Bäderreise durch Bosnien

... 125kf ... "Bäderreise durch Bosnien - kupanje u Bosni"

== Vorwort ==
Ich will mal ein wenig mehr über das Heimatland meiner Ehefrau berichten, nämlich den Balkan-Staat "Bosna i Herzegovina", von mir im Folgenden schlicht Bosnien genannt. Ich selbst bin zwar Deutscher und kein Moslem, jedoch habe ich das Land seit dem Jahre 1999 bislang ein gutes Dutzend Mal für jeweils mehrere Wochen besucht und kenne mich von daher mit dem Land sowie den dortigen Sitten und Gebräuchen ein wenig aus. Hinzu kommt, wie gesagt, daß meine Frau und ihre Familie aus dem Dorf Cunista in der Nähe des Städtchens Olovo mitten in Bosnien stammen. Sie ist natürlich eine Muslime und hat das Serbokroatische auch als Muttersprache.

Ich will aber hier nicht über Bosnien im Allgemeinen berichten, sondern über eine recht abenteuerliche Bäder-Rundreise durch das noch von den Nachwirkungen des Krieges geprägte Land. Wir sind dafür einige Tage quer durchs Land gefahren, um möglichst viele Kurorte / Heilbäder zu besuchen.

Ich will mit diesem Bericht auch mal ein wenig Werbung für Bosnien machen, denn dieses eigentlich wildromantisch schöne und warmherzige Land kennt im Westen kaum jemand (außer den Soldaten und den Flüchtlingen) und es gibt sehr viele fal-sche Vorstellungen. Das finde ich sehr schade. Vielleicht liest auch mal ein potentieller Investor diesen Bericht und entschließt sich, sein Geld sinnvoll und gewinnbringend in diesem Land anzulegen...

== Geschichte ==
"Salam aleikum!" "Aleikum salam!". So begrüßt man sich in "Bosna i Hercegovina" - jedenfalls im moslemisch geprägten Landesteil. Bosnien ist ein kleines Land im Herzen des Balkans, von 1918 bis 1992 Bundesland des ehemaligen Jugoslawien, heute selbständiger demokratischer Staat. Mit 51.129 qkm besitzt es etwa zwei Drittel der Größe Österreichs, bei nur etwas geringerer Bevölkerungsdichte.

Im 7. Jahrhundert besiedelten die Slawen das erzreiche, hügelige Gebiet am nördlichen Rand der Adria, das zuvor zum ost-römischen Reich gehörte. Im 14. Jahrhundert schlossen sich Bosnien, Banat und das Fürstentum Herzegowina zusammen. Zwischen 1463 und 1482 wurde das Land von den Türken erobert. Von 1878 bis 1918 gehörte Bosnien-Herzegowina zu Ös-terreich, danach zur Bundesrepublik Jugoslawien. Viele Einheimische wünschen sich noch heute die Zeit der "K&K-Monarchie" Österreich-Ungarns zurück, denn damals ging es dem Land definitiv am besten.

1984 fanden die 14. olympischen Winterspiele in der Hauptstadt Sarajevo statt - sicherlich das größte sportliche Ereignis aller Zeiten im ehemaligen Jugoslawien. Allerdings ist vom olympischen Glanz heute nicht mehr viel zu spüren. Die olympischen Anlagen (Stadion, Eishalle etc.) sind aber größtenteils noch erhalten.

Derzeit hat Bosnien wieder über 4 ½ Millionen Einwohner. Im Friedensvertrag von Dayton wurde dem bosniakisch-muslimischen Teil der Bevölkerung (43,7 %) inklusive den römisch-katholischen Kroaten (17,3 %) zusammen 49 % des Landes zugesprochen, der Norden und Osten (51 %) fiel den orthodoxen Serben zu (31,4 % Bevölkerungsanteil in der sog. Srpska Republika). Die Juden, Roma, Evangelisten und sonstigen Religionsgemeinschaften stellen zusammen eine Minderheit von ca. 7,6 % und wohnen ebenfalls überwiegend im islamisch/katholischen Landesteil. Ganz genaue Angaben zu Bosnien findet man unter http://de.wikipedia.org/wiki/Bosnien_und_Herzegowina. Wir haben uns im westlichsten, (überwiegend) islamischen Land Europas näher umgesehen und uns vor allem über die Bäder-Situation im Nachkriegs-Bosnien informiert.

== Bevölkerung ==
Die Menschen hier sind meist hellhäutig und oft blond, was auf ihre slawischen und teilweise auch deutschen und österrei-chischen Vorfahren zurückzuführen ist. Aber auch die ehemalige Herrschaft der Türken ist noch heute deutlich zu spüren und so gibt es auch viele mittelmeerbraune und schwarzhaarige Bosnier. Man ist jedoch weltoffen und tolerant. In Sarajevo kleidet man sich kaum anders als in Wien oder Paris oder Bochum.

== Wirtschaftsleben ==
Manchmal verraten nur die schlanken Minarette der wenigen erhalten gebliebenen alten und vielen neuen Moscheen, daß man sich in einem moslemischen Staat befindet. Vor dem unseligen Krieg (1992 bis 1995) lebte man bescheiden von Land-wirtschaft und Schwerindustrie (z. B. das große VW-Werk in Sarajevo). Langsam normalisieren sich die Zustände wieder, jedoch ist man noch weit von vom Vorkriegs-Status entfernt. Der Krieg hat Bosnien (ebenso wie Serbien) sicherlich um 30 Jahre zurückgeworfen.

Es gibt hier keine "Care-Pakete" und auch kein Wirtschaftswunder wie in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Fährt man durch die kleinen Dörfer uns Städte, fragt man sich unwillkürlich, wie die Leute hier überleben können. Das Durchschnitts-Einkommen liegt unter 400 KM im Monat (ca. 200 Euro), wobei die Preise für importierte Waren deutsches Niveau erreichen. Zum Vergleich: Das Brutto-Inlandsprodukt liegt in Österreich bei ca. 38.000 Euro pro Einwohner / Jahr, in Bosnien nur bei ca. 2.100 Euro, also nicht einmal 7 % des Einkommens der Österreicher. Damit kann man die allgemeine Armut im Lande wohl am Treffendsten dokumentieren.

Nur Mieten, Tabak, Benzin und heimische Lebensmittel sind etwas billiger als in Westeuropa. So kann man auch für weniger als 20 KM privat übernachten, im Hotel ab etwa 40 KM für das Doppelzimmer. Frühstück inklusive. Das umständliche Um-rechnen von Preisen erübrigte sich bis Ende 2001, denn die Währung ist "konvertible Mark". Eine KM entsprach früher genau einer DM und deutsches Geld wurde überall akzeptiert. Aber auch Schillinge und Dollar waren gerne gesehen. Heute kann man aber auch in den meisten Läden mit Euro bezahlen (Kurs: 1 Euro = 1,9515 KM). Wechselverluste bzw. Umwechselgebühren bis ca. 5 % sind normal. Unkundige Ausländer werden auch gerne mal ein wenig übervorteilt. Aber in welchem hilfsbedürftigen Land ist das wohl anders?

== Landschaft ==
Die bosnische Landschaft ist hauptsächlich von Mittelgebirgen mit Mischwäldern geprägt (im Süden bis 2.300 m hoch), nur im Norden gibt es fruchtbare Ebenen. Das Klima ist gemäßigt kontinental, d. h. es gibt meist trockene, sehr warme Sommer (bis ca. 40 °) und recht kalte, meist schneereiche Winter (bis ca. 20 ° Minus).

== Bäderlandschaft ==
Ob des vulkanischen Ursprungs der Berge gibt es in Bosnien viele warme Quellen, die teilweise zur Speisung von Thermal-bädern dienen, oft aber auch ungenutzt abfließen. Bei den Kur- und Thermalbädern, von denen einst mehr als ein Dutzend im Lande existierten, darf man keinen westeuropäischen Standard erwarten. Meist gibt es nur ein kleines Betonbecken ohne Attraktionen. Und so verwundert es auch nicht, daß trotz niedriger Eintrittspreise fast nur ältere Leute die Heilkräfte der stark mineralisierten Wasser nutzen.

Wir haben folgende ehemalige Standorte von Kurbädern ermittelt: Olovo, Vrsta Gata (bei Bihac), Banja Luka, Slatina und Banja Laktasi (beide nahe Banja Luka), Mionica (bei Gradacac), Tesanj, Tuzla, Srebre-nica-Guber (bei Bratunac), Ilidza (bei Sarajevo), Kiseljak (bei Visoko), Banja Fojnica, Visegrad-Banja bei Gorazde, Banja Vrucica bei Teslic und Kulasi bei Doboj. Allerdings gibt es nicht an allen diesen Orten auch heute noch einen aktuellen Bäderbetrieb. Wegen der teilweise sehr schlechten Straßenverhältnisse und katastrophalen Beschilderung (in der "srpska republica" auch noch in kyrillischer Schrift) konnten wir auch leider nicht alle Bäder besuchen.

== Olovo ==
Das "Aquatherm" in der alten Bergwerksstadt Olovo (Olovo bedeutet Blei) liegt am Fluß Krivaja, gegenüber des Freibades. Die beiden Indoor-Pools werden von 36 Grad warmem Heilwasser gespeist, das hier entspringt. Die Nutzung ist für Hotelgäste kostenlos, ansonsten werden 5 KM fällig. Übernachten sollte man jedoch besser im neuen Hotel "Banja" nebenan, das we-sentlich höheren Standard bietet.

== Ilidza ==
Das "Hotel Terme" in Ilidza am südlichen Stadtrand von Sarajevo hat schon weit bessere Zeiten ge sehen. Von den ehemals vier Sternen sind nur noch zwei geblieben und das Haus wirkt wie ausgestorben. Der Kurbetrieb ist eingestellt, jedoch wird der Kurpark noch gepflegt. Laut Auskunft des Hotelchefs wartet man auf einen Investoren. Trotz bester Lage hat das 1972 errichtete Kurhotel kaum Überlebenschancen. Zwischenzeitlich ist am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Bosna jedoch ein komplett neues Freizeitbad nach westlichen Standards entstanden. Im Jahre 2005 eröffnete hier das Thermalbad "Riviera", über das ich ja kürzlich bereits berichtet habe.

== Kiseljak ==
Düster sieht es im "Kurhotel Dalmacija" im 35 km entfernten Kiseljak aus. Das Kategorie-B-Hotel aus den 1970er Jahren ist fast leer, obwohl noch kleinere Anwendungen verabreicht werden. Einheimische können sich die Zimmerkosten von 60 KM je Doppelzimmer nicht leisten, Ausländern fehlt ein Pool. In der Nähe gibt es einen noch tätigen Geysir, wohl den einzigen in Mitteleuropa. Angeblich wollte hier vor ein paar Jahren ein ausländischer Investor ein Thermalbad errichten, jedoch wurde daraus offensichtlich nichts.

== Banja Fojnica ==
Eine halbe Stunde weiter liegt in einem romantischen Tal der malerische heilklimatische Kurort Banja Fojnica. Außer dem Franziskaner-Kloster aus dem Mittelalter mit bedeutender Bibliothek und Museum gibt es dort das "Hotel Reumal". Der ge-räumige Komplex hat 230 Zimmer, die vorwiegend von Kurgästen genutzt werden. Viele Arten von balneo-physikalischer Therapie sind im Angebot. Weiterhin gibt es ein kleines Thermal-Hallenbecken und eine finnische Sauna. Das geplante große Hallenbad mit Außenbecken wurde leider noch nicht gebaut. Das "Hotel Reumal" ist jedoch gut besucht und kann auch zur preiswerten "Kur zwischendurch" empfohlen werden. Außerdem gibt es hier viele Möglichkeiten zum Wandern, Angeln, Rodeln, Skilaufen und sogar zum Goldsuchen.

== Tuzla ==
Schlechter sieht es in Tuzla aus. Das einst gerühmte Solebad im Banja des "Hotel Bristol" darf nur noch mit ärztlichem Rezept benutzt werden. Auch hier wartet der Direktor auf ausländische Geldgeber. Und auch das ehemalige Kurbad im Vorort Kreka existiert nicht mehr. Die jetzige Klinik verabreicht nur noch ärztliche Anwendungen.

== Tesanj ==
Zwischen Doboj und Banja Luka liegt Tesanj, eine sehenswerte Kleinstadt. Die Altstadt wird beherrscht von einer guterhal-tenen Burg aus türkischer Zeit. Nicht weit hinter der Stadt, in einem engen Bergtal, gibt es ein altes Freibad, das mit stark mineralisiertem, eisen- und kohlensäurehaltigem Wasser einer Heilquelle gefüllt ist. Die zwei kleinen Becken werden inte-ressanterweise von der benachbarten Garnison der bosnischen Armee gepflegt, der Eintritt ist kostenlos.

== Teslic ==
Im wenige Kilometer entfernten Teslic badeten schon die Römer. Heute gibt es dort ein gepflegtes Kurzentrum, das sich vor allem für die Heilung von Herzkrankheiten empfiehlt. Im Ortsteil "Banja Vrucica" sorgen sich drei Kurhotels mit 739 Betten um die Rehabilitation der Gäste. Unter einer futuristisch anmutenden Kuppel (Marke "Raumschiff Orion") befindet sich das runde Bassin. Im Sommer ein Treffpunkt der Jugend. Der Eintritt für externe Gäste beträgt 3 KM. Auch Sauna, Solarien, Fitneß- und Sportmöglichkeiten sind vorhanden. Auf uns machte Banja Vrucica einen recht guten Eindruck, obwohl das Ba-deangebot doch sehr mager ist.

== Banja Kulasi ==
Die Kleinstadt Kulasi liegt - ebenso wie Teslic - im serbischen Teil Bosniens. Leider ist es heute nur über eine 40 Kilometer lange Schotterpiste erreichbar, was wir uns wirklich nicht antun wollten.

== Banja Luka ==
Ebenfalls zur "srpska republika" gehört Banja Luka, die zweitgrößte Stadt Bosniens. Die Stadt ist lebendig und hat viele schöne Bauwerke aufzuweisen, vor allem die Festung und das Traptisten-Kloster. Ein Kurbad konnten wir allerdings nicht entdecken, ebenso wenig wie die kleine Straße nach Slatina, einem 30 km entfernten Kurbad.

== Banja Laktasi ==
Nördlich von Banja Luka, auf halbem Weg zur kroatischen Grenze, liegt das alte Heilbad "Banja Laktasi". Das sehenswerte historische Badehaus aus türkischer Zeit wird auch heute noch unverändert genutzt. Das 28 Grad warme Wasser kommt di-rekt aus der Quelle. Nebenan befindet sich das Kurhotel "San" mit therapeutischen Einrichtungen und Sauna. Auch ein großes Freibad ist vorhanden, mit 50-Meter-Becken und sogar einer "Tobogan" (Rutsche), die etwa 40 Meter lang ist und ins Lehrbecken mündet. Am Ort gibt es auch ein Casino und das neue Hotel "Milka", das sich zur Übernachtung empfiehlt.

== Srebrenica / Visegrad ==
Die einstmals weltberühmten Bäder bei Srebrenica und Visegrad wollten wir nicht besuchen, da dort im Krieg schwere Kämpfe mit Massakern an der islamischen Bevölkerung stattfanden und wahrscheinlich alles zerstört ist.

== Zenica ==
Im Tal der Bosna, verkehrsgünstig gelegen direkt oberhalb der Schnellstraße zwischen den Großstädten Sarajevo und Zenica, nur ein paar Kilometer von der Großstadt Zenica entfernt, treten seit jeher heiße Quellen zutage. Diese werden seit Jahrhun-derten von der ein-heimischen Bevölkerung zu Badekuren genutzt. Dabei ist eine offensichtliche Linderung, oftmals sogar eine Heilung vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (Rheuma) und bei Hauterkrankungen (z. B. Schuppenflechte) zu beobachten.

Die Heilwässer treten mit einer Quelltemperatur von bis zu 63 ° Celsius zutage. Die Schüttung der mindestens vier Quellen mit einem Abstand von ca. 50 Metern liegt dabei schätzungsweise zwischen 10 und 20 Liter pro Sekunde, also ca. 850 bis 1.700 cbm pro Tag. Das wäre ausreichend, um ein Thermalbad mit 500 m² Wasserfläche ein- bis zweimal täglich komplett neu zu befüllen. Die Wässer machen einen leicht schwefel- und eisenhaltigen Eindruck und sind offenbar stark mineralisiert.

Bis vor wenigen tausend Jahren gab es in Zentral-Bosnien und in der Hercegovina noch tätige Vulkane, ähnlich wie in der Eifel in Südwest-Deutschland. Von daher ist es nicht verwunderlich, daß an vielen Stellen im Lande warme Quellen offen sprudeln. Schüttungen wie diese sind jedoch ungewöhnlich. Im Quelltopf kann man Eier kochen. Das Wasser wird teilweise in kleinen runden Becken und alten Badewannen aufgefangen und mit kühlerem Wasser vermischt, so daß angenehme Bade-temperaturen zwischen 34 ° und 40 ° Celsius herrschen. Natürlich auch im Winter, obgleich der Wetterschutz sehr provisorisch ist. Es herrscht ein ständiger Durchfluß in den Becken, so daß keine Wasser-Aufbereitung nötig ist. Jedes Bassin wird binnen weniger Minuten komplett neu gefüllt. Es herrscht dabei übrigens eine Trennung der Geschlechter vor, die jedoch eher halbherzig betrieben wird. Nach dem Gebrauch fließt das Wasser in die Bosna ab.

Das gesunde Wasser, die hervorragende Lage und die fehlende Konkurrenz bieten ideale Grundlagen für die Errichtung eines Thermal-Heilbades, vielleicht mit angeschlossenem Campingplatz, Apartments oder Hotel. Auch eine komplette Ferienanlage ließe sich hier errichten. Der finanzielle Aufwand wäre gemessen an mitteleuropäischen Maßstäben lächerlich gering. Die hohen Kosten für die Erschließung einer Thermalquelle entfielen komplett, die Grundstücks- und Baukosten liegen in Bosnien nur einen Bruchteil so hoch wie in Österreich oder Slowenien. Ein modernes Bad mittlerer Größe (ca. 500 Schränke, 500 m² Wasserfläche) inklusive 3-Sterne-Hotel wäre hier problemlos mit weniger als 5 Millionen € zu erstellen.

== Resumée ==
So konnten wir zwar leider nicht alle Bäder Bosniens besichtigen, doch die von uns beschriebenen Anlagen sind sicherlich repräsentativ für das Land. Die Standards sind niedrig. Es fehlt an vielem, vor allem an ausländischem Geld. Zwar ist das Land heute wieder sicher, doch wegen der schwach entwickelten Infrastruktur auf absehbare Zeit nicht zum Massentourismus geeignet. Allenfalls für Rucksack-Urlauber, Abenteurer und Camper. Oder vielleicht für Feriensiedlungen im Stil von "Ro-binson-Club", "Club Mediterranee" oder "CenterParcs".

Im Tourismus liegt zweifellos die größte Chance für die Zukunft des Landes. Die meist noch unberührte Natur, die ab-wechslungsreiche Landschaft, die freundlichen Menschen, gute klimatische Bedingungen und der niedrige Preisindex emp-fehlen Bosnien für Investoren. Außerdem sind die Bosnier allem westlichen gegenüber sehr aufgeschlossen. Viele von ihnen sprechen gut Deutsch oder Englisch. Und die beliebte Adria-Küste grenzt im Süden beim Städtchen Neum an das Land.

Ich sehe Bosnien als die "Türkei der Zukunft". Ein preiswertes Reiseland am Rande Mitteleuropas, in ein bis zwei Stunden mit dem Flugzeug und in einem Tag mit dem Auto erreichbar. Die Kosten für Grundstücke und Personal sind im Vergleich zu Deutschland lächerlich niedrig, ebenso die Energiekosten. Und die Bosnier sind arbeitswillig. Gerade in den Dörfern beträgt die Arbeitslosenquote oft über 50 Prozent und viele eigentlich höher qualifizierte Arbeitskräfte sind bereit, fast jeden Job zu machen.

Ein gutes Thermalbad wäre für vielleicht fünf Millionen Euro zu errichten, die Betriebskosten betragen nur einen Bruchteil derer in Westeuropa. Eine Konkurrenz-Situation existiert nicht und vor allem in Sarajevo, Zenica, Mostar und Banja Luka gibt es ein genügend großes Potential an zukünftigen Gästen - nicht nur die Tausende von Soldaten der SFOR und die Bediensteten der UNO, die wohl noch einige Jahre im Land bleiben werden. Man denke auch an die Millionen Urlauber, die von der Adria aus gerne mal einen Ausflug nach Bosnien machen würden. Vielleicht wäre der Bau eines Thermal- oder Erlebnisbades auch eine schöne Maßnahme zur Wiedergutmachung oder Entwicklungshilfe für die westlichen Staaten, die sich während des Krieges ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Eine schöne Aufgabe für unsere Außenminister vielleicht…

Die Rentabilität eines solchen Projektes wäre nahezu sichergestellt, denn auch in Bosnien gibt es zwischenzeitlich eine gutsi-tuierte Mittelklasse sowie auch einige wohlhabende Mitbürger. Zwar ist das Durchschnitts-Einkommen immer noch sehr ge-ring, doch die wachsende Anzahl von neuen Limousinen, die sprießenden Einkaufszentren und die Kleidung der Menschen in den Städten sprechen eine eigene Sprache. Die Aufnahme Kroatiens und Bosniens in die EU wird derzeit angestrengt und wohl in wenigen Jahren auch erfolgen. Das Bruderland Slowenien, ebenfalls ehemaliger jugoslawischer Bundesstaat, hat den Sprung ja bereits geschafft und westliches Niveau erreicht - man spricht dort schon vom Österreich des Ostens. Für die Fußball-EM 2012 läuft ebenfalls eine Bewerbung von Bosnien zusammen mit Kroatien.

== Sterne ==
Bosnien ist als Reiseland natürlich heute noch ein Exote. Die Infrastruktur ist immer noch schlecht, obgleich es zwischen-zeitlich schon mal ein paar Kilometer Autobahn (zwischen Sarajevo und Zenica) gibt. Aber es geht in diesem Bericht ja nicht um den Tourismus, sondern um die Kurbäder. Und wegen der Heilkraft der Thermalquellen sowie den sehr niedrigen Preisen gebe ich hier mal 3 Sterne, also Durchschnitt.

© by wellSPAss im Juli 2008 / 01. Oktober 2010

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa
...
Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<

© 1994 - 2012 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics