Bäderreise durch Frankreich

"Reise zu den Kurbädern im Osten Frankreichs"

== Vorwort ==
Nachdem mein Bericht über meine Bädertour durch Bosnien auf eine überaus gute Resonanz gestoßen ist, habe ich mich ent-schlossen, auch Berichte über andere meiner Bäderreisen zu veröffentlichen. Diesmal geht es um eine Reise, die wir vor zwei Jahren gemacht haben. Es ging los im Saarland, über Luxembourg durch Lothringen und Elsaß über alle renommierten ost-französischen Kurorte und die Avergne bis hinunter zur Cote d´ Azur und wieder zurück durch die Alpen.

== Das Land der berühmten Wässer ==
Frankreich pflegt schon seit Jahrtausenden eine facettenreiche Bade-Tradition. Vor allem in den ehemaligen Vulkangegenden sprudeln viele natürliche Thermalquellen, die zumeist reich mineralisiert sind. Allein in der Auvergne gibt es heute elf Kurbäder. Insgesamt bietet Frankreich mehr als 1.200 Heilquellen und 105 Heilbäder. Weltweit liegt Frankreich in der Schüttung von Thermalwasser hinter Island und Ungarn immerhin auf Platz drei.

== Geschichte ==
Die Heilkraft der Quellen war bereits bei den gallisch-keltischen Stämmen vor über 5.000 Jahren bekannt. Mit der Eroberung Galliens durch die Römer entstanden vor allem im Süden des Landes viele große Thermen, deren Fragmente teilweise noch heute zu besichtigen sind. Viele der an den Tafeln der Reichen und Schöngeister beliebtesten Mineralwasser kommen aus Frankreich. Die Wasser von Vichy, Vittel und Evian - um nur einige zu nennen - sind weltbekannt und werden in den besten Restaurants getrunken. Gründe genug also, eine kleine Visite im Osten der Republik zu machen, wo sich die meisten re-nommierten Kurorte Frankreichs befinden. Die Namen der Mehrzahl der Kurorte enden übrigens mit „-les-Bains“, was so viel wie „Bad“ bedeutet.

== Anméville ==
Wir beginnen unsere Reise im luxemburgischen Staatsbad Mondorf-les-Bains und fahren nach Lothringen, einer noch stark industriell geprägten Region im Norden. Über Contz-les-Bains (nichts Bedeutendes entdeckt) und Sierck-les-Bains (Kurhaus) gelangen wir nach Amnéville-les-Thermes bei Metz. Hier befindet sich seit 1996 „Thermapolis - la cité de l´eau“, ein modernes Thermalbad mit futuristischem Design. Die lagunenförmigen Innenbecken mit 35 ° warmem Thermalwasser werden überspannt von einer hellen, freitragenden Holzdach-Konstruktion. Ägyptische Dekor-Elemente mit Felsen und Tempelfas-saden lockern die Atmosphäre auf. Finnische Saunas und Hammam sind ebenfalls im Angebot.

== Nancy ==
Weiter geht nach Nancy, das nicht nur mit der prachtvollen Stadtmitte des Herzogs Stanislas glänzt, sondern auch seit fast 100 Jahren eine Schwimmhalle mit olympischen Dimensionen besitzt (50 m lang, 7 Bahnen). Das „Nancy Thermal“ bietet weiterhin direkt nebenan ein ebenso altes Jugendstil-Kurbad mit sehr schöner Kuppeldach-Konstruktion.

== Vittel ==
An Toul vorbei führt die Autobahn - übrigens fast überall in Frankreich gebührenpflichtig - in die Vogesen zu den Kurorten Vittel und Contexéville, die beide wegen ihrer Mineralwasser weltbekannt sind und praktischerweise direkt nebeneinander liegen. Es gestaltete sich recht schwierig, in Vittel das Kurbad zu finden, denn es liegt versteckt im Kurpark hinter dem Spielcasino. Das imposante Kolonnaden-Gebäude bietet jedoch nur Kur-Einrichtungen ohne größere Beckenanlagen und ist für Touristen nicht zugänglich. Genießen Sie also den Schluck Heilwasser aus einer der beiden prächtig gefaßten Quellen. Ansonsten liegen die Glanzzeiten von Vittel schon einige Jahre zurück, wie mehrere verfallende Riesen-Hotels und die ver-lassene Innenstadt anschaulich dokumentieren. Da hilft es auch nicht viel, daß der „Club Med“ touristische Anlagen über-nommen hat, u. a. Freibad und Hotels.

== Contrexéville ==
Auch Contrexéville hat wohl schon bessere Zeiten gesehen. Hier findet man das großzügige Art-Deco-Kurhaus mit schönen Glasmosaiken und dem herrlichen Quellentempel direkt in der Ortsmitte und bekommt ebenfalls nur als Kurgast Zutritt. Das wohlschmeckende stille Wasser wird bei uns unter dem Markennamen „Contrex“ vertrieben. Die Kur steht in Frankreich üb-rigens noch hoch im Kurs und dauert in den Staatsbädern in der Regel drei Wochen. Wie wir im Laufe unserer Reise feststellen mußten, stehen die meisten Kureinrichtungen unter staatlicher Regie und sind fast nur auf Massagen und Rehabilitations-Maßnahmen bei Rheumatismus, Hautbeschwerden, Frauenleiden, gynäkologischen Beschwerden, neurologischen Krankhei-ten etc. ausgerichtet. An Becken stehen fast immer nur kleinere Therapie-Bassins mit Massagedüsen zur Verfügung. Bedeu-tende Mineralquellen gibt es auch in Martigny-les-Bains, zehn Kilometer von Contrexéville entfernt.

== Bains-les-Bains ==
Von Contrexéville aus sollte man die einstündige Fahrt nach Bains-les-Bains (frz. für Baden-Baden) unternehmen. Diese führt an der Saône-Quelle vorbei durch eine landschaftlich reizvolle Gegend. In Bains-les-Bains gibt es elf Quellen mit Tem-peraturen von 25 bis 51 ° Celsius und zwei Kurbäder. Historisch interessant ist das hohe Gebäude des „Bain de la Promende“ von 1930, im typisch bombastischen Stil dieser Zeit - mit schöner Illumination. Noch sehenswerter sind jedoch die „Bains Romains“, auf den Ruinen der antiken römischen Bäder im romanischen Stil errichtet und von sieben Mineralquellen gespeist. Das flache Gebäude in der Ortsmitte kann verfügt über sehr schöne Innenräume und kann auch alle drei Wochen von Touristen besichtigt werden. Nicht verpassen sollte man auch den Besuch des Kurparks mit der „Fontaine du Million“. Wenn Sie einen Vormittag Zeit haben, können Sie das Angebot „Therm` découverte“ wahrnehmen, das vier Matinée-Behandlungen vorsieht.

== Pombières-les-Bains ==
Etwa zwanzig Kilometer entfernt befindet sich der Kurort Pombières-les-Bains. Das feudale Kurbad verfügt ebenfalls über zwei Thermalbäder. Dabei sind die „Bains Impériaux“ auf römische Einflüsse zurückzuführen, wohingegen die „Thermes Napoléon“ unter der Regie des Bäder-Liebhabers Napoléon III. um 1870 entstanden. Auch in Plombières-les-Bains gibt es ein Schnupper-Angebot, das verschiedene Schönheits-Anwendungen an zwei Tagen inklusive Übernachtung ab 72 Euro pro Person umfaßt. Am Stadtrand gibt es noch die „Fontaine Stanislas“ zu bewundern.

== Luxeuil-les-Bains / Bourbonne-les-Bains ==
Etwa eine halbe Stunde Fahrt südlich sowohl von Bains-les-Bains als auch von Plombières-les-Bains liegt der ebenfalls re-nommierte Badeort Luxeuil-les-Bains. Im Kurpark befinden sich die Fontaine du Miroir und die Fontaine Leclerc. Komplet-tiert werden die Vogesen-Bäder durch den Kurort Bourbonne-les-Bains, der etwa eine Fahrstunde westlich von Luxeuil liegt. Dort badet man in den Wassern der Source Maynard im Kurhaus am Lac de la Mezelle.

== Dijon ==
Auf dem Weg zu unserer nächsten Bäderregion, der Auvergne, machten wir in Dijon Zwischenstation. Hier findet man eines der wenigen echten Ganzjahres-Spaßbäder der Republik. Schon vor etwa 15 Jahren entstand in Dijon als Ergänzung zum „Centre Commercial La Toison d ´ Or“ der Parc Aquatique „Oxygéne“. Ein Konzept, das aus heutiger Sicht sehr problematisch ist, denn nahezu alle Spaßbäder, die bei Einkaufszentren entstanden, mußten schon nach kurzer Betriebszeit wieder aufgegeben werden. Beispiele hierfür sind das „Aquadrom am Weserpark“ in Bremen, das „Aquadrom am Ruhrpark“ in Bo-chum, das „Tropamare“ in Dortmund, das „Freizeitbad im Gildenhof“ in Essen, der „City-Club Vienna“ in Vösendorf bei Wien und auch der „Nautiparc“ im französischen Chambéry.

Der offensichtliche Mißerfolg all dieser durchaus großen und attraktiven Bäder liegt wahrscheinlich zu einem großen Teil darin begründet, daß der potentielle Gast sich nicht dem Badevergnügen hingeben möchte, während die frisch gekauften Tiefkühlwaren im Kofferraum auftauen. Das „Oxygéne“ in Dijon hat jedoch bis heute überlebt, wenngleich mit Zugeständ-nissen. Außerhalb der Ferienzeiten ist das komplette Badeland nur Mittwochs und am Wochenende geöffnet. Das Angebot ist dabei recht ansprechend, denn es gibt u. a. ein Hallen-Wellenbecken, zwei Riesenrutschen, Lazy-River und ein Außenbecken.

== Honoré-les-Bains / Bourbon-Lancy ==
Zum „Coeur de la France“, dem Herzen Frankreichs, wie die Vulkangegend und Bäder-Region Auvergne mit ihren elf Ku-rorten sich gerne nennt, sind es von Dijon aus noch mehrere Stunden Fahrt. Da die „Route de Soleil“, die Nord-Süd-Autobahn, ca. 150 km von der „Terre de Santé“ entfernt ist, muß eine längere Landstraßenfahrt in Kauf genommen werden. Allerdings fahren sich die Überlandrouten in der Provinz relativ gut, denn es gibt recht selten zeitraubende Ortsdurchfahrten und Ampeln - obgleich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 90 km/h liegt und vor allem in den Ferien viele seeeehr teure Radarfallen auf die Touristen lauern. Auf dem Weg nach Moulins im Norden der Auvergne kann man mit kleinen Umwegen die schönen Kurorte Saint Honoré-les-Bains und Bourbon-Lancy besuchen, die jeweils eine „Station Thermale“ besitzen.

== Bourbon-l´Archambault ==
Zwanzig Kilometer westlich von Moulins liegt das malerische Städtchen Bourbon-l´Archambault mit einer mittelalterlichen Festung. Über den römischen Thermen entstand in 1880 ein neues Badehaus im Stil des Art Déco. Trotz steter Modernisierung hat sich das Kurhaus den Charme des Jugendstils erhalten.

== Néris-les-Bains ==
Etwa vierzig Kilometer südwestlich davon befindet sich Néris-les-Bains. Auch hier sind die Thermen ein historisches Mo-nument auf römischen Grundmauern. Das aktuelle Bad datiert von 1858 und wurde in 1999 komplett modernisiert.

== Evaux-les-Bains ==
Auch Evaux-les-Bains, an der Grenze der Auvergne zum Limousin am Fluß Tardes gelegen, ist ein malerisches altes Städtchen mit sehenswerten Baudenkmälern, wie der Kirche aus dem 12. Jahrhundert oder zwei Schlössern. Im Gegensatz dazu steht die moderne Therme mit ihrer geradlinigen Architektur. Ein Teil des alten Kurhauses wurde allerdings in die Neugestaltung eingebunden.

== Châteauneuf-les-Bains ==
In Châteauneuf-les-Bains finden sich 25 Quellen in einem Radius von drei Kilometern, die zwischen 11 und 36 ° warm sind. Der kleine Ort am Fluß Sioule versteht sich als Zufluchtsort für Natur-Liebhaber, speziell für Angler und Kanuten.

== Vichy ==
Dem wildromantischen Flußtal der Sioule folgend gelangt man über Gannat nach Vichy, der vielleicht bekanntesten Mine-ralwasser-Stadt der Welt. So stand jahrzehntelang der Begriff „Vichy-Wasser“ auch in Deutschland für ein stilles Mineral-wasser höchster Qualität. Der alte und doch moderne Kurort an der Allier ist absolut auf die Bedürfnisse der staatlich verord-neten Kurgäste ausgerichtet. Es gibt hier ein riesiges altes Badehaus, das „Centre Thermal des Dômes“, das außerdem ein Hotel beherbergt. Ebenso nur auf Kurgäste ausgelegt ist das große, moderne Kurhaus „Thermes de Callou“ von 1990. Dieses ist per Skyway ebenfalls mit einem guten Hotel verbunden. Als Day-Spa für gutbetuchte Touristen steht das „Les Celestins“ zur Verfügung, ein modernes Schwimmbad mit Fitneß-Studio, Cardio-Training, Jacuzzi (Whirlpool), Saunas und Hammam. Schade nur, daß man auch in dieser weltoffenen, relativ großen Stadt keine echte Therme mit großzügiger Bade- und Sauna-landschaft gebaut hat. Im Centre des Domes kann man allerdings als Schnupper-Angebot eine vierhändige Massage inklusive Zutritt zu Sauna und Hammam zu 25 Euro erhalten. Das ist wirklich günstig.

== Châtel-Guyon ==
Etwa dreißig Kilometer südwestlich von Vichy liegt die Stadt Riom mit mindestens vier sehenswerten Kirchen und dem Vorort Châtel-Guyon. Hier findet man die Thermen 1. Klasse im erst 2004 frisch renovierten Hotel Splendid am Kurpark. Ebenfalls am Park befinden sich die „Thermes Henry“, ein modernes Kurbad 2. Klasse. Im benachbarten Volvic, wo ebenfalls ein bekanntes Tafelwasser herkommt, gibt es bislang jedoch kein Kurbad.

== Royat-Chamalières ==
Weitere 20 km südlich, am Westrand der Industrie-Großstadt Clermont-Ferrand, liegen die Thermen von Royat-Chamalières. Außer dem Besuch des Kurbades sollte man hier unbedingt auf den Gipfel des Berges Puy de Dôme fahren, wo man den an-tiken Temple de Mercure findet. Nicht weit entfernt befindet sich auch der Erlebnispark „Vulcania“, wo in aufregender Art und Weise die Geschichte und Funktion des Vulkanismus dokumentiert wird - einzigartig in Europa. Die Vulkankegel der Auvergne sind übrigens auch heute noch ein sehr imposantes Naturdenkmal und eine eigene Reise wert.

== La Bourboule ==
Westlich davon, im romantischen Flußtal der Dordogne, befinden sich drei weitere Kurorte. La Bourboule besitzt mit den „Grands Thermes“ ein historisches Kurbad im Stil eines Tempels, das erst kürzlich in sechsjähriger Arbeit restauriert wurde.

== Le Mont-Dore ==
In Le Mont-Dore wurde in 1823 eine Therme auf den Grundmauern des römischen Bades errichtet. Der neo-byzantinische Architekturstil mit vielen schönen Gemälden und Mosaiken wurde bei der sorgfältigen Renovierung beibehalten.

== Saint Nectaire ==
Saint Nectaire schließlich hat neben den beiden Wasserfällen auch noch viele Überreste der keltischen Besiedlung aufzuwei-sen. Man findet hier einen Menhir und mehrere Megalithen. Im „Centre Thermadore“ befinden sich die Wellness-Einrichtungen, die u. a. ein Schönheitsinstitut, eine Kurabteilung und ein Erlebnisbecken mit Wasser-Attraktionen, Sauna, Hammam und Whirlpool umfassen.

== Chaudes-Aigues ==
Im äußersten Süden der Auvergne, nahe des Flußtals der Truyére, liegt Chaudes-Aigues. Als Besonderheit treten hier die an-geblich heißesten natürlichen Quellen Europas aus (82 ° Quelltemperatur). Das alte Thermalbad wurde komplett renoviert und im März 2006 wieder eröffnet. Gleichzeitig wurde jedoch für 7,2 Millionen Euro ein neues Thermalbad errichtet. Ende 2006 wurde die neue „Therme Caleden“ mit vielen Wasser-Attraktionen, Hammam und Sauna eröffnet.

== Neyrac-les-Bains ==
Östlich von Chaudes-Aigues befindet sich ein wunderschönes Urlaubsgebiet, das vor allem bei Deutschen Camping-Urlaubern, Kanuten, Raftern und Motorradfreaks sehr beliebt ist - die Ardèche. Auf dem Weg dorthin kann man mit etwas abenteuerlicher Streckenführung die kleinen Kurorte Bagnols-les-Bains und Saint-laurent-les-Bains mit Ihren „Stations Thermales“ besuchen. Am Oberlauf des Flusses Ardèche befindet sich Meyras mit dem kleinen Kurbad im Ortsteil Neyrac-les-Bains. Dieses Bad ist relativ modern und verfügt seit wenigen Jahren auch zusätzlich zu den Therapie-Bassins über ein kleines Schwimmbecken.

== Vals-les-Bains ==
Nur etwa zwölf Kilometer entfernt befindet sich im Flußtal der Huile der Kurort Vals-les-Bains. Auch hier gibt es ein relativ modernes Kurbad, das auf römische Ursprünge zurückgeht. Im Jahre 2006 wurde dieses Bad teilweise renoviert und erweitert. Die Ardèche mit ihren wilden Schluchten und bizarren Felsformationen empfiehlt sich auch wegen der relativ sicheren Sonnenbestrahlung als preiswerte und abwechslungsreiche Alternative zum Strandurlaub in Biarritz. Auf dem Weg zur Côte d´ Azur besucht der kulturbeflissene Urlauber auch gerne die an der Strecke liegenden antiken Großstädte Orange (Theatre, Arc de Triumphe), Nimes (Arenes, Pont du Gard), Avignon (Papstpalast, Pont Saint Benezet), Arles (Arenes) und Aix-en-Provence (Oppidum). Alle diese Städtebesuche erfordern jedoch sehr viel Zeit und Geduld, ebenso wie die nahegelegene Metropole Marseilles.

== Côte d´ Azur ==
Wer nicht auf dem schnellsten Weg ans Mittelmeer möchte, kann über Le Luc mit dem Kurort Pioule-les-Eaux und die alte Bergstadt Grimaud nach Saint-Tropez gelangen. Hier findet man nach wie vor die schönsten Sandstrände Frankreichs, die alle nach Südsee-Destinationen benannt sind (z. B. Tahiti, Bora Bora, Hawaii). An den Stränden hat sich in den letzten 30 Jahren wenig geändert. So ist leider auch heute noch zu bemängeln, daß die hygienischen Verhältnisse ungenügend sind. Duschen sucht man beispielsweise vergebens. An der Küste entlang geht es über Sainte Maxime („Aqualand“ Waterpark) nach Frejus, wo man außer den antiken Arenen auch den größten Wasserpark der Côte d´ Azur“ besuchen kann. Das „Aquatica“ bietet naturgemäß vorwiegend eine Vielzahl von abenteuerlichen Rutsch-Attraktionen. Geöffnet ist von Juni bis September. Übrigens muß man auch bei den meisten Kurorten auf die Saison achten. Sehr viele Kurbäder sind nur von etwa März bis Oktober geöffnet.

Unbedingt besuchen muß man den Strand „Le Croisette“ an der Promenade von Cannes - am besten aber nicht zur Zeit der Filmfestspiele wie wir. Hier findet man übrigens alle paar Meter auch funktionsfähige, kostenlose Duschen. In Antibes, zwi-schen Cannes und Nizza gelegen, befindet sich noch der große Freizeitpark „Marineland“, der im Teilbereich „Aqua Splash“ ebenfalls ein gutes Spaßbad-Angebot mit mehreren Riesenrutschen, Wellenbecken, Wasserfällen und der nagelneuen Sidewinder-Schaukelrutsche bietet. Und die Liebhaber von Wellenbädern und Surfpools sollten den Weg ins riesige Wellen-freibad Zygofolis im benachbarten Feudal-Badeort Nizza finden.

== Monte Carlo ==
Abgerundet wird der Besuch der Côte d´ Azur natürlich durch den Abstecher ins Fürstentum Monaco - jedoch möglichst auch hier nicht zur Zeit des Formule-1-Grand-Prix von Monte Carlo, wie wir. In Monte Carlo leistet man sich den Luxus einer ultramodernen Therme, die nicht nur durch den Ausblick aufs Meer das Herz jedes Bäderliebhabers höher schlagen läßt. Die „Thermes Marins“ sind mit allem denkbaren Komfort ausgestattet und bieten dem zahlungskräftigen Badegast jede Menge Muße, sich eine neue Strategie fürs Spielcasino zurecht zu legen oder über die Anschaffung des nächsten Ferraris nachzudenken.

== Digne-les-Bains ==
Für den Rückweg wählten wir die Route am Rande der Alpen entlang nordwärts, wobei wir teilweise die „Route Napoléon“ nutzten, schwierige Paßstraßen aber mieden. Erste Zwischenstation war Digne-les-Bains. Dort findet man im schönen Flußtal der Eaux Chaudes ein Kurbad, aber auch wenige Kilometer flußabwärts ein modernes Hallen-Freizeitbad mit Großrutsche, das nach dem Fluß benannt wurde.

== Challes-les-Eaux ==
Durch das Tal der Durance ging es weiter über die Olympiastadt Grenoble und das Isère-Tal. Das alte Kurbad in Challes-les-Eaux von 1841, umgebaut 1874, ist relativ klein, wirkt aber gemütlich. Schade, daß es auch hier nur Kurbetrieb gibt. In Chambéry gibt es direkt an Autobahn und Centre Commercial das Hallen-Spaßbad „Nautiparc“ mit Riesen-Röhrenrutsche, das jedoch schon seit mehreren Jahren geschlossen ist und offenbar auf seinen Abriß wartet.

== Aix-les-Bains ==
Weiter führte uns der Weg in das renommierte Staatsbad Aix-les-Bains Cedex am Lac du Bourget in der Region Savoien. Hier gibt es nicht nur einen Schwimm-Olympiastützpunkt und ein schönes Erlebnis-Freibad am See, sondern auch gleich drei Kurbäder. Die historische Therme Pellegrini“ entstand nach römischem Vorbild wohl Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde 1932 umgebaut. Derzeit laufen weitere Modernisierungs-Maßnahmen. Direkt nebenan erbaute man als Erweiterung um 1970 die riesigen „Thermes Petriaux“ im damals modernen Rechteck-Stil.

Vor kurzem hat man das Kur-Angebot abermals erweitert. Wenige Hundert Meter oberhalb entstanden um die Jahrtausend-wende die architektonisch gelungenen „Thermes Chevalley“. Hier hat man auch als Tagesgast Zutritt und kann sich im heil-samen Wasser von Innen- und Außenbecken aalen - sogar sonntags, was in Frankreichs Bädern nicht unbedingt üblich ist. In Aix-les-Bains existiert übrigens auch ein Schwimmzentrum direkt am See mit Olympia-Hallenbad. Genächtigt haben wir hier im überraschend guten, erst vor kurzem eröffneten „Etap Hotel“, wo für das schöne Familienzimmer mit Badewanne nur 32 Euro zu zahlen waren. Ansonsten sind französische Hotels unter 60 Euro für das Doppelzimmer ohne Frühstück kaum erwähnenswert.

== Saint-Gervais-les-Bains ==
Wir fuhren über Annecy weiter zum Südufer des Genfer Sees. Ein Abstecher von ca. 60 Kilometern zum höchsten Berg Eu-ropas, dem Mont Blanc (4.807 m) führt zur Luxus-Stadt Chamonix, die allerdings das Badevergnügen nur auf höchstem Ni-veau in ihren Upperclass-Hotels bietet. Wenige Kilometer zuvor passiert man allerdings den Ort Saint-Gervais-les-Bains, wo sich ein Kurbad befindet.

== Thonon-les-Bains ==
Der Lac Leman (Genfer See) ist das größte Gewässer der Alpen und gehört teilweise zu Frankreich. Wir ließen Genève aus Zeitgründen links liegen und fuhren direkt nach Thonon-les-Bains. Das dortige Kurhaus von 1954 erinnert an eine römische Villa, ist jedoch nur Kurgästen vorbehalten.

== Évian-les-Bains ==
Nur zehn Minuten Fahrzeit entfernt liegt das Traditionsbad Évian-les-Bains (bekannt durch das ebenfalls hervorragende Ta-felwasser) mit dem Vorort Amphion-les-Bains. Das Olympia-Freibad „Centre Nautique“ schmiegt sich ans See-Ufer und ist an schönen Tagen eine wirkliche Empfehlung. Leider war das historische Kurhaus neben dem pompösen Spielcasino zum Zeitpunkt unseres Besuches geschlossen. Es wurde komplett entkernt und erneuert, nur die alte Fassade konnte erhalten wer-den. Auf jeden Fall sollte man aber die kostenlose Fahrt zum Hotel Royal mit der Bergbahn Funiculaire von 1913 unterneh-men, deren Talstation sich direkt hinter der alten Therme befindet. Ein ähnliches Gefährt (von 1888) findet man übrigens auch in Thonon, wo es den Strand mit der Ortsmitte verbindet. In Évian gibt es auch ein modernes Kurbad mit zwei Thera-piebecken, das jedoch nur Kurgästen vorbehalten ist.

== Le Bouveret ==
Zum Abschluß besuchten wir noch den „Aquaparc“ in Le Bouveret am Schweizer Ostufer des Genfer Sees. Wellenbecken, Entspannungsbereich, Strandbad und acht Großrutschen mit insgesamt über 1.000 Metern Länge erwarten hier den Bade-freund. Ein Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Vor allem im Anschluß an den Besuch im „Swiss Vapeur Parc“, einem Freizeitpark direkt nebenan.

== Reisedauer ==
Für unsere Reiseroute benötigt man - ohne längere Aufenthalte - mindestens eine Woche Zeit. Wer die Strecke gemütlich fahren möchte und dabei Entspannung und Zerstreuung sucht, sollte zwei bis drei Wochen einplanen. Den Besuch der Kur-bäder („Station Thermal“) empfiehlt sich auf jeden Fall vorher anzukündigen, da man oftmals als Tagesgast sonst keinen Zu-tritt bekommt.

== Bäder allgemein ==
Wer wirklich jedes Bad anschauen möchte, sollte sich mindestens drei Wochen Zeit nehmen. Richtig schwimmen kann man in Frankreich übrigens nur in den „Piscines“, was man etwa mit „Sportbad“ übersetzen kann. In den Kurbädern findet man regelmäßig nur flache „Bassins“, die für Bewegungsbäder relativ ungeeignet sind. Größere Hallen- und / oder Freibadkomplexe (oftmals Kombibäder) werden gerne auch als „Centre Nautique“ ausgeschildert.

== Preise ==
Noch ein paar Worte zum Preisniveau. Frankreich war noch nie ein billiges Reiseland und mit Einführung des Euro hat sich das nicht gebessert. Auch bedingt durch die höhere Umsatzsteuer ist praktisch alles teurer als in Deutschland und in Österreich. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie am Strand beispielsweise 3,50 Euro für ein kleines Eis am Stiel oder 5 Euro für eine schmale Scheibe Kokosmark bezahlen sollen oder das Parken auf einem unbewachten Parkplatz am Stadtrand 3 Euro je Stunde kostet. Die hohen Parkgebühren sollten Sie übrigens zähneknirschend bezahlen, denn ansonsten werden Sie in der Regel mittels Parkkralle zur Begleichung eines noch wesentlich höheren Tarifes genötigt. Ebenso werden Sie auch kaum er-warten können, ein billiges Thermalbad zu finden.

== Zukunft ==
Für Investoren, Bäderbauer und Betreiber bietet Frankreich nach unserer Einschätzung sehr viel Potential. Der Bedarf an gu-ten Erlebnisbädern und modernen Thermen, die auch für Tagesgäste nutzbar sind, ist definitiv gegeben. Ein Wettbewerb existiert praktisch noch nicht und die heißen Quellen treten an vielen Stellen von alleine zu Tage, ohne daß man sie aufwändig erbohren muß. Wenn man hinzunimmt, daß die Franzosen durchaus an hohe Preise gewöhnt sind und auch reichlich Geld für die Freizeit ausgeben, sollte sich ein Bäder-Neubau an einigen Standorten bestimmt richtig lohnen.

== Sterne ==
Natürlich ist Frankreich seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Reiseländer der Deutschen. Kaum ein anderes Land in Mit-teleuropa hat eine solch reiche Kultur zu bieten und auch von Kriegen ist das Land weitgehend „verschont“ geblieben, d. h. nahezu alle mittelalterlichen Altstädte, Burgen und Schlösser sind noch erhalten. Das gilt natürlich auch für die Kurorte, die ja fast alle im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind. Für die ausgezeichneten Möglichkeiten, antike und neuzeitliche Ba-dekultur (vor allem der Jugendstilzeit) studieren zu können sowie die wirklich tollen Heilwässer, würde ich gerne fünf Sterne vergeben. Da ich aber leider kaum moderne Thermalbäder auf meiner wirklich langen Tour finden konnte, ziehe ich einen Stern ab. Also vier Sterne für Frankreichs berühmteste Bäder.

© by wellSPAss im Juli 2008 / 01. Oktober 2010

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