… DE-86150 Augsburg: Altes Stadtbad …

Anmerkungen wellSPAss zum Besuch am Sonntag, 20. März 2011: Ein sonniger Vorfrühlings-Tag, noch etwas kühl, doch genau das Richtige zum Spazierengehen. An einem solchen Tag geht man nicht unbedingt in eine Schwimmhalle, geschweige denn in die Sauna. Ich besuche heute dennoch das Augsburger Stadtbad, das mit seinen nunmehr 108 Jahren das zweitälteste noch betriebene Bad in Bayern ist. Für die Augsburger ist es eine Institution, die aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken ist. Schließlich haben hier Generationen das Schwimmen erlernt und der Bau des Bades wurde durch eine sehr großzügige Spende von Bürger/innen erst möglich.
Parkplätze in der Umgebung des Bades sind rar. Darum sind diese wochentags kostenpflichtig bzw. größtenteils für Anwohner reserviert. Da die Augsburger Polizei sehr rigoros ist, empfiehlt es sich vor allem für Auswärtige nicht, die Parkordnung zu ignorieren. Das kann ziemlich teuer werden. Allerdings konnte ich in der Nähe auch kein Parkhaus fin-den. So bleibt für Badegäste noch das Parken im durch Schranke gesicherten Hof, sofern dieser mit seinen höchstens 40 Stellplätzen nicht belegt ist. Das Parken hier ist für Gäste recht preiswert, für Nicht-Gäste verboten. Allerdings ist dieser Platz nicht gepflastert und wirkt ziemlich ungepflegt. So empfiehlt es sich zumindest wochentags, den Wagen entweder in einem weiter entfernten Parkhaus abzustellen oder gar an einem der Park- und Ride-Plätze am Stadtrand zu parken und dann mit der Straßenbahn weiterzufahren.
Das imposante Jugendstil-Gebäude mit einem hohen Turm geht heute in der Bebauung der Umgebung leider ein wenig unter. Direkt davor hat man zwischenzeitlich eine Tankstelle und ein Wohn-Hochhaus gebaut, was nicht gerade förder-lich für das Bad war. Zwar wurde damit der sicherlich teure Baugrund in der Innenstadt gut genutzt, doch der Eingang zum Stadtbad ist nun nicht mehr recht einladend, sondern eher nebensächlich geworden. Einen zweiten Eingang gibt es übrigens vom hinteren Parkplatz aus, doch auch dieser recht unscheinbar. Der Parkplatz war heute übrigens wider mei-ner Erwartung relativ voll, es parkten ca. 30 Autos hier.
Die Eingangshalle vermittelt noch gut den Eindruck aus den Tagen der Errichtung. Der Boden ist hübsch gemustert, grüne Kacheln und eine Stuck-Decke korrelieren dazu. Eine Tafel an der Wand erinnert an die Spender, die rund ein Drittel zu den damals enormen Baukosten von fast einer Million RM beitrugen. Wie damals sitzt die Kassiererin in ei-nem Häuschen, wohl eine Reminiszenz an den Denkmalschutz. Das Kassenhäuschen ist allerdings nicht mehr original erhalten. Das gilt im Übrigen auch für einen Großteil des restlichen Bades. Die einstige Pracht läßt sich aber noch an der Raum-Aufteilung und einigen Details erahnen.
An der Kasse erhält man einen Transponder-Chip. Die Eintrittspreise sind human, zumal jetzt auch noch wegen des ge-schlossenen Dampfbades reduziert. Neun Euro für fünf Stunden Sauna inkl. Schwimmhalle, das ist ein konkurrenzlos günstiges Angebot. Die Kassiererin macht auf mich einen sehr freundlichen und kompetenten Eindruck. Mit dem Chip passiere ich das Eingangs-Drehkreuz und gehe nach rechts zu den Sauna-Umkleiden, die sich auf der gleichen Ebene befinden. Allerdings sind die 77 Spinde in einen engen, schlauchartigen Gang gequetscht, wobei in drei kleinen Buchten mit Vorhang zu verschließende Einzel-Umkleiden zu finden sind. Das ist weder schön noch bequem. Die grünen, engen Schränke werden mit dem Chip verschlossen. Vorsicht beim Öffnen, denn der Chip fällt gerne auf den Boden und muss dann gesucht werden. Bei Verlust werden 15 Euro fällig. Bargeldlos zahlen kann man trotz Transponder allerdings nicht, denn das Schlüsselband ist dafür nicht zu gebrauchen. Der Spind-Schlüssel dient allerdings auch zum Öffnen der Tür von der Großen Schwimmhalle zum Saunabereich. Also nicht vergessen, selbigen zum Schwimmen mitzunehmen.
An den Toiletten und einem Warmdusch-Raum mit acht einstellbaren Duschen vorbei gelangt man in einen Kommuni-kations-Raum. Die zwei Tische und 15 Plastik-Stühle laden allerdings weder zum Verweilen noch zum Plaudern ein. Leider hat man es verpaßt, eine schöne Lounge zu schaffen. Da helfen auch das Aquarium und die alten Zeitschriften wenig.
Eine Halb-Etage tiefer findet man die Finnische Sauna. Hier werden stündlich zur vollen Stunde Aufgüsse durchgeführt. Der Raum ist ausreichend bemessen, die 30 Sitzplätze auf drei Stufen sind breit und laden zum Liegen ein. Die Tempe-ratur ist allerdings recht hoch, die Luftfeuchte nach den Aufgüssen entsprechend eher was für Hardcore-Fans. Ein farb-lich changierender Sternenhimmel trägt zum Wohlbefinden beim Schwitzen bei. Die Aufgüsse selbst werden zwar hän-disch durchgeführt, aber relativ fix und ohne Zugaben. Für das offensichtlich wenig verwöhnte Stammpublikum mag das ausreichen (zumal es in der Großstadt Augsburg kein üppiges Angebot an öffentlichen Saunas gibt). Mir als erfahre-ner Saunagänger ist das aber zu wenig. Nach dem Schwitzen geht es unter eine der zwei Kalt-Duschen, unter den Duschkübel und dann ins kalte Tauchbecken. Auch sechs Fußbecken aus Keramik können genutzt werden. Warmdu-scher müssen die oberen Brausen benutzen.
Eine Etage höher befindet sich das Dampfbad, das leider seit über einem Jahr nicht mehr in Betrieb ist, da die Stadt die notwendige Sanierung nicht bezahlen kann oder möchte. Für einen Kämmerer mag das verständlich sein, den Saunagästen ist so etwas allerdings schwer zu vermitteln. Es ist natürlich klar, dass ein Dampfbad mit seiner enormen Luftfeuchte hier problematisch ist und auf Dauer zu Bauschäden führt. Aber warum wird der Raum nicht einfach zu einem gemütlichen Laconium oder Kachelofen-Zimmer umgestaltet?
Im Vorraum des Dampfbades findet man zwei kleine Becken. Eines ist zum Abkühlen gedacht. Dort befindet sich auch ein gußeiserner Löwenkopf an der Wand, der wohl mal als Wasserspeier diente, zwischenzeitlich aber stillgelegt wurde. Sehr schön ist das ovale Fenster darüber, das mit einer bunten Glasmalerei versehen ist. Ein zweites Becken dient als warmes Entspannungs-Bassin. 32 ° Wassertemperatur sind ausreichend, aber nicht gerade mollig warm. Man steigt über Sandstein-Treppenstufen in das weiß gekachelte Becken, das mal gerade 80 cm tief ist und maximal vier Personen Platz bietet. Diese sitzen auf einer provisorisch ins Becken gestellten, wackligen Plastik-Bank. Unter Gemütlichkeit stelle ich mir etwas anderes vor. Zudem ist die Wasser-Umwälzung nicht gerade modern zu nennen. Der Ablauf gurgelt laut und von den Gästen eingebrachte Schwebeteilchen und Haare verbleiben recht lange im Wasser. Zudem könnte hier besser gereinigt werden, denn der Beckenrand weist Talg-Ablagerungen auf. Ansonsten fand ich an der Hygiene in der Sauna allerdings wenig auszusetzen. Bis auf den Kommunikationsraum wirkt alles aufgeräumt und gut gereinigt.
Auf der Dampfbad-Etage gibt es auch noch einen winzigen Schwitzraum, der als Sanarium bezeichnet wird. Die finni-sche Elementkabine bietet Platz für höchstens 16 Gäste auf drei Stufen, die hier in aller Stille vor sich hinschwitzen können. Der Ofen ist hinter den Bänken situiert, Extras gibt es keine. Hier hielten sich heute meist mehrere junge Män-ner auf, die diesen Raum offenbar zu ihrem Treffpunkt erkoren hatten. Das Publikum war heute übrigens eher jünger, im Schnitt vielleicht zwischen 30 und 40 Jahre alt. Kinder waren keine anzutreffen, die Senioren waren aber in der Minderzahl. Dabei ging es überall sehr leise zu, ein Lachen war nie zu hören. Vielleicht habe ich auch irgendwo das Schild „Sprechen verboten“ übersehen.
In einem Raum gegenüber des Dampfbades ist das Solarium untergebracht. Es handelt sich um ein älteres, ziemlich leistungsschwaches Modell, das aber ein annehmbares Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Der Raum ist aber auch wegen der schönen Jugendstil-Kacheln mit Fisch-Motiv sehenswert, die sich als Bordüre rundum ziehen. Noch schönere Bordüren mit Schwanen-Motiv findet man übrigens in luftiger Höhe im Vorraum zum Dampfbad.
Wiederum eine Etage höher kommt man zum Dachgarten. Dort stehen acht Plastik-Liegen herum, heute natürlich trotz Sonnenscheins wegen der Kälte kaum genutzt. Schade, dass man durch die zwei Meter hohen, milchigen Glaswände ringsum überhaupt keinen Ausblick hat. Auch sonst machte die kleine Terrasse einen etwas tristen Eindruck. Schöne Teakholz-Liegen und zwei Palmen würden hier schon etwas mehr hermachen.
Mir war nach einer Massage. Tatsächlich gibt es auch zwei Massageräume neben dem Dampfbad, wobei jeweils ein Herr und eine Dame massieren. Die Massagen erfolgen im 20-Minuten-Takt und die Gäste können sich auf einer Liste eintragen. Die Preise sind okay. Als ich mich allerdings bei meiner Ankunft gegen 13 Uhr eintragen wollte, war die Liste schon ziemlich gut ausgefüllt. Ich hätte um 17.20 noch einen Termin bei der Dame bekommen können, bei dem Herrn waren wohl noch zwei Termine frei. Über vier Stunden wollte ich jedoch nicht bleiben, da ich mir kein gutes Buch mit-gebracht hatte und auch keinen Ort gefunden hätte, der mich zum so langen Bleiben veranlassen konnte. Zudem war die Masseurin, die zwischendurch mal die Termine studierte, recht unfreundlich zu mir. So verzichtete ich auf eine Massage. Unten im Foyer ist auch noch ein „Wellness-Studio“ situiert, wo noch mehr Angebote wahrzunehmen sind und man auch kosmetische Anwendungen erhalten kann, doch dieses ist nur für externe Gäste zugänglich.
Wenn sich der kleine Hunger meldet, geht es nach unten in die Cafeteria. Hier ist das aber eher ein Bistro, das nebenbei von der Aufgießerin mit betreut wird. Bei der ungemütlich und veraltet wirkenden Möblierung kam bei mir allerdings wenig Lust zum Essen auf. Was es gab, war auch nicht zu erfahren, denn niemand aß etwas und es gab auch keine Speisekarte. So ist zu vermuten, dass man hier wohl nur Getränke kaufen kann. Aber auch dafür fand ich keine Karte.
Durch eine unscheinbare Tür im Treppenhaus geht es zu den Schwimmhallen. Das heißt zur großen, der ehemaligen Herrenschwimmhalle. Das Becken entspricht keinerlei heutigen Normen und ist zum Schwimmen nur eingeschränkt nutzbar. Die maximale Tiefe von immerhin 2,60 m läßt darauf schließen, dass es früher wohl mal ein Ein-Meter-Brett gab. Ein solches existiert heute aber jedenfalls nicht mehr. Am flachen Kopfteil plätschert der Brunnen, der offensicht-lich sehr beliebt ist. In einer Kabine gegenüber saßen auch brav zwei Aufpasser, die ich in der Halle allerdings nicht Aufsicht führen sah. Ich mag mich ja täuschen, doch offenbar schoben die beiden hier einen sehr ruhigen Job.
Zwei schmale Treppen führen zur Galerie, wo sich auch die Bade-Umkleiden befinden. Sehr viele Einzel-Umkleiden beidseitig, dazu recht wenige Schränke. Hier hat sich natürlich der Denkmalschutz durchgesetzt. Früher waren die Kabi-nen wohl allerdings abschließbar, heute sind sie nur noch zum Umkleiden geeignet. Weiterhin findet man auf der Gale-rie noch eine in die Jahre gekommene Sonnenbank und ein paar Ruhe-Liegen.
Durch einen Gang geht es - treppab, treppauf - zur „Damenhalle“. Das Becken ist etwas kleiner dimensioniert als in der anderen Halle, ansonsten gleicht sich alles sehr. Ich konnte mich allerdings nicht viel genauer umsehen, da die Halle heute wohl für Damen reserviert war.
Schließlich ist noch das Café zu erwähnen. Jenes befindet sich zwischen den beiden Schwimmhallen wieder eine halbe Etage höher und ist sowohl für Badegäste als auch für externe Besucher in Straßenkleidung zugänglich. Es empfiehlt sich also, einen Bademantel überzuziehen. Zwei ältere Damen führen das Café sehr liebevoll. Es ist im viktorianischen Stil eingerichtet und bietet etwa 30 Personen Platz. Die an einer Wandtafel angeschriebene Speisekarte ist zwar nicht üppig, doch die Gerichte sind als Snack zwischendurch durchaus zu empfehlen. So bekommt man beispielsweise leckere Süppchen oder echt bayerische Weißwurst mit Brezen oder auch kleine Salate. Zu empfehlen sind auch die hausgemachten Kuchen. Getränke gibt es hier aus der Flasche, was vor allem für Coca-Cola-Fans eine wahre Freude ist. Ich fühlte mich hier sehr wohl und kann es nur empfehlen, hier mal reinzuschauen. Dazu muss man ja auch nicht unbedingt schwimmen gehen.
Nach etwa drei Stunden verließ ich das Alte Stadtbad wieder, mit ziemlich gemischten Gefühlen. Zum einen handelt es sich um eines der wenigen noch verbliebenen Jugendstil-Bäder, zum anderen spürt man hier aber nicht die rechte Wohlfühl-Atmosphäre. Von den liebevollen Details aus der Zeit der Erbauung ist leider wenig erhalten geblieben, neue Wellness-Kultur ist kaum spürbar. Das Sauna-Angebot ist eher mäßig, zumal ja nur zwei Schwitzräume zur Verfügung stehen. Auch das Schwimm-Angebot ist eigentlich nicht vorhanden, da es keine 25-m-Bahnen und keine Sprung-Möglichkeit gibt. Das Bad böte sicherlich optimale Voraussetzungen zum Umbau in ein richtiges Wellness-Center, wo-bei man vor allem auf die ehemalige Damen-Halle sowie den jetzt wohl nicht mehr genutzten, ehemaligen Wannenbad-Bereich zugreifen könnte. Die notwendigen Investitionen würden sich mit vielleicht zwei oder drei Millionen Euro in einem überschaubaren Rahmen halten. Natürlich müssten dadurch die Eintrittspreise steigen, doch die momentan notwendigen jährlichen Betriebskosten-Zuschüsse ließen sich mit Sicherheit verringern, da ein echtes Wellness-Angebot wesentlich mehr Gäste anziehen würde. Eine Verdopplung der Gesamt-Besucherzahl ist sicherlich recht kurzfristig machbar, wobei man mindestens so viele Sauna-Gäste anziehen könnte, wie man heute insgesamt an Besuchern verbuchen kann. Es ist jedoch leider sehr wahrscheinlich, dass die Stadt mittelfristig wohl eher die Schließung des Bades anstrebt, da ein privater Betreiber ohne Zuschüsse nicht zu finden sein wird. Das wird die Freunde historischer Bäder bestimmt sehr betrüben, aber wohl kaum noch abzuwenden sein.
Empfehlen kann man das Bad in seiner jetzigen Form natürlich für Architektur-Liebhaber, mit Einschränkungen auch für Wellness-Gäste. Leider (noch) nicht empfehlenswert ist es für anspruchsvollere Saunagänger, Sport-Schwimmer, Kinder und (wegen der vielen Treppen) für Behinderte.

© by wellSPAss / familand, DE-27624 Bad Bederkesa
...
Wir freuen uns über Ihre Meinung: >>info@familand.de<<

© 1994 - 2012 ff. by familand Freizeitführer / wellSPAss Freizeit-Unternehmensberatung. Jegliche Art der Vervielfältigung bedarf der vorherigen, schriftlichen Erlaubnis der Geschäftsleitung von www.familand.de! KOPIEREN VERBOTEN! Sämtliche Urheberrechts-Verletzungen kommen zur Anzeige und werden juristisch verfolgt !!!

Google-Analytics