden Tag aus den austrocknenden Gebieten auf der Flucht in noch funktionierende Länder - sonst verhungern und verdursten sie. Hier muß konkret und schnell geholfen werden, ehe die sozialen Systeme aller Staaten daran zerbrechen und das Chaos einzieht.

Wir können und dürfen die Augen nicht vor den akuten Problemen in der Dritten Welt verschließen, sondern müssen umgehend gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der dortigen Lebenssituation ergreifen. Wenn es uns nicht gelingt, die Ausbreitung der Wüsten zu stoppen und umzukehren (z. B. durch große Meerwasser-Entsalzungsanlagen, Erzeugung neuer Seen durch eingepumptes Meerwasser, Wind- und Solarkraft-Anlagen zur Vermeidung der Verbrennung von Bäumen und fossilen Brennstoffen etc.), dann könnte der Kampf um die letzten Tropfen Trinkwasser bald auch bei uns zum Alltag gehören. Das gilt es zu verhindern.

== Die Elemente ==
Die vier klassischen Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde werden auf vier Etagen in der Elemente-Show behandelt. Hier kann und soll jeder erforschen, wie Wetter und Klima funktionieren. Fast jeder hatte ja mal einen Kosmos-Experimentierkasten oder ähnliches als Kind, doch hier erhält das Forschen eine neue Dimension. Ein spielerischer Umgang mit teilweise sehr komplexen und komplizierten Exponaten wird ermöglicht. Jeder wird quasi zum Forscher, überall gibt es etwas zum Staunen und Erleben.

Das Warum und Wie von Wetter-Phänomenen wie Wind, Gewitter oder Schnee wird erklärt, mit Wasser in sämtlichen Aggregatzuständen experimentiert, man begibt sich ins Innere eines Vulkans oder läßt sich selbst erzeugten Wind um die Ohren wehen. Es gibt wirklich Dutzende von Stationen, die einem das Staunen beibringen oder einfach nur Spaß machen. Vielleicht mal mit Solarstrom Roboter um die Wette klettern lassen? Kein Problem, hier geht alles. Zwischendurch kann man in einem Riesen-Ei mit einem Innenleben aus bequemen Polstersitzen, sphärischen Klängen und Farblicht oder in einer Holzhütte relaxen.

== Die Chancen ==
Klimaschutz ist machbar. Und zwar in einem viel größeren Ausmaß, als uns die Politiker/innen weiß machen möchten. Die haben nämlich - wie jeder Mensch - Eigeninteressen, die nicht unbedingt dem Wohle der Bevölkerung dienen. So wird auch ein Volksvertreter natürlich ungern in die Hand beißen, die ihn nährt - nämlich die Industrie. So werden wir noch lange auf die dringend nötigen Vorschriften zur radikalen Verringerung der Schadstoff-Emissionen warten dürfen - zu lange. Aber jeder kann im kleineren Maße selbst etwas beitragen. Damit beschäftigt sich die Ausstellung Chancen. Konkrete Alltags-Beispiele, Tipps und Infos über technische Möglichkeiten und politische Einflußnahme zur Reduzierung der Treibhausgase werden vorgestellt.

Beispielsweise läßt sich das Klima schon durch eine Reduzierung des persönlichen Fleisch-Konsums verbessern. Rinder und Schweine haben nicht nur einen enormen Bedarf an Platz, Nahrung und Wärme, sondern produzieren auch durch ihre Verdauungs-Abgase mehr Kohlendioxyd als sämtliche Autos auf der Welt zusammen. Auch die Vermeidung von Sprays (Haarspray, Deo etc.) hilft der Ozonschicht beträchtlich.

Natürlich können wir kleinere Autos mit spritsparenden Motoren und Hybrid-Technik fahren - möglichst auch lang-samer und damit umweltfreundlicher. Noch besser wäre natürlich die Fahrt mit der Bahn. Oder das im Haus benötigte Warmwasser mit Sonnenkollektoren oder Geothermie erzeugen. Vielleicht Öko-Strom aus Windkraftwerken und Wasserturbinen beziehen. Möglichkeiten, wie jeder Einzelne etwas für die Umwelt tun kann, gibt es Tausende. Und jeder kann darauf achten, möglichst wenig Müll zu erzeugen und diesen sachgerecht zu entsorgen, ohne die Landschaft damit zu verschmutzen.

== Gastronomie ==
Für die Verpflegung stehen zwei Angebote zur Verfügung. Da wäre zunächst das Café südwärts, das etwa in der Mitte der Route angesiedelt ist. Hier kann man vor allem erfrischende Getränke zu sich nehmen, aber auch eine Pause bei Kaffee und Kuchen einlegen. Der Softdrink (0,3 Liter) kostet 2,00 Euro, ein Stück Kuchen 2,30 Euro. Vor oder nach der Reise durch die Klimazonen kann man sich im Restaurant Längengrad stärken. Dort gibt es zusätzlich warme Gerichte wie Pizza oder Pasta zu erschwinglichen Preisen (ab ca. fünf Euro für ein Mittagessen). Man sitzt hier wie im Café in angenehmer Atmosphäre.

== Publikum ==
Die Besucher sind wirklich buntest gemischt, man trifft hier jeden. Vom Säugling bis zum Greis ist alles vertreten, ebenso alle Schichten der Bevölkerung vom Arbeiter bis zum Professor. Das Thema ist eben für alle interessant. Dabei überwiegen nach meiner Beobachtung jedoch gebildetere Menschen, die teilweise sogar aus weit entfernten Ländern angereist kommen.

== Fotos ==
Das Fotografieren ist grundsätzlich erlaubt, sofern es sich im privaten Rahmen bewegt. So wird auch munter mit Handies und kleinen Digicams herumgeknipst, teilweise sogar Videos gedreht. Die Reise um die Erde findet hier ja auch nicht in 80 Tagen, sondern nur wenigen Stunden statt. So kann man Urlaubsfotos aus Afrika oder der Antarktis schie-ßen, obgleich man real nie dort war.

Presse-Fotografen brauchen allerdings eine Genehmigung der Geschäftsleitung. Bringen Sie also besser keine profes-sionell wirkende Kamera mit Stativ, Tele-Objektiv, Blitzgerät und Fernauslöser mit, da Sie ansonsten mehrfach darauf angesprochen werden und sicherlich erklären müssen, daß die Fotos für den privaten Gebrauch sind. Am besten ist eine kleine Automatik-Zoomkamera mit leistungsstarkem, eingebautem Blitz. Und nicht vergessen, den Akku vorher voll zu laden, eine große Speicherkarte einzulegen und evtl. eine Ersatz-Batterie mitzunehmen.

== Personal ==
Ich kann über das Personal nur Positives berichten. Ausnahmslos alle Scouts, die für die Besucher-Betreuung zuständig sind, machten ihre Arbeit tadellos und waren sehr hilfsbereit und freundlich. Zu erkennen sind die Mitarbeiter/innen - insgesamt ca. 130 - an ihren schicken, lindgrün karierten Blusen. Es gibt auch wissenschaftliche Berater/innen und Techniker, die wohl überwiegend braun gekleidet sind. Allerdings können die Angestellten nicht überall sein und haben wohl jeweils recht große Bereiche zu betreuen. Von daher würde man sich schon an einigen Stellen noch zusätzliche Kräfte wünschen, zumal oftmals doch Erklärungsbedarf besteht.

== Vandalismus ==
Negativ aufgefallen ist mir das Verhalten einiger Besucher, die offensichtlich das Eigentum anderer als wertlos ein-schätzen und keine Erziehung genossen haben. Solche Leute gibt es leider zunehmend überall und sie meinen, die Welt gehörte ihnen und sie sei nur dazu da, von ihnen beschmutzt und zerstört zu werden. So gibt es unbelehrbare Kids, die nur darauf aus sind, alles abzureißen und zu zertrümmern. Oder ihre Kaugummis reinzustecken und Dinge zu beschmieren. Wenn dann noch die Eltern daneben stehen und das gutheißen oder sogar selbst noch helfen, etwas kaputt zu machen, verliere ich manchmal doch etwas die Contenance und werde verbal recht deutlich. Ist denn das Eigentum anderer in unserer Gesellschaft nichts mehr wert?

Ich kann als normaler Erwachsener einfach Vandalismus nicht dulden, da es allen schadet. So kann ich mich auch nicht zurückhalten, wenn ich sehe, daß andere etwas mutwillig zerstören. Würde doch nur jeder sich äußern, sobald ein anderer etwas kaputt machen will. Ich wünschte, diese in meinen Augen geistig Minderbemittelten würden zu Hause in ihrem Loch bleiben und die leeren Bierdosen auf den eigenen Fernseher werfen. Schade, daß es solche Gäste natürlich auch im Klimahaus gibt. Wenn man 12,50 Euro Eintritt bezahlt hat, erwirbt man in deren Augen offenbar auch das Recht, für 1.000 Euro Schaden anzurichten. So ist es nicht verwunderlich, daß einige der Experimente leider nicht funktionieren, da sie immer wieder beschädigt werden. Das ist aber nicht die Schuld des Klimahauses, das stets um einwandfreie Ausstellungsstücke bemüht ist und diese täglich repariert, sondern von einzelnen Besuchern, die sich wie Geistesgestörte aufführen. Das mußte ich einfach mal loswerden.

== Eignung für Familien ==
Für die ganze Familie ist das Klimahaus ein ideales Ausflugsziel. Gerade die Kinder sind hier nicht nur willkommen, sondern sie lernen auch jede Menge Dinge spielend, die man ihnen sonst nur sehr schwer erklären kann. Dabei sind für die Kids vor allem die Experimente in der Abteilung Elemente empfehlenswert und interessant. Allerdings sollte man sie dabei wirklich beaufsichtigen, denn einige Exponate sind sehr empfindlich und sollten nicht dem Ungeschick oder gar der Zerstörungswut von Kindern und Jugendlichen ausgesetzt werden.

== Eignung für Behinderte ==
Die ganze Anlage ist behindertentechnisch auf dem neuesten Stand, also wirklich behindertenfreundlich angelegt. Es gibt Aufzüge zu jeder Etage und auch einige Rampen. Behinderte folgen dem roten Globus, der ihre Route markiert. Alle anderen Gäste gehen die blaue Route. Dennoch gibt es natürlich einige Treppen oder enge Passagen, die für Geh-behinderte schlecht zu bewältigen sind. Man muß diese eben mittels Aufzug umgehen.

== Exit / Shop ==
Der Ausgang erfolgt über den Klimahaus-Shop. Hier kann man allerlei Experimente für zu Hause, die üblichen Sou-venirs vom Kugelschreiber über Anstecker bis hin zur Bekleidung und sogar Brett- und Computerspiele erwerben. Mein eigenes Spiel Elementar! würde hier sicherlich auch gut hinpassen, doch das ist ja noch nicht produziert. Die Preise für die teilweise wirklich tollen Exponate bewegen sich im Museumsüblichen Rahmen.

== Verbesserungs-Möglichkeiten ==
Da ich stets offenen Auges durch die Welt gehe, fällt mir natürlich auch vieles auf, das noch nicht perfekt ist. Auch das Klimahaus macht da keine Ausnahme. Ich hätte da schon noch einige Verbesserungs-Vorschläge - wobei sich einiges aber bereits in den ersten Tagen nach Eröffnung schon stark gebessert hat. Man muß dem Klimahaus, das unter starkem Zeit- und Kostendruck gebaut wurde, aber auch die Chance zur Entwicklung geben. Welche neu erbaute öf-fentliche Einrichtung ist denn schon nahe an der Perfektion?

Schnell ändern sollte man allerdings die momentan noch sehr provisorische Beschilderung / Besucherführung und auch ein paar potentielle Gefahrenpunkte sollten noch entschärft werden. Und was ich als informationssüchtiger Mensch doch immer wieder und fast überall bemängeln muß: es gibt keine Möglichkeit, zwischendurch mal ins Internet zu gehen, wenigstens um seine Mails abzurufen. Das kann sicherlich ganz leicht nachgebessert werden. Schließlich hält man sich ja in der Regel doch mehrere Stunden im Erlebnis-Museum auf. Auch ein öffentliches Telefon ist mir zumindest nicht aufgefallen (naja, hat ja auch fast jeder heute ein Handy).

== Weitere Entwicklung… ==
Gerade heutzutage, da die Flugreise als schlimmer Klimakiller erkannt wurde und man sich auch aus finanziellen Gründen wieder mehr auf den Urlaub in Balkonien zurückbesinnt, sind Erlebnis-Museen wie das Klimahaus ein Schritt in die richtige Richtung. Und wie es nach den ersten Wochen aussieht, auch ein materiell durchaus erfolgversprechender Schritt. Die logische Konsequenz daraus wäre, weitere Klimahäuser zu bauen, vielleicht sogar in jedem zivilisierten Land eines. Nächstes Klimahaus: London, Wien, New York oder Shanghai? Lassen wir uns mal überraschen.

Noch nirgendwo verwirklicht wurde meines Wissens auch der Gedanke, die ganze Welt in einem Erlebnismuseum vorzustellen - das Welt-Haus sozusagen. Es wäre doch toll, an einem Tag alle Kontinente erleben zu können, inklusive der Einheimischen in Landestracht und regionaltypischen Spezialitäten-Restaurants. Natürlich auch mit der Darstellung der dort typischen Umwelt-Probleme und dem Aufzeigen von Möglichkeiten, wie man helfen kann. Kein Disney-Park, sondern eine realistische Nachstellung der Wirklichkeit. Und falls die Welt ein zu großes Thema ist, dann vielleicht ein Kontinent. Jeder Erdteil hat mehr als genügend interessante Destinationen, die man in ein Erlebnis-Museum packen könnte.

== Fazit ==
Das Klimahaus 8 ° Ost ist neu, wichtig, richtungsweisend, einfach toll. Alle meine Besuche im Klimahaus waren sehr interessant und lehrreich. Ich habe viel Neues entdeckt und werde zukünftig wohl noch vorsichtiger mit der Umwelt umgehen, als ich dies ohnehin schon tue. Ich mache die Welt ein wenig guter war schon immer mein Motto. Wir haben nur eine Welt und können nicht in eine andere umziehen, wenn sie kaputt ist. Von daher halte ich das Klimahaus für eine prima Sache und kann jedem den Besuch (oder eher die Besuche) nur wärmstens empfehlen. Ich werde mit meiner Familie sicherlich noch öfters einen Ausflug dorthin unternehmen. Von daher natürlich von mir auch alle fünf möglichen Sterne. Und wenn sechs Sterne zu vergeben wären, dann wären es diesmal auch sechs!

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 13. August 2009
...
Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<


© 1994 - 2012 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics