„Thermen-Mobil…“

== Intro ==

Freiheit und Abenteuer. Man kann es quasi in sich hinein saugen. Und eine unausgesprochene Herausforderung: der Thermen-Urlaub mit dem Wohnmobil…

== Warum Wohnmobil? ==

Ich muß zugeben, der Gedanke an Urlaub mit dem Wohnmobil hat mich schon immer fasziniert. Ein fahrendes Hotelzimmer mit eingebautem Restaurant, das einen an die schönsten Plätze der Welt bringt. Kein Zwang, bis zu einer bestimmten Uhrzeit einzuchecken oder morgens um zehn das Zimmer geräumt zu haben. Keine Fahrpläne oder Abflugzeiten. Keine nervigen Nachbarn und auch keine Verpflichtung irgendwo zu bleiben, wo es einem nicht gefällt. Die Suche nach dem Hotelzimmer entfällt. Man kann quasi mitten in der Natur schlafen, ohne sich wie beim Camping mit Zeltaufbau und Luftmatratze herumplagen zu müssen. Auch von lästigen Stechmücken und Spinnen bleibt man im Wagen weitgehend verschont. Zudem sorgt die Klima-Anlage für Erfrischung im Sommer und wohlige Wärme in der kälteren Jahreszeit. Außerdem noch jede Menge Platz, um alle persönlichen Gegenstände wohl aufgeräumt mitzunehmen, auf die man auch unterwegs nicht verzichten möchte. Die ideale Art also, seine Ferien zu genießen. Schließlich praktizieren das schon Hunderttausende so - und ständig werden es mehr.

== Vorurteile? ==

Fährt sich das Ding nicht wie ein LKW? Ist man damit nicht an Campingplätze gebunden? Ist das nicht eng und schmutzig und die Betten unbequem? Und ist das nicht überhaupt viel zu teuer? Probieren geht über studieren. So begab ich mich mitsamt Familie auf die erste Wohnmobil-Tour meines Lebens. Naja, wenn es schief geht, können wir immer noch in einem Hotel übernachten, dachte ich. Unseren Neigungen entsprechend wurde es natürlich eine Bäder-Reise.

Üblicherweise besorgt man sich ein Gefährt in der Nähe des eigenen Wohnorts, aber man kann auch individuell zum Urlaubsgebiet reisen und dann vor Ort ins Wohnmobil umsteigen. Das hat den Vorteil, daß man zwei Tage Mietkosten sparen kann und schneller im eigentlichen Feriengebiet ist - aber man muß auch zweimal umpacken und die Anreise zahlen.

== Kaufen oder mieten? ==

Ein eigenes Wohnmobil, ganz auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt und nach eigenem Gusto dekoriert - das geht nur, wenn man sich zum Kauf entschließt. Aber vor dem Kaufen sollte man schon ein paar Erfahrungen gesammelt haben. Dann weiß man, was man eigentlich will. Schließlich ist das eine Anschaffung, die sich erst nach mehreren Jahren intensiver Nutzung rechnet. Schon die kleinsten „Mobile-Homes“ kosten ab 40.000 Euro Neupreis - nach oben hin offen. Für einen Zweitwagen eine Menge Geld. Als alleiniges Gefährt eignen sich Wohnmobile nur für Pensionisten, die damit ständig auf Reisen sind. Aber man muß auch nicht unbedingt neu kaufen, es gibt ja auch einen Gebraucht-Mobilmarkt. Und man kann sich auch problemlos solch ein Gefährt für ein paar Tage mieten. Ein Blick ins Internet genügt, schon kann man unter einer Vielzahl von Vermietern wählen.  

== Voraussetzungen ==

Der Mieter muß natürlich einen gültigen Führerschein besitzen, und zwar Klasse 3 oder B bzw. C1. Mieter und alle Fahrer müssen mindestens 21 Jahre alt sein. Die Fahrerlaubnis muß mindestens ein Jahr bestehen. Der Personalausweis ist außerdem vorzulegen. Der Wagen muß jeweils genau zum vereinbarten Zeitpunkt abgeholt und zurückgegeben werden, wofür man jeweils mindestens eine Stunde einplanen sollte.

== Die Qual der Wahl… ==

Es gibt eine große Auswahl von der „Easy-Class“ bis hin zur „Premium-Class“. Je nach Anzahl der Mitfahrer und Komfort gestaffelt. Die Motoren stammen meistens vom Fiat Ducato, vom Renault Master oder vom Mercedes Sprinter. Die Fahrzeuge sind in der Regel zwischen 5,50 m und 7 m lang, 2 bis 2,30 m breit (ohne Spiegel) und 2,50 bis 3,20 m hoch. Das zulässige Gesamtgewicht liegt meist bei 3.500 kg. Die Motoren sind normalerweise Diesel mit 100 bis 130 PS. Wir entschieden uns für ein Einsteiger-Modell der Kleinfamilien-Klasse, windschnittig und ohne Alkoven.

== Übernahme ==

Schließlich buchte ich das WoMo übers Internet. Beim Vermieter schauten wir uns das reservierte Einsteiger-Raumschiff erst mal genau an. Schon imponierend. Eine rollende Ferienwohnung, mit drei Betten und vier Sitzplätzen an Bord. Übrigens alles blitzblank sauber und neuwertig, wie in einem guten Hotel. Dazu noch eine kleine Küche, WC und Dusche. Ein Cockpit, das wie eine Mischung aus Reisebus, Limousine und Wohnzimmer wirkt, mit drehbaren Polstersesseln und Durchgang zum Wohnbereich. Eine Fahrertür gibt es nicht, man steigt von rechts ein. Riesige Außenspiegel ermöglichen gute Sicht nach hinten.

== Fahrvergnügen ==

Nachdem wir die Formalitäten erledigt hatten - also Personalausweis, Führerschein und Kreditkarte vorgelegt - ging es auf große Tour. Wir wählten Vollkasko-Versicherung (ganz wichtig gerade für Anfänger), bei uns mit 1.000 Euro Selbstbeteiligung. Vor der Abreise noch eine gründliche Einweisung in die Technik des Gefährts, denn mit den Besonderheiten wie Gasherd, Ausstellfenstern, Ver- und Entsorgung oder ausfahrbarer Eintrittsstufe sollte man vertraut sein. Und dann erst mal ein paar Runden auf dem Parkplatz drehen, um ein Gefühl für die Größe und Beweglichkeit des Wagens zu bekommen.

Die ersten paar Kilometer sind gewöhnungsbedürftig. Wie ein PKW fährt sich so ein Koloss natürlich nicht. Mit sechs Metern Länge, über zweieinhalb Metern Höhe und mehr als zwei Metern Breite sowie 120 Pferdestärken hatten wir eines der kleinsten Gefährte gemietet. Doch jeder Familienkombi ist da wesentlich kleiner und flinker. So muß man an den größeren Kurvenradius denken und an den längeren Überholweg. Beim Durchfahren von niedrigen Brücken oder unter Bäumen ist besondere Vorsicht geboten und zum Rückwärtsfahren oder Einparken sollte man immer einen Einweiser bemühen. Aber schon nach einer Stunde Fahrt fühlte ich mich hinterm Lenkrad richtig zuhause und wir glitten ganz entspannt über die Landstraßen. Mit bis zu 140 Kilometern Spitzengeschwindigkeit kann man auch auf der Autobahn recht zügig unterwegs sein, trotz hohen Gewichts und Dieselaggregat. Wesentlich ökonomischer und schöner ist es jedoch, mit vielleicht 80 bis 100 km/h durch die Gegend zu cruisen und die Landschaft zu genießen.

== Vorteile ==

Mit einem Wohnmobil ist man wirklich flexibel und hat kaum Einschränkungen. Außer den vor allem in Nordeuropa und Großbritannien sehr hohen Hotelkosten kann man sich auch den ebenso kostspieligen Restaurant-Besuch mit der Familie sparen. Schließlich hat das fahrende Zuhause auch einen vierflammigen Gasherd zu bieten und natürlich Kühlschrank und Spüle. So kann man unterwegs auch richtige Menüs zaubern und am ausklappbaren Tisch mit vier Sitzplätzen gemütlich speisen. Oder vielleicht auch draußen auf einer Wiese bzw. auf einer Bank am Wegesrand. Warmwasser und Heizung sind durch die Gas-Anlage ebenfalls sichergestellt, so daß man auch im Winter komfortabel reisen kann. So ist es kein Problem, quasi überall zu schlafen, zu kochen und sich zu entspannen, ganz unabhängig vom Wetter. Sogar einen Flachbild-Fernseher mit Satelliten-Empfang hatten wir an Bord und dank W-Lan-Internetanschluß bei meinem Laptop waren wir auch in der Natur nicht von der Welt abgeschnitten. Schön, wenn man sich nicht um einen leeren Akku sorgen muß, denn es gibt ja Steckdosen im und am Wohnmobil.

== Mobilität ==

Da man mit dem Wohnmobil nicht in enge Altstädte einfahren kann, bieten viele Vermieter auch die Möglichkeit, huckepack Fahrräder oder sogar einen Motorroller mitzunehmen. Dann ist es auch kein Problem, etwas weiter außerhalb zu parken und trotzdem mobil zu sein. Einige Wohnmobil-Plätze bieten zusätzlich auch den Verleih von Fahrrädern, Elektro-Rädern, Rollern oder sogar Kleinwagen an. Damit sind dann auch wirklich alle Sehenswürdigkeiten zu erreichen, die man mit dem Wohnmobil nicht direkt anfahren kann oder möchte.

== Tour-Planung ==

Wir waren mit verschiedenen Reiseführern zu den schönsten Wohnmobil-Stellplätzen ausgerüstet, so daß wir unsere Tour gut planen konnten. Darin ist auch immer aufgeführt, wie man das Navigationssystem füttern muß (inkl. GPS-Daten), bei wem man sich meldet und ob die Versorgung mit Frischwasser und Strom sichergestellt ist. Auch sollte man möglichst nicht erst abends den Platz anfahren - man will ja auch Gelegenheit haben, etwas in der Umgebung zu unternehmen und den Thermen-Besuch richtig zu genießen.

Natürlich kann man einfach ins Blaue fahren - doch eine gründliche Routen-Planung schon vor Fahrt-Antritt sichert erst den wirklich erholsamen Urlaub. So suchte ich erst mal die schönsten Thermal- und Erlebnisbäder in der Gegend heraus, markierte sie auf der Karte und verband dann schließlich zehn von ihnen zu einer gemütlichen Zwei-Wochen-Tour. Natürlich dürfen im Urlaub auch Altstadt-Bummel sowie Besuch von Ferienpark, Zoo und Museum im Ausflugs-Programm nicht fehlen. Anschließend ermittelte ich die jeweils nächstgelegenen Wohnmobil-Plätze und erkundigte mich nach Verfügbarkeit, Öffnungszeiten, Angebot und Preisen. Sinnvoll ist es allerdings, sich vor der Anfahrt zu erkundigen, ob noch Stellplätze frei sind und wann man kommen muß. Gerade die Parkmöglichkeiten an so beliebten Stellen wie Thermalbädern sind vor allem im Sommer schnell ausgebucht. In der Nebensaison hatten wir damit allerdings keine Probleme.

== Kosten ==

Je nach Größe und Ausstattung des rollenden Hotelzimmers sowie Saison zahlt man in der Regel zwischen 50 und 150 Euro Miete pro Tag. Hinzu kommt die einmalige Service-Pauschale für Übergabe und Einweisung, die meist zwischen 100 und 150 Euro beträgt. Der Verbrauch liegt zwischen 10 und 15 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Bei den meisten Wohnmobil-Stellplätzen zahlt man einen Obulus für die Ver- und Entsorgung, meistens zwischen 10 und 20 Euro pro Tag. Die Übernachtung auf einem Campingplatz (mit der Bequemlichkeit von Waschmaschine, Trockner etc.) kostet oftmals etwas mehr, ist aber immer noch billiger als die preisgünstigsten Hotelzimmer. Es gibt aber auch eine Menge kostenloser Parkplätze, die jedoch dann oftmals keine Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Erfreulicherweise haben auch viele Betreiber von Thermen und Erlebnisbädern die Kundengruppe der Wohnmobilisten erkannt und bieten eigene Parkplätze in unmittelbarer Nähe. Dann ist teilweise sogar der Eintrittspreis ins Bad mit im Stellplatz-Preis enthalten oder man bekommt andere Vergünstigungen wie beispielsweise die Kurtaxe inklusive.

Der Mietpreis für das Wohnmobil ist in der Regel mindestens 14 Tage vor Übernahme des Fahrzeugs komplett zu überweisen. Als Kaution sind zudem meistens einige Hundert bis zu über 1.000 Euro zu hinterlegen, wobei die meisten Vermieter bei Vorlage einer Kreditkarte (Visa / MasterCard / American Express) darauf verzichten. Bettwäsche, Überzüge und Bestecke / Geschirr sollte man mitbringen, sie sind meist nicht im Wagen. Vor Abschluß des Vertrages sollte man auf jeden Fall auch eine Reise-Rücktrittsversicherung abschließen, da ansonsten bei spätem Rücktritt oder Nicht-Abholung bis zu 100 % des Mietpreises fällig werden können. Zudem muß der Wagen auf jeden Fall vollgetankt sowie innen komplett gereinigt zurückgegeben werden, d. h. auch mit leerem Abwasser- und Fäkalienbehälter. Das Nachtanken oder Reinigen durch den Vermieter ist auf jeden Fall sehr teuer.

Wir zahlten für unsere „Activity-Class“ (2 ½ Personen) in der Nebensaison 67 Euro pro Tag plus 125 Euro Service-Pauschale einmalig, insgesamt also 1.059 Euro für 14 Tage an den Vermieter. Hinzu kamen die Diesel-Kosten von durchschnittlich 12 Euro pro 100 km und etwa 250 Euro Gebühren für die Stellplätze sowie Ver- und Entsorgung. Macht insgesamt runde 100 Euro pro Tag für drei Personen - etwa so viel, wie die Übernachtung in einem Mittelklasse-Hotel gekostet hätte. Dafür hatten wir aber viel mehr Spaß und haben auch noch ein paar Eintrittsgelder gespart…

== Fazit ==

Für mich und meine Familie gilt: gerne wieder. Das Wohnmobil vereint in hohem Maße Bequemlichkeit, Abenteuerlust sowie Freude an der Natur bei größtmöglicher Unabhängigkeit und überschaubaren Kosten. Schade nur, daß noch nicht alle Bäder einen guten Wohnmobil-Parkplatz in der Nähe haben.

== Literatur-Empfehlung ==

- „TopPlatz - ausgezeichnete Reisemobil-Stellplätze“, www.top-platz.de

- ADAC-Stellplatzführer

- Stellplatz-Atlas Europa: Bäder und Thermen, ISBN 10: 3905755149 / ISBN 13: 9783905755145

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 17. Juli 2011
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