Bäderreise durch die USA

Erlebnisbäder in den U. S. A.

Unbegrenzte Bade-Möglichkeiten ?

== Vorwort ==
An die explosionsartige Vermehrung der Spaß-, Freizeit- und Thermalbäder im deutschsprachigen Raum, die Anfang der 1970er Jahre einsetzte und immer noch anhält, hat man sich zwischenzeitlich gewöhnt. Nahezu jede größere Stadt unterhält mindestens ein freizeitorientiertes Bad und zumindest in Deutschland ist die Flächendeckung schon fast erreicht. Es gibt kaum noch weiße Flecken auf der Bäder-Landkarte. Binnen einer halben Stunde läßt sich wohl von jedem Ort aus mindestens ein Thermal-, Kur- oder Spaßbad erreichen. Die Abstände betragen in der Regel weniger als 50 Kilometer. Über 900 freizeitorientierte Bäder stehen den ca. 100 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum zur Verfügung, also mindestens eines je 120.000 Einwohner. Allein im Ruhrgebiet gibt es über dreißig Freizeitbäder. Ich habe mir die Frage gestellt, wie es wohl im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aussieht. Schließlich zeigen uns die amerikanischen Spielfilme doch immer wieder, wie weit uns der „große Bruder“ technologisch voraus sein möchte. Das Internet gibt aber nicht viel dazu her. Auch deshalb bin ich in den letzten zehn Jahren selbst mehrmals nach Amerika geflogen und habe mir dabei die Bäder-Situation vor allem im nördlichen Mittelwesten genau angeschaut.

== Erhebungs-Gebiet ==
Bei meiner Suche nach Freizeit- und Thermalbädern konzentrierte ich mich auf die Staaten westlich der „Great Lakes“ und östlich der „Rocky Mountains“, genauer gesagt auf die Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin, Iowa, North Dakota, South Dakota, Montana und Wyoming. Die Staaten des nördlichen Mittelwestens sind ca. 8.000 bis 11.000 Kilometer von Deutschland entfernt, der Zeitunterschied beträgt etwa minus sieben Stunden. Diese sieben Bundesstaaten haben zusammen eine Fläche von etwa eineinhalb Millionen Quadratkilometern, also mehr als viermal die Größe des wiedervereinigten Deutschlands. Auf dieser Fläche leben aber nur ca. 17 Millionen Menschen (in Deutschland ca. 82 Millionen Menschen auf 357.000 qkm).

Die Bevölkerungsdichte ist also im Vergleich mit Mitteleuropa sehr gering. Durchschnittlich nur etwa elf Menschen leben hier je Quadratkilometer (in Wyoming sogar nur zwei Menschen je Quadratkilometer). In West-Deutschland sind es im Schnitt etwa 225 Menschen, im Ruhrgebiet und in Berlin sogar bis zu 5.000 Einwohner je Quadratkilometer. Aus diesen Zahlen erkennt man leicht, daß die Gegend nur wenig industrialisiert ist. Landwirtschaft und Viehzucht herrschen hier vor und es gibt weite Flächen an Ödland. Mancherorts sind sogar die Rastplätze an den Highways über eine Fahrstunde voneinander entfernt („Next rest: 115 miles“), dazwischen verändert sich die flache Graslandschaft kaum.

Das heißt allerdings nicht, daß es keine Großstädte gäbe. Im Ballungsgebiet Minnesotas um die „Twin Cities“ St. Paul und Minneapolis wohnen fast vier Millionen Menschen, das ist mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung dieses Staates, der über zweieinhalb mal so groß ist wie Österreich. Auch Milwaukee in Wisconsin und Des Moines in Iowa sind Millionenstädte. Ansonsten sind im Mittelwesten aber eher kleine Ansiedlungen und Farmen vorherrschend, Mittelzentren gibt es nur wenige.

== Klima ==
Das Wetter ist kontinental geprägt, das heißt kurze, heiße Sommer und lange, kalte Winter mit viel Schnee und oft monatelangen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Es ist nicht ungewöhnlich, daß von November bis April Schnee liegt und im Grenzgebiet zu Kanada kann es Temperaturen bis 50 Grad Minus geben. Durch das vorwiegend flache Gelände gibt es im Winter wenig Möglichkeiten zum Skifahren. Nur in den westlichen Teilen von Wyoming und Montana findet man „richtige“ Berge. Allerdings kann man sich auch mit Ski-Langlauf oder Motorschlitten oder Eis-Fischen behelfen.

== Was kennt man? ==
Man könnte also meinen, daß es zumindest in den Ballungsgebieten ein gutes Angebot an Freizeitbädern geben müsse. Nachdem die Suche im Internet jedoch sehr enttäuschend ausfiel, fragte ich bei vielen Einheimischen nach. Resultat: der Name „Leisure Pool“, der in Großbritannien für Freizeitbäder geläufig ist, ist in den U. S. A. nahezu unbekannt. Bekannt sind die Namen „Swimming Pool“, „Sauna“, „Spa“ und vor allem „Waterpark“.

== Swimming-Pools ==
Bei „Swimming-Pools“ handelt es sich zumeist um private kleine Betonbecken als Anhang zu den Villen in den Gärten der südlichen Staaten. Fliesen leisten sich nur reiche Leute. Becken aus GFK sind relativ weit verbreitet, wohingegen Edelstahl-becken nahezu unbekannt sind. In den Nordstaaten gibt es Pools fast nur in größeren Hotels, Außenbecken existieren sehr wenige. Es gibt einige öffentliche Hallenbäder, die ausnahmslos auf Bahnenschwimmen ausgerichtet sind. Manchmal gibt es zusätzlich Sprungtürme, ganz selten kurze Halbschalen-Rutschen oder „Jacuzzis“ (Whirlpools).

Im kurzen Sommer unterhalten größere Gemeinden oft kleine Freibäder, d. h. meist ungeflieste Betonbecken ohne Wasser-Aufbereitung. Um Energiekosten oder Wasserqualität macht man sich in den U. S. A. wenig Sorgen. Oft wird das Wasser täglich abgelassen oder es gibt einen natürlichen, ständigen Durchfluß. Die Hygiene ist entsprechend. Zum Duschen empfehlen sich dringend Badeschuhe, die Toiletten benutzt man in den meisten Bädern am besten nur im Notfall. Die Eintrittspreise bewegen sich normalerweise zwischen drei und fünf Dollar je Tag. Weit verbreitet ist das Baden an öffentlichen Badeseen, die hygienisch nur weit außerhalb der Städte relativ unbedenklich sind.

== Saunas ==
Der Begriff „Sauna“ hat in Amerika keinen besonders guten Ruf mehr. Die meisten Amerikaner sind recht puritanisch erzogen und möchten sich nicht öffentlich ausziehen. Selbst „oben ohne“ im Freibad oder am öffentlichen Strand ist in fast allen Bundesstaaten verboten und vielerorts kann man sogar ins Gefängnis kommen, wenn man Kleinkinder nackt im eigenen Garten spielen läßt. So verwundert es nicht, daß die vielen Saunas, die es in den 1960er bis 1980er Jahren in Amerika gab, hauptsächlich von recht zweifelhaften Personen oder Ausländern betrieben wurden.

Die meisten öffentlichen Saunas dürfen nur in Badekleidung genutzt werden. Vielleicht auch deshalb entwickelten viele pri-vate Saunas sich zum Treffpunkt von Homosexuellen. Mit der AIDS-Welle, die in den U. S. A. sehr unerwartet und rigoros zuschlug, verschwanden die meisten Saunas. Die Gesundheitsämter schlossen sie einfach und es gab kaum Proteste dagegen. Heute gibt es nur noch ganz wenige öffentliche Sauna-Anlagen in Amerika - zumeist kleine, unattraktive Kabinen in Hotels oder privat.

== Spas ==
Der Begriff „Spa“ ist in Amerika sehr geläufig und bezeichnet nahezu alle künstlichen Gelegenheiten zum Schwimmen und Baden, aber auch Mineralquellen und Kurorte. Niemand weiß, ob er sich vom berühmten belgischen Kurbad ableitet oder eine Abkürzung für das römische „sanare per aquae“ (Gesundheit durch Wasser) ist. Die erste Erklärung ist jedoch die wahr-scheinlichere, da der Kurort Spa in Lüttich im 18. und 19. Jahrhundert der mondäne Badeort der westlichen Gesellschaft war und sich auch reiche Amerikaner hier die Klinke in die Hand gaben. Fragt man in den Vereinigten Staaten nach einem Spa, wird man zumeist an einen Pool in einem Hotel, Spielkasino oder Fitneßstudio verwiesen. Die Ausstattung und Hygiene ist jedoch mit der unserer Hotelpools selten vergleichbar.

== Wasserparks ==
Unserer Vorstellung eines Freizeitbades am nächsten kommt wohl der „Waterpark“. Es handelt sich dabei nahezu ausschließ-lich um Freibäder, die nur in den Sommermonaten geöffnet haben. Allerdings beschränkt sich das Baden zumeist auf ein Luftbad oder bestenfalls noch ein Wellenbecken. Die Becken dienen größtenteils nur als Auslauf für die „Tubes“ bzw. „Waterslides“ (Rutschen). Diese sind dann aber meist mehrfach und vielfältig vorhanden. Neben den Halfpipes und Turbo-Röhren gibt es auch richtige Wasser-Achterbahnen („Master-Blaster“), Surfbecken, Reifenrutschen, Trichter-Ausläufe und Bob-Rutschen. Es gibt „Waterparks“ in nahezu allen Bundesstaaten, sogar im äußersten Norden. Mit Ausnahme der heißen Südstaaten sind sie jedoch ausschließlich in der kurzen Sommersaison in Betrieb. Ich fand im Mittelwesten mehrere kleinere Wasserparks, die jedoch kaum an die für uns normalen Standards heranreichten.

Einige Wasserparks generieren binnen vier Monaten Betriebszeit weit über eine Million Gäste - und das bei Eintrittspreisen, die meist über zwanzig Dollar liegen. Die meisten und besten Wasserparks gibt es in Florida, Texas und Kalifornien. Insgesamt sind es in Amerika weit über 500. Fast alle sind in der „World Waterpark Association“ registriert. Die Homepage der WWA ist unter „www.waterparks.com“ zu finden.

== Spaßbäder ==
Meine Suche nach richtigen Freizeit- und Spaßbädern im Mittelwesten war leider nicht sonderlich erfolgreich. Nach umfang-reicher Recherche entdeckte ich den „Brooklyn Center Leisure Pool“ in Minneapolis, das einzige ganzjährige „Spaßbad“ in Minnesota. Vor dreißig Jahren erbaut, weist es noch eine recht gute Bausubstanz auf. Der „Olympic Pool“ mit einer Dimension von 50 x 16,33 m hat eine Wassertiefe von 90 bis 330 cm und verfügt über 6 Schwimmbahnen. Da es in Minnesota insgesamt nur vier Bäder mit 50-Meter-Becken gibt, wurde der „Brooklyn Pool“ früher vorwiegend von Schulen und Vereinen genutzt. Im tieferen Bereich gibt es Sprungmöglichkeiten mit zwei Einmeter- und einem Dreimeterbrett. Weiterhin ist ein kleiner Babypool vorhanden.

Zur Attraktivierung des Bades wurde vor siebzehn Jahren eine 50 Meter lange, offene Indoor-Rutsche aus GFK eingebaut, die ins Sportbecken mündet und damit leider auch Schwimm-Wettkämpfe unmöglich macht. Außerdem wurde das Hauptbecken gefliest und mit Überläufen aus Edelstahl ausgestattet. Sogar einige kleine Massagedüsen gibt es. Die Sauberkeit und der Erhaltungszustand des Bades sind für amerikanische Verhältnisse sehr gut, wenn auch die Qualität des 30 Grad warmen Wassers mitteleuropäische Normen nicht ganz erreicht. Die Duschen, Toiletten und Umkleiden sind sauber, aber nicht be-sonders einladend. Vergleichbar mit den sanitären Anlagen in Armee-Kasernen.

Ähnlich wie in vielen britischen und skandinavischen Bädern gibt es im „Brooklyn Pool“ eine Saunakabine, die zentral zwi-schen den Umkleiden für Damen und Herren angeordnet ist. Sie darf kostenfrei von erwachsenen Damen und Herren in Be-kleidung genutzt werden. Und Bekleidung bedeutet, daß durchaus auch T-Shirt, lange Trainingshosen und Turnschuhe zum Schwitzen in der etwa 80 Grad warmen Trockenkabine angezogen werden. In Europa unvorstellbar, aber in Amerika eine Selbstverständlichkeit. Die Sitzbänke sind gekachelt, Aufgüsse gibt es nicht. Insgesamt hinterließ der „Brooklyn Leisure Pool“ aber einen recht guten Eindruck, wenn man ein Sportbad und kein Spaßbad erwartet. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 5 Dollar, inklusive Nutzung von Rutsche, Fitneßraum und Saunakabine. Für Amerika ist das ein sehr akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sicherlich gibt es hier vor allem für den langen Winter noch einen enormen Bedarf an Erlebnis- und Thermalbädern, aber noch niemand hat sich herangewagt. Und das, obwohl die Amerikaner an hohe Eintrittspreise gewöhnt sind und die Kosten für Grundstücke, Energie, Wasser und Steuern im Vergleich zu Europa sehr niedrig sind. Lediglich die Personalkosten sind ähnlich hoch wie in Mitteleuropa. Es gibt jedoch keine ausgebildeten Schwimm-Meister. Der Beckendienst wird fast ausschließlich durch freiwillige Helfer der Rettungsdienste („Life Guards“), die ähnlich wie die deutsche „D. L. R. G.“ organisiert sind, wahrgenommen. Witzigerweise tragen sie auch in kleinen Bädern immer ihre roten Rettungsschiffchen aus Styropor mit sich herum, so wie man es aus der Serie „Bay-Watch“ kennt. Auf Sicherheit wird in den U. S. A. Wert gelegt, ähnlich wie in Großbritannien. Es sind stets Rettungsschwimmer zu sehen, weitaus mehr als bei uns. In der Regel allerdings nicht vom Kaliber einer Pamela Anderson.

== Health-Clubs ==
Obwohl man es den meisten Amerikanern nicht unbedingt ansieht, ist das Gesundheitsbewußtsein hier stellenweise sehr aus-geprägt. So gibt es allenthalben große Fitneß-Studios, die oft auch einen Swimming-Pool unterhalten. Diese „Athletic-Clubs“ oder „Health-Clubs“ sind meist an Hotels oder Sportzentren angegliedert. Der Monatsbeitrag beträgt im allgemeinen um 100 Dollar. Die größte Anlage dieser Art in Minnesota ist das „Recreation Center“ der Universität von Minneapolis, um 1990 er-baut. Hier gibt es außer etlichen Courts für Tennis, Badminton, Squash und unzähligen Trainingsgeräten auch ein „Aquatic Center“. Dieses besteht aus einem „Natatorium“ mit 50-Meter-Becken („Olympic-Pool“) und 8 Bahnen, 210 cm tief. Optimal für Wettkämpfe, zumal riesige Tribünen vorhanden sind. Weiterhin sind ein großes Sprungbecken mit respektablem Turm (3 Bretter und 6 Plattformen bis 10 m Höhe) sowie zwei kleinere Familienbecken („Cooke 10“ und „Cooke 15“) im Angebot.

Der Spaßfaktor geht jedoch gegen Null, wenn man vom Sprungturm einmal absieht. Auch hier sind Sauberkeit und Bausub-stanz sehr gut. Allerdings nur auf recht niedrigem Niveau, denn wie überall in Amerika wird vor allem einfach und preiswert gebaut. Die Eintrittskarte kostet auch hier fünf Dollar für den Tagesgast inklusive Fitneß. Die Zeiten für öffentliches Schwimmen sind allerdings sehr stark eingeschränkt und wechseln ständig.

Kleinere Schwimmbecken gibt es beispielsweise auch bei zahlreichen Niederlassungen von „YMCA“ und „YWCA“, den Ju-gendorganisationen in den U. S. A. Uns haben auch die gepflegten Sportbecken im „Target-Sports-Center“ und im „Hyatt Regency Club“ ganz gut gefallen. Alle diese jedoch sind, wie gesagt, nur zum Bahnenschwimmen geeignet und maximal 25 x 12,50 m groß.

== Thermalbäder ==
Nicht ganz so schlecht wie bei den Freizeitbädern sieht es bei den Thermalbädern aus. Es gibt ein paar davon, auch wenn man lange und sehr gründlich danach suchen muß. Fünf von ihnen konnte ich auf meiner Familienausflugs-Tour von Minnesota in Richtung „Yellowstone N. P.“ entdecken. Leider alle in kleinen, wenngleich traditionsreichen Kurorten, die per Auto schlecht erreichbar sind. Sicherlich gibt es noch ein paar mehr davon und vielleicht schickt mir auch einer der Leser dieses Berichtes mal Prospekte zu…

Eines der ältesten Bäder in Amerika ist das „Evans Plunge“ in Hot Springs, South Dakota, nicht weit von den sehenswerten Nationalparks „Badlands“ und „Wind Cave“ entfernt, eine Stunde Autofahrt südlich von Rapid City (Mount Rushmore). Der kleine Kurort zog wegen seiner warmen Quellen schon vor Tausenden von Jahren Menschen und Tiere an, wie die Ausgra-bungen von gigantischen Mammuts und Steinzeitmenschen beweisen. Das Badehaus „Evans Plunge“ besteht seit Ende des 19. Jahrhunderts, wurde jedoch in den 1960er Jahren durch einen Neubau ersetzt. Erwarten darf man jedoch für die etwa 20 Dollar Eintritt kein Kurbad europäischen Zuschnitts. Spätestens in den Umkleiden wird Ihre Euphorie über das Finden des Bades verschwinden. Man findet rostige „Lockers“ (Metall-Spinde), die für jedes Schließen vier „Quarters“ (einen Dollar) verschlingen (und behalten), schmutzige Toiletten und erbärmliche Reihenduschen.

Auch der Schwimmbereich ist nicht gerade einladend zu nennen. Es gibt nur ein ungefliestes Betonbecken mit den Abmes-sungen 35 x 12 Meter, das sich zum Schwimmen nur bedingt eignet. Die Wassertiefe beträgt etwa 150 cm und der Boden be-steht aus großen Kieselsteinen. Ähnlich wie im alten Kurbad im österreichischen Villach wird das Becken von einer unterir-dischen Quelle gespeist, über der das Becken errichtet wurde. Die Wassertemperatur beträgt im Sommer etwa 28 bis 30 Grad.

Ein Teil des Beckens ist als Kinderbecken mit 32 bis 34 Grad abgetrennt, eine offene Indoor-Rutsche schlängelt sich durch die Halle. Weiterhin gibt es eine kleine Turbo-Rutsche. „Floatables“ (Plastik-Wassertiere) in Krokodil-Gestalt schwimmen im Becken und es gibt eine Hangelstrecke mit Ringen quer über das Becken (die aber nur sehr geübte Sportler schaffen, ich habe jedenfalls jämmerlich versagt). Damit wäre die Ausstattung schon umfassend beschrieben. Im Sommer kommt noch ein klei-nes Außenbecken dazu, in das eine weitere Rutsche einmündet.

Und es gibt auch einen „Sauna“-Bereich, der aus Dampfbad, Tauchbecken und Whirlpool (tägliche Neufüllung) sowie einem kleinen Fitneßraum besteht. Dafür sind allerdings weitere fünf Dollar zu zahlen. Da es auch keine Liegen und Stühle gibt, verläßt man das Bad im Allgemeinen schnell wieder. Das „Evans Plunge“ ist übrigens mehrfach ausgezeichnetes Mitglied der „WWA“ und hat über 500.000 Besucher jährlich zu verzeichnen. Und das in einem Ort mit vielleicht 20.000 Einwohnern weit abseits der Großstädte. Uns gefiel der kleine Geschenkladen im Foyer noch am besten. Unvorstellbar, daß die Gäste auch hier gleich Busseweise angefahren kommen. Errichtete man an dieser Stelle ein modernes Thermalbad wie die „Claudius-Thermen“, die „Therme Erding“ oder die „Carolus Thermen“, könnte man sicherlich auch fünfzig Dollar Eintritt nehmen - und die Besucher würden immer noch gerne Schlange stehen. Es gibt in Hot Springs übrigens noch ein weiteres Badehaus, das „Springs Bath House“, das jedoch wesentlich kleiner ist und als privates „Kurbad“ betrieben wird.

== Thermopolis ==
In Wyoming, dem neuntgrößten, aber bevölkerungsärmsten Bundesstaat der U. S. A., befinden sich die weltberühmten Nati-onalparks „Grand Teton“ und „Yellowstone“. Hier, am Ostrand der Rocky Mountains, gibt es Tausende von heißen Quellen und Geysiren.

So verwundert es nicht, daß auch in der etwa hundert Meilen entfernten Kleinstadt Thermopolis heiße Quellen sprudeln. An-geblich gibt es hier die „weltgrößten heißen Mineralquellen“ (Naja, die Amerikaner neigen gerne zu Übertreibungen). In dem kleinen Kurort befinden sich gleich drei Thermalbäder, alle direkt nebeneinander und von den „hot springs“ gespeist. Das „public state bath house“ ist nicht besonders erwähnenswert, denn es bietet nichts anderes als ein paar kleine Warmbecken ohne Highlights. Man kann ohne Übertreibung sagen, es sei eine nach Schwefel riechende Suhle für Senioren.

Für jüngere Gäste ausgelegt ist das „TeePeeSpa“. Hier gibt es gleich zwei Großrutschen, beide offene Halfpipes, eine davon innen. Die Becken bestehen aus ungefliestem Beton, eine Wasseraufbereitung existiert auch hier nicht. Dafür kann man aber im Außenbecken 50 Meter am Stück schwimmen. Und es gibt eine Dampfgrotte, Massage und Fitneßraum.

20 Dollar Eintritt pro Person für ein sehr bescheidenes Schwimmvergnügen sollten einen nicht mehr schocken, zumal nach Hunderten von Meilen Anfahrt durch eine heiße, wüstenartige Landschaft. Die kuppelförmige Holzdach-Konstruktion („gol-den dome“) war vor vierzig Jahren sicherlich eine Attraktion und die Toiletten und Duschen waren zu dieser Zeit auch noch neu. Immerhin gibt es eine riesige Liegewiese und sogar ein paar Liegestühle.

Das größte Thermalbad im weiten Umkreis ist das „Star Plunge“. Es ähnelt dem „TeePeeSpa“, wurde jedoch ein paar Jahre später errichtet. Auch hier besteht das Publikum fast nur aus Jugendlichen und Familien. Es gibt neben dem Innen-Schwimmbecken auch zwei Hot-Whirlpools, ein Warmbecken (je 36 Grad) und ein Kinderbecken. Die Länge der Innen-Röhrenrutsche beträgt immerhin 85 Meter. Sogar eine Felsen-Dampfgrotte und ein altertümliches Solarium (8 Dollar Gebühr) sind vorhanden. Weiterhin gibt es eine Snackbar, einen Geschenkladen, Spielzimmer und Fitneßraum.

Der Außenbereich wartet ebenfalls mit einem riesigen 50-Meter-Schwimmbecken auf, das sogar tief genug ist, ein Drei-Meter-Brett zu beherbergen. Außerdem gibt es eine Kinderrutsche (15 m) und die „Super Star 500“, eine Hangrutsche mit 166 Metern Länge (500 Fuß). Die technischen und hygienischen Standards sind jedoch wie in fast allen besuchten amerikanischen Bädern eher bescheiden.

== Schlußbetrachtung ==
Es ist sehr schade, daß in einem so hochentwickelten Land wie den U. S. A. die Badekultur weitestgehend auf dem Stand der 1960er Jahre stehen geblieben ist. Wer wegen der Bäder nach Amerika reist, wird sicherlich enttäuscht sein. Ausnahmen sind nur die neueren Wasserparks wie in Orlando (Disney-World etc.). Freizeit- oder Spaßbäder wie in Mitteleuropa üblich gibt es hier so gut wie überhaupt nicht. Ebenso sind keine vernünftigen öffentlichen Sauna-Anlagen vorhanden (außer vielleicht in manchen Luxus-Hotels, wie z. B. in Las Vegas). Die Thermalbäder, die hier regen Zuspruch finden, würden in Westeuropa vom Gesundheitsamt überhaut nicht zugelassen werden oder nach wenigen Tagen wegen Besuchermangels schließen müssen. Kurbäder existieren ebenso wenige. Die vielzitierte „Wellness-Welle“, die angeblich von Amerika aus ihren Siegeszug um die Welt antrat, beschränkt sich lediglich auf einige Fitneß-Center, vorwiegend in Kalifornien und Florida, sowie ein paar Dutzend sehr teure, private Wellness-Resorts.

Dabei gibt es hier einen riesigen Markt von etwa 250 Millionen Menschen, der förmlich nach Befriedigung schreit. Und in Amerika ist man an hohe Preise für Dienstleistungen und Freizeiteinrichtungen gewöhnt. Würden Sie für eine halbe Stunde Parken 6 Euro bezahlen? Im Stadtzentrum von Minneapolis ist das tagsüber ein normaler Tarif. Und oftmals muß man sogar noch auf einen freien Platz warten. Parken in der Nähe des Stadions während eines Spiels der „Minnesota Vikings“? Umge-rechnet 20 Euro Gebühr! In Deutschland würden die Autofahrer einen Herzinfarkt erleiden. In amerikanischen Großstädten hingegen ist man froh, wenn man nicht abgeschleppt wird oder wegen Falschparkens ein Ticket von bis zu 250 Dollar (!!!) Verwarnungsgeld an der Scheibe klebt.

Man erntet ungläubige Blicke, großes Erstaunen und sehr reges Interesse, wenn man von der europäischen Bäderlandschaft berichtet. Der einhellige Tenor der Zuhörer beim Vorzeigen von Prospekten lautet: „Is that really true? That´s so exciting!“. Es ist wohl so, daß sich die meisten Amerikaner einfach nicht vorstellen können, daß es im Ausland etwas Besseres als in ihrem vorbildlichen Heimatland geben könnte - so lange sie es nicht gesehen haben. Aber nur vergleichsweise wenige Amerikaner reisen nach Europa und Auslandsberichte im Fernsehen gibt es kaum. Man darf gespannt sein, wann endlich der erste Investor aufwacht, um in diesem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ die Dollars zu scheffeln. Etwa 30 Millionenstädte bieten sich als hervorragend geeignete Standorte an. Ein wirklicher Zukunftsmarkt, der weitaus bessere Perspektiven bietet als die meisten Bäder-Neubauten in Mitteleuropa.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa, 01. Oktober 2010
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